Was gehört zu einem guten Konzert? Natürlich zuerst einmal gute Musik, dann mindestens ein Frontmann mit einer guten Stimme und Musiker, die ihre Instrumente beherrschen. Wenn die Band, die auf der Bühne steht, dann noch mit Sympathie punkten kann, ist der Abend gesichert. So ein Konzert hatte ich letztes Wochenende im Kulttempel. Cutting Crew waren in Oberhausen zu Gast und obwohl mein letztes Konzert von Cutting Crew gerade mal ein Jahr her war und ich schon mit hohen Erwartungen dort hinfuhr, wurde ich äußerst angenehm überrascht. Leider war der Kulttempel mit ca. zweihundert verkauften Karten nicht angemessen gefüllt für diese Band, aber manchmal steckt man einfach nicht drin. Wie Gründungsmitglied und Frontmann Nick van Eede aber an diesem Abend erzählte, gab es aber auch Zeiten, da spielte die Band vor gerade mal 20 Leuten auf einer deutschen Bühne und musste mit David Hasselhoff konkurrieren. An diesem Abend hätte es die Konkurrenz sehr schwer gehabt, denn Nick van Eede, sowie Gareth Moulton brauchten nicht lange, bis sie einen Platz in den Herzen der Zuschauer ergattert hatten. Dies war kein Konzertabend, an denen die Songs einfach nur runter gespielt wurden. Nick machte nach jedem Song eine Pause und erzählte eine Anekdote aus längst vergangen Tagen. Oft war es auch die Geschichte, wie ein Song entstand. Er erzählte zum Beispiel von der Sturm-und Drangzeit seiner Tochter, die nicht immer seine beste Freundin war und für die „No Problem Child“ entstand oder wie Led Zeppelin ihn mit „Stairway to Heaven“ zu „Left of Heaven“ inspiriert hatte. Und nein, es war nicht diese Art von Erzählung, bei der man denkt, hör auf zu quatschen, fang an zu spielen. Das Publikum wurde abgeholt und mitgenommen auf eine Zeitreise, es gab ganz viel zu lachen und zwischendurch gute Musik. Auch kam die Sprache auf ihren größten Hit und dass man nach 37 Jahren diesen Song vielleicht nicht mehr ganz so gerne spielt. Als aber Gareth Moulton aus seinem Gitarrensolo heraus die ersten Klänge von „I Just Died in your Arms tonight“ erklingen lies, da merkte man wie die Zuschauer unruhig wurden. Egal wie gut der Rest dieses Abends auch war, auf diesen Moment hatten alle gewartet und hier wurde dann auch besonders laut mitgesungen. Der ganze Abend war aufgeteilt in zwei Abschnitte und natürlich einigen Zugaben. Auch wenn man es den „Jungs“ auf der Bühne qualitativ nicht anmerkte, so kamen sie doch den Abend über ganz schon ins Schwitzen und die Pause machte sie auch irgendwie menschlich. Ich hab mich an diesem Abend noch mit einigen Gästen unterhalten, die alle voll begeistert waren. Viele hatten nicht gedacht, dass Cutting Crew live noch so gut sind und immer wieder wurde von Nicks Stimme geschwärmt. Ich hoffe sie erzählen das weiter, damit das nächste Konzert besser gefüllt ist.
Setlist:
1. Climb Aboard
2. Any Colour
3. One for the Mockingbird
4. Till the Money Runs Out
5. Keep the Car running (Arcade Fire cover)
6. One I Love (R.E.M./Rolling Stones cover)
7. Left of Heaven
8. Thank You (Led Zeppelin cover)
9. The Scattering
10. San Ferian
11. No Problem Child
12. Berlin in Winter
13. (I Just) Died in Your Arms
14. Lido Shuffle
15. Can We Go Now?
16. Don´t Dream it´s Over (Crowded House cover)
Fotografie: Tatjana Krupka
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