Nachdem Berlin leider abgesagt wurde, war Gelsenkirchen zur einzigen Chance geworden, Nightwish noch einmal 2023 in Deutschland zu sehen. So langsam endet nun auch die „HUMAN. :II: NATURE.“ – Welttournee und so ließen sich die Fans, der finnischen Symphonic-Metal-Band nicht zweimal bitten und eroberten das Amphigelände im Nordsternpark. Bei Temperaturen um die 30Grad bildete sich schon frühzeitig vor dem Einlass, eine gewaltige Schlange in Gelsenkirchen. Die Zuschauer waren aber trotzdem alle mächtig entspannt, kaum war der Steh.- oder Sitzplatz für den Abend gefunden, da wurde sich um das leibliche Wohl gekümmert. Noch vollends mit der Organisation beschäftigt, fiel es dann entweder nicht besonders auf oder war es egal, dass der Gig an diesem Abend erst 45 Minuten später startete. Bevor Nightwish aber Gelsenkirchen verzaubern konnten, waren erst noch BLOODRED HOURGLASS (Fotos dazu auf unserer Facebook Seite, hier) an der Reihe, den Abend zu eröffnen. Ich hatte die Finnen schon im Februar als Vorband von Turmion Kätilöt gesehen und war damals begeistert gewesen. An diesem Abend jedoch fand ich sie irgendwie Fehl am Platz und ich glaube ich war mit meiner Einschätzung nicht allein. Ich sah einige irritierte Gesichter auf den Rängen, die so aussahen, als ob sie nicht so richtig was mit den Jungs anfangen konnten. Nicht, dass die Finnen nicht gut waren und eine klasse Show abzogen, aber ihr „hartes Brüllen“ passte irgendwie nicht ganz zu dem Headliner an diesem Abend. Trotzdem fanden sich doch einige Fans im Publikum, die wild bangend und klatschend diesen Auftritt würdigen konnten. Nightwish erfüllte dann an diesem Abend all meine Erwartungen. Frontfrau Floor Jansen, jetzt schon mit einem ordentlichem Babybauch, sang Gelsenkirchen in Grund und Boden. Mit einer Wucht in der Stimme und der gewohnten Sauberkeit im Treffen der Töne, schmetterte sie jeden der 13 Titel an diesem Abend runter. Diese Frau ist einfach der Wahnsinn. Nun gut, da wo andere Bands sich ein Orchester holen, um den Klassiksound zu bekommen, da stellen Nightwish einfach ihre in ausgebildete „Opernsängerin“ auf die Bühne. Da war soviel Elan und soviel Lebensfreude an diesem Abend auf der Bühne und all das wurde dann auch direkt in die Songs geleitet. Pyros und Co2 Säulen verstärkten dabei die musikalische Leistung der Band. Es ist immer wieder erstaunlich, wie verwandelbar Floors Stimme doch ist. Klingt sie bei Songs wie „Sleeping Sun“ oder nicht zu vergessen bei „Our Decades in the Sun“, welches an diesem Abend akustisch, unterstützt mit einem Meer von Handytaschenlampen startete, noch zart und zerbrechlich so zeigt sie uns nur Minuten später welch eine Kraft sie entwickeln kann. Bei Songs wie „Last ride of the Day“ oder „I want my Tears back“ kann keiner im Amphitheater mehr still stehen oder gar sitzen. Der anschließende tobende Applaus war dann auch mehr als verdient. Ich hoffe die anstehende Pause wird nicht zu lange dauern und ich kann Nightwish bald wieder live erleben.
Fotografie: Tatjana Krupka
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