W-Festival – Oostende 2022, 4.Tag/ 27.08.22

W-Festival – Oostende 2022

4.Tag: Cutting Crew, Londonbeat, Arrested Development, Deacon Blue, Cock Robin,  ABC, Tony Hadley, Del Amitri, UB 40,

Auch am Samstag war das Gelände schon sehr früh recht voll. Es war Wochenende, das Wetter spielte mit und um 13:00 Uhr waren Cutting Crew angekündigt. Die britisch-kanadische Band, die 1985 gegründet wurde, war der ideale Opener an diesem Tag. Leider ist von den Gründungsmitgliedern Nicholas van Eede und Kevin MacMichael nur noch Nick am Leben, aber auch er allein konnte voll überzeugen. Das Publikum war zu Recht begeistert, was für ein sympathischer Mann. Musikalisch und auch stimmlich eine super Leistung. Nick schaffte es sofort, die Verbindung zum Publikum aufzunehmen. Der Aufforderung bei „I’ve Been in Love Before“, die Hand des Nachbarn zu nehmen und mitzuschunkeln, folgten dann auch eine Menge der Zuschauer. Als Nick später den Refrain in Gebärdensprache „sang“, hatte er mein Herz erobert. Während letztlich „i just died in your Arms“ erklang, fing dann auch wirklich der letzte vor der Bühne an zu singen. Ich denke ich kann mit Recht sagen, wer dachte Cutting Crew verpassen zu können und später kam, dem ist ein wirklich tolles Konzert entgangen. Das Schöne an diesem Festival ist, dass man nirgends so viele strahlende Gesichter sieht wie hier. Egal wo man hinschaut, alles lächelt einen an. Abgesehen von der superschönen Lokation, liegt das sicher auch an der Bandauswahl, welche die meisten der Besucher in ihre Jugendzeit zurückversetzt. Eine weitere dieser Bands war Londonbeat. Die Band, die 1987 aus dem Gesangstrio Beatjockeys, welches unter anderem bei Paul Young im Background sang, gegründet wurde, startete mit „I’ve Been Thinking About You“ sofort voll durch. Was für ein Auftritt. Die drei Frontmänner kommt auf die Bühne, die ersten Takte erklingen, alles wie gewöhnt und dann plötzlich, steht alles auf der Bühne still. Spannungspause, bevor sie wieder voll durchstarten. Ich sag jetzt hier nicht wie alt Sänger Jimmy Helms ist, aber ich war so etwas von geflasht. Eine schwarze Frakjacke mit Pailletten besetzt und dazu eine der geilsten Hosen, die ich jemals auf einer Bühne gesehen habe. Die Stimme immer noch der Vollhammer. Vollendet wurde das Bühnenbild durch Myles Kayne und Jimmy Chambers, die natürlich auch gesanglich zeigten, was sie noch draufhaben. Mit Hits wie „Return of the Mack“, „You bring on the Sun“ zeigten Londonbeat dasas sie immer noch jeden Liveauftritt meistern können. Leider hab ich nicht mitbekommen, wer an diesem Tag Geburtstag hatte, auf jeden Fall wurde noch ein Ständchen gebracht, bevor es dann zum Schluss Unplugged, nur durch die beatboxenden Myles Kayne und Jimmy Chambers begleitet zu „Stand by Me“ ging. Nun war Rap angesagt und das im Reaggie Stile, Arrested Development betraten sie Bühne. Auch hier sorgten die Kostüme für gute Laune. Die 1989 in den USA gegründete Band hatte sich bei ihrer Gründung das Ziel gesetzt, eine positive, afrozentrische Alternative zum damals populären Gangsta-Rap zu bieten. Bei diesem Auftritt ist es ihr definitiv gelungen! Ob im Stile von Bob Marley oder eher ein wenig in Richtung Fidel Castro, der bunte Haufen an Kostümen machte das Karibikfeeling perfekt. Ab den ersten Takten von „Swin Um“ wurden dann auch am Strand gefeiert, die Arme gingen erst hoch, um dann im Takt von rechts nach links zu wippen. Natürlich durfte „Tennessee“ an diesem Tag nicht fehlen, schließlich erhielt Arrested Development für Tennessee einen Grammy für die beste Rap-Darbietung einer Gruppe und die Auszeichnung als beste neue Künstler. Sogar der Rolling Stone kürte die Formation im selben Jahr zur Band des Jahres. Als nächstes folgte mit der britische Band Deacon Blue wieder eine Band, die mir leider nicht bekannt war. Besonders die schottische Sängerin Lorraine McIntosh ist mir durch ihre Performance aufgefallen. Sie begleitet Leadsänger und Gründungsmitglied Ricky Ross nicht nur stimmlich, sondern ist auch dessen Ehefrau. Dem Publikum war Deacon Blue dem Anschein nach schon bekannt, denn dies feierten und sang stellenweise auch mit bei Songs wie „Real Gone Kid“, „Chocolate Girl“ und Dignity“. Um 18:20 Uhr war es dann Zeit für die US-amerikanische Band Cock Robin.  Mit „Lasso“ starteten sie mit einem Song, der so gar nicht in die Richtung ging, die ich hier erwartet hatte. Im Laufe des Abends klang dann aber doch der „80er Jahre POP“ durch, welchen wir bei ihre beiden Abschlusssongs „When Your Heart Is Weak “ und „The Promise You Made “ gewohnt waren. Mit ABC stand dann wieder eine altbekannte Band auf der Bühne. Die Musiker kamen auf die Bühne mit den Worten: wir sind AB.. das Publikum ergänzte C.  Zwar ist von der ehemals 1980 in Sheffield gegründeten Band, nur noch Sänger Martin Fry über, aber man könnte auch sagen, die Stimme ist mit das Wichtigste. Und um zu zeigen, wie gut diese Stimme noch funktioniert, legte Martin dann auch sofort mit einem seiner ersten Hits „When Smokey Sings“ los. Anfangs noch etwas verhallten, steigerte sich die Stimmung vor der Bühne. Martin bekam eine gute Verbindung zu dem Publikum, auch durch Komplimente wie: Ihr seht nicht so aus wie die Kinder der 80er… sagte er zum Publikum…. dafür seid ihr viel zu jung.   Und als wir über Songs wie “The Night You Murdered Love“ oder „All of my Heart“ dann bei „The Look of Love“ angekommen waren, feierten alle und sangen lauthals mit. Der nächste Künstler auf dieser Bühne ist ein alter Bekannter und war auch schon 2019 auf der Bühne des W-Festivals. Die Rede ist von Tony Hadley, (ex Spandau Ballet). Dieser Mann ist Charisma pur, mag es an seiner Größe von 1,97m, an seinen Anzügen, von denen ich schon glaube, dass sie maßgeschneidert sind oder einfach nur an seinem Auftreten liegen, dass er so fasziniert? Spätestens wenn er anfängt zu singen und uns allen zeigte was für eine Stimmgewalt er immer noch hat, versteht jeder was ich meine. Neben den alten Hits von Spandau Ballett wie „Only When You Leave“, „True“, „Gold“ oder der Coverversion von „Radio Ga Ga“ bei denen stellenweise das Publikum den kompletten Refrain übernahm, zeigte er mit seiner neu veröffentlichten Single „Because of You“, dass wir noch einiges von ihm zu erwarten haben. Ein grandioses Konzert, mein absolutes Highlight für den Samstag.   Als vorletzte Band an diesem Abend stand die schottische Rockband Del Amitri auf der Bühne. Mit „Musicians and Beer“ konnte Justin Currie schön zeigen, was für eine tolle Stimme in ihm steckt. In diesem Rhythmus ging es dann auch mit Songs wie „Not Where It’s At“ oder „Roll to Me“ weiter. Vor der Bühne war es während des Auftritts ein wenig ruhiger geworden, was aber mit Sicherheit nicht an der musikalischen Leistung von Del Amitri lag. Vielleicht bereitete man sich nur auf den Headliner des Abends vor. Um Mitternacht standen dann UB40 auf der Bühne. Leider war es uns auch hier das Fotografieren nicht erlaubt. UB 40 startetet damit, das Publikum wieder aufzuwecken. Norman Lamont Hassan kam auf die Bühne und nahm erst einmal den direkten Kontakt mit den Zuschauern auf, wer Reggae hören möchte, der hebe jetzt die Hand und schon schossen die Hände nach oben. Danach wurde geschaut, wie gut die Zusammenarbeit zwischen Bühne und Zuschauerraum funktionierte. Norman schrie UB, das Publikum antwortete mit 40. Die Ankündigung von Sänger Duncan Campbell erinnerte dann schon ein wenig an die Ankündigungen beim Boxkampf. Auf jeden Fall war schon mal ordentlich Stimmung auf dem Gelände. Immer wieder waren begeisterte Pfiffe und klatschen zu hören. Wenn man über das Gelände schaute, stand keiner Still, sondern alle wippten im Rhythmus der Musik. Trotz der späten Stunde konnte UB 40 das Publikum mit Songs wie “Groovin‘ (Out on Life)“, „Kingston Town“ gut bei Laune halten. Auch ihre beiden Cvoversongs „Can’t Help Falling in Love“ und „Purple Rain“, die auf ihre ganz eigene Weise im Reggae-Stil interpretiert wurden müssen hier erwähnt werden. Und „Red Red Wine“ zum Abschluss machte diesen Tag perfekt.

 

 

 

 

 

 

Textbeitrag: Tatjana KrupkaFotografie: Tatjana Krupka

Fotografie: Tatjana Krupka

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Chris Strieder ist Baujahr 1970... Seit 1983 totaler Musikfreak und Kenner in den Bereichen Hardrock / Heavy Metal / Bluesrock und Progrock. Gut vernetzt in Musikerkreisen, da er auch selber als Gitarrist unterwegs ist (z.B in der regional sehr bekannten Coverrockband „Sevencent“)... Ist ständig am Puls der Zeit und verfolgt die internationale Rockszene und Strömungen in der Musikwelt in jeder freien Minute....