Am 26.08.22 erscheint das neue Album der deutschen Dark Metal band LACRIMAS PROFUNDERE mit dem schönen Titel „How to shroud yourself with night“. Die Band konnte den mega starken Vorgänger „Bleeding the Stars“ von 2019 sogar noch toppen. grund genug für ein Interview mit Bandkopf und Gitarrist Oliver Nikolas Schmid über das neue Album und auch Gitarren Themen.

Glückwunsch zum neuen Album, was kannst du uns über die Entstehung und Produktion der Scheibe erzählen? Was hat euch inspiriert?
Danke dir sehr. Ich bin ja ein großer Verehrer von z. B. Paradise Lost und die Songs „Wall Of Gloom“ sowie sozusagen der Titelsong „Shroud Of Night“ sind als eine Art Hommage an die Band zu verstehen. Wir hatten ja die Ehre die Jungs einige Male zu supporten oder man traf sich auf Festivals, an diese Zeit musste ich denken, als ich die Nummern geschrieben habe. Generell reichen auf dem Album unsere Einflüsse aber von Arch Enemy zu Anathema, Sisters of Mercy, Primordial oder The Cult und zurück. Die Produktion war schwierig, weil wir während der Pandemie aufgenommen hatten und unser Sänger in Finnland lebt. Es gab Zeiten da durften wir uns nicht zu dritt im Studio aufhalten. Flüge wurden gecancelt und so waren wir im Juli 2020 zwar bereits mit den Gitarren und Drums fertig, der Gesang wurde aber sage und schreibe erst ein Jahr später fertiggestellt. Das eröffnete uns andererseits aber auch die einzigartige Möglichkeit nochmal sehr vieles zu verändern. Die Platte wäre gänzlich anders geworden, wäre alles wie sonst mit fixen Timelines gewesen. Uns fehlte zwar die Inspiration der Straße, aber dafür hatten wir unendlich viel Zeit und unendlich wenig Druck und es beschlich uns teilweise das Gefühl, dass dies unser letztes Album sein könnte und die Frage, was wollten wir schon immer mal machen. Diese Gedanken haben wir dann nicht verschoben, sondern einfach festgehalten. Es war alles sehr befreiend und die Gesamtsituation hat uns zu Experimenten geradezu eingeladen.

Wie siehst du den augenblicklichen Stand in der Musikszene mit den ganzen negativen Entwicklungen grade in der Livebranche?
Es ist hart. War es zwar auch schon vor Corona, aber jetzt macht es eigentlich überhaupt keinen Sinn mehr, Musiker werden zu wollen. Die Einnahmen aus Cds brechen weg, von Streaming kann keine Band leben und jetzt versiegt die noch einzig verbliebene Einnahmequelle, und zwar die Liveshows. Viele Bands sagen gerade ihre Tourneen ab und ich würde lügen, wären wir zufrieden mit den Vorverkäufen zu unserer Tour. Wir canceln dann eben die zusätzlichen Lichter und Pulte, die wir eigentlich anmieten wollten, weil wir einfach unbedingt jede Show durchziehen wollen. Wir hatten die guten Jahre wenigstens noch miterleben dürfen und kein Musiker sollte es wegen des Geldes, sondern seiner Liebe zur Musik tun. Davon bezahlst du aber eben keine Rechnungen.

Ihr seid ja auch schon eine ganze Weile im Geschäft, welche positiven oder auch negativen Ereignisse haben euch besonders geprägt?
Ach, es gab Veranstalter die mit der Gage abgehauen sind, auf unserer Tour durch Südamerika z.B. ist uns das sogar zweimal passiert, dann wurden wir am Flughafen in Nagoya vergessen, nach Wacken sind wir so spät losgefahren, dass wir beinahe unseren Gig verpasst hätten, ich musste einmal das Zimmer mit Markus seines Zeichens Drummer von Crematory teilen, der immer nackt schläft, in Shanghai sind auf einem Festival zwei volle Bier Flaschen haarscharf an meinem Kopf vorbeigeflogen, das waren richtige Geschosse, und negativ ist eigentlich gar nichts, lacht!

Wann hast du mit dem Gitarre spielen angefangen und kannst du dich noch an deine erste Gitarre erinnern?
Ja klar, es ist eine Epiphone Flying V und ich habe es mir selbst mit Songbooks beigebracht. Overkill, Slayer, Metallica usw.! Ich war ein Spätstarter und habe erst 21 begonnen.
Ist diese Gitarre noch in deinem Besitz?
Klar, steht gleich hier drüben…

Was sind deine musikalischen Einflüsse und welche Gitarristen sind deine Favoriten?
Hört man jetzt nicht sofort aber Dio, The Cult, natürlich Paradise Lost, Anathema. Favoriten, Billy Duffy und Vivian Campbell, allein schon für sein Intro von The Last In Line für mich unsterblich
Wie viele Gitarren besitzt du und welche sind deine Favoriten?
Hahahaha, kann ich dir gar nicht so genau sagen, 15 glaube ich. Die meines Endorsers ESP/Ltd sind meine Schätze, habe 7 davon, aber wirklich lieben tue ich meine weiße ESP Eclipse II und äh, dieselbe in matt schwarz.

Was meinst du macht die perfekte Gitarre oder Verstärker aus?
Tonabnehmer, Griffbrett, Hölzer, Stimmung, Korpus. Das muss jeder für sich selbst rausfinden. Aber ich bin bei den Eclipse Modellen meines Gitarren Endorser und den EMG 81er Tonabnehmern hängen geblieben. Ich bin ein Typ, der nichts ändert was gut läuft. Ich mag kein Tremolo, allein weil mich das Saitenwechseln nervt. Die perfekte Gitarre muss mit dir verschmelzen, du musst eins werden, aber das merkt man ziemlich schnell. Der perfekte Verstärker ist einfach zu bedienen und schiebt, am besten auch nur ein FlyRig wie das Tech21 Paul Landers. Ich liebe es, wenn das komplette Equipment in einen Gitarrenkoffer passt. Spiele übrigens auch noch immer mit Kabel, Funk ist mir alles zu anfällig. Aber auch hier, jeder wie er es für sich will. Ich kann mich nur konzentrieren, wenn ich weiß es läuft alles reibungslos um mich herum.
Was denkst du über die Frage Röhrenamp oder Modeler?
Modeler live in Studio Röhre. Die Modeler sind mittlerweile so gut, dass sich der Umstand mit Amps und Cabs schleppen nicht mehr rentiert. Was mich da nur sehr nervt, sind die tausenden Möglichkeiten des programmierens. Man ist nie zufriedenen, weil es so viel zu verändern und entdecken gibt. Da war mir der Röhrenamp doch viel lieber. Gain, Bass, Mitten und fertig. Daher liebe ich auch den kleinen von Paul Landers von Rammstein, den ich öfters verwende, weil der auch nicht viele Möglichkeiten bietet, aber trotzdem alles mitbringt was ich brauche. Oder ich nehme den Kemper Stage. Hinstellen, direct out und der Sound steht.

Welche Gitarren und Amps benutzt du für Aufnahmen?
Ich habe natürlich meine wunderschöne weiße ESP Eclipse II mit den altbekannten EMG 81 und 60er Tonabnehmern, die in all meinen Gitarren eingebaut sind, genutzt. Die spiele ich auch meistens bei den Liveshows. Es ist dieser saftige heavy Klang. Ich werde oft gefragt welchen Amp ich live verwende, weil der Sound so brachial kommt, es ist aber gar nicht der Amp, es ist die Klampfe, zumal ich, was ja aktuell keiner mehr tut, in Standard E Stimmung spiele, für das untenrum sorgt dann mein Basser Ilker, der früher bei der Band Freedom Call gespielt hat. Im Studio musste ich leider auch teilweise runterstimmen, aber generell versuche ich in der Standard Stimmung zu bleiben, weil ich finde, dass aktuell alles gleich klingt. Es wird sich mit Break Downs und tiefer gestimmten Klampfen fast schon überboten, bei mir muss es aber nicht nur tief, sondern auch etwas kratzig klingen und ich mag die Herausforderung in dieser Stimmung trotzdem sautief zu klingen. Bevor ich lieb Gitarren wechseln muss, verbiege ich mir lieber die Finger, um einige Chords hinzubekommen. Weiters habe ich mehr als sonst mit dem EBow gearbeitet, um diese coolen Feedbacks zu erzeugen. Gelegentlich dann auch auf Gitarren mit Sustainiac Pickup zurückgegriffen. Die Hauptamps die wir im Studio verwendet haben waren Diezel D-Moll und Mesa Rectifier, wie ein Mesa Boogie 2-Kanal Rectifier für den heavy Kram.

Wenn du nur eine einzige Gitarre auswählen dürftest, welche würdest du nehmen?
Die Antwort ist einfach, habe ich das Teil doch bereits mehrfach erwähnt. Da ich wohl auch mit der Gitarre beerdigt werden möchte: ESP Eclipse II Snow White! Danke für das schöne Interview, ich hoffe wir sehen jemanden von Euch auf unserer Tour im September.
Lacrimas Profundere + Soulbound – Kulttempel Oberhausen 22.10.2021













