Samstag, 08.06.2019, 16 Uhr. Zunächst ein einziger Feuerball am wolkenlosen Himmel über München. Dies sollte sich nur wenige Stunden später drastisch ändern, denn tausende Menschen tummelten sich im Olympiapark mit nur einem Ziel. Feiern, was sie lieben: RAMMSTEIN. Und was kommt bekanntlich beim Klang dieses Namens sofort ins Gedächtnis? Richtig, die Sonne und eine eindrucksvolle Pyroshow. Schon mit Kartenvorverkauf für die Stadiontour, dem nach 10 Jahren langersehnten Album, und Video zur ersten Singleauskopplung „Deutschland“ hatten die Meister der Provokation es wieder geschafft die Medien & Gemüter auf sich zu ziehen. Umso überraschter war ich, am besagten Samstag im Olympiastadion München eine breitgefächerte Mischung Leute anzutreffen. Ob jung oder alt, ob mit Rockerkutte oder mit geblümten Kleid. Alle trafen sich friedvoll um 16 Uhr am Merchandise-Truck und tauschten sich über schon besuchte Konzerttermine aus. Die überaus freundliche Security führte die 2 Stunden Wartezeitschlange um den Olympiasee und letztendlich zum Einlass. Auch hier keine Probleme und nur gutgelaunte, friedliche Leute. Nun hatte ich noch das Glück einen der begehrten Merchandising Plastikbecher (Logo / Bild der Band) zu ergattern und begab mich zu meinem Stadionsitzplatz. Die Sicht war für die Gegebenheiten (Videoleinwände ausgeschaltet) ausgezeichnet, die Stimmung ausgelassen und doch hätte an dieser Stelle eine anheizende Vorband gut getan. Stattdessen bekamen wir mit Duo Jatekok sanfte Klavierklänge präsentiert. Leider hatten es die beiden jungen Frauen mit ihrer Darbietung bekannter Rammstein Songs schwer die Aufmerksamkeit der Besucher zu erlangen. So manch bayerischen Grantler hörte man „Was is jetzt des für a Schmoarrn? Des is ja ned zum mitsinga“. Punkt 20:30 Uhr dann der erlösende Sound von Rammstein Drummer Christoph Schneider. Mit „Was ich liebe“ begrüßte Rammstein die Menge und nahm die Fahrt des Abends auf. Zu „Links 2-3-4“ hüllte sich das Olympiastadion in rot-schwarze Banner, „Zeig dich“ lies die Menge erstaunen über den satten Klang und zu „Puppe“ schaukelte Till Lindemann einen überdimensionalen Kinderwagen mit Pyrobaby über die Bühne. Anfängliche Tonprobleme schienen ab dem achten Song „Heirate mich“ vollständig überwunden. Mit „Diamant“ gönnte Till uns eine kleine Verschnaufpause. Stellte er doch recht trocken fest es wäre nur ein Stein gewesen was ihn so in seinen Bann gezogen hatte, um uns dann zu Richard Kruspes elektronischer Interpretation des Songs „Deutschland“ mittanzen zu lassen. Was eine Rammsteinshow ausmacht bekam man eindrucksvoll zum Song „Sonne“ zu spüren. Riesige Feuerfontänen, 70.000 mitsingende Kehlen, kein Sitzplatz mehr belegt. Spätestens jetzt ging jedem Konzertbesucher das Herz auf. Hatten die Jungs anscheinend doch nicht vergessen wegen welchem Sound ihre Fans sie so vergötterten, und gönnten uns auch viele ältere Songs live erleben zu können. Mit inzwischen eingebrochener Dunkelheit wurden wir aufgefordert Handylichter als Engel gen Himmel zu senden. Währenddessen wechselten die Jungs über die Katakomben auf eine kleinere Bühnen im vorderen Drittel der Arena. Zusammen mit Duo Jatekok und dem Chor der 70.000 erklangen nun „Engel“ und „Ohne Dich“. Mithilfe Schlauchbooten (getragen von Arenabesuchern) und zu leisen Klavierklängen von „Seemann“ gelangen die Jungs wieder auf die Hauptbühne zurück. Nach „Ausländer“ als letzten neuen Song bekamen wir noch vier echte Klassiker zum fast schon in Erinnerungen schwelgen. Zum Schluss beantworteten wir Tills Fragen „Könnt ihr mich hören? Könnt ihr mich sehen?“ mit lautem grölen, um die Jungs zum Abschied gen Himmel fahren zu lassen. Für mich hat sich mit diesem Abend definitiv mein Kindheitstraum erfüllt. Die Mischung aus alten, härteren und neuen, tanzmusikartigen Songs bat meiner Meinung nach sowohl für Erstbesucher als auch alte Rammstein Konzert-Hasen eine Show die seinesgleichen sucht. Bitte Jungs, lasst uns nicht wieder 10 Jahre warten und gönnt uns eventuell wenigstens eine Videoleinwand um auch eure persönliche Show auf der Bühne als entfernterer Zuschauer miterleben zu können. Leider hatten wir für darkstars.de keine Fotoerlaubnis, aber im Netz finden sich tausende Bilder der Show.
Text: Anna Szech

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