Interview mit Stefan Weber von RAGE

Bildnachweis: Julez Braun - Rising Arts Photography

Stefan Weber ist neben Jean Bormann einer der beiden neuen Gitarristen im Line-Up der deutschen Heavy Metal Urgesteine von RAGE. Die zwei ersetzten Marcos Rodriguez, der die Band Anfang des Jahres aus persönlichen Gründen verließ. Nun stehen bei RAGE mit doppelter Gitarrenpower wieder alle Zeichen auf Sturm. Was uns Stefan dazu und zu seinem alten Arbeitgeber AXXIS zu berichten konnte lest ihr nun in unserem exklusiven Interview.

Chris: Hallo Stefan, zuerst mal Glückwunsch zu deinem neuen Betätigungsfeld bei RAGE. Wie kam es dazu und hattest du schon vorher Bezug zur Band?

Stefan: Hi, erst einmal vielen Dank! Bezug zu Rage hatte ich definitiv schon vorher. 2014 war ich bei Lion Twin tätig und wir waren damals eine der Support Bands für Rage. Witzigerweise war der andere Support Act Tri State Corner, die andere Band von Lucky. Wir haben uns damals alle auf der Tour kennen gelernt und sind in Kontakt geblieben. Außerdem spiele ich mit Marcos zusammen bei DioLegacy. Der Bezug war also immer da.

Chris: Wie teilt ihr die Gitarren Parts bei RAGE nun auf. Die Band hatte ja vorher meist nur einen Gitarristen?

Stefan: Ja und nein. Am Anfang gab es mal 2 Gitarristen und in den 90er Jahren natürlich auch. Wir teilen die Parts so auf wie wir Lust haben. Manche Stellen gestalten wir zweistimmig obwohl das im Original nicht so war, manchmal, zb. bei Price of War teilen wir uns auch ein Solo auf. Das meiste passiert relativ organisch, kein großes Ego Gehabe oder so. Wofür auch? Ich bin ja nicht am Ende der Show cooler weil ich 6 Soli mehr hatte als der andere Gitarrist. Ich will eine fette Show, ich will ein Brett abliefern und ich will, dass das Publikum Spaß hat. Wer da was spielt hat also relativ wenig Relevanz.

Chris: Du warst ja vorab bei AXXIS tätig, aber auf dem letzten Studioalbum nicht zu hören. War das mit ein Grund die Band zu verlassen?

Stefan: Nein, war es nicht. Ich hatte ein absolut heftiges privates Jahr zu dem Zeitpunkt. Ehrlich gesagt war ich froh, dass die Gitarren nicht von mir waren. Insbesondere die ersten 6 Monate dieses Jahres waren hart genug, dass ich einfach darunter zu zusammengebrochen bin. Man hätte sicher insgesamt mit einigem besser umgehen können, auch von meiner Seite aus, am Ende des Tages wäre es aber so oder so zu einer Trennung gekommen. Der Band ging es besser ohne mich, mir ging es besser ohne die Band. Ich denke jeder ist glücklicher so wie es jetzt ist.

Chris: RAGE ist ja um einiges härter als AXXIS, musstest du für RAGE deinen Stil umstellen?

Stefan: Nein, absolut gar nicht. Ich musste meinen Stil eher für Axxis umstellen. Rage und noch härtere Sachen sind mein musikalischer Background. Ich habe Rage mit 14 kennen gelernt, das war 1998. Ich war Fan von diesem Moment an. Am aller meisten konnte ich mich immer mit Thrash und seinen Abwandlungen identifizieren. Ich bin Metallica Nerd durch und durch, die Bay Area mit all ihren großartigen Bands ist woran mein musikalisches Herz hängt. Außerdem liebe ich Gruppen wie Lamb of God und Pantera. Wenn man sich anhört, was ich früher musikalisch gemacht habe (die Band hieß Rebattered), wird das relativ schnell klar. Aber es gibt so viel auf das ich musikalisch stehe, die gesamte Aufzählung würde hier den Rahmen sprengen. Rage trifft meinen Geschmack absolut, sowohl in den melodiösen Parts, als auch in den thrashigen. Meine Stilistik ist maßgeblich Rock/Metal. Eben nicht nur Hardrock oder nur Thrash Metal oder Pop oder Funk. Klar, ich kann einen gewissen Stil besser bedienen als einen anderen, weil ich mich damit identifizieren kann und mich damit wohlfühle, aber beeinflusst bin ich so oder so von allem was ich höre und spiele. Dazu zählt auch Musik die mit Rock überhaupt nichts zu tun hat. Es ist außerdem unmöglich das so eng zu definieren, niemand ist 100% Death oder Thrash. Und C ist immer noch auf dem 3. Bund der A-Saite, ob bei Axxis, Rage oder meinetwegen Cannibal Corpse.

Chris: Was steht im Augenblick bei RAGE an, geht es an ein neues Album?

Stefan: Es steht einiges an, über manches kann ich reden, über anderes nicht. Ideenaustausch hat bei uns glaube ich in Woche 3 begonnen, aber wir sind auch noch in einer Findungsphase. Wir spielen viel zusammen, wir proben, wir haben Spaß. Mir persönlich macht Gitarre spielen zur Zeit mehr Freude als es lange Jahre der Fall war. Du weißt wie riesig der Rage Katalog ist, allein einen Teil davon zu lernen nimmt unfassbar viel Zeit in Anspruch. Und dann kommen Sachen dazu wie Wacken World Wide. Planung, Proben alles drum herum, das war ein Akt der mehrere Wochen verschlungen hat. Ein neues Album kommt sicher so schnell wie möglich, aber lass uns vor allem hoffen, dass wir ab nächstes Jahr vernünftig auf Tour gehen können. Ich will den Leuten die neue Rage Version live um die Ohren hauen und ich weiß, dass die anderen da auch drauf brennen.

Chris: Livetechnisch sieht es aufgrund der Corona Krise ja nicht so gut aus, wie schätzt du die ganze Sache ein?

Stefan: Ich denke man muss kreativ damit umgehen. Alternativen finden und versuchen sich anzupassen. Keiner weiß wie lange es wirklich noch so weiter geht, stillsitzen und abwarten bis der Sturm vorüber ist, ist keine Option. Hoffen wir, dass es bald einen Impfstoff gibt. Wenn das der Fall ist, sind wir sofort am Start. Und wir haben es relativ gut in der Hinsicht. Wenn du dir andere Bands anschaust, vor allem die die in viel größeren Dimensionen denken, dann wird klar, dass auf Grund der gesamten Maschinerie die dahinter steht, es viel schwerer ist dort den Motor wieder an zu werfen. Ähnliches gilt für große Festivals. Als das Wacken angekündigte, dass sie canceln werden, waren die ersten Kommentare unter dem Post gefüllt von Aussagen wie „Voll Kacke!! Verschiebt es doch einfach in den September oder Oktober, kann doch nicht so schwer sein!“. Doch, kann es, denn die meisten machen sich keine Vorstellung davon, was das für ein finanzieller und logistischer Aufwand ist. Ich möchte mir, wenn ich sowas lese an den Kopf fassen. Aber man darf auch nicht vergessen, dass viele Besucher den Aufwand der dahinter steckt gar nicht kennen können. Es bleibt abzuwarten wie sich die Dinge entwickeln. Mehr als das beste aus einer verfahrenen Situation zu machen, bleibt uns aber leider mit den jetzigen Optionen nicht.

Chris: Mal zurück zu deinen Anfängen als Musiker. Wie hat das alles für dich angefangen und welche Bands oder Musiker haben dich inspiriert?

Stefan: Die Anfänge? Hahaha, musikalische Früherziehung in der Bergischen Musikschule Wuppertal mit 4 Jahren. Das war mein Anfang. Einige Instrumente und 9 Jahre später habe ich zum ersten mal Enter Sandman gehört und alles war anders in meinem Leben. Wirklich alles. Fünf Minuten und 32 Sekunden Musik haben meinem Leben eine Richtung zugewiesen die vorher nicht existierte. Zu viele Menschen haben mich inspiriert. Ich könnte dir jetzt auch hier eine ewige Liste geben. Und am Ende hätte ich noch 50 Bands und 300 Musiker vergessen. Herausstechend sind sicherlich Hetfield und Hammett gewesen, Petrucci, Dimebag, Vai sind auch ganz weit vorne mit dabei. Ich weiß, ist ein bisschen langweilig, aber das sind nicht umsonst die Classics. Guthrie Govan ist jemand der mich seit Jahren mit jeder einzelnen verdammten Note die er spielt mit offener Kinnlade zurücklässt. Diese Art der Musikalität habe ich selten in meinem Leben gesehen.

Chris: Das Musikbusiness hat es ja nicht erst seit Corona schwer, kannst du von der Musik leben oder hast du noch andere Betätigungsfelder?

Stefan: Von Musik ja, aber da kommen mehrere Dinge zusammen. Zusätzlich zur Betätigung als Gitarrist arbeite ich auch im Booking Bereich, gebe Unterricht und mache hier und da ein paar andere Sachen. Mir sind ein paar Sachen weggebrochen dieses Jahr, vor allem natürlich Shows, aber es war zu verschmerzen. Im Gegensatz zu vielen meiner Kollegen habe ich da wirklich unverschämtes Glück gehabt. So sehr, dass es mir fast peinlich ist mich mit dem einen oder anderen zu unterhalten und zu sagen „mir geht’s gut“. Es ist wirklich unwürdig was einige durchmachen müssen und wie wenig Hilfe sie bekommen. Und damit meine ich nicht nur die Musiker, sondern insbesondere auch die vielen, vielen Menschen die ihre Existenz auf das aufgebaut haben was hinter den Kulissen passiert.

Chris: Welche Gitarren und Amps benutzt du und wie wichtig sind Endorsement Deals für dich?

Stefan: Ich spiele seit mehreren Jahren Ibanez Gitarren und Engl Amps und benutze das Line6 Helix. Was soll ich sagen, ich liebe die Gitarren. Das schlimmste daran ist, dass jedes Jahr so viele unfassbare neue Ibanez Gitarren auf den Markt kommen, dass man einfach nicht alle haben kann. Es gibt auch andere tolle Gitarren, aber ich fühle mich so wohl bei Ibanez und liebe die Instrumente über alles, dass es für mich gar keinen Zweifel gibt dort an der richtigen Adresse zu sein. Gitarrentechnisch ist das mein Zuhause und wird es auch bleiben. Und Engl, was soll ich dazu sagen? Fett, mega Amps, geiler Sound. Ich habe vor kurzem einen neuen bekommen, den Savage 120 und spiele das Teil jeden Tag. Endorsements sind super, es ist toll welche zu haben. Sicherlich nicht essentiell, aber es gibt dir viel mehr Flexibilität und Möglichkeiten, vor allem wenn deine Partner großartig sind. Bei mir ist das zum Glück der Fall. Ich denke aber, man darf da nicht zu krass hinterher sein. Ein Endorsement um des Endorsements Willen abzuschließen hilft niemandem. Es gab Deals die für mich keinen Sinn gemacht hätten, ob finanziell oder weil ich nicht hinter dem Produkt stand oder weil ich merkte, dass das Produkt obwohl 100% überzeugend einfach nicht das richtige Arbeitswerkzeug für mich ist. An diesen Stellen ist es nie zu einem Endorsement gekommen, was ich für das einzig richtige halte. Ich möchte ein gutes Verhältnis zu allen Firmen von denen ich endorsed werde und sich mit solchen Deals einzukleistern nur um irgendwo posten zu können „Geil, bin jetzt bei Firma XY“ macht keinen Sinn. Nimm zB. Plektren. Ich habe Jahre danach gesucht und nie etwas vernünftiges gefunden was mir liegt. Ich habe meine Picks ganz normal im Laden gekauft und mittlerweile Summen dafür ausgegeben für die ich mehrere Gitarren hätte haben können. Vor wenigen Wochen habe ich auf fb von Yasi Hofer, super Gitarristin übrigens, einen Post über ihre neuen Signature Picks gesehen die von Pick Me Custom hergestellt werden. Sie hat mir den Kontakt vermittelt, Flo von Pick Me hat mir einige Picks zum ausprobieren geschickt und endlich hat es klick gemacht. Großartige Picks, ich bin so happy mit den Dingern. Aber was hätte ich damit anfangen sollen wenn die mir nicht gelegen hätten?

Chris: Hast du zum Abschluss noch ein paar „berühmte“ letzte Worte oder irgendetwas was du loswerden möchtest?

Stefan: Hm, ich bin nicht wirklich der Typ dafür. Jean würde jetzt sicher sagen: „Was geht ihr Assis!?“, hahaha. Zu sehen beim Wacken World Wide Auftritt. Ah, doch. Ich habe vor kurzem Annihilation von Patton Oswalt geschaut. Er schließt mit einem Zitat seiner verstorbenen Frau das gut in die heutige Zeit passt. In diesem Sinne: „It’s chaos, be kind“.

Chris: Ich danke dir für das interview und wünsche viel Erfolg mit RAGE.

Fotos von Julez Braun

https://www.facebook.com/risingartsjb


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