Interview mit MONO INC. Frontmann, Produzent und Komponist Martin Engler zu „THE BOOK OF FIRE“

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Am 24ten Januar erscheint das von vielen Fans lange ersehnte neue Album „The Book of Fire“. Was es dazu zu wissen gilt erfahrt im Interview mit MONO INC. Frontmann, Produzent und Komponist Martin Engler

Frage 1: „The Book Of Fire“ ist nach Eurer letzten Veröffentlichung (Welcome To Hell) wieder ein Konzeptalbum geworden. Worum geht es?

Martin: Nachdem das letzte Album im Jahre 1712 zu Zeiten der Pest in Hamburg spielte, geht es nun noch einmal 200 Jahre weiter zurück in die Vergangenheit: in die dunkle Zeit der heiligen Inquisition. Wir erzählen hier die Geschichte der jungen Heilerin Aellin, die aufgrund Ihrer Heilungsmethoden, die man heutzutage wohl als alternative Medizin bezeichnen würde, von ihren eigentlich dankbaren Patienten, aus purer Angst vor den Methoden der Inquisition, als Hexe denunziert und schließlich zum Tode auf dem Scheiterhaufen verurteilt wird.

Frage 2: Wann wurden die Songs dazu geschrieben und wo habt Ihr dieses Mal aufgenommen?

Martin: Mit den Arbeiten an dem Konzept der Geschichte, habe ich bereits im Spätsommer 2018 begonnen. Als das Gerüst stand, ging es im Oktober 2018 ans Komponieren. Das Songwriting hat in etwa 4 Monate in Anspruch genommen. Recorded wurde schließlich von April bis Juli in Berlin, Hamburg, der Schweiz, Thailand und auf Mallorca.

Frage 3: Das klingt teilweise nach ungewöhnlichen Aufnahmeorten. Was ist der Hintergrund?

Martin: Du sprichst sicher auf Thailand und Mallorca an…. Der Hintergrund ist simpel: auf Mallorca hat mein Freund Rico Horber ein kleines, aber sehr feines Studio mitten im Inland. Mit Tageslicht, frischer Luft und fernab vom Tourismus. Dort herrscht absolute Ruhe! Ich liebe es einfach, wenn wir in den Pausen einen Cortado im kleinen Café um die Ecke trinken gehen können, ohne dass es irgendjemanden juckt, dass ich Martin von MONO INC. bin. Das Studio auf Koh Samui in Thailand war dagegen einfach nur ein bemerkenswerter Zufall: Dave Donald, eine Legende der Studiotechnik aus den USA, hat vor wenigen Jahren seinen Wohnsitzt von Michigan nach Koh Samui verlegt und dort ein Studio bauen lassen. Weil Dave und ich uns aus gemeinsamen Zeiten in Los Angeles kannten und er wusste, dass Thailand auch mein zweites Zuhause ist, bot er uns an, sein Studio für die Gesangsaufnahmen zu nutzen. Natürlich war es teilweise ein bisschen skurril, zum Beispiel beim Singen über Foltermethoden des Mittelalters auf eine Bucht mit Kokospalmen und weißem Strand zu schauen, aber Dave hat uns noch einmal mehr aus uns herausholen lassen. Er ist ein großartiger Vocal-Producer.

Frage 4: Der Titelsong des Albums und nebenbei auch zweite Single Auskopplung daraus, „The Book Of Fire“, ist deutlich über sieben Minuten lang. Ist das für eine Single nicht viel zu lang?

Martin: Zunächst war mir das beim Schreiben und in der Produktion ganz egal. Ich fand, dass der Track diese Länge brauchte, um komplett erzählt zu werden. Außerdem wusste ich da ja auch noch nicht, dass der Track eine Single werden würde! Aber dann fiel die Entscheidung im Kreise der Band und dann kamen sie natürlich doch noch, die Erbsenzähler von der Plattenfirma: „Muss das so lang sein?“. „Ein Singlehit darf doch nicht über 4 Minuten sein!“. “Der Videoclip wird ja dann viel zu teuer…“. Viel Geheule also, aber glücklicherweise hat unser Label, mit dem wir übrigens sehr zufrieden sind, keinen Einfluss auf den Inhalt eines Albums oder musikalisches Mitspracherecht. Künstlerische Entscheidungen liegen allein bei der Band. Und somit sind auf dem neuen Album ja gleich mehrere Werke, die deutliche Überlänge haben. Aber das ist doch geil für die Fans, denke ich. Ein Album mit mehr als 60 Minuten Spielzeit habe zumindest ich auch immer lieber gekauft als eines mit 35 Minuten und acht Songs! Völlig in den Wahnsinn getrieben haben wir unsere Plattenfirma dann später mit der Info, dass wir neben dem Album auch noch ein Buch über die komplette Geschichte hinter dem Album geschrieben haben – und das auch noch gleich als Hörbuch mit über 90 Minuten Spielzeit produziert haben. Da hatten die Schweißperlen auf der Stirn 😊 Aber Not macht erfinderisch! So gibt es zum ersten Mal in der Bandgeschichte ein sogenanntes Earbook, welches nicht nur die Standard CD und DVD enthält, sondern auch noch das Buch in geschriebener Form und 2 weitere CDs mit dem Hörbuch.

Frage 5: Auch wenn das Album in den finsteren Zeiten der Inquisition spielt, gibt es deutliche Parallelen zur Gegenwart. War das beabsichtigt?

Martin: Es gibt immer einen tieferen Sinn hinter unseren Alben und Texten. Aber wir schreien das eigentlich nicht frontal heraus. Schließlich sind wir als Band in erster Linie dazu da, um unsere Fans mit guter Musik zu unterhalten, nicht um sie zu erziehen oder zu belehren. Das steht uns nicht zu! Wir wollen auch nicht als politische Band gelten und ich selbst hatte auch schon immer eine Ablehnung gegen den erhobenen Zeigefinger. Die Leute sollen zuallererst die Songs genießen. Die Message ist dann für diejenigen, die gerne tiefer graben als andere. Ein Album ohne eine Message und ein klares Bekenntnis möchte und kann ich allerdings auch nicht mehr machen. Ich bin 47 Jahre alt und habe wirklich zu viel gesehen und erlebt, um belanglose Lyrics über Herzschmerz und Blumenwiesen zu schreiben. Das wäre nicht ich und Authentizität halte ich für das größte Gut im Leben und Werk eines Künstlers.

Frage 6: Der vierte Track des Albums „Shining Light“, mit Tilo Wolff von Lacrimosa als Gastsänger, ist als einziger Song des neuen Werkes nicht aus Deiner Feder, sondern eine englische Version des Hits „Lichtgestalt“ von Lacrimosa. Erzähle uns was zu dieser ungewöhnlichen Idee.

Martin: Der Song war Inspiration für das sechste Kapitel des Buches hinter dem Album, also war es klar, dass er auch aufs Album muss. Allerdings mag ich es bei Konzeptalben nicht, wenn zwischen Sprachen hin- und hergesprungen wird. Das Buch ist auf Deutsch geschrieben, aber die Albumtexte sind in Englisch. Also habe ich von Tilo die Freigabe für eine englische Version erbeten und umgehend erhalten. Und wenn man schon einen Titel von einem der Urväter und Mitbegründer der Szene auf dem Album hat – und obendrein noch befreundet ist – dann macht man das natürlich zusammen, in einer echten Kooperation. Das hat ja bei Children Of The Dark auch schon einmal viel Spaß gemacht und ist bei den Fans sehr gut angekommen. Mehr als 10 Millionen Downloads des Songs können da nicht lügen! Außerdem freuen wir uns wirklich, dass wir uns über solche Umwege häufiger sehen. Schließlich wohnt Tilo in der Schweiz und damit nicht gerade bei mir um die Ecke – und nebenbei sind wir dann ja auch noch viel mit unseren Bands unterwegs.

Frage 7: Apropos CHILDREN OF THE DARK! Eure „The Book of Fire“-Tour beginnt in am 6. März in Münster und endet mit einer besonderen Überraschung am 4. April in der Hamburger Sporthalle: die Children Of The Dark in Originalbesetzung (Joachim Witt, Tilo Wolff und Chris Harms) als Gäste während der Show! War das von langer Hand geplant? Wann habt Ihr vier Euch das letzte Mal getroffen?

Martin: Das ist noch gar nicht lange her – auf dem M’era Luna 2019! Aber wir haben auch sonst relativ viel Kontakt untereinander. Mit Tilo haben wir ja gerade erst den Song „Shining Light“ für das neue Album aufgenommen. Chris Harms hat am Mastering der letzten drei Alben und auch der neuen Scheibe mitgewirkt – und Joachim Witt hat zum Beispiel die Rolle des Richters im Videoclip zu unserer ersten Single aus dem neuen Album, „LOUDER THAN HELL“, übernommen. Das sind alles Aktionen, die nicht über finanzielle Anreize laufen, sondern nur aus gegenseitiger Sympathie, gegenseitigem Respekt – und alter Freundschaft. Die Idee, die Children Of The Dark irgendwann komplett auf die Bühne zu bekommen, ist ja nun nicht neu. Das hatten wir vier tatsächlich von Anfang an geplant. Nur ist das terminlich eben bisher immer gescheitert, weil einer der 4 Acts immer irgendwo anders auf der Welt zeitgleich auf irgendeiner Bühne stand. Und da wir CHILDREN OF THE DARK ein verschworener Haufen sind, haben wir auf den Zeitpunkt gewartet, an dem wirklich ALLE dabei sein können. Eine Version mit nur dreien von uns oder womöglich einem Ersatz wäre einfach nicht in Frage gekommen, denn dafür ist die Nummer mittlerweile einfach zu kultig. Originalbesetzung oder gar nicht, so war das Motto. Und nun ist es am 4. April 2020 endlich so weit. Ich freue mich sehr darauf – und die Kollegen ebenso.

Frage 8: Es gibt noch eine weitere Kooperation. Ein Feature der Mittelalter-Band Tanzwut. Wie kam es dazu?
Martin: Um die Stimmung des Songs „Right For The Devil“ einzufangen, brauchte es einfach dringend Dudelsäcke und eine männliche Reibeisen-Stimme, die auf Latein die Zeile „wir sehen uns in der Hölle“ singt. Alles Dinge, die wir selber nicht bedienen können. Also waren wir auch hier auf Hilfe aus dem Freundeskreis angewiesen. Also habe ich dem Teufel (Sänger von Tanzwut) eine WhatsApp- Message geschrieben: „Habe da eine geile Nummer, bräuchte aber dafür Eure Sackpfeifen und Deine Stimme. Seid Ihr dabei?“. 30 Sekunden später hatte ich die Antwort: „klar, sind dabei. Wann wollen wir es aufnehmen?“. So einfach und schnell laufen die Dinge manchmal! Das Schöne ist, dass sich damit abseits des Albums ein kleiner Kreis schließt: schließlich haben wir im Jahre 2004 mit MONO INC. unsere erste Tournee als Vorgruppe gespielt. Als Support von: genau, Tanzwut! Seither ist der Kontakt nie abgerissen, weil man sich ja auch auf den Festivals immer über den Weg läuft. Auch eine LIVE-Umsetzung des Titels mit beiden Bands ist eigentlich schon fest beschlossen. Vielleicht klappt es ja schon im März bei der Show in der Columbiahalle in Berlin. Falls nicht dort, dann sicherlich irgendwann auf einer der Festival Bühnen in den nächsten Jahren.
Copyright: M2


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The Book of Fire/Earbook
  • Audio-CD – Hörbuch
  • Zielgruppen-Bewertung: Freigegeben ab 12 Jahren
  • 20.01.2020 (Veröffentlichungsdatum) - Nocut (Spv) (Herausgeber)

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Chris Strieder
Chris Strieder ist Baujahr 1970... Seit 1983 totaler Musikfreak und Kenner in den Bereichen Hardrock / Heavy Metal / Bluesrock und Progrock. Gut vernetzt in Musikerkreisen, da er auch selber als Gitarrist unterwegs ist (z.B in der regional sehr bekannten Coverrockband „Sevencent“)... Ist ständig am Puls der Zeit und verfolgt die internationale Rockszene und Strömungen in der Musikwelt in jeder freien Minute....

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