Interview mit Milan Polak

Technisch hoch versierte Gitarrenhelden gibt es wie Sand am Meer. Viele sind aber keine guten Songwriter und höchst selten noch tolle Sänger dazu. Steve Lukather oder Richie Kotzen gehören zu der seltenen Gruppe von Ausnahmemusikern, die einfach alles drauf haben. Aus unserem Nachbarland Österreich gesellt sich mit Milan Polak ein weiterer dazu. Auch wenn nicht ganz so bekannt wie die beiden genannten konnte er mit vielen Projekten, als Session Gitarrist oder mit tollen Solo Alben punkten. Nun legt er mit „Can’t Please Everyone“ ein brandneues und sehr gelungenes Solo Werk vor (https://darkstars.de/review/milan-polak-cant-please-everyone/). Was er uns dazu berichten konnte lest ihr nun in unserem exklusiven Interview.

Chris:
Zuerst herzlichen Glückwunsch zu der tollen neuen CD. Erzähl doch unseren Lesern mal wie für dich alles mit der Musik begann und wer oder was dich dazu brachte Profi-Musiker zu werden?

Milan:
Hallo Chris, erst mal vielen Dank für die tolle Review! Ich wollte eigentlich schon immer Musiker werden, von klein auf. Als Kind konnte ich bereits die meisten Beatles-Lieder singen und später lernte ich sie dann auf der Gitarre. Gleichzeitig hörte ich “Friday Night In San Francisco” und dachte, dass wenn man Gitarre spielen können möchte, dies die Norm sei. Also lernte ich die Licks von dem Album nach Gehör. Niemand sagte mir damals, dass es sich hierbei um die absolute Spitze der Gitarren-Liga handelte. Und ich denke, dass eben diese “eigenartige” Kombination dann auch meinen späteren Weg prägte – auf der einen Seite beeinflusst von hochkarätigem Songwriting, auf der anderen Seite von virtuosem Gitarrenspiel.

Chris:
Wie lief die Produktion des neuen Albums und was hat dich beim Schreiben der Songs inspiriert?

Milan:
Die Produktion lief eigentlich so wie immer ab: Ich schreibe und recorde die Demos alleine, spiele alle Instrumente und schicke die Tracks dann an die Musiker, die ich gerne auf dem jeweiligen Song hätte, damit sie’s besser machen als ich. Wie schon beim Vorgänger-Album “Scarred To Perfection” spielte ich diesmal neben allen Gitarren auch die meisten Bässe selbst, allerdings spielen Billy Sheehan und Tony Franklin jeweils auf einem Song den Bass. Damit ist einer meiner größten Wünsche/Jugendträume in Erfüllung gegangen. Inspirieren lasse ich mich eigentlich immer vom Leben und Menschen. Dadurch werden meine Songs auch sehr persönlich. Der größte Unterschied zu vorherigen Alben ist, dass während ich normalerweise alles im Kopf komponiere, ich diesmal fast ausnahmslos meine Gitarre in der Hand hielt und auf dem Instrument komponiert habe. Und einen Song habe ich am Piano geschrieben.

Chris:
Welches Equipment hast du verwendet und wie steht es bei dir mit Endorsement Verträgen?

Milan: Meine 2 Main Amps waren ein Victory Verstärker und ein BluGuitar Amp1. Elektrische Gitarren spiele ich ausnahmslos von Ernie Ball Music Man, die auch 2 Modelle für mich gebaut haben, alle mit DiMarzio Tonabnehmern bestückt. Zusätzlich habe ich Pedale von MOOER Audio benutzt, und Plugins von Nembrini Audio und Valhallir IRs. Meine DAW ist seit immer und ewig schon Steinberg Cubase Pro. Mit all den erwähnten Firmen habe ich zum Teil schon lange, persönliche Kontakte, die weit über Endorsement-Verträge hinausgehen…

Chris:
Was macht für dich die perfekte Gitarre und Amp aus? Wie stehst du zu der Frage Modeler oder Tube-Amp?

Milan:
Vorweg, ich bin ein Röhren-Fan. So gut und weit fortgeschritten die Technologie heutzutage schon ist, bin ich dennoch der Meinung, dass man Physik nicht austricksen kann. Allerdings bin ich zugleich auch immer offen für neue Dinge und probiere gerne moderne Systeme aus. Ich glaube, dass Modeler Amps zumTeil gute Kompromiss-Lösungen sind, vor allem live oder im Studio für Demos, etc. Bei Gitarren ist es abgesehen vom Klang hauptsächlich das Feeling. Ich nehme das Instrument in die Hand und es sagt mir zu oder nicht.

Chris:
Wie kamst du zu deinem Platten Label Lion Music?

Milan:
Lion Music und ich blicken auf eine lange Zusammenarbeit zurück. Alle meine Alben sind auf Lion Music erschienen. Wir haben ein gutes Verhältnis und das Label ist sozusagen einer der letzten Mohikaner in diesem aussterbenden Business. Angefangen hat unsere Zusammenarbeit vor vielen Jahren als Lion Music mich kontaktierte um zu fragen, ob ich einen Song zum Jason Becker Tribute (auf dem u.a. auch Steve Vai und Marty Friedman sind) beitragen wolle.

Chris:
Wie kam es 2007 zu der Zusammenarbeit mit der Band „Subway to Sally“? Die Band hat doch einen festen Komponisten und Gitarristen. Mich hat das damals sehr verwundert.

Milan:
Ich wurde damals aufgrund einer persönlichen Empfehlung kontaktiert und gefragt, ob ich daran interessiert sei, die Gitarren für ein neues Album einzuspielen. Ich kannte “Subway To Sally” bereits vom Namen her und sagte zu. Im Laufe der Zusammenarbeit fing ich dann auch an, beim Songwriting eine aktive Rolle zu spielen. Das Ergebnis heißt “Bastard” und ist ein sehr tolles Album geworden, von 0 auf Platz 7 in den deutschen Album-Charts und der Song “Auf Kiel” gewann damals auch noch Stefan Raab’s Bundesvision Song Contest. “S.t.S.” sind eine tolle band und die Zeit war eine der besten Erfahrungen in meiner Karriere.

Chris:
Hattest du schon mal den Wunsch oder die Gelegenheit in eine bekannte Band einzusteigen oder siehst du dich als reiner Solo Künstler?

Milan:
Absolut & permanent… haha Leider hat es sich aber nie ergeben. Und so entwickelte sich eben stattdessen immer mehr meine Solo-Karriere. Das Problem ist glaube ich auch, dass das ganze irgendwann beginnt eine Eigendynamik zu entwickeln und die Leute dann glauben, dass Du entweder nicht in einer Band spielen möchtest, oder ein zu großes Ego hast…

Chris:
Was machst du neben der Musik? Hast du noch Zeit für andere Dinge oder Hobbys?

Milan:
Ich betreibe viel Sport bis zu 6 Mal die Woche und versuche mich so gesund wie möglich zu ernähren. Ich habe 2 Tauchscheine und – das wird unter Umständen einige überraschen – interessiere mich für Options Trading Srategies. Aber im Großen und Ganzen ist mein Leben eigentlich 24h 7 Tage die Woche mit Musik (und allem was das mit sich bringt) gefüllt und erfüllt.

Chris:
Das Musikbusiness ist durch die Corona Krise schwer ins Wanken geraten. Wie siehst du das Ganze und wie schätzt du die Zukunft für Musikschaffende ein?

Milan:
Hmmm, gute Frage. Ich bin kein Hellseher und ich möchte hier auch nicht allzu politisch werden. Aber die Wahrheit ist, dass sowohl die Weltwirtschaft als auch das Music Business schon vor Corona seit längerer Zeit arg in der Krise waren. Covid-19 ist da für die Politik nur ein “willkommener” Buhmann und die weltweite Quarantäne hat natürlich zusätzlich noch enorm viel Schaden angerichtet. Meine Prognose ist, dass mehr Menschen an den Folgen des Lockdown sterben werden als an dem Virus…Was Musikschaffende anbelangt, so ist mit den Absagen von Konzerten, Tourneen, etc. für uns mit Sicherheit nichts einfacher geworden. Noch dazu gibt es einen Faktor, den im Moment noch jeder zu übersehen scheint: in Zeiten von finanziellen Krisen ist Kunst das letzte, was Leute interessiert oder wofür sie Geld ausgeben (können/wollen)…

Chris:
Wie sehen deine Pläne für die Zukunft aus und was würdest du dir wünschen?

Milan:
Ich mache im Moment keine großen Pläne, die von äußeren Umständen abhängen, da spätestens die letzten Monate uns gezeigt haben, dass sich alles von einem Tag auf den anderen radikal ändern kann. In der Zwischenzeit habe ich angefangen, mein nächstes Album aufzunehmen, ich mache diverse Studio Jobs und habe einen Charity song geschrieben, auf dem Ron ‘Bumblefoot’ Thal, Billy Sheehan und Derek Sherinian mitspielen. Der Song mit dem Titel “The Future Is Now” wird bald veröffentlicht werden, und die Einnahmen gehen an eine Organisation, die Kindern und Jugendlichen mit Depressionen und Angstzuständen hilft.

Chris:
Vielen dank für das nette Gespräch und weiterhin viel Erfolg. Hast du zum Abschluss noch etwas was du den Lesern gerne mitteilen möchtest oder irgendwelche berühmten letzten Worte?

Milan:
Ich habe zu danken, Chris. Ich hoffe, dass mein neues Album vielen Lesern gefallen wird. Es ist bis dato mein persönlichstes und intensivstes Album. Wenn Leute mit mir in Kontakt treten wollen, so können sie das sehr gerne über meine Socials tun. Ich freue mich immer über neue Likes und Followers auf meinem relativ neuen IG Account http://www.instagram.com/milanpolakofficial und/oder meiner FB Page http://www.facebook.com/milanpolakofficial
Rock on,
Milan Polak


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