Marco Wriedt ist einer der kreativsten Köpfe in der deutschen Rock Szene. Von 2007 bis 2015 konnte er sich als Gitarrist der international bekannten Band „Axxis“ einen Namen machen. Nach seinem Ausstieg dort formierte er seine eigene Band „21 Octayne“, mit denen er zwei vielbeachtete Alben auf den Markt brachte. Die Band brachte frischen Wind in die Szene und beeindruckte mit zeitloser Rockmusik. Leider zerbrach „21 Octayne“ an ständigen Besetzungswechseln und so blieb der verdiente Aufstieg an die Spitze aus. Für 2019 hat sich Marco Wriedt, der auch immer wieder als Aushängeschild der bekannten Gitarrenfirma „Fender“ auf Musikmessen und in Workshops zu begeistern vermag, einiges vorgenommen. Mit seinem neuen Projekt „The Arc of Light“ möchte er zusammen mit Sänger Julian Rolinger und Keyboarder David Bertok richtig durchstarten. Eine Platte soll im Laufe des Jahres erscheinen und auch Konzerte sind in Planung. Was uns Marco dazu und auch zu anderem berichten konnte, lest ihr nun in unserem Interview.

Chris:
Hallo Marco, erzähl uns doch mal etwas zu deinen Anfängen mit der Musik, deiner Zeit bei „Axxis“ und warum es mit „21 Octayne“ leider nicht zu dem verdienten Erfolg geführt hat?

Marco:
Ich habe mich mit acht Jahren in die Musik bzw. Gitarre verliebt. Die frühen Queen-Alben hatten damals wohl den größten Einfluss auf mich. Ich bin meinen Eltern sehr dankbar, dass sie mich in diesen Jahren musikalisch so geprägt haben. Es lief immer Musik. Genesis, Toto, Beatles oder auch Barbra Streisand, italienische Pop Musik oder Brahms. Ich bin sehr musikalisch vielseitig aufgewachsen. Für mich war es normal, morgens mit Pop Musik in die Schule gebracht zu werden und dann bei den Hausaufgaben Savatage zu hören. Mit zehn Jahren hatte ich dann meinen ersten Gitarrenunterricht. Zu dieser Zeit habe ich dann auch meine erste Band gegründet. Ich kann mich noch gut daran erinnern, dass ich auf dem Schulhof in der vierten Klasse unsere selbst aufgenommenen Kassetten verkaufen wollte. Mir war das damals schon sehr ernst. Meine Klassenlehrerin fand das auf der einen Seite etwas, sagen wir mal zu „ambitioniert“ für einen 10-Jährigen, aber auf der anderen Seite auch toll, weil sie gemerkt hatte, wie knietief ich in der Musik leidenschaftlich gesteckt habe. Als Teenager habe ich dann die typischen Gigs vor zwei Leuten gespielt, jahrelang natürlich. Das war eine sehr gute Lernphase mit 18 Jahren genauso wenig ernst genommen zu werden als Musiker wie mit 11 Jahren, obwohl man sich schon als Musiker in den Jahren entwickelt hatte. Außerdem war zu dieser Zeit Techno, Boybands und Alternative Rock angesagt. Da war es extrem uncool, den Mitschülerinnen zu erzählen, dass man gerade die lydische Skala für sich entdeckt hat. Mein Lieblingsbuch war damals übrigens „Rock Guitar Secrets“ von Peter Fischer! Immer noch ein großartiges Buch, was ich sehr empfehlen kann. Aber ich bin drangeblieben und mit 19 Jahren habe ich Roland Güthoff kennengelernt, der eigentlich der erste war, der Potential in mir gesehen hat. Ich bin ihm für so viel dankbar. Er hat mein Leben maßgeblich mitbeeinflusst! Mit 22 Jahren wurde ich dann von „Axxis“ mehr oder weniger entdeckt. Das war natürlich ein Riesensprung. Ich konnte so viel von Bernhard und Harry in der Zeit lernen und bin auch ihnen bis heute für viele Sachen dankbar. Wir haben meiner Meinung nach tolle Alben zusammen aufgenommen mit teils sehr guten Chartplatzierungen. Auch meine erste Europa-Tour 2007/2008 werde ich niemals vergessen. Allein über diese Tour könnte man wohl ein Buch schreiben. „Axxis“ hatten auch immer fantastische Fans, die mich von Anfang an mit offenen Armen empfangen hatten. Das war eine großartige Zeit mit großenteils schönen Erinnerungen, für die ich sehr dankbar bin! „21 Octayne“ war natürlich auch sehr aufregend und wurde von uns selbst ins Leben gerufen, was unglaublich aufregend war. Musikalisch hatten wir teilweise sehr unterschiedliche Einflüsse, die wir aber einfach miteinander kombiniert haben, ohne Kompromisse. Das war spannend! Sonst hätten wir die Band nämlich nie ins Leben gerufen. Alex und ich haben damals immer gesagt: Es muss einen Grund geben, diese Band zu machen. Wir wollten wieder mehr den instrumentalen/musikalischen Aspekt in den Mainstream Rock bringen, das fehlte uns und wir wollten Diversität. Ich bin sehr stolz auf diese beiden Alben. Aber wenn du eine eigene Band aufziehst, musst die sie auch wirklich wollen und alles in sie reinstecken! Sonst funktioniert das nicht. Das ist Hingabe und bedeutet vor allem auch die Extrameile zu gehen und ja, das kann sehr anstrengend sein. Wenn man dann zeitgleich in mehreren Bands spielt und dadurch eben keine 100% geben kann, entstehen Spannungen, mit den Bandmitgliedern, die sich ausschließlich für die Band einsetzen. Wir haben aber keinen Streit miteinander, obwohl ich sagen muss, dass es schon sehr weh tat als das Original-Line Up nach und nach auseinandergebrochen ist. Robert Schiefer muss ich hier auch erwähnen. Ich denke jetzt, dass er oftmals als Manager die Band mehr geliebt hat als so mancher, der in der Band war. Ihm haben wir unglaublich viel zu verdanken! Die Fans hatten sich halt auch an das Original-Line Up gewöhnt, was ich natürlich verstehen kann, aber ich muss sagen, dass die späteren Line Ups sehr viel Leidenschaft gezeigt haben. Es sollte aber dann einfach nicht mehr sein mit „21 Octayne“ und somit ist es an der Zeit für etwas Neues und Frisches!

Chris:
Wie kam es zu der Idee „The Arc of Light“ zu gründen und wie sehen eure Pläne für 2019 aus?

Marco:
David Bertok und ich kennen uns schon seit 2010. Wir haben uns interessanterweise auf einem Festival in Süddeutschland kennengelernt. Er hat damals dort mit der Band „Subsignal“ gespielt und ich mit „Axxis“. Ich war sehr von seiner Performance beeindruckt! Und wir hatten schon immer vor, etwas gemeinsam musikalisch zu machen, da wir schnell gemerkt haben, dass wir eine musikalische Sprache sprechen. In den letzten Monaten von „21 Octayne“ habe ich David offen gesagt, dass es jetzt Zeit sei, nicht nur etwas musikalisch zu machen, sondern es richtig zu machen, eine wirkliche Band zu gründen. David ist der komplette Musiker, ein beeindruckender Pianist/Keyboarder, Filmkomponist und am Ende ein wunderbarer Mensch. Wir wollten sofort Julian Rolinger als Sänger. Wir wussten, dass er der richtige Sänger für diesen Stil sein würde. Außerdem ist Julian hungrig und versprüht eine fantastische Energie, die ansteckend ist! Julian hat sich wirklich großartig weiterentwickelt! Im Februar/März wird die Produktion des Albums abgeschlossen sein. Wir hoffen auf einen Release im Herbst 2019.

Chris:
Wie entstehen die Songs bei „The Arc of Light“. Welche Einflüsse habt ihr und was inspiriert euch?

Marco:
Da David in Los Angeles lebt, haben wir uns mehrmals in verschiedenen Metropolen getroffen. Wir schreiben alle Songs gemeinsam und wurden definitiv auch von den Städten inspiriert, wo die Songwriting Sessions stattgefunden haben. Die erste Session war in L.A. Anfang Januar 2018, dann haben wir uns im März in London getroffen und die dritte Session fand in New York City statt. Dadurch ist der Sound sehr international denke ich, was wir auch erreichen wollten. Wir nennen unseren Stil „Cinematic Pop“, da wir auf jeden Fall einen starken Einflussaus der Filmmusik haben und einen Hang zum Epischen, also Musik, die auch sehr visuell ist. Der Song an sich, Hooks und interessante Arrangements stehen bei uns im Mittelpunkt. Wir wollten Melodien erschaffen, die man nicht mehr aus dem Ohr bekommt. Aber natürlich spielt auch der musikalische Aspekt eine Rolle bei uns. Als Musiker bzw. Songwriter möchte man natürlich Emotionen transportieren und das ist uns am allerwichtigsten.

Chris:
Wie schätzt du das Musikbusiness heutzutage ein, ist es schwerer geworden für Musiker und kannst du von der Musik leben?

Marco:
Da ich die 70´er und 80´er als schaffender Musiker nicht mitbekommen habe, kann ich nicht über die „gute alte Zeit“ schwärmen. Das Musikbusiness hat sich natürlich verändert. Aber so war es schon immer. „Einfach“ war es wohl nie. Außerdem ist Musik/Kunst zu subjektiv, dass man sagen kann: „Oh, das wird auf jeden Fall Erfolg haben“…Für manche ist Eric Clapton der beste Gitarrist aller Zeiten, für die anderen ist es John Petrucci und beide könnten nicht unterschiedlicher sein. Das Business war schon immer unberechenbar. Die Art, wie Musik konsumiert wird hat sich natürlich in den letzten 20 Jahren sehr verändert. Früher wollte ich die Schule für das neue Metallica Album schwänzen, weil man es unbedingt an dem Tag der Veröffentlichung im CD Laden kaufen musste. Dadurch war das Album an sich was ganz Besonderes, was man wertgeschätzt hat. Musik hat ihren Preis. Musik muss was kosten. Diese umsonst Mentalität stört mich. Streaming ist jetzt endgültig da und wird auch nicht mehr verschwinden, aber deswegen zu sagen, dass es keinen Sinn mehr macht, Musiker zu werden, das sehe ich ganz anders. Es gibt auch heute genug erfolgreiche Bands und Musiker. Man muss halt da auch mit der Zeit gehen und neue Konzepte ausarbeiten und Möglichkeiten erkennen, die man als Musiker vielleicht so vor 30 Jahren nicht hatte! Das Internet bietet auch viele Chancen. Wenn man aber denkt/hofft, dass die 80´er Jahre wieder zurückkommen und damit auch der Businessansatz aus dieser Zeit, wird man als Musiker sehr schnell frustriert sein. Entwicklung ist nicht aufzuhalten. Der Markt ist da knallhart und nimmt keine Rücksicht auf das, was vielleicht mal 1977 Gesetz war. Die Geschwindigkeit in der heutigen Zeit ist schon beeindruckend! Deswegen ist es wichtig, „wach“ zu sein und „gestalten“ zu können. Einfach nur im Proberaum zu sitzen und auf den einen Anruf von einem Manager zu warten reicht eben nicht aus. Man muss da schon viel Eigendynamik mitbringen, dann hat man auch heute sehr gute Chancen, vernünftig von der Musik leben zu können, was ich glücklicherweise auch tue!

Chris:
Hattest du schonmal den Gedanken alles hinzuwerfen, z.B. nach dem Split von „21 Octayne“ und dich anderen Dingen zuzuwenden?

Marco:
Nein! Zu keinem Zeitpunkt. Jedes Jahr in diesem Geschäft ist eh wie eine Wundertüte…Man weiß nie wirklich, wie sich Sachen entwickeln. Und wie gesagt, mir und David war es recht schnell klar, dass wir eine neue Band auf die Beine stellen wollten. Da heißt es Mund abwischen und weiter geht es. Natürlich war es am Anfang hart, „21 Octayne“ zu beenden. Man hat schließlich acht Jahre seines Lebens in die Band gesteckt. Beziehungen sind deswegen kaputt gegangen etc., etc., aber nach einer Zeit ist man dann auch bereit für das nächste Kapitel und ich bin jetzt sehr dankbar, mit David und Julian in dieser Band sein zu dürfen! Bands sind meine Leidenschaft. Ich kann eh nicht anders. Ich könnte niemals so ein Youtube Musiker werden, der jeden Tag nur Videos hochlädt. Das ist auch wichtig heutzutage und es ist eine tolle Plattform, die ich sehr schätze, aber nur darüber stattzufinden, würde mir persönlich nicht ausreichen. Dafür genieße ich zu sehr die Bühne, ein vernünftiges Studio und die Zusammenarbeit mit einer Plattenfirma etc.

Chris:
Wie wichtig sind Endorsement Verträge mit Herstellern von Musik Equipment, wie zum Beispiel Fender Gitarren oder ENGL Gitarrenverstärkern für dich?

Marco:
Ich habe immer nur mit Firmen zusammengearbeitet, mit denen ich mich auch identifizieren konnte. Als die Anfrage von Fender kam, musste ich erstmal schlucken. Fender ist eine Legende und es ist wirklich eine große Ehre, ein Teil der Artist-Familie zu sein. Ich habe schon als Teenager Fender Gitarren gespielt. Meistens, wie jeder andere auch, eine „Stratocaster“. Aber dann habe ich durch meinen geschätzten Freund Dominik Louis die „Jaguar“ entdeckt und seitdem ist das meine Lieblings Fender-Gitarre. Eine unglaublich vielseitige Gitarre, mit der man endlose Soundmöglichkeiten hat. Fender ist ja auch nicht nur eine Gitarrenfirma, Fender hat Musikgeschichte mitgeschrieben. Es ist wirklich etwas Besonderes für mich, Fender als Künstler zu repräsentieren.

Chris:
Vielen Dank für das nette Gespräch. Hast du noch ein paar berühmte letzte Worte für unsere Leser?

Marco:
Ich würde mich freuen, wenn ihr meiner neuen Band „The Arc of Light“ auf Facebook und Instagram ein „like“ schenken könntet! Wir freuen uns, bald unsere Musik mit Euch zu teilen! Danke für Eure Unterstützung!

Pressefotos

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