In dieser Artikel Serie geht es um das Handwerkzeugs beliebter Gitarristen. Welches sind ihre Lieblingsgitarren und wie ist ihr Bezug dazu. Diesmal mit Christof Leim (Riffi Raffi) von der Band HEAVY SAURUS.

Wann hast du mit dem Gitarre spielen angefangen und kannst du dich noch an deine erste Gitarre erinnern?
Angefangen habe ich mit 15, also Rockmusik gerade ganz schnell ganz wichtig wurde. Eine Erstbegegnung war eine schrammelige Akustikgitarre auf einer Teenieparty und die Erkenntnis, dass „Smoke On The Water“ eigentlich ganz einfach ist. Vor allem aber Angus Young hatte es mir angetan. Deshalb lief ich zum Schulkarneval auch in einer Schuluniform mit einer selbstgebauten Gibson-SG-Attrappe herum. Als sich bei dem Schulprojekt „Rockband“, geleitet vom einzigen langhaarigen Lehrer, dem coolen Herrn Dengel, rausstellte, dass ich kein Naturtalent im Singen bin, stand fest, dass es die Gitarre sein musste. Deshalb habe ich stundenlang, wenn keiner geguckt hat, auf den rumliegenden Gitarren die Zweifingerriffs von „Holy Diver“ geübt. Die erste Gitarre zu Hause war ein Akustikbrett von der Oma meines besten Freundes – ein wackliges Teil mit einer Saitenlage, die Höhenangst verursacht. Aber auch darauf konnte man „Smoke On The Water“ und „Holy Diver“ spielen. Die erste eigene Gitarre war eine Aria LW-10 Westerngitarre, gekauft am 9.12.1989 in Trier. Am gleichen Tag habe ich auch „Hot In The Shade“ von Kiss auf Vinyl gekauft, und abends war Abschlussball des Tanzkurses (fragt nicht…). Weder Kiss noch Foxtrott waren so wichtig wie die Aria. Meine erste eigene E-Gitarre war eine Guild Burnside, eine schwarze Metal-Strat mit Kahler-Vibrato und Select-by-EMG-Pickups. Guild machen eigentlich Akustische. Gekauft habe ich das Teil bei einem Pfandleiher in Tulsa, Oklahoma (kein Witz), als ich meinen besten Freund zusamme mit seiner Oma (der mit dem Akustikbrett) in den USA besucht habe.

Ist diese Gitarre noch in deinem Besitz?
Beide Erstgitarren habe ich heute noch. Die Aria-Akustik wird auch ab und an benutzt, die Guild-E-Gitarre bräuchte mal wieder ein kleines Wellness-Programm, denn eigentlich ist das Ding nicht schlecht.
Was sind deine musikalischen Einflüsse und welche Gitarristen sind deine Favoriten?
Erste musikalische Lieben waren Tina Turner, Michael Jackson und Klaus Lage, aber dann stießen AC/DC eine neue Tür weit, weit auf. Meine größten Einflüsse liegen im Hard Rock und Metal der 70er und 80er, mit einem Schlag 90er. Alles nach 2000 ist ja neues Zeug, oder? Die Namen der Bands und Künstler dürften hier nicht überraschen: Metallica, viel, viel Metallica, Skid Row, AC/DC, Kiss, Iron Maiden, Guns N’Roses. Dank meiner wenigen Gitarrenlehrer habe ich früher auch viel Blues gespielt; heute höre ich viel und gerne Jazz, verstehe aber kein Wort. Gitarristen, von denen ich mir das eine oder andere abgeguckt habe, sind: James Hetfield, Kirk Hammett, Dave & Snake von Skid Row, Angus Young, Slash und viel, viel Zakk Wylde.

(c)SebastianSchmid
Wie viele Gitarren besitzt du und welche sind deine Favoriten?
14 glaube ich. Mein Favorit zur Zeit ist die weiße LTD Snakebyte, die Riffi Raffi bei Heavysaurus spielt: Ein James-Hetfield-Signature-Modell, das ordentlich Krach macht, ganz hervorragend in der Hand liegt, sich „schnell“ spielt und auch bei einem Drachen optisch was her macht. Einer meiner Kollegen meinte mal in irgendeinem Zusammenhang „…bei dem Sound muss man den Tone-Poti aufdrehen“, aber da konnten Riffi und ich nur mit dem Kopf schütteln: Tone-Poti? Sowas haben wir nicht. Wenn’s um Riffs geht, ziehen wir hier in den Krieg, da is nix mit Tone-Poti-Schönschreiben. Brandneu im Arsenal ist das Flying-V-Gegenstück, Hetfields LTD Vulture. Hat auch was. Ansonsten wird meine schwarze ESP Kirk Hammett M2 mit dem Reversed Headstock und der klassischen EMG 81/60-Bestückung immer einen Platz in meinem Herzen haben. Der Gitarrenfachkundige (und beste Gitarrenlehrer, den ich kenne) Peter Fischer sagte mal: „Das ist das beste Pferd in deinem Stall“. Wegen des Floyd-Rose-Systems und der für mich mittlerweile ungewohnten langen Mensur (25,5″) ist das gute Stück schon eine Weile im Ruhestand, aber sie schaut oft neugierig herüber. Wir müssen nochmal ein Date haben. Eine weitere Favoritin: Eine ESP Eclipse Custom mit Naturholzfinish und ohne Binding, EMG 81/60-Bestückung und Toggle Switch unten (wie bei allen meinen Eclipses). Die habe bei The New Black gerne gespielt. Ach, es gibt noch eine: Eine ESP Eclipse 25th Anniversary in komplett schwarz. Also ganz schwarz. Alles. Geil. Ebenfalls mit den EMGs und Toggle unten. Ich liebe ESP-Gitarren und freue mich sehr darüber, mich seit langer Zeit „ESP Artist“ und „Endorser“ nennen zu dürfen. Ich schätze, die haben mich mit irgendwem verwechselt.

Was meinst du macht die perfekte Gitarre oder Verstärker aus?
Einfach: Muss sich gut anfühlen, was im Wesentlichen eine Frage der Maße ist: Halsdicke, Mensur, Saitenlage und so weiter. Ich mag Gitarren mit hohem Output und ohne Schnickschnack: Les Pauls haben zu viele Knöppe, Floating Vibratos nerven beim Umstimmen. Zu Verstärkern kann ich nicht viel sagen, bin da kein Gearhead. Bei The New Black hatte ich irgendwann mein Traumsetup gefunden: „Heiße“ Gitarre, etwa Eclipse mit EMGs, ein Fender-EVH-50-Watt-Amp (der weiße) und eine uralte Marshall-Box mit samtweichen Speakern, die bei meinem Kollegen Fabs Schwarz im Studio stand. Effekte: ein Wah-Wah. Fertig. Hat Wumms, aber sägt nicht. Quasi ein Faustschlag mit Samthandschuh.
Was denkst du über die Frage Röhrenamp oder Modeler?
Bei Heavysaurus geht’s nur mit Kemper, deshalb habe ich in den vergangene Jahren nicht oft Röhrenamps mit Box und sich bewegender Luft gespielt. Ist aber geil. Die Möglichkeiten der Modeler sind nicht von der Hand zu weisen, weiß ich zu schätzen.
Welche Gitarren und Amps benutzt du für Aufnahmen?
Die, die ich auch sonst spiele, siehe oben.
Wenn du nur eine einzige Gitarre auswählen dürftest, welche würdest du nehmen?

Die Snakebyte vielleicht, aber die ist unhandlich. Ich denke, die schwarze Eclipse. Die ist wie eine alte Jeans: Das Ding passt. Wir haben schon eine Menge zusammen erlebt.
PS: Wie schaffst du es mit den Riesenfüßen das Pedalboard zu schalten?
Gar nicht. Anfangs habe ich das mal probiert, aber das geht – wie ihr euch denken könnt – schief. Deshalb passiert die Schaltung automatisch, nur Wah und Tuner macht der Drache mit den Riesenfüßen. Dafür stehen die beide weit genug auseinander. 🙂













