Viel zu lange mussten die Fans der elektronischen Musik warten, bis es wieder „Bässer, härter, lauter“ hieß. Leider musste das, für September 2023 geplante Festival um ein halbes Jahr verschoben werden. Um so großer war natürlich die Freude, als sich pünktlich um 13:00 Uhr die Pforten der Turbinenhalle öffneten, um die erste Schlange vor der Tür abzuarbeiten. Den Anfang an diesem Tag machte die Electronic-Body-Music-Band aus Gävle Sturm Cafe.

Die Jungs aus Schweden weckten die eintrudelnden Gäste in der Halle 1 mit gutem EBM ab 13:00 Uhr schon mal auf und bereiteten sie auf Rroyce vor, die ihnen ebenfalls in Halle 1 um 14:00 Uhr folgten. Die Dortmunder Jungs von Rroyce, die auch schon einige Auszeichnungen erhielten, sind in der Eketropop-Welt schon lange keine Unbekannten mehr und so war es auch nicht verwunderlich, dass es vor der Hauptbühne um 14:00 Uhr schon recht voll war. Die Band um Sänger Casi, legte wie erwartet nicht nur eine gute musikalische Vorstellung ab, sondern agierte auch ständig mit dem Publikum. Das Rroyce zu den Bands gehören, die man anfassen kann, bewies Sänger Casi einmal mehr, indem er von der Bühne ins Publikum ging, um die dortigen Fans der ersten Reihe mit einer Umarmung zu begrüßen.

Um 15:40 ging es dann nicht mehr ganz so poppig in Halle 2 weiter. Bei Oberer Totpunkt war das Motto des Tages, dass uns der Tot gewiss ist. Die Band, die auch als Vertreter der „Neuen deutschen Todeskunst“ vermarktet wird, spaltete die Besucher in Halle 2 extremst. Einige blieben begeistert in der Halle und lauschten Frontfrau Bettina Bormann in den nächsten 40 Minuten, andere verließen recht schnell die Halle, um sich eine Pause zu gönnen. Für mich wird Oberer Totpunkt jetzt auch nicht meine neue Lieblingsband, aber schlecht kann sie objektiv gesehen nicht sein, da sie mit ihrem Album „Totentanz“ Platz 1 der Deutschen Alternative Charts erreichte.

Musik der leichteren Art gab es dann wieder mit Sono in Halle 1. Die Hamburger Synth-Pop Band um Frontmann L. A. Salomon brachte dann auch das erste Mal die Halle 1 mit Hits wie „Keep Control“ richtig zum tanzen und singen. Anscheinend machte es nicht nur mir Spaß, der charismatischen Stimme von L. A. Salomon zuzuhören.

Richtig alte Bekannte waren dann in Halle 2 zu sehen. Die 1994 unter dem Namen Voices of Darkness gegründet und 1996 in Accessory umbenannte deutsche Synthiepop-/Electro-Band brachte dann auch in Halle 2 das erste Mal richtig Stimmung. Frontmann Dirk Steyer steckte wohl mit seiner energiegeladenen Performance auf der Bühne auch das Publikum an und so wurde hier in den nächsten 40 Minuten ordentlich abgefeiert.

[:SITD:] diese Buchstaben stehen für Feiern ohne Grenzen., OK, eigentlich stehen sie für Shadows In The Dark , aber an diesem Tag zeigte die sympathische Dortmunder Elektronik-Band wieder einmal, dass sie ein Garant für gute Laune sind. Die Besucher der Halle 1, die inzwischen ordentlich gefüllt war, ließen es sich nicht nehmen um zu den musikalischen Klängen von Sänger Carsten Jacek ordentlich abzufeiern.

Zurück in Halle 2 wurden wir von NNHMN empfangen. Für alle die noch nicht wissen, wie man das ausspricht oder was diese Buchstaben bedeuten, NNHMN steht ganz einfach für NonHuman. Das Duo, das Ende 2019 ihr erstes Album Shadow in the Dark veröffentlicht hat, ist mittlerweile ein oft und gern gesehener Gast auf den dunklen electronic Bühnen. Eingehüllt in dunkelblauen Nebel bezauberte Sängerin Lee Margot fast einzig durch ihre einmalige Stimme die Oberhausener Gäste. Schemenhaft waren dann auch Lee Margot und Michal Laudarg im Nebel zu erkennen, zusammen mit der Musik verleitete uns das Ganze, sich einfach mal treiben zu lassen und sich unseren Träumen hinzugeben.

In Halle 1 standen nun KITE auf der Bühne. Auch die 2008 gegründete schwedische Synthiepop-Band, machte sich ebenfalls das Element des Nebels zunutze. Hier wurde es allerdings gepaart mit einer eindrucksvollen Lichtshow, welche die beiden Musiker Nicklas Stenemo und Christian Berg gekonnt in Szene setzte. Diese Beeindruckende Show, in Verbindung mit der musikalischen Leistung hatten auf jeden Fall einen Platz auf der Hauptbühne verdient.

Französisch ging es dann in Halle 2 weiter. Auch hier war starker Nebel ein Element der Bühnenshow, untermalt wurde er von Hugos extravaganten Tanzeinlagen und der wundervollen Stimme von Sängering Paulines. Das französisches Electro-Duo aus Marseille war für viele, mit denen ich gesprochen hatte, zu Recht ein must see an diesem Tag.

Vor der Bühne in Halle 1 drängelten sich schon die Massen. Hier wusste jeder ganz genau was er in den nächsten 70 Minuten bekommen würde. Johan Van Roy ist mit SUICIDE COMMANDO sind ein absolutes Urgestein. Fast 40 Jahren steht Johan Van Roy nun schon auf der Bühne und mittlerweile ist der Belgier ist von den Industrial- Bühnen nicht mehr wegzudenken. Was er drauf hat, konnte er uns in Oberhausen an diesem Abend einmal mehr beweisen. Angesteckt von seiner unglaublichen Power wurde dieser Gig zu einer großen Party.

Energiegeladen auf eine andere Art animierte uns Felix, der Sänger von FROZEN PLASMA dann in Halle 2. Hinter Sänger Felix Marc, in zweiter Reihe, wie immer bescheiden und schlecht ausgeleuchtet, ein weiterer wichtiger Kopf des Duos, Vasi Vallis. Zusammen ergeben die beiden das perfekte Duo um electropop-Fans zum Feiern zu bringen.

Der nächste Gast auf Bühne 1 begleitet uns alle auch schon eine Ewigkeit durch Konzerte, Festivals und auf Tanzflächen. Hier ist die Rede von Covenant. Die schwedische Band um Frontmann Eskil Simonsson konnte mit Leichtigkeit und Hits wie „Bullet“ oder Ritual Noise“ die Halle zum tanzen und singen animieren.

Die Zeit war reif für den letzten Gast in Halle 2. Mittlerweile war es 22:15 Uhr und viel Gäste waren schon seit über 9 Stunden auf den Beinen. Den Abschluss auf der 2nd Stage machten an diesem Tag Nachtmahr, das Projekt des österreichischen Musikers Thomas Rainer, der vielen sicherlich auch durch sein mitwirken bei L’Âme Immortelle bekannt sein wird.

Um 23:30 Uhr wurde es dann auch Zeit für den letzten Gast der Hauptbühne. Da Sänger Douglas McCarthy an diesem Abend leider nicht anwesend sein konnte, stand es lange Zeit nicht fest, ob dieser Gig überhaupt stattfinden konnte. Aber wie schon einige Male zuvor, ließ sich Bon Harris dazu überzeugen, den Gesangspart zu übernehmen. Für mich persönlich war es eine geniale Show und ich ziehe den Hut vor Bon Harris. Es ist sicher nicht einfach in die Fußstapfen von Douglas zu treten, der neben einem guten Sänger auch einen verdammt guten Entertainer abgibt. Aber weder an der Stimme, noch an der Showeinlage von Bon gab es etwas auszusetzen. Und so endete kurz vor eins ein musikalisch abwechslungsreicher Festivaltag in Oberhausen.

Wer nun immer noch nicht genug bekommen hatte, für den standen die Tore der Aftershow Party offen. Hier konnte weiterhin zu elektronischen Beats und bei diversen Djs abgetanzt werden. Der Termin und die ersten Bands für 2025 stehen auch schon fest. Am 22. Mai 2025 geht es in Oberhausen in die nächste Runde. Bestätigt hierzu sind im Moment Hocico, Chrom und Alienare. Tickets gibt es bereits unter www.amphi-shop.de
Fotografie: Tatjana Krupka
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