Der Samstag zeigte sich dann nicht so von seiner blauen Seite, wenigstens was den Himmel anging, war da eher Grau dominant. Das war sicherlich auch der Grund, warum sich einige Gäste entschieden dem Festival entweder ganz fern zu bleiben oder erst gegen frühen Abend zu erscheinen. Für den Opener an diesem Tag SEELENSURM tat es mir ein wenig leid. Die Goth-Rocker aus Düsseldorf konnten trotz guter Leistung keine richtige Stimmung aufkommen lassen. Für alle, die an diesem Tag später gekommen waren oder gar auf dem Sofa geblieben sind, kann ich jetzt schon mal sagen: mit der zweiten Band CIRCUS OF FOOLS habt ihr auf jeden Fall was verpasst. Selbst wem die Metaler aus Tübingen musikalisch nicht gefielen, der konnte doch nicht drumherum kommen, die Kostüme der Sieben zu würdigen. Spätestens als Sänger Tim Strouken in Publikum ging, um erfolgreich eine Polonaise zu starten, hatten CIRCUS OF FOOLS die Herzen in Mülheim erobert. Obwohl die nächste Band schon seit einigen Jahren, auch auf den größeren Bühnen der Metalwelt zu sehen ist, war es für mich eine Primäre. Ehrlich gesagt, hatte ich den Namen VOODOMA und das Erscheinungsbild der Band eher mit SODOM assoziiert, umso erstaunter war ich bei den ersten Klängen von „SANCTUS DOMINE“. Kein fetziges Gitarrenriff erklang dort von der Bühne, sondern das Set war eher ruhig angelegt. Melodischer Goth-Rock war hier das Thema, welcher vom Publikum durch ordentlichem Applaus gewürdigt wurde. Fetziger wurde es dann wieder bei NACHTBLUT. Die Dark-Metaler aus Osnabrück, welche stellenweise musikalisch stark am Bands wie Oomph oder gar Rammstein erinnern, legten dann auch mit „MULTIKULTURELL“ sofort richtig los. Fetzige Gitarrenriffs, begleitet von Bass und Schlagzeug untermalten Askeroths kraftvolle, tiefe Stimme Gesang hervorragend. Auch wenn der Gesang, in Verbindung mit den dunkel geschminkten Körpern und den weiß bemalten Gesichtern durchaus recht düster wirkte, so zeigte sich dann zum Schluss, bei der gewohnten Coverversion der Prinzen: „ES IST ALLES NUR GEKLAUT“, dass diese schwarzen Herrn aus Niedersachsen gar nicht so böse sind. Vom Publikum wurden sie auf jeden Fall für ihren Gig fett gefeiert. Der Applaus kam schon dem eines Headliners sehr nah, ob der Nachfolger das noch toppen konnte? Mit neuer deutscher Härte und HELDMASCHINE ging es weiter im Programm. Ich muss an der Stelle mal erwähnen, dass wir echtes Glück mit dem Wetter hatten. Zwar blieb es nicht komplett trocken an diesem Samstag, aber das, was da vom Himmel herunterkam, kam doch eher einem Fieseln als einem ausgewachsenen Regen gleich. Zurück zu Heldmaschine, die auch an diesem Abend, neben einer überzeugenden musikalischen Leistung, wieder eine Menge Showelemente zu bieten hatten. Waren es die beleuchteten Drumsticks von Dirk Oechsle oder die gewohnten Laserstrahlen, die an diesem Abend Pink leuchteten oder Unmengen von Geld, die während des Auftritts unter die Menge geworfen wurden (leider handelt es sich hierbei Geld der Heldmaschinen Hausbank), das Gesamtpaket überzeugte und wurde mit tobendem Applaus gefeiert. Eigentlich konnte man bei dem Line-up an diesem Samstag gar nicht von einem Headliner sprechen. Eine fantastische Band jagte hier echt die andere und die Platzierungen auf dem Timetabel sagten so gar nichts über die Qualität der Band oder die Größe ihrer Fangemeinde aus. LACRIMAS PROFUNDERE, die nun als nächstes auf die Bühne kamen, schlug zum Beispiel schon bei den ersten Takten von „AWAKE“ ein bombastischer Applaus entgegen. Hier war auf jeden Fall schon eine große Fangemeinde vorhanden und das, lag nicht nur an Julian Larre, der sich seit er in Jahre 2018 den Gesangspart übernommen hatte, besonders in die Herzen der weiblichen Fans sang. Doch egal wie gut die musikalische Leistung der Band an diesem Abend auch war und das war sie wirklich, der Höhepunkt für die Fans war dann doch, als Julian sich ins Publikum begab um sich von diesem auf Händen tragen zu lassen. Langsam neigte sich der Samstag dem Ende zu, noch zwei Bands standen auf dem Programm und beide stehen seit vielen Jahren auf der Bühne und haben sich einen festen Platz im Dark-Rock-Himmel gesichert. Den Anfang machten END OF GREEN. Ich kann mich gar nicht dran erinnern, wann ich diese Band das letzte Mal gesehen habe. Mit einer Mischung aus düsterem Gitarrenrock und verträumten Goth bewiesen END OF GREEN auch an diesem Abend wieder einmal, wie breit gefächert ihr Repertoire ist. Musikalisch eine super Leistung, von der Performance her machte das Ganze teilweise einen gelangweilten Eindruck. So sehr sich die Band auch bemühte, so konnte sie nicht vollständig vom recht ruhigem Auftritt ihres Sängers ablenken. Eine Frage, die mir nicht nur bei dem Auftritt von Frontmann Michelle in den Sinn kam war, seit wann gehört es eigentlich wieder zum guten Ton, auf der Bühne zu rauchen? Schien dies doch jahrelang recht verpöhnt. Leider geht alles irgendwann einmal zu Ende, so auch dieses Festival, bevor die Tore aber endgültig schlossen, gab es noch einen allerletzten Ohrenschmaus. THE 69 EYES hatten an diesen Abend die Rolle des offiziellen Hardliners übernommen. Die unverwechselbare Stimme von Jyrki 69 zog das Publikum schon bei den ersten Tönen von „Devils“ in den Bann. Bei Songs wie „Driver“, „Wasting the Dawn“ oder „Gothic Girl“ ließ sich das Bangen gar nicht vermeiden und Mülheim wippte von der ersten Minute an im Takt mit den Köpfen und auch das lauthalse Mitsingen durfte hier nicht fehlen. Als dann die letzten Takte von „Lost Boys“ erklangen, gab es mit Sicherheit keinen Besucher im Schlosshof, der nicht froh war, trotz des gelegentlichen Regens, den Weg zum Schloss Broich gegangen zu sein. Für alle, die dieser kleine Bericht mit den dazugehörigen Fotos von diesem Wochenende Lust auf mehr gemacht hat, den sei gesagt, der Termin für 2024 steht schon fest. Save the Day! Am 5. und 6. Juli 2024 werden die Tore wieder für die Anhänger der Goth und Metal Szene geöffnet.
Bericht zu Tag 1 hier
Fotografie: Tatjana Krupka
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