In dieser Artikel Serie geht es um das Handwerkzeugs beliebter Gitarristen. Welches sind ihre Lieblingsgitarren und wie ist ihr Bezug dazu. Diesmal mit Peter Fischer.

Wann hast du mit dem Gitarre spielen angefangen und kannst du dich noch 
an deine erste Gitarre erinnern?



So ungefähr mit 7 Jahren. Ursprünglich war mein Plan, irgendwann Olympiasieger im Judo zu werden. Nachdem ich mir aber das rechte Schlüsselbein recht übel zerlegt hatte, haben sich meine Pläne geändert und Musik und Gitarre spielen wurden dann mein Hobby. Ist dabei geblieben. Mein erstes Instrument war eine kaum spielbare Konzertgitarre, die wir bei einem Verwandschaftsbesuch in Polen für umgerechnet etwa 2€ gekauft haben.

Ist diese Gitarre noch in deinem Besitz?

Leider nein. Ich habe sie damals irgendwann an einen Klassenkameraden verkauft. Aber meine erste E-Gitarre besitze ich noch, eine Tacoma. Heute werden solche Gitarren „Hertie-caster“ genannt. Dazu einen „Harmonic“ Verstärker, der witzigerweise nach 40 Jahren Weltreise vor ein paar Jahren seinen Weg auch wieder zu mir zurückgefunden hat. Beides habe ich mir von erspartem Geld gekauft, kurz nachdem ich 1976 mit knapp 10 Jahren vom Kiss-Blitz getroffen wurde. Meine erste „richtige“ E-Gitarre, eine Gibson Firebird, habe ich dann 1979 von meinen Eltern geschenkt bekommen und kurz darauf meinen ersten guten Amp, einen VOX AC 30 plus ein paar Pedale dazu. Habe ich zum Glück alles noch.


1977 Gibson Firebird

Was sind deine musikalischen Einflüsse und welche Gitarristen sind deine 
Favoriten?

Ich bin ja in Hagen aufgewachsen, das zu dieser Zeit ein sehr großes musikalisches Potential besaß. Grobschnitt, Nena, Extrabreit, die Humpe Schwestern.. die kamen ja, alles aus der Region und kauften ihr Equipment im „Musikertreff“, der bei uns unten im Haus war und in dem ich in dieser Zeit quasi IMMER anzutreffen war. Mein ganzes persönliches Umfeld war sehr musikorientiert. Dementsprechend bin ich schon im Teenageralter mit sehr vielen unterschiedlichen Stilen und Interpreten konfrontiert worden. Meine ersten Bands waren ABBA, KISS, Van Halen, The Police, TOTO und Queen. Aus der Nachbarschaft kamen dann Zappa, Peter Gabriel, Springsteen und solche Leute hinzu. Von einem lokalen Gitarristen habe ich dann mit ungefähr 15 Jahren ein Mixtape bekommen, das ein ziemlicher game changer für mich war: je 20Min Larry Carlton, Steve Morse, Allan Holdsworth und Ray Gomez. Das war halt plötzlich ein ganz anderer Film. Zeitgleich fing ich an, jeden Monat den Guitar Player zu lesen. Das war auch sehr wichtig für mich.
Unterm Strich sind es diese aufgezählten Gitarristen und Bands. Von jedem halt ein bisschen was. Ich habe aber einen ganz eindeutigen Pop-Background, was die Strukturen und die Denkweise beim Spielen angeht. Beim GIT habe ich dann mein Interesse für Blues und Jazz entwickelt. Don Mock, Joe Diorio, Scott Henderson, Robben Ford und später auch Wes Montgomery und Joe Pass.

Wie viele Gitarren besitzt du und welche sind deine Favoriten?



Auf jeden Fall zu viele. Ich habe zum Glück schon sehr früh angefangen mich für Instrumente zu interessieren und diese auch anzuschaffen, die man heute Vintage Gitarren nennt. Dass ich meine erste alte Strat gekauft habe, ist fast 35 Jahre her. Damals hat man unverbastelte Instrumente noch zu ganz normalen Preisen bekommen. Gute Zeiten für Spieler – ha, ha, ha! Alte Gitarren und ich … das passt einfach gut. Bei denen fühle ich mich am wohlsten. Meine Favoriten wechseln immer unter dem was ich als meine „Erste Wahl Gitarren“ nenne. Jedes dieser Instrumente wohnt schon SEHR lange bei mir und ist ein echter Verbündeter. Davon gibt es vielleicht so fünf oder sechs. Meine 66erSunburst Strat, meine 66er Tele, meine 71er 335 und dann ganz sicher noch die Firebird und meine Bullseye Charvel, die ich auch schon über 40 Jahre besitze. Das sind so die main five, also die Instrumente, mit denen ich wirklich verbündet bin.

Was meinst du macht die perfekte Gitarre oder Verstärker aus?



Für mich gibt es nicht die eine perfekte Gitarre. Gitarren sind für mich wie Schauspieler. Da gibt es richtige Charakterdarsteller, Nebenrollen und Komparsen. Ich mag Charakterdarsteller am liebsten. ABER – ich brauche für meine Art zu spielen eine flache Saitenlage. Dementsprechend sind Hälse für mich das Wichtigste an Gitarren. Welche Hälse sind die besten? Mid-60s Fender und early 80s Charvel.
Bei Amps habe ich irgendwann mal meine Perspektive verändert. Mittlerweile suche ich bei Amps nach Geräten, die den Sound der Gitarre maximal vergrößern, wie eine akustische Lupe. Als ich vor vielen Jahren zum ersten Mal meine Gitarren an meinen FUCHS ODS angeschlossen habe, dachte ich „Ach SO klingen deine Gitarren“. Sowas mag ich. Das hat aber auch zwangsläufig mit sich gebracht, dass ich in den letzten Jahren immer mehr den Verzerrungsgrad reduziert habe. Außerdem habe ich ehrlich gesagt einfach gar keine Lust mehr, schwere Amps und Boxen zu schleppen. Deshalb spiele ich in den letzten Jahren überwiegend kleine Fender Amps wie Princeton oder Deluxe Reverb mit ein paar Pedalen davor.

Was denkst du über die Frage Röhrenamp oder Modeler?

Das ist für mich keine „Entweder – oder“ – Glaubensfrage. Ich habe immer schon mit Modelern gearbeitet – POD, Guitar Rig und natürlich der Kemper. Wenn man wie ich Studiojobs in der Regel von zuhause aus macht, sind die doch einfach prima. Habe ich die andere Variante mit mühselig abmikrofonierten Röhrenamps ausprobiert? Ja logo. Lohnt sich die Mühe? Selbst unter sehr guten baulichen Voraussetzungen, über die ich verfügt habe – für mich nicht. Mit fast jedem verfügbaren Gerät lässt es sich doch heutzutage kaum noch verhindern, einen brauchbaren Sound zu erzeugen. Die Zeiten ändern sich halt. Ist doch toll, wenn man sich für vergleichsweise wenig Geld gute Sounds leisten kann. Da haben doch alle was von!

Welche Gitarren und Amps benutzt du für Aufnahmen?

In der Regel meine Charakterdarsteller oder wenn ich einen speziellen Sound suche, auch schon mal was Ausgefalleneres wie eine Gretsch, Danelectro oder so. Die Gitarre, mit der ich die meistens Tracks eingespielt habe, dürfte meine alte, runtergerunkelte 66er Tele sein, die in ihrem ersten Lebensabschnitt mal Rick Parfitt gehört hat. Die funktioniert immer. An Amps in den letzten 10 Jahren überwiegend die Profile meiner Amps für den KPA, die wir mal in einer der allerersten Session für Kemper gezogen haben.


1981 Charvel Bullseye

Wenn du nur eine einzige Gitarre auswählen dürftest, welche würdest du 
nehmen?



Puh … ganz schwierig. Ich würde verhandeln und dann zwei mitnehmen. Das wären dann meine Firebird und die Bullseye Charvel, weil mich die gefühlt mein ganzes Leben schon begleiten und alles miterlebt haben, was mich zum Menschen gemacht hat.

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1966 Fender Telecaster

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