Interview mit Simon Michael (Subway To Sally)

Satte fünf Jahre mussten die Fans auf ein neues Studioalbum von „Subway To Sally“ warten (siehe Review) und ich muss sagen, es hat sich gelohnt. “Hey“, so der Titel des Albums wird bestimmt keinen Fan der Band enttäuschen. Was es von „Subway To Sally“ zu diesem erneuten Meisterwerk und zu vielen anderen Dingen zu berichten gibt, erfahrt ihr nun in unserem Interview mit Schlagzeuger, Produzenten und Songwriter Simon Michael.

Chris:
Hi Simon, warum hat es fünf Jahre bis zur Veröffentlichung von „Hey“ gedauert?

Simon:
Hm, das ist eine sehr gute Frage. Es ist so dass die Zeit vorher einfach nicht reif war, es ist ja nicht so dass wir komplett auf der faulen Haut gelegen haben. Wir haben ja die Neon Akustik Tour gemacht, wofür wir unser Werk komplett auseinandergenommen und wieder neu zusammengesetzt haben. Ganz untätig waren wir also nicht. Bei „Subway to Sally“ ist es immer so dass wir eine Initialzündung brauchen und irgendetwas was einen selbst wieder kreativ antreibt. Ich würde in der heutigen Zeit und bei der Historie der Band lieber 5 bis 7 Jahre kein Album machen, bevor man etwas Halbgares veröffentlicht. So hat es halt die 5 Jahre gedauert bis wieder entsprechende Inspiration da war, um ein neues Album anzugehen.

Chris:
Wie lief der Songwriting Prozess ab und was hat euch diesmal inspiriert? Was kannst du zu den Songs sagen?

Simon:
Das ging so vor etwa anderthalb Jahren los als Ingo (Hampf) bei einer Bandprobe sagte: Ich habe da so ne Idee, ich würde gerne Einflüsse aus meiner Jugend verarbeiten. Zum Beispiel Glam Rock aber auch moderne elektronische Musik würde ich gerne einbauen. Da haben wir erst mal alle mit der Nase gerümpft und gesagt mach mal. Dann hat er sich die Hände gerieben und kam zwei Wochen später mit dem ersten Demo um die Ecke. Bei uns darf man sich das nicht so vorstellen das wir mit der Akustikgitarre am Lagerfeuer sitzen und uns Songs einfallen lassen oder warten bis uns die Muse küsst. Ingo kam also mit den ersten vorproduzierten Sachen und das hat gut funktioniert und den „Subway“ Kosmos um ein weiteres Sound Spektrum erweitert. Wir haben dann die Ideen weiter konsequent verfolgt und so ist dann „Hey“ entstanden.

Chris:
Wie schafft ihr es euch immer wieder neu zu erfinden und wie umgeht ihr es einfach auf Nummer Sicher zu gehen?

Simon:
Das ist eigentlich der Anspruch an uns selbst, „Subway“ hatte ja auch schon immer so eine Vorreiter Rolle. Wir versuchen ständig neue Wege zu beschreiten und die Scheuklappen abzunehmen. Vor 25 Jahren wurde Ingo für verrückt erklärt als er meinte er möchte Metal mit Dudelsack machen. Ähnlich ist es jetzt auch gewesen, wo wir alle gesagt haben „Ja,Ja, Ingo mal wieder kommt mit verrückten Ideen ums Eck“. Aber wir wurden eines Besseren belehrt, nämlich das es bei dieser Band ganz gut funktioniert und man trotzdem die Trademarks erkennt, beziehungsweise immer wieder erkennt das es „Subway To Sally“ ist. Inspiration bekommt man indem man einfach mit offenen Augen durchs Leben geht. Wir sind immer auf der Suche nach neuen Text Ideen, nach inspirierender Musik, nach Lyrik und so weiter und so fort. Das ist ein immerwährender Findungsprozess bei dieser Band. Der Hauptteil des Songwritings ging wieder auf Ingo, aber wir erarbeiten alles gemeinsam. Produziert haben Ingo und ich. Wir nehmen alles auf, mischen das Ganze und versuchen so gut es geht unserem Sänger Eric die Sachen auf den Leib zu schneidern. Er ist unser Charakterdarsteller, der es dann zum Leben erweckt. Aber das kann man auf die ganze Band beziehen, wir sind ein Konstrukt das nur als Band funktioniert, die durch die verschiedenen Charaktere so stark ist und sich so lange behaupten konnte.

Chris:
Warum hat es der Song „Mitgift“, den ihr ja auch im Live Set habt, damals eigentlich nicht auf die gleichnamige Platte geschafft? Für viele Fans, mich eingeschlossen, ist das ein Rätsel. Der Song ist doch saustark.

Simon:
Ganz einfach, der Song ist erst später geschrieben worden. Den Text gab es schon länger, es fehlte allerdings eine starke Vertonung dazu und dann wurde der Text auch nochmals stark überarbeitet. Den Ursprung des Songs gab es schon in der Entstehungsphase der Platte, nur fanden wir ihn da noch nicht stark genug. Die eigentliche Musik ist erst nach der Produktion der „Mitgift“ Platte entstanden. Der Song kam danach ja dann als EP raus. Etwas verwirrend ist das schon, zugegeben, aber das Lied war nie als Titeltrack für das Album gedacht.


Pressefoto Alexander Schlesier

Chris:
Was können wir auf der kommenden Tour bezüglich Set List und Bühnenshow erwarten?

Simon:
Aktuell wird grade alles am Computer vorausgeplant. Die ersten Bilder des Sets sehen schon mal gut aus, wir wollen etwas anderes als sonst und versuchen die Band nicht immer gleich aussehen zu lassen. Das wird uns gut gelingen, so viel kann ich schon verraten. Es wird einen ungewöhnlichen Bühnen Aufbau und verschiedene Projektionen geben. Die Setlist wird aus 6 bis 7 neuen Nummern der „Hey“ CD bestehen und der Rest eine bunte Mischung unser bisherigen Alben. Es ist immer eine Gratwanderung. Wenn man wie wir 12 Studioalben gemacht hat, also fast 11 Stunden Musik, wenn man diese am Stück hören würde, dann ist es schwer das auf 2 Stunden runter zurechnen. Es tut von Platte zu Platte mehr weh Songs rauszuwerfen. Manches wie „Sieben“ oder „Falscher Heiland“ kann man nicht weglassen, es ist also immer eine spannende Sache mit der Songauswahl. Auf der neuen Scheibe sind etliche kommende Liveklassiker dabei, da bin ich mir sicher. Aus Fachkreisen kamen bislang nur positive Feedbacks.

Chris:
Ihr seid ja in Deutschland sehr bekannt und eine unermüdliche Liveband. Wie schaut es in anderen Teilen der Welt aus? Habt ihr Pläne oder Ambitionen auch über den Rand der Republik hinaus? „Rammstein“ sind ja zum Beispiel auch außerhalb Deutschlands, trotz deutscher Texte, eine feste Größe.

Simon:
Wir waren in der Vergangenheit ja schon in den USA, in Russland, China oder Spanien. Als deutschsprachige Band ist es schwer und noch schwerer wird es, wenn man wie wir außergewöhnliches Instrumentarium benutzt. Man kann zum Beispiel in den USA ein Schlagzeug oder Gitarrenamps anmieten. Was man nicht mieten kann sind Ingo`s spezielle Gitarren oder Elektromandolinen. Dann noch Drehleiern oder E-Violinen. Wir sind halt sieben Leute und da hat man ruckzuck jede Menge Übergepäck und es stellt sich am Ende die Frage ob sich das Ganze dann noch lohnt. Man fährt ungern ins Ausland, um noch drauf zuzahlen. Versteh mich nicht Falsch, wir müssen dort kein Geld verdienen aber welches mitbringen wollen wir auch nicht. Bislang kamen wir unterm Strich mit Null davon. Aber wenn sich mal wieder die Möglichkeit ergibt wieder im Ausland zu spielen würden wir das machen. Es ist halt für deutschsprachige Bands nicht so einfach, wenn man nicht grade „Rammstein“ heißt.

Chris:
Bekommt ihr denn viel Resonanz aus anderen Ländern?

Simon:
Voll, obwohl unsere Songs dort teilweise kaum verfügbar sind. Ich habe erst vor kurzen eine Mail aus den USA erhalten, das man versucht unsere Songs zu laden, dieses aber aus irgendwelchen Vertriebsgründen nicht funktioniert. Die Leute bestellen sich die Sachen teilweise für sehr viel Geld im Internet.

Chris:
Du betreibt ja neben „Subway To Sally“ auch ein eigenes Studio und produzierst auch andere Bands. Was kannst du darüber erzählen und was ist da in Zukunft von dir zu erwarten?

Simon:
Zu der Studiogeschichte bin ich ein wenig wie die Jungfrau zum Kinde gekommen. Ich habe das immer für meine Bands gemacht und dann auch bei „Subway To Sally“ angefangen zu schreiben und aufzunehmen. Ich bin da im Grunde in diese Rolle so rein gerutscht, es kam eines zum anderen und nun mache ich das fast in Vollzeit. Aktuell habe ich einen Live-Mitschnitt für „Schandmaul“ von ihrem Jubiläum Konzert gemischt und auch an deren letzter Platte mitgearbeitet. Dann habe ich noch die neue „Freudenspiel“ CD produziert und natürlich die neue „Subway To Sally“. „Hey“ ist in meinem Studio entstanden.

Chris:
Wie ist der Status bei eurem Nebenprojekt „Bannkreis“? Wird es irgendwann einen Nachfolger zu dem starken ersten Album „Sakrament“ geben?

Simon:
Aktuell liegt „Bannkreis“ auf Eis. Wir wissen noch nicht genau wie es weitergeht, von den Businesspartnern haben wir Zusagen für Weiteres, da das Album ganz gut lief. Die Band kam auf Festivals sehr gut an. Man muss nur sagen das wir leider die geplante Tournee nicht fahren konnten, da einfach zu wenig Tickets verkauft wurden und es nicht die hohen Produktionskosten hätte decken können. Man kann zwar vor 200 Leuten spielen aber das hätte finanziell verbrannte Erde hinterlassen. Wir werden uns glaube ich mit „Bannkreis“ neu aufstellen, einige Festivals spielen und einfach mal schauen wie es weitergeht. Das Hauptaugenmerk liegt nun erst mal wieder auf „Subway To Sally“.

Chris:
Einige Mitglieder von „Subway To Sally“ haben ja schon Solo Alben veröffentlicht. Ist von dir in Zukunft so etwas auch mal zu erwarten?

Simon:
Nein, mein Solo Projekt heißt „Subway To Sally“. Dann habe ich ja noch die Heavy Metal Band „Silverlane“. Das ist eine Art Familienprojekt wo ich mit meinen Geschwistern spiele. Wir haben in der Vergangenheit eine Platte gemacht und witzigerweise wird da auch bald was Neues kommen. Im Grunde ist das ein ambitioniertes Spaßprojekt, das zum Zuge kommt, wenn ich mal etwas Zeit übrig habe. Das Ganze ist richtig guter Powermetal mit Orchester und Kitsch und allem Drum und Dran.

Chris:
Wie lief die „Eisheilige Nacht Tour“? Ich habe dort ein wenig die Feuer Show vermisst.

Simon:
Wir haben uns etwas anders aufgestellt und diesmal in LED-Technik investiert, wie schon zuvor auf der „Neon Tour“. Wir wollten einfach mal was anderes. Die Tour lief super und ist ja für uns eine Art Herzensangelegenheit, wir spielen ja mit befreundeten Bands, die wir selber gut finden und das Ganze ist wie eine Art Klassenfahrt.

Chris:
Hast du noch ein paar berühmte letzte Worte oder irgendetwas was du den Lesern gerne mitteilen möchtest?

Simon:
Leute, zieht euch das Album rein und lasst uns auf der „Hey“ Tour eine geile Rock Party feiern. Man sieht sich.

Subway To Sally „HEY!“ Tour 2019 & Support: Major Voice

28.03. 2019 Frankfurt – Batschkapp
29.03. 2019 Köln – Essigfabrik
30.03. 2019 Hannover – Pavillion
04.04. 2019 Nürnberg – Hirsch
05.04. 2019 München – Backstage
06.04. 2019 Leipzig – Anker
07.04. 2019 Saarbrücken – Garage
11.04. 2019 Berlin – Huxleys
12.04. 2019 Hamburg – Markthalle
13.04. 2019 Erfurt – Gewerkschaftshaus


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