W-Festival – Oostende 2022
5.Tag: Robin S, Blackbox, Heaven 17, Go West, Thompson Twins‘ Tom Bailey, Sheila E, Belinda Carlisle, Holly Johnson
Jedes Festival geht einmal zu Ende und so waren auch wir, heute am letzten Tag angelangt. Also das letzte Mal auf zum Strand, sich in dem großzügigem Pressezelt breitmachen und dann ab zur Bühne.
Tag 05 (28.08.2022) Den Anfang machte Robin S, aber was war Das, wo sind die dunklen Haare hin? Mit super kurzen blonden Haaren betritt die US-Amerikanerin die Bühne und legt dann auch mit einer Hammerstimme und „Luv 4 Luv“ sofort richtig los. Was für eine geile Stimme und was für eine Powerfrau. Sie erzählt uns sie selbst, sie sei 60 Jahre alt und hofft uns alle durch ihren Auftritt, für ein paar Minuten in unsere Jugendzeit zurück versetzen zu können. In die Zeit, in der man noch stöhnte, weil die Hose beim Hinsetzen zu eng war und nicht wie heute, weil alles weh tut. Mit Songs wie „You Know How to Love Me“ und natürlich „I believe“ lies sie uns wissen, dass sie trotz der schmerzenden Knochen, noch lange nicht zum alten Eisen gehört. Nach Robin S stand nun Blackbox auf der Bühne. Mit im Gepäck ihre Sängerin Celestine Walcott-Gordon, welche erst vor einigen Monaten Mutter geworden ist. Das Markenzeichen von Blackbox waren ja schon immer soulige Frauenstimmen und Celestine konnte bei Songs wie „Everybody, Everybody“, „Strtike it Uo“ zeigen was in ihr steckte. Sie schrie die Worte nur so raus und dabei traf sie jeden Ton. Die Besucher dankten ihr mit einem riesigen Applaus. Spätestens als während der Covercersion „Sevem Nation Army“ Zeilentexte von Sweet Dreams (EURYTHMICS) eingespielt wurden, da sang alles lauthals mit und das änderte sich auch nicht bei dem anschließendem Hit „Ride on Time“ Hier hörte man es laut über den Strand aus dem Zuschauerraum O-oh-oh, oh-oh, o-o-o-oh-oh, o-o-oh-oh ,gotta get up, gotta get up, gotta get up schallen. Auf Heaven 17 war ich sehr gespannt. Obwohl ich ihre Lieder Anfang der 80er verschlungen habe, hatte ich nie das Glück sie Live zu sehen. Heaven 17 wurden 1981 gegründet, nachdem Ian Craig Marsh und Martyn Ware sich von The Human League getrennt hatten. Sänger Glenn Gregory vervollständigte das Trio. Bekannt wurde die Band dann auch wirklich mit ihrem ersten Song „(We Don’t Need This) Fascist Groove Thang“, welcher 1981 zu einer Hymne linker Gruppierungen wurde und wegen des sehr politischen Textes in England von der BBC boykottiert wurde. Mit Songs wie „Crushed by the Wheels of Industry“, „Come Live With Me“ und Glenns Lieblingssong „Let me Go“ zeigte Heaven 17 dann auch in Belgien, dass sie in den letzten 40 Jahren nichts an Qualität verloren haben. Da Zweidrittel der Band ja früher bei The Human League mitgewirkt hatten, war es nicht so verwunderlich, dass auch ein Stück von dieser Band auf der Liste stand. Was mich aber Erstaunte war, wie gut dieses Stück mit der Stimme von Glenn Gregory zusammenpasste. „Temptation“ wurde dann leider nicht in der Originalversion gespielt. Das Intro wurde vollständig von den beiden Backgroundsängerinnen übernommen. Welche dem Song einen einen leichten Techno-beat einhauchten. Irgendwie musste ich dabei immer an Dr. Alban denken. Ich hätte die klassische Version schöner gefunden. Dem Rest in Oostende war es aber wohl egal, der Text stimmte noch und so konnte trotzdem laut mitgesungen werden. Mit „Don´t look Down“ eröffnete dann das britisches Popmusik-Duo Go West. Es wurde also wieder richtig poppig auf dem Gelände. Die richtige Musik, um sich auch mal an einem Discofox zu versuchen. Neben dem ein oder anderem Coversong zeigte uns das Duo, bestehen aus Richard Drummie und Peter Cox mit Songs wie „Faithful“,“We Close Our Eyes“ und natürlich „The King of Wishful Thinking“ (welcher auch auch in dem Film Pretty Women zu hören war) warum sie 1986 bei den BRIT Awards als „Best British Newcomer“ geehrt wurden. Der nun folgende englische Sänger Tom Bailey, gründete 1977 zusammen mit Pete Dodd, John Roog und Jon Podgorski die Thomson Twins. Anfang der 80er gelang der große Durchbruch und die Musikvideos der Jungs liefen auf den Fernsehern rauf und runter. Auch wenn es die Thomson Twins schon lange nicht mehr gibt und Tom Bailey heute als Solokünstler mit Band unterwegs ist, so erinnerte er uns doch mit Songs wie „Love On Your Side„, „Doctor! Doctor!“ oder „“You Take Me Up“ an die gute alte MTV- Zeit. Klar durfte auch hier ihr wahrscheinlich größter Hit „Hold me Now“ nicht fehlen. Eigentlich sollte man ja meinen, gegen Ende eines 5 Tage Festivals wäre mal ein wenig die Luft raus, aber ganz im Gegenteil, die Leute feierten Tom Bailey, sangen mit und bedankten sich für seine wirklich gute Leistung mit einem heftigen Applaus. Jetzt war es Zeit für die großen Damen der 80er. Den Anfang machte Sheila E. Fast hätte ich gedacht, die Band habe die Sängerin ausgewechselt, diese Frau dort oben auf der Bühne, konnte locker mit jeder 40-Jährigen mithalten. Vom Aussehen und von der Kondition her, Top in Form. Das bewies sie sowohl musikalisch als auch körperlich an den Drums, als sie bei einem Einsatz mal kurz ihren Fuß auf die selbigen ablegte. Ihre Vorliege für die Drums entdeckte Sheila E. Sehr früh, mit fünf Jahren fing sie an Congas zu spielen, über die Perkussion kam sie dann auch zum Schlagzeug. Am Schlagzeug begleitete sie dann auch 1987 Prince und das sicher nicht nur, weil sie zu diesem Zeitpunkt mit ihm verlobt war, sondern weil diese Frau es einfach draufhat. Nicht umsonst war aus dem Publikum des öfteren „Shelia ich liebe dich“ zu hören. Dass sie nicht nur verdammt gut aussieht und hammer Schlagzeug spielen kann, dass bewies sie eindeutig mit dem folgenden Auftritt. Direkt nach dem Intro, welches nur von ihrer Band gespielt wurde, kam sie auf die Bühne und drehte ohne große Pausen, einem Medley ähnlich, mit „Shortberry“, „Olivers House“ und „Holly Rock“ von 0 auf 100 auf. Dabei hüpfte und tanzte sie die gesamte Zeit über die Bühne, schlug ihre Drumsticks immer wieder über dem Kopf zusammen und animierte die Zuschauer zum Klatschen. Bei den folgenden Songs wie „A Love Bizarre“ oder ihrer Version von „When the Saints Go Marching In“ wurde der Takt nicht gerade ruhiger. Respekt vor der großartigen Leistung einer wunderbaren Frau, die auch noch super sympathisch rüberkam. Die nächste Sängerin war zwar etwas ruhiger, aber auf keinem Fall weniger fantastisch und auch hier wird das Alter nicht verraten. Belinda Charlisle startete sofort mit einem ihrer Hits „Runaway Horses“ Wenn man diese so zerbrechliche, fast wie ein Mädchen wirkende Frau dort oben auf der Bühne sieht, dann kann man sich kaum vorstellen, dass sie ihre Musikkarriere als Schlagzeugerin in einer Punkband beginnen wollte. Schnell war dann aber ihr Platz als bei den Go-Go´s gefunden, mit denen sie später auch im Vorprogramm von Madness zu sehen war. Erst 1986 startete Belinda ihre Solo-Karriere, mit der sie allein in Großbritannien sieben Top Ten-Hits landete. Mit ihrer immer noch immer unverwechselbaren Stimme, erinnerte sie mit weiteren Songs wie „Nobody Owns Me“, „Circle in the Sand“, „Summer Rain“, „Leave a Light on“ und natürlich nicht zu vergessen „Heaven“, welchen sie unplugged anstimmte, an ihre Erfolge. Wie begeistert die Leute vor der Bühne waren, muss hier wohl nicht erwähnt werden. Auch Belinda verlässt, wie am ersten Tag Anne Clark,vor Ende des letzten Liedes die Bühne und überlässt den kompletten Applaus ihrer Band. Kommen wir nun zu dem letzten Act des Festivals. Den Mann, auf den sicherlich alle gewartet haben. Ich war auf keinen Fall die Einzige, deren Herz bei dem Schriftzug Holly Johnson auf dem Ankündigungsplakat im letzten Jahr, einen riesigen Sprung gemacht hat. Holly Johnson, das ist für meine Generation Frankie Goes to Hollywood, mit Sicherheit eine der bekanntesten und besten Bands der 80er. Mit Frankie war übrigens damals Frank Sinatra auf dem Weg zum Filmstar gemeint. Holly Johnson und sein Bandkollege Paul Rutherford gehörten in den 1980er Jahren auch zu den ersten Künstlern, die sich offen zu ihrer Homosexualität bekannten und damit vielleicht in den Köpfen Vieler, die ersten Schritte zur Toleranz setzten. Aber kommen wir nun zu dem Auftritt des Abends. Komplett in schwarzen Leder bekleidet und einer riesigen Sonnenrille betrat Holly zu den Takten von „War“ (Edwin Star) die Bühne. Schock für alle Fotografen, nicht nur ausreichend Rauch auf der Bühne, nein, Holly trägt seine eigene Nebelmaschine auch noch in der Hand. Bis jetzt hält sich noch alles in Grenzen, der meiste Rauch ist hinter Holly Johnson,hoffentlich bleibt das so. Plötzlich sind alle Gedanken an Rauch sind vergessen, als nach „Warriors of the Wasteland“ die ersten Takte von „Welcome to the Pleasuredome“ ertönen. Ich kann mir im Nachhinein keine der gesehenen Bands als besseren Abschluss für dieses Festival vorstellen. Holly, der inzwischen seine Sonnenbrille gegen eine gewöhnliche Brille getauscht hatte, sah man an, das hier beide Seiten, vor und auf der Bühne glücklich waren. Die Besucher, die schon seit den Mittagsstunden durch die verschiedenen Konzerte aufgedreht waren, gaben jetzt noch mal alles. Neben dem Frankie-Stücken gab es natürlich auch „Americanos“, „Heaven’s here“ oder „Love Train“ zu hören. Wer dachte diese Stimmung kann man nicht mehr steigern, der hatte einen Song vergessen. „Relax, don´t do it“ fing an und die Menge flippte aus. Das legte sich natürlich nicht, als es mit „Two Tribes“ weiterging. Sollte dies jetzt wirklich das Ende gewesen sein? Ein Song fehlte noch und den gab es in der Zugabe. Der nun mit einer goldenen Jacke bekleidete Holly Johnson erklärte, „The Power of Love“ ist sein absoluter Lieblingssong und zwar nicht nur zu Weihnachten. Schon die ersten Worte ….I’ll protect you from the hooded claw, Keep the vampires from your door.… wurden im Chor aufgesagt, diesen Text kennt jeder auswendig.Während des Refrains hallte es … The Power of Love.. über das gesamte Gelände und wenn man sich umschaute, sah man in eine Menge feuchter Augen. Jetzt hieß es wieder Abschied nehmen bis zum nächsten Jahr. Ich hoffe die Zeit geht schnell vorbei und ich freue mich schon auf ein Wiedersehen in Oostende. Wer jetzt auf den Geschmack gekommen ist, der sollte noch wissen, dass das W-Fest 2023 auf 3 Tage (Fr-So) begrenzt wurde. Nähere Informationen findet ihr unter: https://w-festival.com/de/
Fotografie: Tatjana Krupka
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