Interview mit Hans Platz von FEUERSCHWANZ

Bildnachweis: S. Metzner/ M.Felix

Die Mittelalterrockband FEUERSCHWANZ hat mit ihrem neuen Album „Das Elfte Gebot“ einen kommenden Anwärter auf hohe Chartplatzierungen in der Pipeline. Mit dem Gitarristen Hans Platz hat die bunte Truppe zudem einen der versiertesten Gitarristen Deutschland in seinen Reihen. Auch international genießt der Vollblutmusiker höchstes Ansehen. Für sein Solo Album Album „Timestamps“ konnte er Weltklassemusiker wie Marco Minnemann (Steven Wilson, Joe Satriani, Aristocrats), Wolfgang Haffner (Passport, Metro, Till Brönner), T.M. Stevens (James Brown, Joe Cocker, Steve Vai, Billy Joel, John McLaughlin) oder Pete Griffin (Zappa plays Zappa) für sich gewinnen. Grund genug für ein kleines Interview mit Hans Platz.

Hallo Hans, erst einmal Glückwunsch zum neuen Feuerschwanz Album. Was kannst du uns zu der Produktion und dem Songwriting zum Album berichten?

Wir sind immer sehr fleißig und fangen schon lange vor den eigentlichen Aufnahmen mit dem Songwriting an. Eine Produktionszyklus dauert bei uns etwa 1,5-2 Jahre – vom Songs schreiben bis zum fertigen Master. Bei Hodi, unserem Sänger, laufen dabei die Fäden zusammen, in Summe ist es aber eine Teamleistung. Er hat z.B. Songs, die grob mit Akkorden skizziert sind, da packe ich dann Riffs dazu, oder ich habe detaillierte Ideen an der Gitarre, die er dann zu fertigen Songs baut. Oft geht es dann auch ein paar mal hin und her bis der Song steht. Unser Hauptmann steuert dabei dann auch die ein oder andere Textidee dazu. Wenn die Vorproduktion einigermaßen steht, kommt dann unser Produzent Simon Michael dazu, der dann nochmal seine Meinungen und Ideen einbringt.

Wie bist du eigentlich damals zu der Truppe gestoßen, du standest ja eher für virtuose Gitarrenmusik?

Den Bandgründer, den ‚Hauptmann‘, kenne ich schon sehr lange. Bei einem JBO-Konzert erzählte er mir, dass sie eine Live-CD aufnehmen wollen und gerne eine E-Gitarre dabei hätten. Da habe ich ja gesagt, und war während dem Konzert total geflasht von der Publikumsreaktion. Da war es um mich geschehen 🙂

Welche Amps und Gitarren hast du bei der Aufnahme benutzt? Unterscheidet sich dein Studio Setup von deinem Live Rig?

Ich nehme meine Gitarren grundsätzlich bei mir zu Hause auf, dabei verwende ich nur die extra nach meinen Wünchen gebauten Gitarren von Framus mit Bareknuckle Pickups. Ich habe einige Amps (Diezel, Friedman, einige mehr) und Boxen, die mit einem Ampete 88S Amp-Switcher verbunden sind. Ich stecke meine Gitarre in den Ampete, schalte die Amps an und kann auf Knopfdruck zwischen Amps und Boxen hin- und herwechseln. Wenn ich also nach Sounds suche, spiele ich einen Akkord und switche mich über den Ampete durch sämtliche Amps, bis ich den perfekten Sound gefunden habe. Wie ein Guitar Rig oder Amp Modeller, nur analog. Meine Hauptbox, die ständig mikrofoniert ist, ist eine Bogner 2×12 OS. Der Amp, den man hauptsächlich auf dem Album hört, ist ein Friedman Butterslax. Live auf der Bühne habe ich einen Kemper dabei, mit von mir selbst erstellten Profilen – aus dem Sound, den ich für die Aufnahmen verwende, erstelle ich mir gleich die passenden Profile für die Live Auftritte.

Wie stehst du zu Endorsement Geschichten und stehst du zu den Sachen für die du Werbung machst?

Ich endorse nur Firmen, deren Produkte ich verwende. Alles andere würde auch gar keinen Sinn machen. Und so lukrativ ist das nicht, als dass man sich da für ein paar Gitarrensaiten verbiegen müsste – deshalb: Wenn ich für etwas Werbung mache, dann mache ich das, weil ich es gut finde. Egal ob da ein Endorsement dahinter steht oder nicht.

Wie sieht du die augenblickliche Situation für Musiker in der Corona Krise? Euer Album erscheint ja inmitten dieser schwierigen Zeit und an Live Konzerte ist grade auch nicht zu denken.

Für Musiker (und alle, die irgendwie mit an den Veranstaltungen hängen – Techniker, Busfahrer, Thekenpersonal, T-Shirt Drucker usw) ist das alles eine ziemliche Katastrophe. Wir sind die einzige Branche, die quasi ein Berufsverbot hat, gleichzeitig aber auch die einzige Branche, die keine Unterstützung bekommt. Da fehlt letztendlich die Lobby, die z.B. die Autoindustrie oder die Lufthansa hat. Musiker sind halt doch alles eher Einzelkämpfer. Wir als Band haben uns aber entschieden, die Flucht nach vorne anzutreten, und unseren Release mit einem crowd-finanzierten Online Open Air zu feiern (dem 11:O:A – findet man auf YouTube). Wir haben das ganze ziemlich aufwändig in Szene gesetzt, als Location hatten wir die legendäre Burg Abenberg wo am gleichen Wochenende eigentlich das Feuertanz Festival stattgefunden hätte. Die Resonanz der Leute auf das Crowdfunding war unglaublich, damit hätten wir in unseren kühnsten Träumen nicht gerechnet.

Macht du hauptberuflich Musik oder hast du noch einen anderen Job neben der Musik?

Bei uns lebt keiner exklusiv von der Band, wir machen alle nebenbei noch andere Sachen – wobei die Musik bei jedem absolut im Fokus steht.

Was steht bei dir in Zukunft neben Feuerschwanz noch so an? Eventuell ein Solo Album?

Ja, ich arbeite immer wieder an rein instrumentaler Musik. Aktuell macht es mir Spaß Rock/Metal-Versionen von Filmmusiken zu produzieren. Den Anfang machten drei Stücke aus ‚Game of Thrones‘, gewissermaßen „GoT goes Metal“ plus Geige und Harfe. Die besondere Herausforderung bestand darin, das orchestrale Arrangement auf eine Rockbesetzung herunterzubrechen, mit Drums und Grooves, die im Original fehlen. Teilweise ist es echt szenische Musik, also ohne richtige Songstruktur und Wiederholungen, weil sie eben passend zu einer bestimmten Szene im Film geschrieben wurde. Das war extrem interessant, da man sich als Gitarrist natürlich austoben kann. Die Frage lautete: Welche Cello-, Bratschen- und Geigenstimmen aus dem Original übernimmt man, woraus baut man vielleicht eher ein Riff, was wird Melodie, wo kann man etwas improvisieren und ausbrechen, und so weiter? Sehr spannend, man muss da völlig anders denken. Eine normale Rocknummer läuft ja nach immer ähnlichen Mustern ab, davon muss man sich hier verabschieden, nicht nur als Musiker, sondern auch als Hörer. Man muss sich stärker auf die Musik einlassen und versuchen, der Geschichte zu folgen, die ausschließlich durch die Musik erzählt wird. Am Bass ist übrigens Stu Hamm zu hören (Bassist u.a. von Steve Vais Passion and Warfare). Zu den drei Stücken gibt es auch Videos auf YouTube (https://www.youtube.com/hansplatz)!

Wie viel Zeit verbringst du jeden Tag mit der Gitarre? Übst du noch viel? Wie sieht ein typischer Tag im Leben des Hans Platz aus?

Zwischen gar nicht und mehreren Stunden, manchmal den ganzen Tag. Das ist dann aber oft nicht üben, sondern kreativ sein, Songs schreiben, Ideen sammeln. Wenn ich übe, dann oft mit einem konkreten Ziel – ich stelle mir eine bestimmte Art von Solo vor (Musik entsteht immer zuerst im Kopf) und stelle fest, da brauche ich etwas (Skalen oder bestimmte Techniken), was nicht ganz so locker von der Hand geht, dann übe ich das erstmal. Oder ungewohnten Rhythmusfiguren, denen man erstmal etwas Zeit geben muss bevor man sie auch wirklich spielen kann. Darüber hinaus gibt es jede Menge Bürokram für Feuerschwanz zu machen – das wird von außen schnell unterschätzt wieviel Zeit man für die ’nicht musikalischen DInge‘ im Musikeralltag aufwenden muss.

Der letzte Satz gehört dir. Hast du ein paar berühmte letzte Worte oder irgendetwas was du mal loswerden möchtest?

Ich habe zu danken! Schaut auf meiner Homepage vorbei, oder auf meinem YT-Kanal und hört mal rein! Und holt euch ‚Das Elfte Gebot‘!

Links:
http://hansplatz.de
https://www.youtube.com/hansplatz
https://www.instagram.com/hansplatzguitarist/


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