In dieser Artikel Serie geht es um das Handwerkzeugs beliebter Gitarristen. Welches sind ihre Lieblingsgitarren und wie ist ihr Bezug dazu. Diesmal mit Charly Steinhauer (PARADOX).

Wann hast du mit dem Gitarre spielen angefangen und kannst du dich noch an deine erste Gitarre erinnern?
Mein Vater hat sich Anfang der 70er eine lilafarbene „Framus“ E-Gitarre in Stratocaster Form gekauft, aber hatte nie wirklich damit gespielt. Letztendlich landete die Gitarre ein paar Jahre lang in meinem Kinderzimmer wie ein Poster an der Wand. 1980 fing ich mit 17 Jahren dann an, mich etwas mehr mit dieser Gitarre zu beschäftigen, aber es war nur noch eine Saite aufgespannt. Die „Framus“ war eine Rechtshänder Gitarre, aber da ich schnell bemerkte, dass meine Greifhand rechts sein wird, drehte ich sie einfach um und versuchte sie links zu spielen. Da es mit nur einer Saite egal ist, ob man die Gitarre links oder rechts herum hält, waren die ersten Gehversuche mit der Gitarre recht einfach, bis ich wenige Wochen später alle sechs Saiten aufgezogen hatte. Ich wusste natürlich, dass ich die Gitarre eigentlich falsch herum spielte, aber war davon überzeugt, dass das so auch funktionieren würde. Durch häufiges spielen wurde ich dann immer häufiger dadurch bestätigt, dass fast alle meine erlernten Griffe auch links herum schon ganz gut geklungen haben. So kam ich zu meinem außergewöhnlichen Talent, eine Rechtshänder Gitarre einfach umzudrehen und links zu spielen. Später konnte ich dadurch auch meinen eigentlichen Stil und Sound entwickeln, den ich bis heute beibehalten habe.

Ist diese Gitarre noch in deinem Besitz?
Da ich zu dieser Zeit schon Fan von härterer Musik war, gefiel mir der lilafarbene Look der Gitarre nicht mehr und als Konsequenz lackierte ich die Gitarre um. Dazu verwendete ich schwarz matten Autolack aus der Spraydose. Die Gitarre ist seit 1983 leider nicht mehr in meinem Besitz, weil ich sie bei einem unserer ersten Gigs als Showeffekt mit einer Axt auf der Bühne zerschlagen und die beiden Teile ins Publikum geworfen habe. Ich muss dazu sagen, dass ich zu dieser Zeit wohl noch sehr von Richie Blackmore inspiriert wurde, der bei seinen Shows mit Deep Purple auch gerne Gitarren zerschlagen hat.

Was sind deine musikalischen Einflüsse und welche Gitarristen sind deine Favoriten?
In der Schulbibliothek waren Kopfhörer ausgelegt und man konnte sich dort Schallplatten anhören. Ich war gerade einmal 7 Jahre alt, als ich dort 1970 mit dem Back Sabbath Album „Paranoid“ in Berührung kam und die Leidenschaft für harte Gitarrenmusik entdeckte. Deshalb zähle ich Tony Iommi zu meinen ersten Idolen und Favoriten. Dann kam Richie Blackmore, Angus Young und später James Hetfield, der mich wohl am meisten beeinflusst hat dazu. Dave Meniketti mit seinem bluesigen Stil und genialen Solosound hat mich immer begeistert. Tommy Vetterli (Coroner) und Jeff Loomis (Nevermore) sind meine derzeitigen Lieblingsgitarristen. Mikael Åkerfeldt (Opeth) mein Favorit, was die kompositorische Seite auf der Gitarre betrifft.

Wie viele Gitarren besitzt du und welche sind deine Favoriten?
Seit 1983 spiele ich nur noch Flying V Gitarren, weil der Pickup-Switch, sowie die Lautstärke und Tonregelung dort so angebracht sind, dass mich die Knöpfe nicht so sehr stören wenn ich die Rechtshänder Gitarre links spiele. Ich könnte sie umbauen lassen, aber mittlerweile habe ich mich daran gewöhnt, dass der Winkel meines linken Arms zur Schlaghand vielleicht etwas anders ist, als bei anderen Gitarristen. Ich könnte z.B. nie mit einer Les Paul oder einer Stratocaster Form ein Live Konzert spielen. Die Knöpfe würden stören und ich wäre dazu gezwungen sie umbauen zu lassen. In den 80ern spielte ich weiße und eine rote Gibson Flying V. Später wechselte ich zu Dean und heute bin ich großer Fan von Jackson. Ich besitze eine schwarze und eine weiße Jackson „Scott Ian“. Die Dean Flying V existiert auch noch, eine schwarzen Dean Flying V Bassgitarre und eine Walden Akustikgitarre. Außerdem noch 2 ausrangierte V Gitarren von Sunrise und eine Ibanez Westerngitarre.

Was meinst du macht die perfekte Gitarre oder Verstärker aus?
Die Gitarre muss gut in der Hand liegen und der Verstärker muss den individuellen Ansprüchen des Gitarristen gerecht werden. Das beginnt damit, wie sich die Gitarre spielen lässt und wie der Verstärker klingt, den er für seinen Musikstil verwenden will. Der individuelle Geschmack des Gitarristen entscheidet. Für Metal braucht man genug Distortion. Mit einem Engl Savage macht man da z.B. nichts falsch. Ich habe das „Heresy“ Album damals mit einem 100W Marshall JCM 900 und einer Marshall 1960A Box eingespielt und auch live benutzt. Der heutige Judas Priest Gitarrist Andy Sneap war damals von meinem Sound so begeistert, dass ich ihm für seine Aufnahmen (damals noch mit Sabbat) meinen Amp für seine Aufnahmen ausgeliehen habe.

Was denkst du über die Frage Röhrenamp oder Modeler?
Auch hier muss ich Andy Sneap zitieren. Er ist ein erfahrener Produzent von Megadeth, Testament, Exodus, Accept u.v.a. Er sagte mal, dass er sich eigentlich von allen Amps die so in seinem Studio herumstehen trennen könnte, da der „Kemper Profiler“ mit seinen vielen internen Amp Simulatoren, sowie sämtlichen Bodeneffekten die sich ein Gitarrist wünscht alles bietet, was man als Gitarrist braucht und man den Unterschied zu einem echten Amp nicht mehr wahrnehmen kann. Wer etwas anderes erzählt ist in meinen Augen ein Traditionsfanatiker, der in der Zeit stehen geblieben ist, oder einfach Liebhaber von echten Verstärkern. Da man als Toningenieur den Gitarrensound sowieso im Studio mit Plug Ins bearbeitet, ist letztendlich kein Defizit zu einem Röhrenamp mehr erkennbar. Wenn der Sound gut ist , dann ist er nun einmal gut. Ob mit einem Röhrenamp oder einem Modeler.

Welche Gitarren und Amps benutzt du für Aufnahmen?
Ich benutze 2 verschiedene Jackson Flying V „Scott Ian“ für die Aufnahmen. Die schwarze mit Tremolo für Soloaufnahmen oder Melody Lines und die weiße für Rhythmusgitarren und Clean Parts. Ich benutze für die Aufnahmen einen Kemper Profiler mit 600W Endstufe. Hier bekomme ich alles was mein Gitarrenherz begehrt. Sämtliche Bodeneffekt die man sich nur vorstellen kann. Ob Engl, Marshall, Mesa Boogie oder Orange, alles an Amps die man sich zusammen bauen kann. Inclusive Mikrofonabnahme mit verschiedenen Winkeln und Abständen zum Cabinet. Diese Wundermaschine würde ich gegen keinen Einzelverstärker tauschen wollen. Es gibt Gitarristen, die sich an Ihren Amp gewöhnt haben, weil er ihnen alles an Sound bietet was er haben will. Dann ist dieser Verstärker auch die richtige Wahl. Um den Sound in den Mixer zu bekommen verwende ich ein RME Firefox 802 Interface, Yamaha HS8 aktive Studiomonitore und arbeite mit Steinberg Cubase in aktueller Version. Mit diversen Plug-Ins passe ich dann den Gitarrensound an. Hier kommt dann z.B. auch ein Studio Equalizer zum Einsatz.

Wenn du nur eine einzige Gitarre auswählen dürftest, welche würdest du nehmen?
Auf einer einsamen Insel wäre es sicher die Walden Akustik. Für alle anderen Bereiche bin ich mit meinen Jackson Flying V`s voll und ganz zufrieden.














