Castle Rock – Tag 2 – Schloss Broich Mülheim 04.07.26

Castle Rock, the final Chapter / Tag 2

Der Samstag Mittag schwächelte ein wenig. Als um 12:00 Uhr EIGENSINN die Bühne betraten, waren zwar schon einige Zuschauer vorhanden, viele trudelten aber auch erst im Laufe des Nachmittags ein. Die schwach besiedelte Schlosshof hielt EIGENSINN aber nicht davon ab, alles zu geben, auch ihr letztes Geld (Spielgeld) in die Menge zu werfen und man merkte den Baden-Württembergern an, dass sie jede Menge Spaß beim Auftritt hatten. Kurz nach eins war es an WISBORG die Bühne in Beschlag zu nehmen. Guter alter Goth-Rock kommt immer an, besonders, wenn jemand wie die diese Jungs ihr Handwerk gut verstehen. Für Sänger Konstantin war es mit Hilfe seiner Bandkollegen und seiner markanten Stimme ein leichtes die Zuschauer zu begeistern. Auch der Sonntag war wettertechnisch ein wahres Geschenk, gab es im Vorfeld noch Vorhersagen von 28 Grad, so erwiesen sich die Temperaturen als Ideal für ein Festival bei Sonnenschein. Auch draußen auf der Wiese hatten wieder einige ihre Decken ausgebreitet um der Musik zu lauschen und mitzufeiern. Wie schon in den Jahren zuvor, saßen hier auch nicht nur Musikliebhaber ohne Ticket. In den letzten Jahren gehörte es für viele Festivalbesucher dazu, hier draußen eine zweite Base aufgeschlagen, um zwischen den Auftritten der Bands, die sie sehen wollten bequem auf der Wiese zu verweilen und die Beine zu entspannen und / oder die Zeit mit Ihren Freunden ohne Ticket zu verbringen.Nach WISBORG war es nun an HEIMATERDE die mittlerweile zahlreichen Besucher zu unterhalten. In Rüstungen à la König Arthur gehüllt, verstanden HEIMATERDE es hervorragend mit guter Electromusik und einem Hauch von NDH zu überzeugen. Hierbei durfte auch der Spaß nicht zu kurz kommen. Wenn wir schon das Ende des Castle Rocks feiern, dann können wir auch gleich einen Mitarbeiter der Stadt Mülheim Köpfen. OK, sein Leben wurde zwar verschont, aber der Kelch mit Blut über seinen Kopf vergossen. Also hier überzeugten nicht nur harten Gitarrenriffs und elektronischen Klängen, sowie die unverkennbare Stimme von Sänger Ashlar, sondern auch der Auftritt als Gesamtkonzept. SAGENBRINGER präsentierten nun einen abwechslungsreichen Mix aus Folk-, Mittelalter- und Rockelementen. Wobei ich ehrlich gesagt die Ganze Zeit über daran denken musste, dass Frontmann Haldruhir mich ein klein wenig an Jesus unter Wikingern erinnerte. Musikalisch konnte die noch recht junge Band aber durchaus überzeugen. Mit stimmungsvollem Mittelalterrock, der zum Feiern aufrief ging es nun mit HAGGEFUGG weiter. Mitreißende Rhythmen, mittelalterliche Klänge und eine ordentliche Portion Humor, bei diesen Songs konnte keiner stillstehen. Die Band verwandelte den Innenhof in kürzester Zeit in einen lebendigen Marktplatz voller guter Laune und bewies eindrucksvoll, dass sie live vor allem durch Spielfreude, Publikumsnähe und musikalische Leidenschaft überzeugen können. Nun ging es auf nach Asgard, es war an der Zeit für Thor und Loki, auch bekannt unter dem Bandnamen ALL FOR METAL, die Bühne in Besitz zu nehmen. Über die Charaktereigenschaften der beiden Frontmänner kann ich nichts sagen, aber keine andere Power-Metall-Band, verkörpert wohl zur Zeit die nordische Mythologie besser als ALL FOR METAL. Herbei darf man die Band keineswegs auf das Aussehen ihrer Fontmänner beschränken. Denn nicht nur optisch, sondern vor allen auch musikalisch konnte der Auftritt voll überzeugen. Der neue Sänger Amerigo Vitiello passt mit seinen hohen Tönen wunderbar zu dem tiefen Bass von Tim Schmidt. Zusammen ergab dies eine energiegeladene gesangliche Performance, die keine Wünsche offen lies. Aber nicht nur die beiden Frontmänner zeigten bei diesem Auftritt was in ihnen steckte. Auch Floh´s Bass Solo oder Ursulas Künste an der Gitarre sind nicht nur hörenswert, sondern spiegelten auch den Spaß wieder, den die Band bei ihrem Auftritt hatte.Mit einem altbekanntem Gesicht ging es nun ganz langsam in Richtung Ende. Für CREMATORY ist das Castle Rock eine zweite Heimat gewesen. Wenn nicht auf der Bühne, so sah man Frontmann Gerhard „Felix“ Stass sehr häufig einfach nur als Gast im Publikum. Auch mit ihrem letzten Auftritt beim Castle Rock, konnten die Gothic-Metaller wieder einmal voll überzeugen. Unterstützt durch Gitarre, Bass, Schlagzeug und nicht zuletzt Keyboard, gelang Felix der Wechsle zwischen tiefen Growls und melodischem Klargesang wieder einmal perfekt. Das Publikum feierte jeden Song begeistert, vor der Bühne wurde mitgesungen, gejubelt und immer wieder gingen Hände und Köpfe im Rhythmus nach vorn.Nach diesem gelungenem Gig, war es nun an der Zeit der Realität ins Auge zu sehen. Bevor uns die letzte Band diesen Abend und somit auch dieses Festival beendete, war es an der Zeit für Michael Bohnes sich zu Verabschieden und seinem Team Danke zu sagen.Nicht nur auf der Bühne bedurfte es einiger Anstrengung, die Tränen zurückzuhalten, auch in den Gesichtern der Gäste, unter denen viele seit Jahren Stammgäste es Castle Rocks gewesen sind, glänzte die Feuchtigkeit. Seit 2000 war der Innenhof des Schlosses Broich in Mülheim ein fester Bestandteil des deutschen Rock-Festivals-Kalender. An diesem Abend war es an der Zeit auch ein paar der Gesichter hinter „dem Vorhang“ auf die Bühne zu holen. Viele Helfer gingen schon seit Jahren, teilweise ehrenamtlich, den Weg mit Michael um uns jedes Jahr aufs Neue ein tolles Festival bieten zu können. Jedoch, auch wenn Michael auf der Bühne immer wieder betonte, dass es das Castle Rock ohne all seine Helfer, die tollen Bands und das Publikum nicht gegeben hätte, ist uns doch allen klar, das Castle Rock verdankten wir vor allen Michael. Also auch hier nochmal ein ganz fettes Dankeschön für all die Mühen und das Herzblut und die besten Wünsche für den nächsten Lebensabschnitt.Ich glaube, die Frage, welche Band das Castle Rock beendet stand nicht lange im Raum. Keine andere Band wäre dafür so gut geeignet gewesen wie LORD OF THE LOST. Auch wenn bei dieser Band ganz, ganz viel Talent am Start ist, jede Karriere braucht ein Sprungbrett und für LORD OF THE LOST war dies unter anderem das Castle Rock.Ein gutes Beispiel dafür, dass wir gerade diese kleinen Festivals brauchen, um neuen Bands eine reale Chance zu geben. LORD OF THE LOST haben in den letzten 26 Jahren ebenfalls immer wieder bewiesen, dass auch sie ein fester Teil dieser Mülheimer Festivalfamilie sind. Egal wie groß sie wurden, ein Gig im Schlosshof war immer drin. Selbst als Vorband von Maiden wurde ein Zwischenstopp in Schloss Broich eingelegt.So war es auch nicht verwunderlich, dass LORD OF THE LOST ihren Auftritt an diesem Abend unterbrachen und Michael nochmals auf die Bühne bat, um ihren Dank auszusprechen und ihm symbolisch einen Preis, in Form seines eigenen Nummer-Eins-Award der Deutschen Albumcharts für „Blood and Glitter“ zu überreichen, auf welchem natürlich der Name Michael Bohnes eingraviert war. Diese Geste öffnete dann auch endgültig die Schleusen und ich denke nicht nur Michael konnte seine Tränen nun nicht mehr zurückhalten.Aber nicht nur emotional, sondern auch musikalisch waren LORD OF THE LOST ein würdiger Abschluss für diese Ära. Mit einem Set, dass keine Wünsche offen lies, verabschiedeten die Jungs von der Reeperbahn das Festival. LORD OF THE LOST können guten Metal, das wurde an diesem Abend einmal mehr klar. Die beeindruckende, kraftvolle Stimme von Chris zeigte alle Facetten ihres Könnens. Ob vom tiefen Growlen bis zum hohen Screaming oder einfach nur dem Klargesang, jede Tonlage wurde sauber ins Publikum geschmettert.Auch Gitarre, Bass, Schlagzeug und Keyboard waren ein Genuss an diesem Abend, mein erstes LOTL-Konzert nach dem Weggang von Bassist Klaas und Gitarrist Pi, da war ich schon etwas gespannt. Aber sowohl die harten Gitarrenriffs, als auch melodische Passagen wurden bestens rübergebracht. Das Publikum gab noch einmal alles, egal ob mit einem Circle-Pit oder eine winzige Wall of Death. Der Rest sang einfach lauthals mit, lies die Pommesgabeln nach oben schnellen oder klatschte einfach nur im Rhythmus.Als wir nach Hause gingen, da war der Innenhof noch gefüllt mit Gästen, manche holten sich noch ein Getränk oder tatsächlich ein Stuck Kuchen. Ich weiß auch nicht, wie viele Leute noch auf die anschließenden „Aftershowparty“ um die Ecke gegangen sind, aber ich weiß, dass wir uns nächstes Jahr um diese Zeit die Frage stellen werden, wo wir uns alle Wiedertreffen und ob es eine würdige Alternative zum Castle Rock geben kann. Tag 1 hier.

Textbeitrag: Tatjana KrupkaFotografie: Tatjana Krupka

Fotografie: Tatjana Krupka

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Chris Strieder ist Baujahr 1970... Seit 1983 totaler Musikfreak und Kenner in den Bereichen Hardrock / Heavy Metal / Bluesrock und Progrock. Gut vernetzt in Musikerkreisen, da er auch selber als Gitarrist unterwegs ist (z.B in der regional sehr bekannten Coverrockband „Sevencent“)... Ist ständig am Puls der Zeit und verfolgt die internationale Rockszene und Strömungen in der Musikwelt in jeder freien Minute....