Thomas Godoj ist eine feste Größe im Bereich der deutschsprachigen (Hard) Rockmusik. Anfang September erscheint mit „Kreuzwege“ sein bereits 10tes Studioalbum. Das Besondere ist allerdings dass man das Album bereits ab Tourstart im März 2026 in physischer Form bei den kommenden Konzerten am Merchstand erwerben kann – exklusiv vor offizieller VÖ am 04.09. und außerdem im Rahmen eines Ticket-plus-Album-Bundles, das in seinem Shop www.thomasgodoj.de/ticketshop erhältlich ist. Grund genug für ein aktuelles Interview mit Thomas Godoj zum neuen Album und zu der ungewöhnlichen Idee mit der exklusiven Vorabversion der CD für Konzertbesucher.

Photos © Julia Scheibeck // JUNITED PHOTOGRAPHY
Thomas, lass uns mit dem Vorgänger Album „Album des Jahres“ von 2023 anfangen. Wie ist dieses Werk rückblickend für dich gelaufen und was ist seit dessen Veröffentlichung im November 2023 so alles bei dir passiert?
„Album des Jahres“ war für mich ein wichtiges Statement. Der gewählte Name wurde ja hier und da ein bisschen kontrovers aufgenommen, hauptsächlich allerdings gefeiert. Es war halt MEIN persönliches „Album des Jahres“. Nicht, weil es im Nachhinein das erfolgreichste oder krasseste Album war, sondern weil es genau zu dem Zeitpunkt kam, an dem ich mich noch einmal sehr bewusst für meinen eigenen, unabhängigen Weg entschieden habe. Die Resonanz der Fans war extrem stark, gerade live. Das Album und die Tour hat mir nochmal gezeigt, dass auch ohne große Industrie im Rücken sehr viel auf die Beine gestellt werden kann, mithilfe der Leute, für die ich Musik mache. Diese direkte Verbindung zu den Leuten vor der Bühne ist einfach unser größtes „Kapital“, da kommt auch nichts mehr zwischen, egal wie oft man selbst zwischendurch an sich zweifeln mag – die Leute sind definitiv da und mehr als bereit diesen Weg weiter mitzugehen. Macht mich unglaublich stolz und froh, gerade in dieser heutigen Zeit.
Dieses Jahr steht ja mit „Kreuzwege“ dein bereits 10tes Studioalbum an. Was kannst du uns zu dessen Entstehung und zu der Inspiration zu den neuen Songs verraten?
„Kreuzwege“ ist zum einen ein sehr persönliches Album, greift aber auch Geschichten von Menschen auf, die uns in irgendeiner Form über den Weg gelaufen sind, sei es online oder auch im wahren Leben. Es geht um Entscheidungen, um Zweifel, um Wut, aber auch um Hoffnung. Deshalb auch der Name, der für uns passender nicht sein konnte. „Kreuzwege“ sind eben diese Punkte im Leben, an denen man nicht mehr ausweichen kann. Wo man merkt, dass es kein Zurück zum bequemen Zustand gibt. Man steht da und weiß: Ich muss mich für eine Richtung entscheiden, sonst verliere ich mich selbst, auch wenn es anstrengend, unbequem und vielleicht auch einsam auf dem Weg wird. Um diese Momente im Leben, in denen man merkt, dass man eben nicht einfach stehen bleiben kann. Viele Songs sind aus einer Phase entstanden, in der ich mich selbst hinterfragt habe. Als Musiker, als Mensch, als Teil dieser Gesellschaft. Textlich wie musikalisch ist das Album sehr direkt auf den Punkt, wie ich finde.
Wie liefen die Aufnahmen ab, welche Musiker hattest du mit im Boot?
Die Aufnahmen waren intensiv, zum Teil zeitlich sehr gestückelt, weil mit Familie auf unserer Seite aber auch Produzentenseite gerne mal was dazwischen kommen kann, aber grundsätzlich sehr fokussiert und effektiv. Ich habe wie auch bei den letzten drei Alben mit meinem „Winning Team“ bestehend aus Julia Scheibeck, meiner Frau und Managerin und René Lipps gearbeitet, ihnen vertraue ich voll und ganz, sie sprechen meine Sprache, musikalisch und textlich. Julia ist einfach eine Meisterin der Worte, zum Teil komponiert sie auch mit und René ist der multiinstrumentale Tausendsassa. Besonders feier ich aber seine Gitarrenarbeit, die ist unvergleichlich. Außerdem waren wir für einen Song auch wieder mit dem Chor aus Crowdfundingsupportern im Studio und haben Backings eingesungen. Das ist immer was Besonderes und unterstreicht einfach nochmal die Nähe zu den Leuten, die mir so wichtig ist.

Das Album schon vor der Veröffentlichung für Besucher deiner Konzerte zugänglich zu machen ist ein ungewöhnlicher und auch mutiger Schritt. Was steckt hinter dieser Idee?
Für mich war das ein logischer Schritt. Unser bisheriger Vertriebspartner F.A.M.E Recording wurde mitten in der Crowddfunding Phase von Sony aufgekauft und es war klar, dass wir uns selbst nochmal ganz anders, noch unabhängiger aufstellen müssen. Wir haben einen Teil der Crowdfunding Einnahmen in eine Weiterbildung in Sachen Labelarbeit investiert, denn ohne diese Professionalisierung der eigenen Strukturen hätten wir das Projekt auch genauso gut in die Tonne kloppen können. Dadurch hat sich aber auch das geplante offizielle Releasedatum nach hinten verschoben, denn uns wurde ganz klar dazu geraten über einen längeren Zeitraum in regelmäßigen Abständen Singles zu veröffentlichen, um auch ohne große Promomaschinerie im Rücken im Vorfeld genug „Wind“ machen zu können. Doch die dazugehörige Tour, die am ursprünglichen Releasedatum, dem 06.03.2026, an meinem Geburtstag startet, war schon fix und fertig geplant und im Vorverkauf. Da das Album zum Glück rechtzeitig vor Tourstart auch in physischer Form fertig wird und wir uns bewusst dagegen entschieden haben, unbedingt einen Chartentry zu schaffen, wollten wir den Leuten unbedingt etwas für ihren Support zurückgeben. Nicht nur die Crowdfunding Supporter, auch die Leute, die zu meinen Konzerten kommen, investieren Zeit, Geld und Emotionen. Warum also sollten genau sie nicht zuerst Zugang zur neuen Musik bekommen, wenn sie schon ohne groß vorab was gehört zu haben, Konzerttickets kaufen. Auch wenn wir ein Ticket-Album-Bundle in meinem Shop auf www.thomasgodoj.de/ticketshop anbieten ist das kein reiner Marketingzug, sondern ein Dankeschön. Außerdem glaube ich nach wie vor, auch in Zeiten des Streaming und schnellem Konsum stärker an Musik als Erlebnis. Eben nicht nur als Stream irgendwo zwischen zwei Playlists, sondern als etwas, das man in der Hand hält, das man mit einem Konzertabend verbindet.
Wie siehst du die Entwicklung der Musikszene, KI generiertes wird auch hier immer mehr und echtes musikalisches Handwerk verliert an Stellenwert. Wie stehst du zu dem Thema KI in der Musik?
Ich sehe KI sehr ambivalent. Technisch ist das beeindruckend, keine Frage. Aber Musik ist für mich mehr als ein gut gebauter Song. Es geht um Haltung, Erfahrung, Fehler, Brüche. All das kann KI nicht fühlen. Ich glaube nicht, dass KI echte Musik ersetzt, aber sie wird den Markt überschwemmen. Umso wichtiger wird es, als Künstler klar zu zeigen, wofür man steht. Die echte menschliche Nähe, die man auch vor allem live zu den Leuten aufbauen kann, wird niemals ersetzt werden können.
Hast du jemals bereut den oft schwierigen Weg als Berufsmusiker zu gehen?
Nein. Es gab harte Phasen, Zweifel, Existenzängste. Aber bereut habe ich es nie. Musik ist kein Hobby für mich, sondern mein Beruf, eigentlich Berufung und meine Art, die Welt und das Leben zu verarbeiten. Wenn ich das aufgegeben hätte, hätte ich mich selbst aufgegeben.
Du hast ja einen regen Austausch mit deinen Fans und giltst als sehr nahbarer und freundlicher Musiker. Wie wichtig ist die enge Verbindung zu den Fans für dich und hattest du auch schon mal negatives erlebt?
Die Verbindung zu den Fans ist essenziell. Ohne sie gäbe es diesen Weg nicht, den ich jetzt seit 2014, eigentlich ja 2008 gehe. Natürlich gab es auch mal Grenzüberschreitungen oder schwierige Situationen, vor allem in dieser ersten Hype-Zeit, aber das sind totale Ausnahmen. Der Großteil der Menschen begegnet mir mit Respekt und echtem Interesse. Das schätze ich sehr.

Kleine Fun Frage. Würdest du ein Angebot vom Dschungelcamp annehmen, wenn man dich fragen würde?
Nein. Ganz klar nein. Das ist nicht meine Welt und würde mir auch nicht guttun. Diese Art von Zurschaustellung, abseits von Musik, wo persönliche Schicksale oder (Fehl-)Verhalten von einem Millionenpublikum bewertend unter die Lupe genommen werden ist einfach völlig jenseits von dem, womit ich verbunden werden will. Der Alltagsdschungel des normalen Lebens reicht mir da voll und ganz.
Wie schwer ist es für dich geworden eine Setlist für kommende Konzerte zu erstellen, mit 10 Alben im Gepäck kommt ja einiges zusammen?
Es wird definitiv schwieriger. Gleichzeitig ist es ein Luxusproblem. Ich versuche immer eine Balance zu finden zwischen neuen Songs und denen, die für viele Menschen eine besondere Bedeutung haben. Jede Setlist ist am Ende eine Entscheidung und damit sind wir ja wieder beim Thema „Kreuzwege“ 😀
Kannst du noch mit allen deinen Alben gut leben oder gibt es Songs hinter denen du heute nicht mehr stehst?
Ich kann mit allen Alben leben, weil sie ehrlich waren zu ihrer Zeit und nur genauso entstehen konnten, wie sie entstanden sind. Natürlich sehe ich manches vielleicht heute anders, aber das gehört dazu. Ich würde nichts davon verleugnen.
Wenn du einen deiner Songs nennen müsstest, der für alles steht was dich ausmacht, dein Trademark Song sozusagen, welcher wäre das?
Das ändert sich mit jeder Lebensphase. Aktuell wäre es wahrscheinlich „Kreuzwege“, weil der Song genau das bündelt, was mich gerade bewegt.














