In dieser Artikel Serie geht es um das Handwerkzeugs beliebter Gitarristen. Welches sind ihre Lieblingsgitarren und wie ist ihr Bezug dazu. Diesmal mit Martin Schnella.

Mein Name ist Martin Schnella. Zusammen mit meiner Frau Melanie Mau trete ich unter dem Namen „Melanie Mau & Martin Schnella“ als Akustik-Duo in unterschiedlichen Bandbesetzungen auf. Außerdem bin ich der Kopf des Progressive Rock/Metal Projektes Flaming Row. Ich möchte Euch hier einmal meine wichtigsten Instrumente, Amps und Effekte vorstellen, die ich quasi täglich nutze.

Meine große Vorliebe gilt der akustischen Gitarre. Das soll nicht bedeuten, dass ich E-Gitarren weniger gerne spiele. Dennoch habe ich über die letzten Jahre festgestellt, dass ich auf der Akustik Gitarre meinen Stil und eine persönliche Note besser entfalten kann. Fangen wir also mit meinen 3 Hauptgitarren an. Es handelt sich hierbei um Gitarren von Martin & Co.

1. Martin & Co DCPA4 Rosewood

Das ist meine Hauptgitarre, die in DADGAD gestimmt ist. Ein Tuning auf dass ich 2012 durch unseren Freund und Mitmusiker Jens Kommnick aufmerksam geworden bin. Diese Gitarre ist vom Prinzip eine einfache Dreadnut im mittleren Preissegment. Sie klingt fantastisch in diesem Tuning und hat den einfachen Fishman F1 Piezo Pickup, den ich großartig finde.

2. Martin & Co DC16GTE – 2012er Baujahr

Diese Gitarre ist im Standardtuning gestimmt. Sie war meine erste Martin Gitarre und ist der DCPA4 vom Prinzip her ähnlich. Sie hat einen anderen Pickup. Ein Roland Pick Up mit recht viel Schnick Schnack, den ich nicht nutze. Ein eingebauter EQ ist ganz nützlich. Die Gitarre lässt sich wunderbar spielen und ist wie all meine Martin Gitarren sehr stimmstabil. Seit dem ich vermehrt auf DADGAD Tuning umgestiegen bin ist sie etwas mehr in den Hintergrund geraten.

3. Martin & Co DC16GTE – 2016er Baujahr

Da ich 3-4 verschiedene Tunings spiele, musste eine weitere Gitarre her. Mein regionaler Händler des Vertrauens hatte eine weitere DC16 GTE Vorort, die mir auf Anhieb gefiel. Trotz der gleichen Modellbezeichnung ist sie mit meiner anderen modellgleichen Gitarre kaum zu vergleichen. Der Hals ist z.B. nicht lackiert und sie hat auch den Fishman F1 verbaut. Leider befinden sich die Regler für Lautstärke und Body direkt im Schallloch. Man hat so wenig Kontrolle über seine Settings. Das ist aber kein großes Problem für mich. Dieses Modell habe ich auf CGCFGC gestimmt. Also DADGAD einen Ton tiefer.

Diese Gitarren nutze ich live und im Studio, wenn ich mit „Melanie Mau & Martin Schnella“ spiele. Da ich einziger Gitarrist bei uns bin, nutze ich diverse Tools und Effekte, um meinen Sound größer zu machen. Im Studio nutze ich ausschließlich Mikrofone, um einen natürlichen Sound der Gitarre einzufangen. Bewährt hat sich dabei für mich eine Chain aus 2 Neumann KM184 in XY-Positionierung durch 2 Rupert Neve Shelford Chanel PreAmps. Das klingt großartig. Live spiele ich jedoch fast ausschließlich DI über die Pickups. Das ist einfacher zu handeln. Das DI signal direkt von den Gitarren klingt mir jedoch zu pingelig. Da habe ich mir ein Stereo Effekt Board zusammengestellt, welches ich seit fast 5 Jahren unverändert so nutze. Die Kette ab Gitarre wiefolgt:

Radial Tonebone PZ-Pre → Boss TU3 Tuner → TC Electronics Body Rez → Boss OC3 Octaver → Strymon OB1 Opto Compressor → Strymon El Capistan Tape Delay → Strymon Dig Dual Delay → Empress Echosystem Delay → Empress Reverb –> Strymon Big Sky Reverb → 2x Rupert Neve RNDI

Das ist eine ganze menge Zeug, jedoch nutze ich alles sehr subtil. Body Rez, Octaver und Compressor sind immer an. Den Octaver nutze ich im Polymode. Das habe ich mir bei John Gomm abgeschaut. Er oktaviert lediglich die Grundtöne des Akkordes nach unten. Das mische ich ganz leise dem Originalsignal hinzu. Das gibt der Gitarre einen enormen Schub. Die Delay und Reverbs nutze ich nach Bedarf. Den Empress Reverb mehr für dezente Räume, den Strymon Big Sky für einen runden ausgewogenen Hall und den Cloud Modus für tragende tiefe Sphären für langsame und getragene Parts. Tatsächlich nutze ich nicht mehr als 3 Reverb Presets, die seit Jahren unverändert sind. Delays nutze ich auch ganz subtil. Ab und zu ein dezentes Tape Delay, um dem Sound etwas mehr Breite zu geben. Mit dem DIG von Strymon experimentiere ich ab und zu mit dem Ping Pong Delay. Das klingt tierisch. Alles jedoch sehr musikalisch und subtil. Eine eierlegende Wollmilchsau, die alles kann habe ich bisher nicht gefunden. Multieffektgeräte können zwar irgendwie alles. Aber nichts davon für meinen Geschmack richtig. Aus dem Strymon Big Sky gehe ich dann stereo in 2 Rupert Neve DI Boxen. Die Transformatoren klingen wahnsinnig gut. Ich hätte nie gedacht, dass DI Boxen so viel bewirken können. Viele Details im Picking, Flageolettes etc kommen viel präsenter durch. Danach geht es direkt ins Pult an die PA. Da ich live viel singe und rhythmisch komplexe Harmonien singe, will ich so wenig wie möglich auf dem Pedal Board „steppen“. Daher arbeite ich mit Presets, die ich vor den Songs schalte. So kann ich zwischen den Songs unkompliziert switchen und ggf mal das Tap Delay anpassen.

Mein Live Monitoring sind 2 Dynacord AXM 12a Monitore, die wir auch zeitgleich für die Vocals nutzen. Somit sind wir unabhängig von externen Mischern.

Bei den E-Gitarren ist alles etwas überschaubarer. Da ich dieses Instrument die letzten Jahre ausschließlich im Studio nutze und soundlich Purist bin, nutze ich hier keine separaten Effekte mehr. Früher besaß ich viele unterschiedliche E-Gitarren. Über die Jahre habe ich aber einige verkauft und nur noch die Lieblingsmodelle behalten. Dazu gehören:

1. Music Man JP6 Koa – BJ 2014

2. Marleaux Signature Strat – BJ 2006


3. Music Man JP7


4. Tokai Love Rock Les Paul – BJ 1991


5. Heritage H140 – BJ 1988

Die JP6 habe ich 2014 direkt über meinen Händler bei Music Man in Auftrag gegeben. Die JP Modelle haben mich schon immer in allen Kriterien begeistert. Diese ist besonders schön und ich habe sie nach meinen Vorstellungen zusammenbauen lassen. Eine Gitarre für’s Leben. John Petrucci gehört natürlich zu meinen Helden. Das ist aber nicht der Grund warum ich diese Gitarre habe. Die Qualität, das Spielgefühl, der Sound, einfach alles ist unbeschreiblich geil! Ich besitze auch eine JP7 in schlicht schwarz. Da ich viel Low Tuning spiele wollte ich eine eben würdige Gitarre haben und diese ist perfekt. Ich kann mir keine bessere Gitarre vorstellen.

Direkt nach meiner Ausbildung habe ich mir mit 22 Jahren meine erste Signature Gitarre bauen lassen. Und zwar vom Bass Gitarrenbauer Gerald Marleaux aus Clausthal. Das ist direkt bei uns nebenan, also nur 10 km von meinem Wohnort entfernt. Ich bin großer Strat-Fan und ich hatte genaue Vorstellungen welche Hölzer ich bei meiner „eigenen“ Gitarre haben wollte. Der Korpus ist aus einfachem Erlenholz. Für die Optik und den attackreichen Sound wollte ich eine Bubinga-Decke haben. Der Hals und das Griffbrett sind aus Vogelaugenahorn. Wunderschön! Da ich David Gilmour sehr mag und besonders auf den Sound der 90ger Jahre stehe, habe ich mich für das EMG DG-20 Pickguard entschieden. Da sind 3 aktive EMG Single Coils verbaut. Eigentlich bevorzuge ich passive Pickups, jedoch gefallen mir die EMG SA Single Coils super gut. Die damit verbundene Elektronik macht es noch besser. Die Tonepotis agieren als Mittenboost, bzw. Mittenreduktion. Das macht die Gitarre super vielseitig.

Ich spiele auch 2 Les Pauls. Jedoch keine originalen Gibson, da ich mich nie wirklich damit anfreunden konnte. 2008 bin ich auf den Japanischen Hersteller Tokai gestoßen. Die bauen Les Pauls in Custom-Shop Qualität. Ich hatte das Glück eine sehr begehrte Limited Edition der Love Rock aus dem Jahre 1991 ergattern zu können. Der eigentliche Verkäufer hat später mehrfach versucht sie wieder zurückzukaufen. 🙂 Die Tokai Klampfen müssen ein bisschen aufgewertet werden, damit auch alles stimmt. Das hat der liebe ACY von Acy’s Guitar Lounge aus Aschaffenburg für mich gemacht. Eine neue Verdrahtung, CTS Potis, Pick Ups von Harry Häussel (VIN Alnico 5 an der Brücke und VIN Alnico 2 am als). Das Ganze mit Acys intelligenter Split-Funktion. Also super vielseitig. Eine fantastische Gitarre! Die andere Les Paul ist eine Heritage H140. Durch meinen Kumpel Olaf bin ich auf diese schlanke Variante einer Les Paul gestoßen. Ich war verblüfft wie aggressiv und fett dieses Modell klingt und wollte unbedingt eine haben. Über Ebay habe ich dann recht günstig eine ersteigert. Leider kam sie im desaströsen Zustand bei mir an. Voller Macken und sie roch extrem nach Nikotin und Rauch. Da hatte ich damals einen echten Streit mit dem Verkäufer, der sich unmöglich benommen hat. Die Gitarre wollte ich jedoch unbedingt behalten. Es ist eine Gold-Top und auch hier habe ich von Acy bessere Potis und neue Pick Ups reinbauen lassen. Es sind ebenfalls Häussel Pick Ups. Dieses Mal aber der etwas heißere Vin+ in A5 an der Brücke und ein VIN in A2 am Hals. Die meiner Meinung nach besten Humbucker, die ich kenne. Die Gitarre habe ich einen Ton tiefer gestimmt und wechsel ab und zu in Dropped C Tuning. Keine meiner Gitarren hat so viel Edge im Sound!

Die 8 Saitige Ibanez nutze ich für tiefe Layer Gitarren und zum Experimentieren. Macht viel Spaß. Ich habe sie bei einigen Flaming Row Songs eingesetzt und werde das auch in Zukunft weiter tun. Die Danelectro Baritone, die wohl hässlichste Gitarre der Welt, nutze ich häufig im Studio. Eine Wunderwaffe für Layer und dezente Clean Sounds.

An Gitarrenverstärkern habe ich schon alles besessen. Mit Mitte 20 war ich absoluter Purist und habe alte Marshall Plexis gesammelt. Ich besaß viele Originale aus den 60gern und frühen 70gern. Später bin ich auf Friedman Amps aufmerksam geworden und kaufte einen BE100, einen DS40 und einen PT-20, welche ich viel gespielt habe. Mein guter Freund Jost Schlüter ist absoluter Amp – Freak und hat die Kisten für mich gewartet und mir sogar einen BE 100 in ein altes Marshall JCM 800er Gehäuse gebaut. Und was soll ich sagen, dieser Amp ist mein Favorit. Da ich in den letzten Jahren live eigentlich nur noch Akustik Gitarre spiele, habe ich mich von fast allen Amps getrennt. Sie standen einfach nur noch rum und waren Staubfänger. Da ich viel in mein eigenes Tonstudio investiert habe, habe ich dann fast alle Amps verkauft. Nur den BE-100 Nachbau habe ich behalten und meinen Kemper Profiling Amp. Früher habe ich digitale Amps gehasst. Als 2011 der Kemper auf den Markt kam, hat sich meine Meinung dazu um 180 Grad gedreht. Ich habe viel Zeit investiert und meine Lieblingsamps alle selbst als Profile erstellt. Über die Jahre haben sich so 3-5 Profile etabliert und ich kann damit meinen Sound und alles was ich brauche voll darstellen. Für das Tonstudio nicht wegzudenken und für meine Situation funktionieren meine Profile am Besten. Dennoch liebe ich echte Röhrenamps und wer weiß, irgendwann ändert sich der Geschmack auch wieder.

https://gray-matters.de/

https://www.rockland-music.de/

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