Wenn der EBM-Papst mit dem EBM-König auf Co-Headliner-Tour geht, dann ist dies ein absolutes MUSS für alle EBM-Jünger. Das stellte dann auch Oberhausen fest und so wurde die Veranstaltung vor gar nicht so langer Zeit von Halle 2 in Halle 1 verlegt. Hatte ich erst befürchtet, man könne die große Halle so kurzfristig nicht mehr füllen, musste ich vor Ort feststellen, wie unbegründet meine Zweifel waren. Schon als ich auf den Parkplatz fuhr, waren dort Massen an Menschen in der Schlange eingereiht, um auf Einlass zu warten und als gegen 20:00Uhr der erste Headliner des Abends die Bühne betrat, war es dann auch in der Halle mehr als muckelig. Doch bevor die Headliner des Abends die Bühne betraten, war erst einmal Liebknecht an der Reihe und der Auftrag war, die Besucher schon einmal auf Betriebstemperatur zu bringen. Ich würde mal sagen, Auftrag wurde gut erledigt. Liebknecht, die schon im Jahre 2019 mit Nitzer Ebb auf Tour waren, lieferten zum Aufwärmen ein cooles Electro-Set ab. Auch wenn es für mich persönlich, stellenweise ein wenig zu sehr in den Technobereich abdriftete, Oberhausen liebte es. Daniel Myer ist halt kein Neuling mehr, sowohl auf, als auch hinter der Bühne, hat er sich in den letzten Jahren einen Namen machen können. Und da er selbst ja auch schon Remixe für Front 242 gefertigt hat, kannte er die Bedürfnisse des Publikums zu genüge, um sie zusammen mit Renaldo Bite gelungen befriedigen zu können. Nach einer kurzen Umbaupause, war es dann endlich soweit und die geballte EBM-Ladung nahm ihren Anfang. Gäbe es eine Hall of Fame des EBM, ein Name wäre gesetzt. Als Erstes an diesem Abend waren in Oberhausen Front 242 auf der Bühne (die beiden Bands wechseln sich in der Reihenfolge auf der Tour ab). Bevor die ersten Klänge von „First in / First out“ erklangen wurde es natürlich erst einmal stockdüster in der Halle und eine riesige Nebelwolke nahm die Bühne in Besitz. In der ersten Minute war nichts zu sehen, außer 2 sich bewegende Taschenlampen auf der Bühne. Für alte Front-Fans ein gewohnter Anblick, für Fotografen jedes mal wieder ein Grund zum weinen. Dies sollte aber auch der einzige Wermutstropfen an diesem Abend bleiben, musikalisch lieferten Front wie gewohnt ein geniales Set ab. Es ist immer wieder unglaublich was Richard 23, Jean-Luc De Meyer, Patrick Codenys und Tim Kroker dort auf der Bühne seit über 40 Jahren abziehen. Bei Front hab ich immer das Gefühl, die werden mit jedem Jahr besser und ich überlege gerade, wie alt ich bei dem ersten Front-Konzert war…… nun ja, wechseln wir das Thema. Was ich in Oberhausen miterleben durfte, war echt grandios. Auf der Bühne gab es nicht eine Minute Stillstand. Immer war alles in Bewegung und dazu donnerten die Beats aus den Boxen der Turbinenhalle. Eigentlich konnte man dabei gar nicht still stehen bleiben, wenn man allerdings von oben auf das Publikum heruntersah, dann herrschte im Zuschauerraum für diesen Anlass, eher Stillstand. Nicht das Oberhausen nicht begeistert war, es wurde ordentlich gejubelt und geklatscht. Allerdings vermisste ich ein wenig die gewohnte Bewegung im Publikum. Vielleicht wird auch hier der Altersdurchschnitt einfach ebenfalls immer höher. Für mich war es auf jeden Fall eine geniale Show und ich freue mich schon auf den nächsten Liveact von Front 242.
Setlist Front 242:
- First In/First Out
- Take One
- Don’t Crash
- Funkahdafi
- Generator
- Quite Unusual
- Soul Manager
- Commando Mix
- Red Team
- Deeply Asleep
- Operating Tracks
- Tragedy >For You<
- Fix It
- Headhunter
- W.Y.H.I.W.Y.G. / U-Men
- MoldaviaZugabe:
- Agressiva
- Welcome to Paradise
Nachdem die Belgier nun alles richtig schön eingenebelt hatten, war es an der Zeit für Nitzer Ebb zu zeigen was sie drauf haben. Ich muss hier nicht erwähnen, dass Douglas McCarthy, der wieder vollkommen bei der Band angekommen ist, nicht eine Sekunde lang Probleme damit hatte die Zuschauer in seinen Bahn zu ziehen. Es gibt nur wenige Frontmänner in der Szene, die wie er, zur Rampensau geboren wurden. Mit „Control I´m here“ wurde dann der letzte Teil des Abends eröffnet. Unterstützt wurde Douglas an diesem Abend wieder von David Gooday und natürlich von Bon Harris. Welcher sich im letzten Jahr, als zeitweise Vertretung von Douglas, sicherlich nicht nur mir ins Herz gespielt und gesungen hatte. Natürlich war es auch schön, Douglas wiederzusehen. Manchmal glaube ich, das Publikum würde auch schreien und applaudieren, wenn er gar nicht singen und nur einfach auf der Bühne stehen würde. Umso geiler ist es dann natürlich, wenn diese Ausstrahlung gepaart wird, mit einer richtig fetten musikalischen Leistung. Die Setlist lies keine Wünsche übrig und auch hier war alles darauf ausgelegt, jeden Körper in der Turbinenhalle in Bewegung zu versetzen. Das Publikum war absolut begeistert, auch hier wurde geklatscht, gesungen und lauthals geschrien, jedoch fehlte mir ein wenig die letzte Explosion im Publikum. Ich hab schon viele kleinere Konzerte der beiden Headliner erlebt, bei denen es viel krasser abging, als an diesem Abend. Allerdings war ich ja nicht da, wegen der Stimmung im Publikum gekommen, sondern um feinsten, ursprünglichen EBM zu erleben und den hab ich bekommen. Dieser Abend, in dieser Zusammensetzung, war mit Sicherheit etwas Einzigartiges.
Setlist Nitzer Ebb:
01. Control I’m Here
02. Hearts and Minds
03. Payroll
04. For Fun
05. Get Clean
06. Captivate
07. Getting Closer
08. Lightning Man
09. Come Alive
10. Shame
11. Join in the Chant
12. Let Your Body Learn
13. Murderous
Zugabe
14. I Give to You
Fotografie: Tatjana Krupka
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