Track by Track mit Ralf Hubert von MEKONG DELTA

Die Progressiv Metaller von MEKONG DELTA können auf eine sehr lange Bandgeschichte zurückblicken. 1988 erschuf die Band mit dem Album „The Music of Erich Zann“ einen echten Meilenstein des Prog-Metals. Band Kopf Ralf Hubert hat nach längerer Pause die Band wieder am Start und mit „Tales of a Future Past“ erscheint Ende April das neue Studio Album. Die Trademarks aus Thrash Metal, Progressive Metal und klassischer Musik wurden beibehalten und noch weiter verfeinert.. Was uns Ralf Hubert zu dem Album berichten konnte lest ihr nun in unseren exklusiven Track by Track.

Ralf Hubert:
Tja, wie beschreibt man ein Album, das man selbst komponiert hat, in seinen eigenen Worten ? Damit habe ich mich dann doch deutlich schwerer getan als erwartet. Schreibt man über die Lyrics ? Über die Musik ? Über formale Aspekte ? Fangen wir mal ganz locker mit dem letzten an. Jeder, der die Titel des Albums liest, wird feststellen, dass es vier Stücke gibt, die mit “Landscape“ beginnen. Allen gemein ist, dass es sich um Instrumentaltitel handelt. Die Songs erfüllen aber noch eine andere Funktion. Durch die Titel wird das Album in 3 Segmente unterteilt, in denen jeweils Kompositionen mit ähnlichem Charakter oder Stil enthalten sind. Die “Landscape(s)“ verbinden die anderen Titel miteinander, oder leiten diese ein – wie

1. Landscape 1 – Into the Void
Da es diesmal nicht die so häufig verwendete Konzertgitarre am Anfang des Albums sein sollte, hab ich mir recht lange überlegt, was den als “Intro“ passen würde, oder ob dies ganz wegfallen sollte. Dabei erinnerte ich mich einer Melodie, welche von mir bei der “In A Mirror Darkly“ notiert, aber nicht verwendet wurde, passte dort nicht. Da eine Orchestrierung für ein Vorspiel zu mächtig gewesen wäre, die Melodie aber auch nicht im leeren Raum stehen sollte, kam mir die Idee, eine filmähnliche Klangcollage zu erstellen. Also mal alle Libraries in den Computer geschmissen, 3 Tage experimentiert, die Melodie harmonisch angepasst, drübergelegt und wirken lassen. Gefiel und passte sowohl von der Tonalität als auch von der Stimmung hervorragend als Einleitung zu :

2. Mental Entropy
Der Opener des Albums. Ein unisono gespieltes, rhytmisches komplexes Startthema, das an enigen Stellen durch ein rhythmisches Akkord Kontrariff aufgebrochen wird, leitet zu dem eigentlichen Hauptthema. Eine chromatische Abwärtsbewegung mit einem Einzelton als Gegenpol, wodurch bei jeder Wiederholung ein grossteil der Tonarten durchschritten wird. Als das endgültige Tempo festgelegt wurde ( wird final immer erst nach anhören mit den Drums festgesetzt ) sind Peter und ich auf einmal ganz schön ins schleudern gekommen. Meine Herren war das heftig zu spielen, da ist mir so mancher Fluch von wegen “ wie kannst du Idiot so etwas schreiben “ über die Lippen gekommen, Schwierigkeitsgrad des Themas vollkommen unterschätzt. Als Belohnung durfte ich das dann auch noch eine Woche spielen, bis es im Kasten war, grrr. Über einige Modulationen des Themas gelangen wir zu dem Akkord getragen Chorus, auf den Martin eine exzellente Vocal line gelegt hat. Peter glänzt bei dem Song im Mittelteil auch noch mit einem phantastischen Solo, habe schon lange nicht mehr erlebt, dass man so coole Sachen auf diesen Harmonien spielen kann.

3. A Colony of Liar Men
Die musikalische Grundidee zu „Liar Men“ entstand bei Arpeggio Experimenten auf dem Bass. Warum nicht mal einen Groove probieren, der ohne Drums von Bass und einem polyrhytmischen backing Chor getragen wird ? Gesagt, getan. Martin hatte sofort noch eine sehr gute Idee für die Leadvocals und die Skizze des Themas hat uns beide sofort gefangen, speziell die Modulation beim 2ten auftreten des Motivs. Das kontrastiernde Gruppenthema hatte ich bereits zur Hand, wodurch der Song schnell Gestalt annahm. Der Rest war dann das üblich Zeitintensive ausarbeiten.

4. Landscape 2 – Waste Land
Im Gegensatz zu den anderen “Landscape“ Nummern, haben 2 und 3 noch einen anderen Hintergrund, beide Titel sind im eigentlich klassischen Sinn Vorstudien zu Joseph Konrads Novelle “Herz der Finsternis“, die ich seid Jahren versuche tonal umzusetzen, was mich regelmässig nicht weiter aber an den Rand des Wahnsinns bringt. In “Waste Land“ wird eine vertiefte Verschmelzung der Gruppe, speziell der e Gitarre, mit dem Orchester versucht. Der Kontrast des Stückes wird durch ein eher ostinates Startthema mit einem später folgendem, durch ein mauretanisches Melodie Element geprägtes Thema aufgebaut. Beides gipfelt in einem Walzer Mittelteil, der Versatzstücke beider Themen beinhaltet. Ein weiteres Experiment im Verlaufe des Stückes ist es, Konzertgitarre und e Gitarre bei gleichen Melodien vom Klang her zu verschmelzen.

5. Mindeater und 6. The Hollow Men
Beide Songs sind in dem klassischen Mekong Delta Thrash Stil der Alben “1st“, “E. Zann“ oder “P.O.D“ komponiert, allerdings mit den heutigen technischen Möglichkeiten. Klar, die klingen natürlich schon anders, alleine durch Martins Vocals, aber nach meiner Überzeugung wäre der Sound wohl so gewesen. Peter glänzt bei beiden Titeln mit wirklich überrragenden Solos und die von Martin teilweise mehrstimmig angelegtenVocals runden die Titel klasse ab. Normalerweise bin ich nicht so gestrickt, aber beim mischen dieser beiden Titel ging mir immer wieder der Gedanke “… wenn wir damals nur diese Möglichkeiten gehabt hätten …“ durch den Kopf.

7. Landscape 3 – Inharent
Im Kontrast zu “Landscape 2“ wird hier komplett auf ein Orchester verzichtet, da die Grundidee war, die Gruppe alle Stimmen eines Orchestersatzes spielen zu lassen. So übernimmt die Gitarre auch Violinpassagen oder Hörner, Bass die tiefen Streicher oder Bläser, was speziell bei Akkordmelodien zu interessanten Sounds führt. Da die Instrumente natürlich auch noch ihre metalüblichen Funktionen übernehmen und die Grundthemen ziemlich heftig sind, hat der ganze Song einen sehr interessanten Soundcharakter bekommen.

8. When all Hope is Gone
…. ist mit seinen 10 Minuten der Produktionstechnisch aufwendigste Titel des gesamten Albums. Um die verschiedenen emotionalen Zustände und Spannungen musikalisch umzusetzen, wurde richtig in die vollen gegriffen. Grosses Orchester, komplette Orchesterpercussion, Chor und Gruppe, was auch der Grund für einen neuen ( persönlichen ) Rekord bei den benötigten Spuren war. Bei einigen Tutti Passagen wurden über 200 benötigt, vor 10 – 20 Jahren noch undenkbar. Hier musikalisch auf Einzelthemen einzugehen, würde den Rahmen sprengen. Stattdessen möchte ich auf die wirklich klassen Lyrics von Martin hinweisen. Der Text ist eine Parabel, in der erzählt wird, wie ein Planet sein Ende findet, da er in ein schwarzes Loch stürzt / gezogen wird. Seine Einzigartigkeit und trotzdem Bedeutungslosigkeit angesichts von Trillionen an weiteren Planeten im Universum wird ebenso thematisiert. Und nun ersetz Planet einfach durch Mensch ……

9. A Farewell to Eternity
Ein Song, der nur von akustischen Saiteninstrumenten und Gesang getragen wird. Wollte ich schon immer einmal ausprobieren, ist aber auch ein grosses Wagnis, da viele Sänger das Problem haben, so etwas nicht füllen zu können. Bei Martin war mir von Anfang an klar, das dies kein Problem darstellen würde. Nach einem kleinen Wechselspiel zwischen Stahl und Nylon Gitarre, beginnt bereits das Hauptthema, gepielt von einer Mandoline, das von akustischen Gitarren ebenso übernommen wird. Die von Martin darüber gelegte Vocal line hat meine Erwartungen mehr als erfüllt. Der Chorus wird noch durch mehrstimmige backing vocals erweitert und durch eigenständige Melodien auf Bass und e Gitarre erweitert. Die Nummer hätte vermutlich auch gut in die 70er prog Schiene gepasst, wo Songs dieser Art häufiger zu hören waren.

10. Landscape 4 – Pleasant Ground
Ein Stück in der alten Mekong Tradition von Klassikadapionen, dieses mal kein russischer Komponist, sondern der von mir gerne gespielte Komponist Isaac Albeniz aus Spanien. Auserkoren hatte ich den Titel Sevilla aus seiner “Suite Espanol“, zumal ich den auf der Konzertgitarre schon seid meiner Jugend spiele. Im Gegensatz zu der sonst eher düsteren Grundstimmung des Albums, sollte am Ende etwas doch mehr lebensbejahendes stehen. Während bei früheren Transkriptionen ( “The Hut of Baba Yaga“, “Night on a bare Mountain“ etc. ) häufig Änderungen an den Originalen vorgenommen wurden, ist dieser Titel, bis auf die Instrumentierung, weitestgehend werktreu, weshalb im Mittelteil auch keine Drums vorhanden sind. Diesen Part nur mit Gitarren und Bass umzusetzen war zwar relativ schwierig, aber das Resultat finde ich persönlich sehr gelungen, da dieser Part einen starken Kontrast zu dem mit der gesamten Gruppe vorher und nachher gespielten Hauptthema bilden musste.


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