Einiges über 20 Jahre ist es her, dass Amanda Marshall in Deutschland aufgetreten ist. In der Zeit hatte sie dem Musikbusiness weitgehend den Rücken gekehrt. 2023 war es dann endlich soweit und mit „Heavy Lifting“ gab es endlich ein neues Album. Es folgten Auftritte in Kanada und dann standen zwei Konzerte in Europa auf dem Programm. Eins davon ein Deutschland, im Rahmen von Promotion Aktionen für eine im nächsten Jahr anstehende Europatournee. Schon einige Tage vor dem Konzert war der Frankfurter Hof in der Mainzer Altstadt mit knapp 900 Zuschauern ausverkauft. Schon einige Zeit vor dem Einlass bildete sich eine lange Schlange erwartungsfroher Fans, die zum Teil weite Wege, bis aus der Schweiz, auf sich genommen hatten, am Einlass. Um 20 Uhr betritt dann die Band im zunächst dunkelblauen Licht die Bühne und dann gehen Spots an und Amanda Marschall steht wie Phönix aus der Asche auferstanden im Rampenlicht. Geschickt hat sie als Opener mit „Let It Rain“ der sich aus einem kurzen Intro von Purple Rain entwickelt, ihren größten Hit als Opener gewählt. So sind die Fans direkt auf Betriebstemperatur und es folgen 90 Minuten in denen es kein Halten gibt. Danach testet sie mit „Can´t Loose Me“ eine aktuelle Single, die beim enthusiastisch mitgehenden sehr gut ankommt. Ansonsten verlässt sich Amanda Marschall weitgehend auf Songs ihrer drei ersten Alben, in die sie aber mehrmals mit kurzen Sequenzen anderer Songs würzt. Das einzige vollständig durchgespielte Cover ist eine wunderschöne Version von „Don´t Let It Bring You Down“ des großen Kanadiers Neil Young. Marschall gibt sich zwischen den Songs redselig und gut gelaunt. In Anspielung zu den hohen Temperaturen im Saal sagt sie augenzwinkernd „traue nie einer Rocksängerin, die beim Konzert nicht schwitzt“. Und der Schweiß fließt sowohl vor der Bühne beim mitgehenden Publikum, wie auf der Bühne bei der entfesselt aufspielenden Band in Strömen, dass nach fast jedem Song bereit gelegte Handtücher benutzt werden. Was Marschall in den 90 Minuten an Strecke auf der Bühne zurücklegt ersetzt das Gym. Dabei zeigt sie eine Stimmgewalt, die beeindruckt. Ob rotzig rebellisch oder gefühlvoll, sie trifft jeden Ton. Zudem kann sie sich auf eine Band verlassen, die die Basis für ihre Songs legt. Bei „Believe In You“ hat man den Eindruck, Amanda Marschall würde ihre Gefühle zu dem was im Frankfurter Hof abgeht den Fans mitteilen. Danach beendet sie mit einem fast epischen „Everybody´s Got A Story / Birmingham“ zunächst die Show um noch zwei Zugaben draufzulegen. Zunächst das gefühlvolle Dark Horse mit Piano Intro und als Rausschmeißer „Sunday Morning After“. Für die Band wird der Morgen danach auch hart, sehr früh morgens geht der Flieger zurück nach Toronto. Bei dem was heute im Frankfurter Hof abging kann man sich auf die in 2027 geplanten Konzerte freuen. Wenn man in die Gesichter der Fans nach dem Konzert schaut, hat man den Eindruck sie sind immer noch geflasht.
Set-List: Let It Rain (Snippet ‚Purple Rain‘ Prince Cover), Can’t Lose Me, Fall From Grace, If I Didn’t Have You, Last Exit to Eden (Snippet ‚See the Light‘ The Jeff Healey Band Cover), Sitting on Top of the World, Beautiful Goodbye, Don’t Let It Bring You Down (Neil Young cover), Trust Me (This Is Love) (Snippet ‚What’s Love Got to Do with It‘ Tina Turner Cover), Believe in You (Snippet as Intro ‚Get It While You Can‘ Janis Joplin Cover), Everybody’s Got a Story / Birmingham (Snippet ‚Wanna Be Startin Something‘ by Michael Jackson & ‚Ain’t Nobody‘ by Rufus and Chaka Khan), Encore: Dark Horse (Snippet as Intro ‚Wild Horses‘ Gino Vannelli Cover), Sunday Morning After
Fotografie: Gernot Mangold
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