Dieser Tage erscheint mit „Guitar Stories“ ein tolles, bis auf einen Titel rein instrumentales Album des renommierten deutschen Gitarristen Marco Wriedt (Open Spotify link). Grund genug für ein sehr ausführliches Interview mit dem sympathischen Gitarrenass.

Wie kam es zu der Idee zu einem Soloalbum, du bist vielen ja eher als Band-Player im Gedächtnis?

MW: Es hat sich viel Material über die Jahre angesammelt was zum Teil nicht zu den Bands gepasst hat in denen ich gespielt habe. Irgendwann so 2018 war ich bereit das Thema Soloalbum in Angriff zu nehmen. Auch um unabhängiger von Bands zu werden. Band Strukturen sind vor allem heutzutage sehr fragil. Deswegen ist auch dieses erste „Guitar Stories“ Album nur ein Beginn was ich jetzt ausbauen werde. In der Pandemie hatte ich dann auch Zeit alles in Ruhe auszuarbeiten und kompositorisch abzuschließen. Es tat einfach auch gut sich mal richtig auszutoben künstlerisch und einen großen Teil meiner musikalischen Bandbreite zu zeigen.

Wie lief die Produktion ab und was hat dich zu den Songs inspiriert?

MW: Ich habe wie gesagt über ca. sechs, sieben Jahre viel Material gesammelt. Diese Ideen habe ich dann Ende 2019/2020 gesichtet und mich für 8 Songs entschieden. Ich wollte dieses Album kompakt und relativ kurz halten. Im Sommer 2020 wurden dann die Drumspuren eingespielt von Alex Landenburg. Alex ist nicht nur einer meiner besten Freunde sondern natürlich auch einer der besten Drummer seit Jahren. Ich liebe die Drums auf dem Album. Sie tragen enorm viel bei! Sehr kreative Sachen die Alex da eingespielt hat. 2021/2022 habe ich dann die Gitarren eingespielt. Inklusive Bassspuren. Parallel haben meine Gäste auch alles geschickt. Das war wirklich ein spannender Prozess. Trotzdem dauerte es bis Ende 2023 da ich parallel auch immer wieder mit Pink Cream 69 unterwegs war und Sachen geschrieben btw. aufgenommen habe. Im Oktober/November wurde das Album dann von Dennis Ward gemixed. Eine Ehre für mich. Ich bin großer Fan seiner Arbeit seit über 20 Jahren und wir kennen uns auch schon seit 2007. Ich bin wirklich begeistert von seiner Arbeit! Das Album klingt frisch aber nicht plastisch sondern sehr lebhaft und organisch. Das war mir sehr wichtig.

Welche Amps, Gitarren usw kamen auf der Scheibe zum Einsatz?

MW: Viele verschiedene. Ein Engl Invader II, ein Fender Deluxe Reverb, ein Tripple Rectifier, ein PRS Archon 50. Alle Solo Spuren sind mit einem PRS Archon Plug In aufgenommen. Im Gitarrenbereich ist es übersichtlicher. Da kamen meine PRS 509 and Custom 22 zum Einsatz! Außerdem noch meine Cordoba Stage für die klassischen Momente.

Wie kam der Kontakt zu den Gastmusikern auf dem Album und wie liefen die Aufnahmen der Gastbeiträge ab?

MW: Es sind alles Freunde von mir und alle haben einen großartigen Beitrag geschickt. Ich wollte unbedingt Victor Smolski auf „2G Decadance“. Der Song hat eine tolle Energie und durch Victor noch mehr. Gretchen Menn ist die perfekte Partnerin für „A Moment of Dialogue“. Als ich den Song fertig hatte habe ich sofort an sie gedacht. Ich liebe ihr lyrisches und legato orientiertes Spiel seit Jahren. Fabian „Dee“ Dammers war vor vielen Jahren mein Schüler und ist jetzt seit Jahren auf Tour mit UDO. Ich bin so stolz auf Ihn. Es war mir einen Herzensangelegenheit ihn auf dem Album zu haben. Julian Rolinger war meine erste Sänger Wahl für „And Then She Turned Away“. Der perfekte Song für seine grandiose Stimme. David Bertok hat bei mehreren Songs mit seinen epischen Keyboards die Kompositionen noch mehr veredelt.

Wie siehst du die Chancen für Gitarrenmusik und dessen Bedeutung in der heutigen Zeit?

MW: Die Gitarrenszene ist gesund und relevant. Es gibt viel Interesse und viele Menschen die sich für unser Instrument leidenschaftlich interessieren. Schade ist, dass vor allem die E-Gitarre im Pop bzw. Mainstream nach wievor zu wenig im Vordergrund ist. Live haben alle großen Pop Stars tolle Gitarristen dabei. Auf den Studio Produktionen sieht es aber leider anders aus. Das kann man mit den 70‘ern/ 80‘ern und zum Teil auch noch 90‘ern einfach nicht mehr vergleichen. Ein gutes Solo kann einen guten Song noch schöner machen meiner Meinung nach.

Das Album erscheint ja nur digital, siehst du keine Chancen mehr für richtige Tonträger oder ist die Zeit dafür vorbei? Wie ist deine Meinung dazu?

MW: Es hat sich seit der Pandemie nochmal einiges verändert. Streaming ist jetzt endgültig auch im „Hard‘n Heavy“ das führende Format. Vielleicht lasse ich im Herbst Vinyl pressen aber dann nur sehr limitiert. Es ist einfach eine neue Realität in Sachen Musikkonsum. Ich höre auch immer noch gerne eine CD oder Vinyl aber Streaming bestimmt mittlerweile den Alltag. Da sollte man sich nichts anderes einreden auch wenn ich vom Herzen her kein großer Fan vom Streaming bzw. Vergütungsansatz in Sachen Streaming bin.

Du bist ja recht breit aufgestellt mit verschiedenen Bands, Gitarrenunterricht und Arbeit für Instrumentenhersteller. Muss man heutzutage mehr arbeiten um in der Musikbranche zu überleben?

MW: Es hat sich auch da viel verändert. Heut hast du als Musiker mehrere Einkommenspakete bzw. Bereiche. Das war selbst noch 2007 anders wo es homogener war. Streaming war in den 2010‘ern wirklich nochmal eine Revolution die bis heute, sagen wir, sehr fordernd ist für Künstler. Arbeiten musste man schon immer und es war nie einfach aber ich glaub man muss heutzutage schon sehr kreativ und „wach“ sein um vernünftig durch dieses Business zu kommen. Geschenkt wird einem definitiv nichts. Aber wenn man offen ist und einen kreativen Geist hat, funktioniert es auch immer noch.

Wie schaut es auf dem Live Sektor bei dir aus? Irgendwelche Planungen?

MW: Es wird im Lauf der nächsten Monaten 1-2 spannende News zu diesem Thema geben.

Es erscheinen ja schon seit Jahren neue Alben wie am Fließband und fast jeder bringt irgendetwas auf den Markt, leider auch viele die eigentlich noch an sich arbeiten sollten. Glaubt du das dieser Overkill an Releases den etablierten und gestandenen Musikern schadet?

MW: Ja, ich denke dass es wie so oft ein zweischneidiges Thema ist. Heutzutage kann jeder seine Musik hochladen was den Bereich sehr demokratisiert hat aber es gibt dadurch leider keinen wirklichen qualitativen Anspruch mehr. Viele Sachen in Demo Qualität werden heutzutage hochgeladen die den Markt überschwemmen. Es ist sehr verlockend direkt etwas hochzuladen aber vieles was einfach „unfertig“ wirkt überschwemmt einfach richtig gute, ausgearbeitete Sachen die mehr Aufmerksamkeit verdient hätten. Es ist schwer durch diese Masse an Releases durchzubrechen aber auch hier. Gute Marketing Ideen waren auch schon immer wichtig.

Wenn du deine Musik jemanden beschreiben sollten der noch nie von dir gehört hat, wie könntest du deinen Stil und deine Songs in Worte fassen?

MW: Lyrische, emotionale und melodische Gitarrenmusik mit einem breiten Farb-Spektrum. Von heavy, eingängig, über progressiv verspielt bis atmosphärisch und episch.

Hast du noch etwas was du den Musik-begeisterten und Fans deiner Musik mitteilen möchtest oder allgemein etas was dir auf dem Herzen liegt?

MW: Danke für eure Unterstützung. Vor allem die Gitarren Community ist sehr leidenschaftlich und treu. Ich schätze das sehr! Ich kann sehr den „Guitar Summit“ in Mannheim empfehlen. Es ist quasi ein Klassentreffen für unsere Branche. Einfach großartig! Besucht gerne meine Website für mehr Informationen.

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