Sinnersday Tag 2 – Samstag 25.06.2022:
Der Wetterbericht zeigte für heute ein fettes Regenband, das gegen Abend Oostende überqueren sollte, also hieß es beten, dass wir vom Starkregen verschont bleiben würden. Gegen 11:00 Uhr brachen wir vom Hotel zum Festivalgelände auf. Unsere Unterkunft hatten wir mitten in der Stadt und bis zum Gelände waren es knapp 1,5km, also eine Strecke, die man gut laufen konnte. Unterkünfte findet man jede Menge in und um Oostende, die für das Festival machbar sind. Wer mit dem Auto zum Park möchte, findet in der Nähe des Geländes ausreichend Parkplätze oder man benutzt einfach die öffentlichen Verkehrsmittel und geht den Rest zu Fuß. Links mit Übersichten der Fahrpläne konnte man auf der Seite des Sinnersday ganz leicht finden. Überhaupt war das Festival sehr gut organisiert. Auch in den sozialen Medien habe ich nur Gutes gelesen. Der Sinnersday erinnert mich ein wenig an die Anfänge des NCN-Festivals in Deutzen. Zu dem Zeitpunkt, als alles noch kleingehalten und persönlich war.
Um 12:00 Uhr ging es mit den Bands los. Auftakt machte Kalte Nacht. Nikos Konstantinidis und Myrto Stylou begrüßten die langsam eintrudelnden Zuschauer mit einer guten Mischung aus klassischem Dark Wave, aufgelockert durch die Klänge des Synthesizers. Das griechische Duo, das dieses Jahr schon auf dem WGT überzeugen konnte, ist ein Muss für jeden Fan des 80er Jahre Dark Waves.
Als gegen 13:20 Uhr dann Der Kinke auf die Bühen kamen, war das Gelände dann schon etwas besser gefüllt. Kein Wunder, die belgische Dark Wave Band hat natürlich viele Anhänger unter den Landsleuten und das auch zu Recht. Mit Songs wie „ Someone who smiles“, „The Doll“ oder „Still Alone“ brachten sie dann auch das Publikum trotz der recht schwülen Hitze zum Tanzen.
Mit Ist Ist stand nun erneut eine Band aus Manchester auf der Bühne. Obwohl Ist Ist eher im Post Punk anzuordnen ist, konnten die Vier die aufgekommene Stimmung mit Stücken wie „Extreme Greed“ oder „You’re Mine“ nicht nur halten sondern erhielten vollkommen verdient einen ordentlichen Applaus.
Nach einer knappen halben Stunde Umbau folgte nun Disorientations, die Band aus Antwerpen war kurzfristig für die ursprünglich angekündigte Band Test Dept eingesprungen. Disorientations zeigten mit Songs wie „Wandering“, „ Still“ oder „Don´t“ wie abwechslungsreich ihr Repertoire ist. Mit einer guten musikalischen Leistung waren sie an diesem Abend viel mehr als nur ein Ersatz.
Boytronic gehört nun zu den Bands, zu der ich hier nicht viel erklären muss. Mit „You“ landete die deutsche Synth-Pop Band ihren bislang größten Erfolg. Sänger James Knights konnte auch an diesem frühem Abend gesanglich wieder mit Songs wie „Time after Midnight“ oder „Luna Square“ überzeugen. Ich hoffe das Boytronic noch lange auf der Bühne zu sehen ist, aber bitte nicht mehr mit Stretch-Leggings.
Bei Talk To Her weiß ich nicht, was mich mehr begeistert hat, die wirklich gute musikalische Leistung oder die Performance von Sänger Andrea Visaggio. Auf jeden Fall hat die italienische Electro-Wave-Rockband den Maria-Hendrikapark 50 Minuten lang verdammt gut mit Songs wie „ZODIAC“ oder „Nightfall“ unterhalten. Es ist also kein Wunder, dass die Band schon kurze Zeit nach ihrer Gründung auf den großen Bühnen Italiens zu finden war.
Leider waren bis jetzt noch nicht ganz so viele Zuschauer vor der Bühne versammelt, wie es sich de Bands gewünscht und mit Sicherheit auch verdient hätten. Dafür war die Batcave aber auch heute wie die ganzen Tage über wieder gut gefüllt. Mag sein, dass viele bei dem Wetter einfach keine Lust hatten draußen zu stehen. Dem Wetterbericht trotzend gab es eigentlich gar nicht so viel Regen. Ein Paar Tropfen hier und da, aber vielleicht bekam man das in der Höhle einfach nicht mit. Natürlich muss ich zugeben, wenn ich mal an der Tanzfläche vorbeikam, wurde schon ein verdammt gutes Set gespielt.
Ändern sollte sich die Verteilung der Besucher, als Diary of Dreams auf die Bühne kamen, auf einmal war der Rasen vor der Bühne nicht mehr so gut zu sehen. Mit sattem Gitarrensound und der markanten Stimme von Adrian Hates begeisterte die deutsche Band mit gutem Rock. Bei Stücken wie „Epicon“, „ She and her darkness“ heizten sie das Publikum langsam an und als dann „ Butterfly Dance „ kam, war wie gewohnt keiner mehr zu halten. Alles sang und tanzte mit. Die Hände gingen nach oben und es wurde mit geklatscht. Man hatte das Gefühl, jetzt waren alle aufgewacht. Und bevor irgendjemand auf die Idee kommen sollte sich wieder in die Batcave zu verdrücken, startete schon das nächste Highlight auf der Bühne.
Nitzer Ebb waren leider ohne ihren Sänger angereist, Douglas hatte kurzfristig aus gesundheitlichen Gründen die Tour verlassen müssen. Das LEIDER in diesem Satz galt allerdings nur Douglas, dem ich natürlich wünsche, dass er schnell wieder auf die Beine kommt. Aber das was Bon Harris an diesem Abend auf der Bühne geleistet hat, hat mich fast vergessen lassen, dass hier der eigentlich Frontmann fehlte. Das in Bon Harris ebenfalls eine kleine Rampensau steckt, dass wussten wir ja alle schon länger, aber dass er auch durchaus alleine gesanglich eine so krasse Show abliefern kann, davon hatte ich bis jetzt keine Ahnung. Er hüpfte, stampfte und tanzte über die Bühne und machte dabei keine Sekunde schlapp. Bon ließ sich vom begeisterten Publikum vollkommen zu Recht feiern. Ich muss sagen, an keiner einzigen Stelle in den 50 Minuten fehlte mir der zweite Sänger.
Der große Headliner des Abends für die meisten war sicherlich P.I.L.. P.I.L.-Konzerte finden bei uns ja nicht ganz so häufig statt und deswegen war sicherlich jeder gespannt, was uns nun auf der Bühne erwartete. Ich persönlich war recht angenehm überrascht von dem Auftritt. John Lydon, der schon Mitte der 60er für skandalträchtige Auftritte mit den Sex Pistols sorgte, war überraschend zahm. Dass er den Wein, den er auf der Bühne aus der Flasche trank, auch mal neben die dafür vorgesehene Tonne spuckte, ist für einen echten Punk völlig OK. Ein bisschen Anarchie muss halt sein. Wobei ich mich gefragt habe, warum er den Wein nicht einfach runter schluckte, aber das wird wohl sein Geheimnis bleiben. Auch gesanglich war die Show recht gut. Klar hat Johnny nicht mehr die Kraft in der Stimme wie vor 30 Jahren, aber das macht er durch Präsenz wett. Und bei seinem wohl bekanntestem Stück „This is not a Love Song“ wurde so laut mitgesungen, dass ei eventuell vorhandenes Stimmdefizit überhaupt nicht aufgefallen wäre. Als dann mit „Rise“ der Gig beendet wurde, konnte ich sagen, ich hatte ein richtig gutes P.I.L.-Konzert gesehen. Alle vier Bühnenmusiker haben mich voll überzeugen können. Ich bin halt auch keine 20 mehr.
Den krönenden Abschluss an diesem Abend machte ein extrem gut gelaunter Ronan Harris. Vielleicht ist er ja auch ein großer P.I.L.-Fan. Auf jeden Fall lieferten VNV Nation ebenfalls eine klasse Show ab. Ronan gelingt es immer das Publikum zu animieren. Wenn er sagt singt, singen alle, wenn er sagt klatscht, klatschen alle. Und so war es auch an diesem Abend nicht einfach nur eine gute Bühnenshow, sondern auch eine tolle Interaktion zwischen begeisterten Zuschauern und Ronan auf der Bühne. Ein schöner Tag mit einem rundum perfekten Abendprogramm ging nun zu Ende.
Kalte Nacht 12:00-12:40
Der Klinke 13:20-14:00
Ist Ist 14:30-15:15
Disorientations 15:45-16:30
Boytronic 17:00-17:50
TALK TO HER 18:20-19:10
Diary of Dreams 19:40-20:30
Nitzer Ebb 21:00-21:50
Public Image LTD (PiL) 22:20-23:10
VNV NATION 23:40-00:40
Tag 1: https://darkstars.de/impression/sinnersday-tag-1-freitag-24-06-202/
Tag 3: https://darkstars.de/impression/sinnersday-tag-3-sonntag-26-06-202/
Fotografie: Tatjana Krupka
Porträt: Apoptygma Berzerk !!! * Impression: VNV Nation – Zeche Bochum 21.02.2019 * Impression: E-tropolis Festival – 16.03.2019 Turbinenhalle Oberhausen *
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