Interview mit Andreas Diehlmann (Andreas Diehlmann Band)

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Die deutsche Bluesrock Szene ist lebendiger denn je. Auch abseits der bekanntesten Vertreter wie Henrik Freischlader Band oder The Blue Poets gibt es in diesem Musikbereich einiges zu entdecken. Andreas Diehlmann und seine Band boten auf ihren bisher zwei CD`s richtig kernigen Bluesrock in der Tradition von ZZ Top. Nun liegt in diesem Jahr eine Live CD (siehe Review hier bei darkstars.de) an. Was uns Andreas Diehlmann zu der Platte und weiteren erzählen konnte lest ihr nun in unserem Interview. (27.02.2019)

Chris:
Hallo Andreas, bitte stell dich unseren Lesern doch mal vor, wie du mit der Musik angefangen hast und was deine Einflüsse sind?

Andreas:
Also … mit elf Jahren hab ich angefangen Gitarre zu spielen, bei meinem Cousin, der eine E-Gitarre hatte. Nach dem ersten Tag (gefühlte fünf Stunden mit A, D und E) konnte ich eine Woche nicht spielen, weil ich so fiese Blasen an den Fingern hatte. Danach bekam ich meine erste Gitarre und das Peter Bursch Buch, nach drei Wochen habe ich dann aufgegeben, einen Lehrer gesucht, einen gefunden und Tada! Von meinem ersten Gitarrenlehrer hab ich sehr viel gelernt, Technik, Theorie und vor allem was gute Musik ist, und worum sich das Musikmachen drehen sollte. Letzter Punkt fällt ja im YouTube Zeitalter meistens vollkommen unter den Tisch. Da ich Musik studieren wollte fing ich mit 17 Jahren an klassische Gitarre zu spielen. Dann besuchte ich die Berufsfachschule für Musik in Dinkelsbühl, es folgte ein Studium an der Musikakademie in Kassel bei Wolfgang Lendle, auch ein Lehrer der mich musikalisch sehr stark geprägt hat. E-Gitarrenmäßig gab es mehrere Schlüsselerlebnisse für mich, zum einen der Rockpalast 1984 mit Stevie Ray Vaughan und natürlich meine erste Begegnung mit ZZ Top in Form der Bluesrock Platte des Jahrhunderts, der Tres Hombres. In einer Phase hab ich mehrere Monate nichts anderes als diese Platte gehört, danach konnte ich doch ganz passabel den texanischen Bluesrock spielen. Später spielte ich lange Jahre in einer der ersten AC/DC Coverbands die es gab, daher kenne ich auch Tom und Volker die noch heute bei mir mitspielen. Genau wie ZZ Top hat mich AC/DC musikalisch sehr stark beeinflusst, vor allem durch die geniale Einfachheit, diese Musik versteht jeder auf Anhieb! Ein weiterer sehr wichtiger Einfluss für mich war schon immer 70er Jahre Funk und Discomusik: George Duke, Tower of Power, Chic oder Earth Wind & Fire. Das hat mir rhythmisch sehr viel Ärger erspart 🙂 Mit „richtigem“ Oldschool Blues hab ich mich erst in den letzten 10 Jahren intensiver beschäftigt, ein komplexes Thema, das von vielen Leuten doch sehr unterschätzt wird. Hier sind Gitarristen wie Kid Ramos, Junior Watson oder auch Alex Schultz meine größten Einflüsse. Durch die Beschäftigung mit dem Thema klassischer Blues bin ich dann in die Band von Sydney Ellis, einer amerikanischen Blues- und Gospelsängerin, gekommen. Da war ich fast vier Jahre in der Tourband und hab sehr viel gelernt, vor allem, dass man sein eigenes Ding machen muss um weiter zu kommen.

Chris:
Wie kam es dazu nach nur zwei Studio Alben nun eine Live CD nachzulegen?

Andreas:
Wenn man später mal kuckt, was waren meine ersten fünf Alben, dann ist klar, dass ein Livealbum dabei sein muss. Ich hatte schon mehrere Konzerte mitgeschnitten, dieses Mal war die Aufnahme so gut, dass ich daraus ein Album machen konnte. Ich wollte auch, dass die komplette CD an einem Abend aufgenommen ist, und nicht aus Zusammenschnitten von mehreren Konzerten besteht. Rolf Dressler, der den Livesound an diesem Abend gemischt und alles aufgenommen hat, hat einen super Job hingelegt. Die Aufnahme klang schon vor dem Mischen richtig gut.

Chris:
Woher nimmst du die Inspiration für dein Songwriting?

Andreas:
Ich nehme jede noch so kleine Idee auf und sortiere sie dann nach einiger Zeit aus. Mit etwas Abstand merkt man sehr schnell ob ein Riff oder ein Akkordchange was taugt, oft denkt man sich auch: hä, was sollte das denn sein. Manchmal fällt mir auch eine kurze Textphrase ein und es wird ein Song daraus, so wie „Rita, you’re a cheater“. Ich denke das wichtigste beim Songwriting ist, dass man es einfach macht. Der Lernprozess ist der selbe, ob man einen Song schreibt oder ein Solo spielen will, man muss es nur tausend Mal machen und schon klappt’s.


Photocredit:Michael Golab (fotogolab.com)

Chris:
Was denkst du derzeit über das Musikgeschäft? Ist es für Musiker schwieriger geworden, zum Beispiel gute Auftritte zu bekommen oder sich zu vermarkten?

Andreas:
Auf der einen Seite ist es deutlich einfacher als früher, weil man alles selber machen kann. Doch dieser Vorteil wird sehr schnell zum Nachteil, weil jeder Andere das ja auch kann. Dementsprechend werden wir alle überflutet mit jeder Menge neuer Musik und neuen Bands, dadurch ist es schwerer geworden, sich zu positionieren. Was die Auftritte betrifft, können wir uns nicht beschweren. Es läuft ziemlich gut, dafür dass wir erst das zweite Jahr unterwegs sind. Was mich allerdings nervt ist, dass manche Veranstalter keine deutschen Bands buchen, weil sie offensichtlich denken, dass deutsche Künstler nicht den internationalen künstlerischen Standards entsprechen. Allerdings gibt es da mittlerweile sehr gute Beispiele die dagegen sprechen, davon hast du oben ja schon einige genannt.

Chris:
Kannst du von der Musik leben oder hast du noch andere Jobs?

Andreas:
Ich verdiene mein Geld nur mit Gitarre spielen. Es braucht eine gute Mischung aus Unterricht, Studiojobs und Bandjobs um über die Runden zu kommen, dadurch ist man aber auch sehr flexibel. Mittlerweile rückt meine eigene Band dabei immer mehr in den Vordergrund. Der Vorteil ist, dass man als Musiker nie wirklich komplett Pleite gehen kann. Zur Not gibt es ja noch die Fußgängerzone.

Chris:
Wie sehen deine Pläne für die Zukunft aus und was würdest du dir wünschen?

Andreas:
Für dieses Jahr ist noch unser drittes Studioalbum geplant, da bin ich momentan schon intensiv am Ideen sortieren und Stücke schreiben. Ich würde mir wünschen, dass die äußerst positive Entwicklung der Andreas Diehlmann Band so weiter geht.

Chris.
Vielen Dank für das nette Gespräch und weiterhin viel Erfolg.

www.andreasdiehlmann.de


Photocredit:Anja Hübl (gigpix.de)
Photocredit Titelbild: Nikolaus Frank (frankundpartner.com)

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