Interview mit Wolf Hoffman von ACCEPT

Die Heavy Metal Urgesteine von ACCEPT haben sich für das nächste Jahr viel vorgenommen. Direkt im Januar 2021 wird das neue Album „Too Mean To Die“ (VÖ: 15.01.21) erscheinen und eine große Tournee zu der Scheibe ist auch in Planung. Vorab gibt es am 02.10.20 schon die erste Single „The Undertaker“. Ich hatte die Ehre und konnte vorab schon mal in sechs der neuen Tracks rein hören und kann sagen, dass wenn der Rest des Albums genau so grandios wie das Gehörte wird, steht uns ein richtiger Knaller ins Haus. Am 17ten September weilte Band Kopf und Gitarrist Wolf Hoffmann zu Promotion Zwecken in Ratingen und ich hatte die Gelegenheit ihn dort zu einem Interview zu treffen.

Chris:
Hi Wolf, bei unserem letzten Interview Termin 2019 ging es um eure große Tournee mit Orchester unter dem Motto „Symphonic Terror“, die euch durch ganz Europa führte. Wie siehst du im Nachhinein das Ganze und bist du mit dem Verlauf und der Durchführung der Konzerte zufrieden gewesen?

Wolf:
Hat super Spaß gemacht. War aber auch ganz schön aufwendig von der ganzen Planung und Logistik her. Mit dem Orchester konnten wir einen Sound kreieren, den man ja sonst nicht so auf die Bühne bekommt. Es war eine Riesen Herausforderung. Man musste an viele dinge Denken, zum Beispiel wie leise so ein Orchester im Vergleich zu dem Lärm den wir als Band so verzapfen doch ist. Man musste sich dort anpassen und einfügen. Wir hatten viele Spiel Stätten wie Opernhäuser und historische Hallen, in denen wir ja normalerweise sonst nicht spielen. Das war alles schon sehr aufregend.

Chris:
Ihr seid ja nun mit 3 Gitarristen unterwegs, wie kam es zu dieser Entscheidung und wie setzt ihr die Gitarrenparts um?

Wolf:
Das kam durch die Orchestertournee. Uwe konnte nicht dabei sein und wir hatten für ihn Phil Shouse als Ersatz dabei. Er ist ein Freund unseres Drummers Christopher Williams und auch aus Nashville. Er sprang also ein und das hat super funktioniert. Wir waren ganz begeistert, wie sehr er zu uns passt und welch cooler Typ er ist, der zugleich noch einen super Job auf der Bühne macht. Wir hatten uns also angefreundet auf der Tour und dachten danach das es doch schade wäre, wenn er danach wieder in der Versenkung verschwindet. Wir beschlossen also ihn dabei zu halten und nun können wir live zum Beispiel doppelte Gitarrensolis umsetzen und trotzdem noch ne fette Rhythmus Gitarre darunter zu haben. Wir können nun Parts bringen, die mit 2 Gitarren sonst nicht umsetzbar wären. Das heißt natürlich das wir einiges um arrangieren müssen. Bei ein paar Shows im letzten Jahr haben wir das schon ausprobiert und es super funktioniert. Drei Gitarren bringen verdammt viel Druck.

Chris:
Ich war etwas erstaunt. Es gab ja auch schon Zeiten, wo du als alleiniger Gitarrist agiert hattest.

Wolf:
Ja, wir haben schon die ganze Bandbreite durch. Eine Gitarre, zwei Gitarren, drei Gitarren. Mir persönlich hat das damals in der vierer Besetzung super gefallen, aber ich sehe auch ein das natürlich viele Songs die doppelte Gitarrenpower brauchen und auch visuell ist das natürlich ein anderes Bild.

Chris:
Wie lief die Produktion des neuen Albums in diesen schwierigen Corona Zeiten ab?

Wolf:
Zuerst fing die Produktion Anfang März in Nashville ganz normal wie immer ab, bis auf einmal jeden Tag die Corona Sache immer mehr zum Vorschein kam. Es wurde von Tag zu Tag schlimmer und wir bekamen das Gefühl wir können nun nicht so weiter machen als wäre nichts. Wenn die Grenzen zu gemacht werden wird es kritisch. Alle wollten dann erst mal nach Hause. Unser Produzent Andy Sneap ist dann heim nach England und auch Mark ist zurück nach Hause. Wir haben dann Anfang Juni wieder weitergemacht. Allerdings ist Andy in England geblieben und hat uns von dort quasi in Echtzeit online betreut. Neue Techniken machen so was möglich. Natürlich ist das nicht das Gleiche, als wenn alle in einem Raum sind, aber wir haben das Beste daraus gemacht. Gemischt hat Andy die Platte dann in England und mir die Files zum Abhören geschickt. Der einzig positive Effekt der Corona Sache war das Andy Sneap Zeit hatte.

Chris:
Beim Hören der sechs neuen Tracks fiel mir auf das diese melodischer geraten sind als die Vorgängerwerke und etwas in die Richtung eures Meilensteins „Metal Heart“ gehen. Auch Mark singt melodischer und abwechslungsreicher als in der Vergangenheit. War das so geplant oder ergab es sich einfach?

Wolf:
Interessant, jemand anderes sagte die Songs wären düsterer als frühere. Für mich ist das schwierig zu beurteilen, da alles noch sehr frisch ist. Wir schreiben einfach Songs, die sich bei den Aufnahmen noch entwickelt. Noch fehlt mir das Gespür dafür die neuen Tracks mit älteren Sachen zu vergleichen. Zum Gesang von Mark muss ich sagen, dass er einen super Job gemacht hat. Ich vertrete ja die Philosophie das zu 80% der Gesang das wichtigste an Songs ist. Man kann noch so tolle Riffs und Drum Parts haben, das interessiert keine Sau, wenn einem der Gesang nicht anspricht. It`s all about the Vocals.

Chris:
Hast du die Songs allein komponiert und wie auch schon öfter in der Vergangenheit alle Gitarrenparts allein eingespielt? Welchen Einfluss hatten die anderen Bandmitglieder auf das Album?

Wolf:
Durch den Weggang von Peter Baltes hatte ich diesmal etwas mehr zu tun gehabt. Wir hatten ja in der Vergangenheit immer viel zusammen gemacht. Nun ist er nicht mehr dabei. Ich habe allen gesagt wer Ideen hat, her damit. Ich bin offen für alles. Der einzige der dann wirklich einiges geliefert hat war unser neuer Bassmann Martin Motnik. Er hatte einige Ideen die wirklich nach Accept klangen. Er hat mich echt überrascht. Ich habe viele Gitarrenparts eingespielt, aber nicht alle. Ich wollte etwas mehr Farbe reinbringen und so spielen auch die anderen einige Solo Parts. Die Rhythmus Gitarre habe ich aus praktischen Gründen meist selbst eingespielt, da ich die meisten Riffs ja auch schreibe. Wir haben diesmal echt wert darauf gelegt alle so viel wie möglich mitwirken zu lassen.

Chris:
Es wird ja die erste Platte ohne euren ehemaligen Bassisten und Mitkomponist Peter Baltes sein. Fühlte sich das für dich nicht etwas seltsam an?

Wolf:
Klar, nach 40 Jahren vermisse ich ihn schon. Allerdings frage ich mich welchen Peter ich vermisse. Er hat sich im Laufe der Jahre doch ganz schön geändert. Den Peter von 1985 und den Peter von 2010 vermisse ich total, den von vor zwei, drei Jahren nicht. Man konnte da schon merken, das mit ihm irgendwas los war. Er hatte nicht mehr den Drive oder Bock. Was wirklich bei ihm los war weiß ich ehrlich gesagt nicht. Einfach nur Schade. Aber was will man machen. Das Schiff muss weiterfahren und nach vorn gelenkt werden. Ich habe eine gewisse Verantwortung den anderen Band Mitgliedern und den Fans gegenüber und will das es weitergeht. Mir wird zwar immer viel angekreidet, aber ich bin doch der Einzige, der nie ausgestiegen ist, es ist doch nicht meine Schuld.

Chris:
Wie hart trifft die augenblickliche Corona Krise eine Band wie ACCEPT? Ihr hattet ja eigentlich für dieses Jahr einiges an Konzerten und Festivals anstehen.

Wolf:
Sehr hart, es trifft uns ins Mark. Wie man ja weiß lebt man heutzutage ja hauptsächlich von Live Auftritten. Die Gagen natürlich, das Merchandising sind die Haupt Einnahmequellen. Platten sind leider schon eher zweitrangig geworden. Finanziell ist es hart und wir hatten ja plötzlich gar keine Lebensgrundlage mehr. Als Musiker will man nur spielen. Live spielen ist das a und o von allem. Unsere geplante Tour zum Album ist erst mal verschoben. 2020 ist ja praktisch gelaufen und die Festivals sind alle auf nächstes Jahr gelegt. Unsere Headliner Tour wird wohl erst 2022 was werden. Ich weiß im Augenblick gar nicht was ich davon halten soll das wir Anfang Januar ein Album rausbringen aber keine direkte Tour dazu anbieten können. Verschieben wollten wir die Veröffentlichung nicht, wer weiß was passiert. Wir bringen es im Januar raus und schauen dann.

Chris:
Hast du schon ein Gefühl welche der neuen Songs ins Live Set passen könnten?

Wolf:
Das ergibt sich jetzt so langsam durch die Reaktionen. Wir haben die Songs jetzt so oft intensiv gehört bei den Aufnahmen das man noch keine Objektivität hat. Durch die ersten Interviews und Feedback der Vorabtracks zeichnen sich schon Trends ab. Klar habe ich ein persönliches Gefühl welche Songs zünden werden. „Overnight Sensation“ ist sicher ein Kandidat, der ankommen wird. Man muss es ausprobieren. Am 02. Oktober kommt erst mal ein tolles Video zum Song „The Undertaker“

Chris:
Wie kam es zu dem Titel des Albums „Too Mean to Die“?

Wolf:
Wir hatten erst überlegt ob wir was mit Bezug zu Corona machen. Von wegen das wir nun alle zusammenhalten müssen und wir sind doch alle Brüder. Wir schaffen das, Leute. Aber dann haben wir uns gesagt, das will doch kein Mensch hören. „Too Mean to Die“ ist im Grunde die lockere Übersetzung von „Unkraut vergeht nicht“. Zu Böse, um zu sterben. Einen besseren Titel gibt es nicht. Zum Glück gab es den noch nicht als einen Album Titel. Das Artwork darf ich noch nicht verraten, aber es ist großartig geworden. Die Vinyl Version wird übrigens etwas ganz Besonderes mit einem Pop-Up Klapp Cover. Die Fans werden es lieben.

Chris:
Vielen Dank für deine Zeit und viel Erfolg im nächsten Jahr mit „Too Mean To Die“. Hast du noch ein paar letzte Worte an unsere Leser?

Wolf:
Bleibt sauber und bleibt am Leben, damit ihr im nächsten Jahr die Platte kaufen könnt. Spaß beiseite. Ich danke allen Fans und wünsche allen viel Spaß mit dem Album.

Wolf Hoffmann mit Redakteur Chris Strieder am 17.09.20 in Ratingen/ Düsseldorf

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