In Rheine gibt es den Bluesverein Bluesnote Bluesinitiative Rheine, der jahrelang Blueskonzerte im Hypothalamus veranstaltet hat, Leider wurde der Hypothalamus im Dezember letzten Jahres für immer geschlossen, was aber nichts mit dem Bluesverein zu tun hatte. Was zum Glück weitergeht, ist das Open-Air-European-Bluesfestival an der Stadthalle Rheine, direkt an der Ems. Der erste Tag steht im Zeichen von zwei Powertrios. Den Beginn macht die Paddy Boy Zimmermann Band, die Blues im Stil von Rory Gallagher, ZZ Top und Jimmy Hendrix präsentiert. Band Leader Paddy Boy Zimmermann beweist nicht nur an der Gitarre seine Klasse, sondern zeigt sich auch als guter Entertainer, was beim Publikum gut ankommt. In eigene Songs streut er einige gelungene Coversongs ein. Er sorgt bei der Ansage zur Entstehung des Songs „Scramled Eggs“, mit seinem Humor für einige Lacher, weil er vor Jahren wegen unangemessener Kleidung beim Frühstücksbuffet im Hotel sein Rührei auf dem Zimmer essen musste. Bassist Rupi Schwarzberger sorgt tiefenentspannt für die tiefen Töne und der kurzfristige Ausfall von Jan Winstroerd wird von Henrik Freischladers Drummer Janik Hüsch bestens kompensiert. Nach einer kurzen Umbaupause betritt dann Julian Sas mit seiner Band die Bühne und legt mit dem Titelsong des neuen Albums „Miles And Memories“ direkt los wie die Feuerwehr. Der Funke springt direkt über aufs Publikum, was begeistert mitgeht. Aus einer starken Setlist in der Sas zwischen Blues und Hardrock wandelt ragen der Protestsong „Stand Your Ground“ und eine extended Version von „Hey Joe“ heraus, was Sas jedes Mal neu ummantelt. Mit Lars-Erik van Elzakker an den Drums und Gerben Koolen am Bass hat er zwei Musiker in seiner Band, die authentisch genau den Stil von Musik leben, wie Julian. Etwa 100 Minuten Power Rock mit einer spielfreudigen Band vergehen so wie im Flug und zurück bleiben nur zufriedene Gesichter. Am zweiten Tag spielen Chris Kramer & The Beatbox ’n’ Bluesund und Gaelle Buswel. Wie gewohnt kündigt Robert Grawe die Bands mit einigen Hintergrundinformationen an. Der Abend beginnt mit der Dreierformation Chris Kramer & Beatbox ’n’ Blues. Es ist eine ungewohnte Erfahrung, eine Bluesband ohne Schlagzeug zu sehen. Kevin O’Neal spielt Beatbox und das bedeutet, wie er später im Auftritt erklärt, dass er alle Schlagzeug- und Percussion-Parts mit dem Mund und der Beatbox spielt. Er ist zweifacher Beatbox-Champion von Deutschland geworden und wenn man die Augen schließt, kann man sich das Schlagzeug dazu vorstellen. Der Hip-Hop-Sound, der zu einer Beatbox gehört, gibt dem Auftritt eine zusätzliche Note. Chris Kramer selbst spielt fantastisch Mundharmonika, übernimmt die Lead-Gesangsparts und die Rhythmusgitarre und Sean Athens, Gewinner des German Blues Awards, spielt natürlich die Sologitarre. Hier verschmelzen traditioneller Blues mit modernen Beatbox-Grooves. So etwas hört man nicht alle Tage. Das gesamte Konzert ist von hervorragendem Mundharmonikaspiel, großartigem Beatbox und soliden Gitarrenriffs mit wunderschönen Soli geprägt. Die Songs reichen von hartem Rock über Rock and Roll, Salsa, Balladen bis hin zu Gospel-Gesang und Handclapping. Das letzte Lied ist auf Deutsch und erinnert stark an die Musik und Stimme des deutschen Superstars Udo Lindenberg. Zwischen den Songs erzählt Chris viele Anekdoten, die er mit viel Humor vorträgt und die das Publikum zum Lachen bringen. Ein sehr überraschendes, hervorragendes und abwechslungsreiches Konzert. Etwas völlig Neues und das ist immer etwas Besonderes. Kompliment! Danach ist Gaelle Buswel an der Reihe. Die Band ist gerade erst für diesen einen Auftritt aus Paris angereist, doch davon ist auf der Bühne nichts zu spüren; es folgt eine energiegeladene Performance! Die Band besteht aus fünf Mitgliedern: Gaelle Buswel (Gesang und gelegentlich Akustikgitarre), Michaal Benjelloun (Gitarre), Lea Worms (Keyboard), Steve Belmonte (Schlagzeug) und JB Petri (Bass). Neben Gaelles Gesang übernehmen alle auch Backing Vocals. Die Performance umfasst dreizehn Songs, acht davon stammen von ihrem aktuellen Album *Your Journey*, die restlichen vom kommenden Album. Sie eröffnen die Show mit treibenden Drums und psychedelischen Keyboard-Klängen, woraufhin die Band richtig loslegt. Sofort wird deutlich, dass Gaelle eine kraftvolle, leicht rauchige Stimme besitzt und ihre energiegeladene Bühnenpräsenz beeindruckt. In „Last Day“ gibt es Raum für mitreißende Riffs, wunderschöne Breaks und solide Gitarrensoli sowie Backing Vocals der gesamten Band. Die Harmonien sind exzellent. Ein wunderschöner Song. Weiter geht es mit „All You Gotta Do“, das mit einem etwas gedrungenen Gitarrensound aufwartet. „100 Ways To Stay Alive“ ist poppiger, radiotauglicher und wird von Gaelle, die hier die Akustikgitarre spielt, sehr gut gesungen, gefolgt von der Ballade „A Rose Without A Thorn“. In „Perfect Foil“, einem gefühlvollen Song mit sehr emotionalem, kraftvollem Gesang, gibt es viel solides Gitarrenspiel. Das gefühlvolle, bluesige „Selfish Game“ besticht durch ein wunderschönes, spirituelles, psychedelisches Keyboard-Intro mit einem umwerfenden Höhepunkt. „25 Hours“ ist ein schöner, langer, harter, grooviger Track mit einem Keyboard-Solo und einer sehr energiegeladenen Gaelle, die eine Runde durchs Publikum dreht. Vom kommenden Album spielen sie den Heavy-Rock-Song „Little Star“ mit schweren, kantigen Riffs; Es beginnt mit einem ruhigen Mittelteil und einem wunderschönen, dunklen Wah-Wah-Gitarrensound. Darauf folgt das ruhige „Perfect Lullaby“. „That’s Alright“ stammt ebenfalls vom neuen Album und ist ein radiotauglicher Mitsing-Song. Den krönenden Abschluss bildet eine mitreißende Version von „So Blue“ mit Slide-Gitarre und großartigem Klavierspiel, bei der das Publikum begeistert mitsingt. Natürlich gibt es eine Zugabe: „Soldier Of Love“, wunderschön a cappella von allen fünf Bandmitgliedern gesungen, begleitet von einem Gospelchor und begeistertem Applaus des Publikums. Ein überraschender Abschluss eines wunderbaren Auftritts dieser französischen Band, der beweist, dass sie eine sehr gut eingespielte Gruppe ist, die schon seit Jahren in dieser Besetzung zusammen spielt. Mehr dazu unter https://www.bluesmagazine.nl/concertverslag-sommer-an-der-ems-in-rheine-d-17-en-18-juli-2026/
Fotografie: Gernot Mangold
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