Interview mit Christian Tolle (C.T.P.)

Der aus Leverkusen stammende Gitarrist, Produzent und Songwriter ist seit seiner im Jahre 2000 veröffentlichen Debüt CD „Better than Dreams“ ein fester Bestandteil der deutschen Hardrockszene. Für sein „Christian Tolle Project“ schafft er es immer wieder internationale Stars wie Steve Lukather oder Doug Aldrich als Gastmusiker für seine Platten zu gewinnen. Vor kurzem erschien mit „Point Blank“ ein neues starkes Album (siehe Review hier auf darkstars.de). Was Christian Tolle uns dazu zu berichten hatte lest ihr nun in unserem Interview.

CS:
Erzähl unseren Lesern doch mal wie die Produktion des Albums so ablief und wie du die verschiedenen Gastmusiker dafür gewinnen konntest.

CT:
Ich wollte ein neues Album in Richtung Classic Rock machen und hatte vor etwa eineinhalb Jahren begonnen, neue Songs zu schreiben. So fängt es eigentlich immer an. Zunächst schreibe ich die Musik, mache ein paar grobe Demos, arrangiere und lasse den Ideen so etwas Zeit, zu reifen. In der Folge gab ich meine Musik an David Reece, der dann Texte dazu schrieb. Als ich dann aus meinem Songpool die finale Auswahl der Titel für das Album wählte, begann die Produktion. Auch hier waren David Reece und auch John Cuijpers dann als Sänger gefragt. Zunächst nehme ich die fertige Musik auf und dann kommen die Gesangsspuren dazu. David hat dazu in Italien aufgenommen, John habe ich hier in meinem Studio produziert. Mit David hatte ich ja schon seit Jahren zusammen gearbeitet, unter anderem auf meinen vorigen Platten sowie auf seinen Soloplatten und auch Bangalore Choir’s Cadence. Mit John verbindet mich eine langjährige musikalische Partnerschaft, schon seit meinem Album The Real Thing und natürlich unserer gemeinsamen Band Cooper Inc. Parallel kamen dann Stück für Stück auch die Keyboard-Spuren von meinem langjährigen Freund Morris Adriaens dazu. Morris ist eine musikalische Allzweckwaffe; er spielt Keyboards, Gitarre, hat ein riesiges musikalisches Verständnis und singt auch noch Hammer Backing-Vocals. Mit ihm habe ich die Parts zusammen erarbeitet und für die Backings kam er dann relativ spät in der Produktionsphase zu mir. Wie bei den anderen Platten von C.T.P. auch, kamen auch noch Gastgitarristen hinzu: Zum einen Mathias Dieth (Ex-UDO, Ex-Sinner), den ich schon seit 25 Jahren kenne und mit dem ich sehr gut befreundet bin. Meistens treffen wir uns abseits der Musik, und ich sagte zu ihm, dass es doch mal Zeit wäre, dass er vorbeikommen und wir einen Tag im Studio verbringen und er ein Gastsolo spielen sollte. Das war dann auch eine Riesengaudi. Zu guter Letzt hatte ich das Glück, dass auch Doug Aldrich noch mitgemacht hat. Da bin ich sehr dankbar, denn Doug ist ständig unterwegs und hat so gut wie keine Zeit. Ich kenne ihn schon seit 2003 und auch er hat schon früher mitgemacht. Schließich traf ich ihn während der The Dead Dasies Tour in Köln. Ich fragte ihn, ob er in der anstehenden Tourpause Lust hätte, mitzumachen und er sagte zu. Das wär ein Glücksfall, den ich stehe total auf sein Spiel und er hat den Titelsong und „Black Friday“ mit seinen Leadgitarren wirklich veredelt.

CS:
Wie entstehen deine Songs und was inspiriert dich?

CT:
Das ist ganz unterschiedlich, manche Songs entstehen im Kopf in einem entspannten Moment, dann muss ich mir diese Ideen irgendwie merken oder schnell eine Gitarre zur Hand nehmen und kurz festhalten. Manchmal spiele ich einfach vor mich hin und plötzlich kommt der Funke der Inspiration wie aus dem Nichts und es bleibt ein Riff oder ein Refrain hängen. Von da aus entwickele ich die Ideen dann im Studio weiter, füge einen Groove dazu, Bass usw. Der Prozess allein ist schon sehr inspirierend, zu sehen und zu hören wie eine Idee wächst und reift ist wirklich aufregend.

CS:
Planst du zu dem Album auch Live Auftritte oder eine Tour?

CT:
Im Grunde ist C.T.P. en Studioprojekt, eine Art Plattform, mit der ich meine Ideen mit vielen verschiedenen Leuten umsetzen kann. Aber natürlich reizt es mich sehr, das ganze auch mal wieder auf die Bühne zu bringen. Mit Cooper Inc. haben wir ja seinerzeit sehr viel gespielt, in Deutschland, Holland und Belgien, u.a. als Support-Act für TOTO . Ich bin mit John Cuijpers dazu im Gespräch und wir werden sehen, ob wir 2019 was an den Start bringen können.

CS:
Du betreibst das mit der Musik ja nebenberuflich. Wie viel Zeit wendest du dafür auf und wie sieht ein typischer Tagesablauf in deinem Leben so aus?

CT:
Das stimmt. Und das ist Fluch und Segen zugleich. Auf der einen Seite bin ich dadurch unabhängig, was mir alle Freiheiten gibt und ich bin nicht völlig den mitunter auch sehr unangenehmen Mechanismen des Musikgeschäfts ausgesetzt. Auf der anderen Seite benötigt es sehr gutes Zeitmanagement, um das alles professionell miteinander zu vereinbaren. Aber das gute ist: Es war schon immer so. Seit 20 Jahren ist das meine Balance und ich habe eine gewisse Routine entwickelt, die so aussieht, dass beide Tätigkeitsfelder eine prima Balance ergeben. Aber es stimmt: Wenn ich mit Musik beschäftigt bin, hat es stets Fokus und Effizienz, sonst würde ich nie etwas fertig bekommen. In meiner regulären Arbeit bin ich sehr viel unterwegs, was manchmal anstrengend ist, aber gleichzeitig komme ich in vielen Ländern herum und mit verschiedenen Menschen in Kontakt, was wiederum auch inspirierend für die Musik ist.

CS:
Wie hast du es geschafft, dich in der internationalen Musikszene so gut zu vernetzen?

CT:
Das rührt zurück in die 90er Jahre, seinerzeit habe ich viel als Musikjournalist für das FACHBLATT Musik Magazin und den WDR gearbeitet. In der Zeit habe ich eine Menge internationale Musiker kennen gelernt und mich auch mit einigen angefreundet und erstaunlicherweise hält manches davon bis heute. Zudem ist mein Trauzeuge und einer meiner besten Freunde in L.A. beheimatet und dort im Musikbusiness seit 35 Jahren vernetzt. Er hat mir ebenfalls einige Kontakte hergestellt – unter anderem damals zu Chuck Wright oder Doug Aldrich.

CS:
Wie siehst du den Musikmarkt in der heutigen Zeit und was sind deine Pläne für die Zukunft?

CT:
Gute Frage. Der Musikmarkt hat sich sehr verändert und auch Musik hat gegenüber früher einen anderen Stellenwert in der Kultur, der sich natürlich auch darin spiegelt. Das Gute ist: Man kann seine Musik relativ leicht weltweit vermarkten und sich auch präsentieren, das wäre vor 20 oder 30 Jahren nicht so leicht möglich gewesen. Auf der anderen Seite ist der Markt geflutet und da ist es für Bands oder Projekte, die nicht schon etabliert sind, nicht leicht, wahrgenommen zu werden. Gleichzeitig hat die Digitalisierung auch die Hörgewohnheiten verändert, was Musik als solches zu einem eher flüchtigen Konsumgut gemacht hat. Wer setzt sich heute noch in Ruhe mal hin und genießt ein Album von vorn bis hinten zu Hause vor dem Plattenspieler? Im Grunde will ich genau diese Musikbegeisterten erreichen. Ich hoffe es sind noch ein paar dort draußen. Was die Zukunft betrifft, so werde ich sicher wieder neue Songs in Angriff nehmen und in nicht allzu ferner Zeit das nächste Album aufnehmen. Und natürlich werde ich schauen, inwieweit es gelingen kann, C.T.P. noch auf die Bühne zu bringen.

CS:
Vielen Dank für das Interview und viel Erfolg mit der neuen Platte (siehe auch Review hier auf darkstars.de)


Christian Tolle mit Steve Lukather von TOTO
Alle Bilder: Pressefotos (C.T.)


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