RAVENSTINE – 2024 Album Release Show 12.01.2021 – ResonanzWerk Oberhausen

Ravenstine haben ihr zweites Album mit dem Titel 2024 auf dem Markt und in den sozialen Netzwerken gibt es dazu so einige Posts. Ein Grund für uns, nach Oberhausen zu fahren und uns die Release-Show mal anzuschauen. Gab es bei der Veröffentlichung des ersten Albums, als absolute Newcomer, noch keine Erwartungshaltungen, so hat sich das evtl. mit dem zweiten Album geändert und der Druck ist gewachsen. Mich hat interessiert, wie die Band dieses Konzert erlebt hat, also hab ich diesen Bericht einfach mal von Martin Sosna schreiben lassen. Viel Spaß beim lesen!

Es ist der 10.01.2024. Ein Tag der Erleichterung. Die Tage zuvor war nicht klar, ob Gitarrist Ian O´Sullivan von Irland nach Deutschland kommen kann, da er seit Tage mit Lungenproblemen zu kämpfen hat. Am 10.01. landet Ian nach etlichen Untersuchungen in Düsseldorf am Flughafen. Da wir genau an dem Tag Warnstreiks haben, fahre ich zum zweiten Mal binnen 24 Stunden von Dortmund nach Düsseldorf zum Flughafen. Tags zuvor hatte ich schon Sänger Zak abgeholt und bei der aktuellen Verkehrslage sind Fahrten nach Düsseldorf fast schon „Tagesausflüge“. Aus geplanten 2 Probetagen werden 3 Probestunden, da wir Ian lieber im Bett, als im Proberaum sehen wollen.

Wir hatten uns im Vorfeld Gedanken gemacht, wie wir die Veröffentlichung unseres neuen Albums „2024“ gestalten wollen. Uns war klar: Eine Release Show musste her. Viel zu lange waren wir nicht auf der Bühne und eine Veröffentlichung ist der beste Anlass, das wir als Band mal wieder zusammen kommen.

Wir haben unsere Release Show mit unseren Freunden von Scanner abgestimmt. Scanner haben am gleichen Tag, ihre Scheibe „The Cosmic Race“ herausgebracht. Witzig ist, dass wir unser Debüt via ROAR Music veröffentlicht haben und zu Massacre Records gewechselt sind. Scanner hingegen sind nach über 25 Jahren von Massacre Records zu ROAR Music gewechselt. Was den ganzen Tag herrscht, ist die Freundschaft untereinander. Die Jungs von Neck Cemetery fügen sich in dieses „Happy Tree Friends“ Feeling bestens ein.

Wie läuft so ein Tag eigentlich ab? Ich hole morgens um 12.00Uhr einen großen Sprinter in Dortmund beim Auto Verleih ab, da wir einen Tag später in Emden spielen und als Band gemeinschaftlich die Reise antreten möchten. Statt alles in unsere privaten PKW´s rein zu ballern, entscheiden wir uns für die Gesamtlösung, in einem 9 Sitzer Bus mit Sternchen auf der Haube.

Von Dortmund aus geht es nach Bochum ins Lager, wo ich etliche Technik Sachen und das Merchandise für den Abend einlade. Jetzt geht es weiter nach Oberhausen ins Resonanzwerk, in dem ich nur einmal als Gast vor über 10 Jahren zu Besuch war. Um 14.30Uhr treffe ich über 30 Minuten verspätet am Resonanzwerk ein. Wie vielen von euch, bin auch ich in die Falle der A42 gefahren, welche aktuell wegen Brückenschäden komplett gesperrt ist. Fahren sie über Essen- Hafen in Richtung Oberhausen. Ein Spaß, der im Schritttempo vorangeht. Ich komme mir vor, als wäre ich über den Ruhrschnellweg (A40) gefahren, der immer ein Garant für lange Anfahrzeiten in Richtung Essen/Oberhausen/Duisburg ist.

Am Resonanzwerk angekommen, traf ich auf Scanner, die schon aufgebaut hatten. Es dauert nicht ganz so lange und nach mit treffen meine Bandkollegen ein, die etwas verspätet sind, da einer noch Jobtechnisch geblockt war. Der Ablauf ist sehr unproblematisch und da wir alle miteinander befreundet sind, teilen wir uns auch das Schlagzeug und die restliche Backline. Durch diesen Umstand sind Scanner mit ihrem Soundcheck sehr schnell fertig und wir ebenfalls. Die Jungs von Neck Cemetery haben ausreichend Zeit, um alles auf ihre Show einzustimmen.

Das Merchandise ist aufgebaut und das Essen bereit. Wir sind noch 30 Minuten von „Doors Open“ entfernt und sitzen im Backstage gemütlich zusammen. Die Releaseparty zu unserem Debüt in 2023, habe ich noch selbst nebenan im Kulttempel veranstaltet. Natürlich zieht man immer Vergleiche zwischen den Clubs. Ich muss aber sagen, dass wir mit dem Resonanzwerk eine gute Location zur Verfügung gestellt bekommen haben, die wirklich viel Charme hat und für 500 Leute locker ausreichend ist. Wir fühlen uns wohl und sind auf den Abend gespannt.

Es ist eine „Release Show“ und wie oft bin ich schon auf solche Shows selbst gegangen und die Band hat dann 1 oder 2 Songs vom neuen Album gespielt. Da habe ich nie den Sinn hinter gesehen. Wir selbst haben uns gesagt, dass wir uns auf das neue Album fokussieren wollen und haben 6 von 8 Stücken in petto. Wie das wohl ankommt? Was werden die Fans denken? Werden die mit sovielen neuen Songs überhaupt klar kommen? Die Gedanken machen sich breit und ich merke, wie ich ganz langsam nervös werde. Mist… das wollte ich vermeiden, doch jetzt ist es passiert. Ich bin nervös und zwar mächtig. Ich erinnere mich an die Worte von meinem Freund R.D. Liapakis (Mystic Prophecy/ Devils Train), der mir sagte, das ich vor jeder Show unbedingt auf´s Klo gehen solle. Da wir noch 10 Minuten vor Einlass sind: Schnell erledigt. Alles gut.

Der Saal füllt sich und um nicht noch nervöser zu werden, ziehe ich mich in den Backstage zurück… zumal ich mich ja auch noch umziehen möchte. Es ist 20.00Uhr und der Laden ist mit knapp 200 Leuten sehr gut gefüllt, was mich sehr freut, da ich Neck Cemetery ein volles Haus gewünscht habe. Sänger Jens Peters kenne ich seit gut 20 Jahren, als wir noch als DJ/LightJay im Rockpalast Bochum gemeinsam Wochenende für Wochenende gearbeitet haben. Später wurde Jens selbst DJ und ich glaube, das er auch heute noch, im Gegensatz zu mir, als DJ aktiv ist. Neck Cemetery spielen puren 80er Jahre Metal mit einem Horrorkonzept, zu welchem die Bühne auch entsprechend umgebaut wird. Von Beginn an war klar: Keine Band wird bevorzugt oder benachteiligt. Jeder darf seinen Auftritt so gestalten, wie er möchte. No Light or Sound limits.

Als Neck Cemetery unter tosenden Applaus die Bühne verlassen, fängt unsere heiße Phase an. Alles will vorbereitet sein. Wir starten unser Set mit lauten Sirenen und gehen direkt in „Black is the brightest Color“ über. Ohne Pause steigen wir in „Kindred Spirits“ ein, welcher eigentlich ein Song von John und Ian´s Band „Gods Army“ ist. Warum spielen wir diesen Song? Er ist eine Bindung zu unserem Sänger Zak. Zak hat schon auf „Kindred Spirits“ den Gastgesang übernommen und es bot sich an, nach einem „flotten Song“, eine weitere schnelle Nummer nach zu schieben.

Die Nervosität legt sich langsam und wir machen mit „Still Alive“ weiter, der bündig in „A Long Way Home“ unserer zweiten Single vom Album übergeht. Die Leute nehmen unser Set an und wir kommen immer mehr in Fahrt. Nach der experimentellen Nummer „Still Alive“ und dem eher ruhigen „A Long Way Home“, packen wir mit „Killing Spree“ ein Metalbrett raus und gehen von dort aus in „Easy Come Easy Go“ über, den wir im letzten Jahr schon in Gladbeck und auf dem Baltic Open Air gespielt haben. Jetzt kommt ein großer Moment. Ich widme den nächsten Track unserem Coverdesigner Frank Fiedler, der am Montag den 08.01.2024 durch Krebs verstorben ist: „FLY EAGLE FLY“. Wir hatten von Beginn an Angst, diesen Song zu spielen, da wir nur einmal vor den Shows proben konnten. Wir sind aber sprachlos, dass die Halle den Song auf Anhieb mitsingt und feiert. Wie Axel Julius von Scanner sagte: „Ich habe die Ansage gehört und mit Pipi in den Augen hinter dem Vorhang gestanden“. Wir spielen noch „In the Light“ vom neuen Album „2024“ und gehen dann in einen finalen Block, der aus „Ravenstine“, „Lady Luck“ und „Freedom Day“ besteht.

Wahnsinn. Die Leute feiern unseren Auftritt und sind begeistert. Natürlich gibt es auch ein paar Leute, die mit uns nichts anfangen können. Das ist legitim und vollkommen in Ordnung, da wir keine Standard Heavy Metal Band sind. Ich bin Schweiß gebadet und baue mein Equipment schnellst möglich von der Bühne ab. Erstmal raus zu den Gästen und Smalltalk halten, Autogramme geben und Fotos machen. So lange haben wir gewartet und jetzt ist das „Baby“ raus. Das leuchten in den Augen der Fans ist unbezahlbar. Wir waren unsicher, wie das Album ankommt, da wir im Gesamteindruck den Fuß vom Gaspedal genommen haben und mehr wert auf Melodien und Harmonien gelegt habt. Ohne es zu merken, sind wir seichter geworden und eine gewissen Melancholie schwingt im Album mit.

Scanner machen sich startklar und viele Fans freuen sich, die Band endlich wieder auf der Bühne zu sehen. Die beiden Neuzugänge Dominik und Sascha fügen sich sehr gut in das Bandgefüge ein. Ich genieße den Moment und schaue der Band und dem Treiben in der Halle zu. Leider verlassen immer mehr Leute das Resonanzwerk, was ich sehr schade aber auch verständlich finde, da der Sound extrem laut ist und es nur noch dröhnt im Laden. Einige der Fans äußern sich so, das „der Sound mich jetzt nervös macht“. Das wird der Show von Scanner nicht gerecht, denn die Band liefert super ab und es macht Spaß die neuen Sachen wie „Earth Song“, „Dance of the Dead“ oder die Klassiker wie „Terrion“, „Puppet on a String“ oder „Across the Universe“ zu hören und die Spielfreude bei Axel Julius, Jörn Bettentrup und Dominik Rothe kennt kaum Grenzen. Drummer Sascha macht einen echt tollen Job dafür, dass er so kurz erst in der Band ist.

Am Ende liegen wir uns alle in den Armen und freuen uns, dass soviele Leute den Weg ins Resonanzwerk gefunden haben. Wir quatschen noch ein wenig und packen dann die Sachen zusammen. Der Bus will gut gepackt sein, da morgen ja noch die Sachen der anderen Bandmitglieder reinkommen wie Snare, Hocker, Becken, Gestänge, Gitarren, Bässe und Taschen. Um 02.00Uhr bin ich endlich zuhause und falle todmüde ins Bett, mit dem Wissen, das mein Wecker um 07.30Uhr klingeln wird, da wir noch nach Schermbeck in den Plattenbau wollen und bis nach Emden fahren müssen. Die Zeiten sind für niemanden leicht, aber am Ende müssen wir als Künstler sagen, das wir einen guten Tag in Oberhausen hatten. Die Menge an Besucher darf natürlich immer mehr sein, aber da wir keine Träumer sind, freuen wir uns und sind mit fast 200 Besuchern glücklich und zufrieden.

Bis zum nächsten Mal, wenn es wieder heißt „Push it to the Limit“.

Textbeitrag: Martin SosnaFotografie: Tatjana Krupka

Fotografie: Tatjana Krupka

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Chris Strieder ist Baujahr 1970... Seit 1983 totaler Musikfreak und Kenner in den Bereichen Hardrock / Heavy Metal / Bluesrock und Progrock. Gut vernetzt in Musikerkreisen, da er auch selber als Gitarrist unterwegs ist (z.B in der regional sehr bekannten Coverrockband „Sevencent“)... Ist ständig am Puls der Zeit und verfolgt die internationale Rockszene und Strömungen in der Musikwelt in jeder freien Minute....