Avantasia zählen mit über 3,5 Millionen verkauften Tonträgern und Headliner Status auf den größten Festivals der Welt zu den erfolgreichsten Musikprojekten Europas. Kopf des Ganzen und Chef im Ring bei Avantasia ist Tobias Sammet. Als er 1999 mit dem als Metal-Opera bezeichneten Erstwerk von Avantasia an den Start ging, konnte noch niemand ahnen wie groß dieses Projekt mal werden sollte. Anfang Februar steht das neue Album „Moonglow“ in den Läden und im Frühjahr gibt es die Tournee dazu (siehe Veranstaltungshinweise). Die größten Hallen sind gebucht (u.a. die König-Pilsener Arena in Oberhausen) und hohe Chartplatzierungen und volle Häuser sind garantiert. Was es dazu alles zu berichten gibt erfahrt ihr nun in unserem Interview mit Tobias Sammet vom 28.01.2019. Tobias erwies sich im Gespräch als super sympathisch und redegewandt und es war eine große Freude ihm zu lauschen.

Chris:
Hi Tobi, hast du im Vorfeld der Produktion zu „Moonglow“ großen Druck auf Grund des Erfolgs der Vorgänger Alben verspürt oder das Gefühl gehabt diese noch zu übertreffen oder zu toppen zu müssen?

Tobi:
Nein, ganz im Gegenteil. Ich habe eher Druck abgebaut indem ich mir gesagt habe, ich lass mir Zeit und wann das Album raus kommt ist mir Wurst. Ich mach mir selbst immer wieder bewusst, das es beim Musik machen nicht darum geht etwas besser oder schlechter zu machen. Es liegt mir nichts ferner als in Konkurrenz zu meinen eigenen Alben zu gehen. Es ist Kunst, ich muss nichts machen was besser ist als vorheriges. Das was ich gemacht habe war super, ich sag das mal, so eingebildet bin ich (lautes Lachen).

Chris:
Viele sagen ja immer das neue Album ist das Beste was wir jemals gemacht haben.

Tobi:
Das sagen immer alle und ich glaube das den Leuten sogar. Aber ganz ehrlich, ich finde das Avantasia Album „The Scarecrow“ ist für das was es ist ein Hammeralbum. Wenn man reinrassigen Speed/ Powermetal der 90er nimmt kann eine Platte fast gar nicht besser sein. Ich möchte jetzt nicht zu überheblich klingen, aber es bringt nichts das alles zu entwerten indem ich sage das neue ist viel geiler. Es ist eine wahnsinnig tolle und schöne Sache Musik zu erschaffen die einem selbst begeistert. Ob das nun besser oder schlechter als die letzten Platten ist, davon muss man sich frei machen. Es ist ja keine Olympiade.

Chris:
Hattest du schon einmal eine Schreibblockade oder die Angst dir die Ideen ausgehen?

Tobi:
Das hatte ich früher mal aber dann sag ich mir die Ideen komm schon immer wieder. Für „Moonglow“ hatte ich eine Fülle von Ideen und ich habe sogar schon einiges für „Moonglow Part II“. Frag mich jetzt nicht wann das rauskommt. Ob in 3 oder 5 Jahren. Keine Ahnung, Papier ist geduldig und Tonbänder auch. Das liegt jetzt erst mal alles. Früher hatte ich das mit der Angst vor Ideenmangel, schon nach dem ersten Demo von Edguy sagte ich zu Jens, ich weiß nicht ob ich das noch mal hinkriege, solche Nummern zu schreiben. Das spricht aber schon von gesunden Selbstverständnis, das ich das damals schon so perfekt fand, das ich dachte das bekomme ich nie wieder hin. Mein Selbstwertgefühl war damals schon etwas übersteigert. Aber dann sagte ich mir, das der Weg das Ziel ist und es nicht darum geht Kreativität suchen zu müssen um etwas abliefern zu müssen. Warum soll ich was abliefern müssen, um den Kühlschrank zu füllen? Nein, mir geht es materiell ganz gut und ich könnte lange Dürreperioden überstehen. Ein denkbar schlechter Ratgeber für kreative Musiker ist es zu Angst zu haben etwas fristgerecht abliefern zu müssen. Eigentlich sollte es so sein das man das, was man auf dem Herzen hat rauszulassen und daraus etwas Wunderbares zu formen. Ganz ohne Druck von außen. Wenn mir meine Kreativität mal sagt ich hab im Augenblick nix, dann ist das halt so und ich lass mir die Zeit bis der Funke wieder da ist und geh angeln (haha).

Chris:
Hättest du als junger Musiker und Metal Fan mal vorstellen können, dass deine Helden und Lieblingsmusiker mal deine Songs singen werden?

Pressefoto

Tobi:
Ne, das hätte ich mir damals nie vorstellen können. Ich habe zwar immer gedacht das ich mit der Musik mal mein Geld verdienen könnte, auf Bühnen stehe und ein verrücktes Musikerleben haben kann, aber das diese Vorbilder mal mit mir zusammenarbeiten, niemals. Ich weiß noch wie ich 2010 in Brasilien auf der Bühne stand und ich mir dachte, das ist doch alles totaler Wahnsinn. Zu meiner linken stand Michael Kiske und rechts Kai Hansen und das auf einer riesigen Bühne in Brasilien vor 6000 Zuschauern. Michi war das erste Mal in Südamerika und die beiden haben gefühlte 20 Jahre nicht mehr zusammen auf einer Bühne gestanden. Und nun stehen wir da und spielen zu dritt „Reach out for the Light“ in Brasilien. Damals war an eine Helloween Reunion noch gar nicht zu denken, das hat sich irgendwann erst ergeben, verrückt. Zwick mich doch mal einer. Oder mit Klaus Meine oder Alice Cooper ein Video drehen. Ich habe so viele Sachen erlebt von denen ich dachte das gibt es doch gar nicht. Ich will mir jetzt nicht zu sehr auf die Schultern klopfen, denn ich habe auch viel Glück gehabt. Für mich beweist es auch ein kleines bisschen, das wenn du Dinge aus den richtigen Beweggründen und ohne durchtriebenen Kalkül machst, weil du einfach nur Bock hast, weil du das geil findest und du mit Haut und Haaren dabei bist, dann kann man es schaffen. Wenn man eine Vision hat, die völlig Unabhängig von der von der Musikindustrie vorgegebenen Normen ist, dann hat man große Chancen viel zu erreichen und etwas Besonderes zu erschaffen. Wenn ihr Flausen im Kopf habt oder große Ideen, lasst sie euch bloß nicht austreiben. Das gilt nicht nur für Musiker, wenn man eine Vision hat und man mit Begeisterung und Energie dabei ist, es für einen selbst realistisch erscheint, dann sollte man es tun. Wenn ich auf andere gehört hätte, die mir immer sagten das geht nicht oder das klappt doch nie mit der Musik, das sind Hirngespinste und mach was anständiges, dann wäre ich nun ein unanständiger arbeitsloser Bankkaufmann.

Chris:
Wie merkst du welcher Song zu welchen Sängern passt und hast du dieses beim Komponieren schon im Kopf?

Tobi:
Manchmal habe ich das schon im Kopf. Bei Leuten wie Bob Catley, Jorn Lande, Michael Kiske oder Geoff Tate hatte ich es absolut im Kopf. Die beiden Nummern mit Geoff Tate auf „Moonglow“, „Invincible“ und „Alchemy“ habe ich mit dem Gedanken eine Mischung aus Queensryche und Avantasia zu erschaffen geschrieben. Weil mich seine Stimme einfach sehr geprägt hat und er ein großes Idol ist. Bei Michael Kiske war das ähnlich, da schreibt man Songs mit dem Sänger im Hinterkopf und das prägt natürlich dann auch das Songwriting. Ich schreibe dann die Lieder anders als ich es für meine eigene Stimme tun würde. Es öffnet mir neue Welten. Bei anderen ist es so, dass ich einen Song für eine besondere Stimmfarbe schreibe und erst danach die Idee kommt wer das nun interpretieren könnte. Zum Beispiel bei Candice Night. Als ich den Song „Moonglow“ schrieb war es noch nicht klar das sie ihn singen wird. Die hatte ich da noch gar nicht auf dem Schirm. Der Song entstand schon im Jahre 2015, lag irgendwie auf Eis und jetzt habe ich mir das Lied wieder an genommen, fertig arrangiert und einen Text geschrieben. Als ich alles fertig hatte dachte ich mir, das schreit nach Candice Night, und ich frag sie einfach. Das Gleiche bei Hansi Kürsch. Die Nummer „Ravenchild“ stand schon komplett und ich sagte zu mir, Mensch das ist doch was für den Hansi. Das passiert manchmal aus dem Bauch raus.

Chris:
Was können wir auf der zukünftigen Tour bezüglich Show und setlist erwarten?

Tobi:
Wir werden lang spielen, um die drei Stunden, ohne Vorband. Eine dreiviertel Stunde Sachen vom neuen Album und den Rest ein fettes Best of Set. Die Bühne wird grade gebaut und einige Companies sind damit beschäftigt die ganzen Ideen umzusetzen. Ich habe schon die ersten Designs gesehen und es sieht großartig aus. Wir werden ein tolles Line Up haben: Ronnie Atkins, Eric Martin, Jorn Lande, Bob Catley und das erste Mal wird Geoff Tate dabei sein. Des weiteren Adrienne Cowan als Sängerin, eine ganz junge Künstlerin, die einfach großartig ist. Da werden einige mit den Ohren schlackern. Ina Morgan wird auch singen, sie war in der Vergangenheit schon bei „Wicked Symphony“, „Angels of Babylon“ und „Scarecrow“ dabei. Herbie Langhans und Oliver Hartmann natürlich auch. Es wird toll, wir haben im Prinzip soviel Abwechslung bei den Sängern das wir alles spielen können was wir möchten. In Oberhausen (König-Pilsener-Arena) können wir aufgrund der riesigen Bühne alles aufbauen, was früher in der kleineren Turbinenhalle nicht so möglich war. Wir müssen diesmal auf nichts verzichten.

Chris:
Macht dir der ganze Rummel um deine Person manchmal Angst und was machst du so als Ausgleich zur Musik?

Tobi:
Angst macht mir das eigentlich nicht. Man muss immer nur aufpassen dass man nicht nur funktioniert und Ausgleich finden. Musik ist mein Ausgleich, das klingt nun vielleicht paradox, aber Musik machen hat für mich nichts mit Arbeit oder Stress zu tun. Interviews und Promotion ist für mich Arbeit und Stress. Da fängt das Ganze an zum Job zu werden. Das viele Reisen und der Geschäftskram. Ich manage ja auch Edguy und Avantasia. Da gibt es Drumherum viele Dinge die richtig Arbeit machen. Aber das Musikmachen selber ist mein Hobby. Wenn es mal ganz hart kommt schmeiß ich die Playstation an. Ich habe nicht so wahnsinnig viele andere Hobbys. Ich bin Musiker und auch Musikfan, das habe ich mir nach wie vor bewahrt. Ich bin immer noch ein großer Fan, am Erscheinungstag einer neuen Magnum Scheibe stehe ich im Laden oder bestelle mir sämtliche Konfigurationen. Bei Iron Maiden oder Kiss genau so. Privat höre ich das was ich auch selber mache. Auch mal etwas Klassik, was man meinen Alben ja auch anhört. Im großen Ganzen aber immer Rockmusik. Ich liebe zum Beispiel Journey und genieße es ihre Platten bei einem Glas Rotwein in aller Ruhe zu hören. So was möchte ich mir immer bewahren. Als ich 2016 von der „Ghostlights“ Tour kam, sagten alle Leute nun musst du dieses oder jenes machen und ich sagte nur: Ne Freunde, ich muss gar nichts. Da muss man aufpassen das die ganzen Erwartungshaltungen von außen nicht den eigenen Rhythmus zerstören und man in ein Hamsterrad gerät. Das könnte einem den Spaß an der Musik nehmen, aber da passe ich schon auf.

Chris:
Danke dir für das nette Gespräch und viel Erfolg mit „Moonglow“ und der Tour. Hast du noch ein paar berühmte letzte Worte für unsere Leser?

Pressefoto

Tobi:
Ich bedanke mich für das Interesse an meiner Musik und ich hoffe dass den Fans das Album gefällt und viele Leute zu den Shows kommen werden. Man sieht sich.

Tourdates 2019:
30.03.2019, Kaufbeuren – All Karthalle
03.04.2019, Berlin – Huxleys
05.04.2019, Ludwigsburg – Arena
06.04.2019, Bamberg – Brose Arena
08.04.2019, Fulda – Esperanto Halle
09.04.2019, Saarbrücken – Saarlandhalle
12.04.2019, Osnabrück – Stadthalle
13.04.2019, Hamburg – Mehr! Theater
14.04.2019, Oberhausen – Köpi Arena
18.04.2019, Offenbach – Stadthalle

photo credits: Pressefotos

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