Amy McDonald beim Zeltfestival Ruhr – Ein Geburtstagskonzert der Extraklasse. Dieses Jahr hat mir das Zeltfestival Ruhr einen großen Wunsch erfüllt: Amy McDonald endlich einmal live zu erleben. Ihre Musik begleitet mich schon lange, doch bisher hatte es nie geklappt, die schottische Sängerin auf der Bühne zu sehen. Dass es ausgerechnet der 25. August wurde, machte den Abend noch besonderer – denn Amy McDonald feierte an diesem Tag ihren Geburtstag. Doch bevor der Geburtstagsabend musikalisch richtig Fahrt aufnahm, stimmte sich das Publikum beim Intro schon einmal ordentlich ein. Mit Klassikern wie „500 Miles“ und „Country Roads“ konnte eigentlich nichts schiefgehen. Die Zuschauer sangen kräftig mit und waren bestens vorbereitet auf das, was folgen sollte. Als Amy schließlich die Bühne betrat, wurde sie mit tosendem Applaus empfangen. Das Bühnenbild war angenehm schlicht gehalten. Keine übertriebene Show, keine spektakulären Effekte – der Fokus lag auf dem Wesentlichen: Amy und ihrer Musik. Im Scheinwerferlicht stand die Schottin mit ihrer Gitarre und begann zu singen. Diese Frau besitzt eine unglaubliche Ausstrahlung. Obwohl die Bühne des Zeltfestivals riesig wirkt und an diesem Abend vergleichsweise wenig darauf passiert, füllte Amy sie vom ersten Moment an komplett aus. Sie brauchte keine große Inszenierung, um die Aufmerksamkeit des Publikums zu gewinnen. Bereits bei der ersten Strophe von „Is This What You’ve Been Waiting For?“, der gleichnamigen Single ihres 2025 erschienenem Albums war klar: Das wird ein großartiger Abend. Diese Stimme haut einen einfach um. Bisher kannte ich sie vor allem aus perfekt abgemischten Studioaufnahmen. Live kommt ihre Stimme jedoch noch einmal ganz anders zur Geltung – rau, kraftvoll und unglaublich präsent. Das letzte Mal stand Amy McDonald vor 17 Jahren auf der Bühne des Zeltfestivals. Mit einem Augenzwinkern scherzte sie, dass es eher unwahrscheinlich sei, dass sie in weiteren 17 Jahren wieder hier stehen werde. Sie sei schließlich nicht unbedingt der Typ Musikerin, der im hohen Alter noch von Bühne zu Bühne tingelt. Das Publikum nahm diesen Humor dankbar auf. Musikalisch war der Abend ein Genuss. Mit Songs wie „This Is the Life“, „Mr. Rock & Roll“ und „Don’t Tell Me That It’s Over“ zeigte Amy eindrucksvoll, wie vielseitig ihre Musik ist und welches breite Spektrum ihre Stimme abdecken kann. Von Pop über Folk bis hin zu rockigen Momenten war alles dabei. Der Abend blieb dadurch abwechslungsreich und lebendig. Die ersten 75 Minuten vergingen wie im Flug. Nahezu jeder Song wurde vom Publikum mit begeistertem Applaus gefeiert. Amy überzeugte dabei nicht nur mit ihrer gewaltigen Stimme, sondern auch mit ihrer sympathischen und humorvollen Art. Besonders schön war, dass sie immer wieder den Kontakt zum Publikum suchte. Sie erzählte Geschichten, scherzte und nahm sich selbst nicht allzu ernst. Ihr schottischer Dialekt sorgte dabei immer wieder für einige nachdenkliche Gesichter. Als Amy schließlich fragte, ob denn auch wirklich alle alles verstehen würden, meldete sich dann auch der ein oder andere, dem es genauso ging wie mir, denn auch ich muss zugeben: An meinem schottischen Englisch kann ich noch ein wenig arbeiten. Offenbar war ich außerdem nicht die Einzige, die Amy McDonald an diesem Abend zum ersten Mal live erleben durfte. Auf ihre Frage, wer zum ersten Mal bei einem ihrer Konzerte sei, gab es eine erstaunlich große Rückmeldung aus dem Publikum. Auch hinter den Kulissen vergaß Amy niemanden. Sie bedankte sich bei ihrer Crew, die jeden Abend dafür sorgt, dass alles funktioniert und deren Gesichter für das Publikum unsichtbar bleiben. Auch ihre Musiker stellte sie persönlich vor – natürlich begleitet von reichlich Applaus. Ein besonderes Lob verdient an diesem Abend auch die Technik des Zeltfestivals. Kein schiefer Ton, keine störenden Rückkopplungen und ein insgesamt hervorragender Klang machten das Konzert auch akustisch zu einem echten Genuss. Amy McDonald ist dabei alles andere als ein unnahbarer Star. Sie wirkte sympathisch, bodenständig und nahbar. Immer wieder trat sie mit dem Publikum in Kontakt und vermittelte dadurch das Gefühl, nicht einfach nur vor einer riesigen Menge zu stehen, sondern tatsächlich gemeinsam mit den Zuschauern einen besonderen Abend zu erleben. Als schließlich zum ersten Mal die Lichter ausgingen, war für viele im Publikum sofort klar: Das kann noch nicht alles gewesen sein. Kräftiger Applaus und lautstarke Zugabe-rufe ließen Amy dann auch tatsächlich wieder auf die Bühne kommen. Und was wäre an ihrem Geburtstag passender gewesen als ein Ständchen? Das Publikum empfing Amy mit einem gemeinsamen „Happy Birthday“, das sie sichtlich genoss. Die Zugabe begann mit „We Survive“. Nur von ihrer Gitarre begleitet, konnte Amy noch einmal eindrucksvoll beweisen, was für eine fantastische Stimme sie besitzt. Nach weiteren rund 15 Minuten war das Konzert dann tatsächlich endgültig vorbei. Ich hätte allerdings ohne Probleme noch mehrere Stunden dieser einzigartigen Stimme lauschen können. Der Abend im Zeltfestival Ruhr war für mich ein ganz besonderes Konzerterlebnis – nicht nur, weil ich Amy McDonald endlich einmal live sehen durfte, sondern auch, weil sie mit ihrer Musik, ihrer sympathischen Art und ihrer unglaublichen Stimme einen Abend geschaffen hat, den ich so schnell nicht vergessen werde. Und eines steht für mich fest: Das war mit Sicherheit nicht mein letztes Amy-McDonald-Konzert.
Fotografie: Tatjana Krupka
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