Interview mit Victor Smolski (Almanac)

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Gitarrist, Produzent, Komponist, Lehrer, Gitarrenverstärker Designer, Autorennfahrer und Autor Victor Smolski ist einer der erfolgreichsten und fleißigsten Musiker unserer Zeit. In Fachkreisen zählt er zu den besten Rockgitarristen der Welt. Mit seiner ehemaligen Band „Rage“ veröffentlichte er zahlreiche Heavy Metal Klassiker Alben. Seit 2016 gilt sein Hauptaugenmerk allerdings seinem eigenen Projekt „Almanac“. Nach 2 erfolgreichen Alben steht auch für 2019 wieder einiges bei dem immer rastlosen Multitalent an. Was uns Victor Smolski dazu erzählen konnte lest ihr nur in unserem Interview vom 19.12.2018

Chris:
Wie siehst du rückwirkend das Jahr 2018 für „Almanac“?

Victor:
Das Jahr, speziell die Sommerfestivals waren super. Wir haben teilweise in riesigen Stadien gespielt. Besonders das Festival in Korea war einmalig. Wir haben dort Aufnahmen für eine DVD gemacht, diese werden später bestimmt als Bonus für die kommende CD verwenden. Ein Highlight war auch das „Werner-Das Rennen“ Festival. Dort konnte ich zwei meiner Lieblingsbeschäftigungen nachgehen. 4 Tage habe ich dort Autorennen gefahren mit meinem Rennteam und der Festival Sonntag war dann unser Konzert. Das Rennen in meiner Klasse habe ich sogar gewonnen, es war eine richtig geile Party. Das Publikum war dort viel gemischter als zum Beispiel in „Wacken“. Das „Werner Festival“ hatte einen coolen Party Aspekt und es war super organisiert.

Chris:
Was sind Eure Pläne für 2019?

Victor:
Zuerst gehen wir Anfang des Jahres nochmal auf Headliner Tour zum „Kingslayer“ Album. Als Headliner hat man einfach mehr Zeit, wir können mehr Songs spielen. Es wird eine ganz spezielle Setlist geben. Wir werden nicht nur Songs der beiden „Almanac“ Scheiben spielen sondern auch jede Menge Songs aus meiner Vergangenheit mit „Rage“ oder „Mind Odyssey“ zum Beispiel. Eine Art „Best of“ Victor Smolski Set. Viele Fans haben mich auf die alten Songs angesprochen und möchten diese auch live wieder hören. Also machen wir das. Danach geht es im Sommer ohne Druck und ganz entspannt ins Studio für die neue CD. Weiterhin sind wir bei „Nuclear Blast Records“ unter Vertrag, die Zusammenarbeit funktioniert einfach super.

Chris:
Bei „Almanac“ gab es schon einige Besetzungswechsel, warum ist es so schwer eine Band beisammen zu halten?

Victor:
Ich sehe das eher locker, es muss einfach funktionieren. Ich mache mir keinen Stress. Ich bin in meinem Leben so viel getourt, 30 Jahre unterwegs. Ich habe in dieser Zeit unglaublich lange Tourneen gespielt. Mit meiner russischen Band war ich damals einmal neun Monate am Stück unterwegs. Irgendwann möchte man das entspannter angehen und ich möchte nicht mehr zu lange weg von daheim und mich auch viel mit meinem Sohn beschäftigen. Ich möchte Spaß im Leben haben und nur das machen was mir gefällt. Wir leben halt von und für die Musik. Für mach andere Musiker gibt es halt auch andere Prioritäten, sei es zeitlich oder finanziell. Manche möchten halt mit Coverbands Geld verdienen oder machen normale Jobs. Unser alter Sänger Andy Frank hat einen Bürojob und da war es schwierig Tourneen oder so zu planen. Es ist schwierig abhängig von der Zeit des einen oder anderen zu sein und die Band muss warten. Teilweise gibt es für manche auch den Geld Aspekt, mit wenig proben und komponieren. Ich lege sehr viel Wert auf Qualität und auch den Spaßaspekt. Angebote nicht nur von der Geldseite sehen und das Ganze zu handhaben wie einen langweiligen Job ist nicht mein Ding. Für mich ist das nicht nur ein Job, sondern mein Leben. Wenn jemand viel Geld verdienen möchte dann ist Musik nicht unbedingt der richtige Weg. Alle Musiker bei „Almanac“ waren Top Musiker, aber ich probiere auch gerne viel aus und feile und probe an Dingen. Es gab aber nie Stress oder Streit und so hat man halt für die Band das beste gesucht. Mit dem aktuellen Lineup bin ich sehr glücklich, die letzten Konzerte waren Hammer. Es stimmte einfach alles nun.

Chris:
Ist es für Musiker heutzutage schwerer geworden?

Victor:
Es ist sehr schwierig geworden, besonders für Newcomer die noch keine Fanbase haben. Ich unterrichte sehr viel an Musikakademien oder gebe Workshops. Dort werde ich oft gefragt nach dem Motto „Ich möchte auch Berufsmusiker sein und so viel reisen und spielen wie du. Gib mir bitte Tipps“. Und dann sage ich den Leuten halt wie schwer es ist, ich möchte sie ja nicht verarschen. Ich bin selber traurig das ich das so ehrlich sagen muss. Ich selber habe hatte bisher mit der Musik ein traumhaftes Leben und musste nie Kompromisse machen, konnte immer das machen was ich wollte und wie ich es wollte. Aber es ist heutzutage sehr schwer geworden. Junge Bands kriegen kaum noch Support. Der Beruf des Musikers ist einfach nicht wirklich existent.

Chris:
Wie wichtig sind Endorsement Verträge mit Herstellern von Musik Equipment für dich?

Victor:
Verträge habe ich keine, aber ich arbeite mit vielen Firmen als Entwickler zusammen. Es macht mir einfach Freude meine Erfahrungen aus 30 Jahren Studio und Live Auftritten in die Entwicklung von zum Beispiel Verstärkern, Gitarren, Effektgeräten oder auch Kabeln einzubringen. Es macht mir höllisch Spaß da ich auch viel für mich selber lerne. Wenn Produkte mit meinem Anteil daran auf den Markt kommen bin ich natürlich auch beteiligt. Ich bin oft auf Musikmessen wie die Namm Show in Kalifornien zum Beispiel und versuche auch immer wieder neues und interessantes zu entdecken. Alle Produkte an denen ich mitgearbeitet habe benutze ich natürlich selbst Live und im Studio und stehe voll dahinter. Musiker die zum Beispiel einen Signature Gitarrenverstärker unter ihren Namen raus bringen und selbst dann live etwas anderes benutzen finde ich recht merkwürdig. Das hat schon was von Verarschung. So etwas wird es bei mir nicht geben.


Foto Credit: Chris Strieder

Chris:
Woher nimmst du die Inspiration und Ideen für deine Kompositionen?

Victor:
Ich mache mir irgendwie gar keine Gedanken darüber. Ich habe in den 30 Jahren, die ich nun schon professionell Musik mache schon so viel komponiert und war an so vielen Schallplattenproduktionen beteiligt. Das komponieren ist mir immer recht leichtgefallen. Ich muss mich allerdings in einen Arbeitsmodus bringen, wo nichts stört oder ablenkt. Telefon aus und Tür zu. Der Anfang ist immer etwas schwer bis man in die richtige Stimmung kommt, aber dann fließt es nur so. Eine Art Schreibblockade hatte ich zum Glück bislang nicht, ich muss allerdings in einer guten Stimmung sein. Bei schlechter Laune klappt es nicht so gut. Zum Glück habe ich meistens gute Stimmung. Ich brauche Ausgleich im Leben und hasse Routine. Zum Beispiel unterrichte ich sehr gerne in meiner Schule, könnte dieses aber nicht als normalen täglichen Job machen. Dann würde mir langweilig. Ich brauche Abwechselung, deshalb mache ich auch viel professionellen Sport und bin auch dort sehr ehrgeizig.

Chris:
Hattest du schon mal den Gedanken mit der Musik aufzuhören?

Victor:
Eigentlich nicht, allerdings habe ich nach langen Touren oder Studioaufenthalten schon mal das Bedürfnis mal ein paar Tage gar keine Musik zu hören. Dann höre ich irgendwelche Hörspiele oder so. Bis der Kopf wieder frei ist.

Chris:
Übst du immer noch jeden Tag Gitarre?

Victor:
Fast jeden Tag. Ab und an mache ich kurze kreative Pausen, aber ich spiele schon wirklich sehr viel. Besonders vor Studioproduktionen bringe ich mich in Form. Da muss man sauber spielen, live spielt man schon etwas anders, viel aggressiver und etwas schmutziger. Im Studio muss alles auf dem Punkt sein.

Chris:
Du machst das meiste ja im Alleingang….wie wichtig ist dir die Meinung von Außenstehenden oder würdest du dir auch manchmal Kompositionspartner wünschen?

Victor:
Die Meinung der anderen Musiker ist mir schon wichtig. Wenn ich neue Songs der Band vorstelle kommt schon viel Feedback. Ich möchte das alle glücklich mit dem sind was sie spielen, ich zwinge niemanden zu irgendetwas und möchte das alle auch ihren eigenen Stil mit einbringen können. Auch die Gespräche mit den Fans sind mir wichtig, was ihnen gefällt und was nicht. Ich lasse mich schon auch inspirieren.

Chris:
Vielen Dank für das nette Gespräch. Möchtest du zum Abschluss noch etwas an unsere Leser loswerden?

Victor:
Wenn ihr Zeit habt kommt zu unseren Konzerten Anfang des Jahres. Es wird eine ganz besondere Setlist und ob wir so was in dieser Form danach noch einmal machen werden, weiß ich nicht. Es werden jede Menge alter Songs zu hören sein, die man schon lange nicht mehr zu hören bekam. Lasst euch überraschen. Des weiteren möchte ich allen ans Herz legen auch öfter zu Konzerten von kleineren, nicht so bekannten Bands zu gehen. Es gibt so viel zu entdecken und so viele hammergeile Musiker. Gebt ihnen eine Chance und unterstützt sie.


Pressefoto by Victor Smolski

Almanac Konzerte 2019

09.02.2019 GER Hamm Hoppegarden
15.02.2019 GER Haltern am See Trigon
07.03.2019 GER Burglengenfeld VAZ
08.03.2019 GER Mannheim 7er Club
09.03.2019 GER Andernach JUZ
10.03.2019 GER Dresden Club Puschkin
13.03.2019 GER Aschaffenburg Colos-Saal
16.03.2019 BY Minsk Club Republic
01.06.2019 CZ Pilsen Festival area Metalfest Open Air

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