Ich kann mich noch daran erinnern, als ob es gestern gewesen wäre. 2005 hatte ich ASP das erste Mal live auf der Schattenreichbühne in Bochum gesehen. Natürlich waren mir ihre Lieder von den Tanzflächen der Clubs schon recht gut bekannt, aber live war das schon damals, eine ganz andere Hausnummer. Heute, fast 18 Jahre danach, spielen ASP auf etwas größeren Bühnen, deshalb hatte ich mich auch gewundert, dass ASP „nur„in der Turbinenhalle 2 gespielt haben. Allerdings war die dafür aber auch rappelvoll. Doch bevor ASP an diesem Abend die Bühne in Beschlag nahmen, war es erst noch Aufgabe der Leichtmatrose, schon mal ein wenig Schwung in die Meute zu bringen. Die fünf Münsteraner, die mir in erster Linie von der Neuauflage des Reinhard Meys Hit „Nein, meine Söhne geb ich nicht“ bekannt waren, konnten in Oberhausen mit qualitativ gutem Indi-Rock überzeugen. Leichtmatrose, die 2019 kurz davor standen richtig durchzustarten, wurden wie viele andere Bands auch, durch Corona damals ausgebremst. Nach einer kurzen Umbauphase, war dann der Zeitpunkt für ASP gekommen. Ob ASP im Jahre 2021 bei der Auswahl des Albumtitels „Endlich“ schon geahnt haben, dass es ein wenig dauern wird, bis sie mit diesem Album auf Tour gehen können? Wie merkte Frontmann Alexander doch so schön an,“wir singen Stücke unseres alten neuen Albums“. Mittlerweile ist für September sogar schon die Veröffentlichung ihres nächsten Albums geplant. Wie sich in Oberhausen zeigte, hatte es aber auch Vorteile, dass die Album-Tour erst so spät startete. Egal ob „Endlich“, „Raise Some Hell Now“ oder „Ruine“, das Publikum hatte die Tourverlegung genutzt und das neue Album mehr als einmal gehört. Textsicher konnte Oberhausen ASP somit bei allen Stücken begleiten. Natürlich stieg die Stimmung in der Halle bei Songs wie „Krabat“, „Astora“, „Und wir tanzten“ oder „Ich will brennen“ nochmal richtig an. Diese alten Gassenhauer wollte jeder hören und mitsingen. Zum Mitsingen wurde das Publikum auch explizit aufgefordert. Alexander kämpfte an diesem Abend immer noch mit den Nachwirkungen einer Kehlkopfentzündung und sein Arzt hatte drum gebeten, dass er nicht so laut schreit. Nicht laut schreien und ein ASP-Konzert passt natürlich nicht so ganz zusammen. Also musste das Publikum ran, was aber alles andere, als Unmut bei diesem erzeugte. Nachdem es noch eine Kurzeinweisung gab, wie man richtig klatscht, war die Lautstärke an diesem Abend schon einmal gesichert und Alexander konnte getrost seinen Tee weiter trinken. Jawohl, ihr lest richtig, Tee! Aber wie er selbst sagte, er würde auch Iltispisse trinken, um das Konzert durchzuhalten. An dieser Stelle schon einmal ein fettes Dankeschön dafür. Auch wenn man merkte, dass die Stimme nicht die volle Kraft hatte, so minderte dies nicht eine Sekunde die Qualität des Konzertes. Besonders bei Songs wie „Astoria“ fragte ich mich, ob der Arzt wohl hiermit einverstanden gewesen wäre. Das Publikum dankte mit einem tobenden Applaus. Irgendwann an diesem Abend kam auch wieder das Thema Tattoo auf. Wie mittlerweile bekannt, besitzt Alexander kein einziges, hiervon und auch wenn er mit dem Gedanken spiele, diesen Umstand zu ändern, so habe er niemals gesagt, er ließe sich ein Einhorn stechen. Das Tattoo wäre eh abhängig davon, ob Oberhausen bei dem nächsten Song gut genug mitmachen würde. Eigentlich müsste Alexander jetzt volltätowiert sein, denn die Stimmung in Oberhausen ging hiernach nochmal um einige Grad ab nach oben, wo sie sich auch bis zum Schluss hielt. Ich freue mich schon auf die nächste Tour, mit dem neuen ASP Album.
Fotografie: Tatjana Krupka
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