Pic: Lars Thoke

In dieser Artikel Serie geht es um das Handwerkzeugs beliebter Gitarristen. Welches sind ihre Lieblingsgitarren und wie ist ihr Bezug dazu. Diesmal mit Sven Lüdke (Mob Rules).


Pic: Lars Thoke

Wann hast du mit dem Gitarre spielen angefangen und kannst du dich noch an deine erste Gitarre erinnern?

Die ersten Gehversuche waren mit einer einfachen Nylon-String Gitarre. Da war ich so 12 Jahre alt. Bei uns auf dem Dorf war es unmöglich guten Unterricht zu bekommen. Außer einem kurzen Volkshochschulkurs, bei dem ich die ersten Akkorde in Volksliedern lernte, war es hauptsächlich Learning-by-doing. Aber eigentlich wollte ich sowieso immer E-Gitarre spielen. Mit 16 bekam ich dann endlich eine von meinen Eltern. Eine Johnny Pro II. Leider habe ich die nicht mehr. Die habe ich dann irgendwann in Zahlung gegeben für eine Hohner St Scorpion. Die sah schön Metal-mäßig aus. Mit Vibrato-Hebel und einer Kopfplatte in Hockey-Kelle-Form. Das Ding habe ich dann lange gespielt und darauf auch ernsthaft angefangen zu lernen und zu üben. Da war ich allerdings schon so 17 – 18 Jahre alt. Mit 20 habe ich mir dann meine Traum-Gitarre leisten können. Eine Ibanez 540 R. Das Satriani Vorläufer Modell.

Ist diese Gitarre noch in deinem Besitz?

Die Ibanez 540R besitze ich heute noch. Durch einen Unfall musste mal der Hals getauscht werden und so sitzt da jetzt ein originaler Hals von einer Satriani Signature Gitarre drin. Das war der einzige Hals, der da reinpasste.

Was sind deine musikalischen Einflüsse und welche Gitarristen sind deine Favoriten?

Da gibt es viele. Ich denke, die ersten waren da wohl Brian May und Gary Moore. Die mich nicht nur durch die Musik, sondern eben auch durch ihr melodisches und seelenvolles Gitarrenspiel beeinflusst haben. Etwas später kamen dann natürlich Joe Satriani, Steve Vai und John Petrucci. Da kam dann der mehr technische Ansatz ins Spiel. Dann noch etwas später Jeff Beck, Eric Johnson und Andy Timmons. Da braucht es schon eine gewisse Reife, um die Qualität solcher Spieler wirklich würdigen zu können. Das hat bei mir dann etwas gedauert.


Pic: Andreas Irmer

Wie viele Gitarren besitzt du und welche sind deine Favoriten?

Ich besitze tatsächlich „nur“ 10 Gitarren. Ich endorse Framus Gitarren und habe eine Diablo und eine Panthera, die ich sehr gerne spiele und vor allem viel im Studio einsetze. Aber natürlich auch meine Ibanez Gitarren, die ich Live benutze. Ich denke, die passen besser in die Metal-Ästethik und spielen sich einfach unglaublich gut. 24 Bünde und Lo-pro-edge Vibrato brauche ich einfach auch für die Umsetzung der Songs auf der Bühne.

Was meinst du macht die perfekte Gitarre oder Verstärker aus?

Die perfekte Gitarre muss dich dazu inspirieren zu spielen. Das muss sitzen wie deine Lieblings-Jeans. Da darf deiner spielerischen Entfaltung nichts im Weg stehen. Manche Gitarren haben das, andere nicht. Deshalb habe ich auch irgendwann alle Gitarren verkauft, bei denen ich nicht dieses Gefühl hatte und habe somit nur noch Gitarren in meinem Besitz, die mir genau das geben. Bei Verstärkern endorse ich ENGL-Amps. Die spiele ich schon ewig und bin mit denen total glücklich. Ich habe einen Thunder, einen Screamer und einen Powerball 2. Dazu zwei ENGL 4x12er. Da hast du alles was du dir wünschen kannst. Ein guter Verstärker soll dich in deinem Spiel unterstützen. Wenn du mit der Art wie der Verstärker reagiert kämpfen musst, dann ist das nicht der richtige Amp, meiner Meinung nach.

Was denkst du über die Frage Röhrenamp oder Modeler?

Auch bei uns in der Band immer wieder mal Thema. Ich habe bei mir im Haus die Möglichkeit in meinem Studio echte Amps aufzunehmen. Und ich bin da super zufrieden mit dem Ergebnis. Auch auf unseren Alben. Insofern bin ich da eher in der Fraktion: Röhrenamp. Live brauche ich halt auch die Interaktion zwischen Gitarren-Pickup und Lautsprecher und die Luft, die da bewegt wird. Ich glaube nicht, dass ich so schnell auf einen Modeler wechseln werde.

Gibt es eine Besonderheit bei Deinem Effektweg? Besondere Bodentreter?

Auch wenn mein ENGL Powerball genug Gain liefert, habe ich immer noch einen Overdrive auf dem Board. Im Moment einen MXR GT-OD. Der fungiert so ein bisschen wie ein Rettungsschirm. Falls man doch mal so ein Quäntchen mehr Gain möchte in den Soli, dann ist der da und legt eine winzige Schippe mehr an Sustain auf den Ton. Im Einschleifweg habe ich einen TC Electronic G-Major 2. Der gibt mir Tap- Delay in den Melodien und Soli, und Reverb für die Clean Sounds. Sonst macht der nicht viel in meinem Setup.


Pic: Andreas Irmer

Welche Gitarren und Amps benutzt du für Aufnahmen?

Das ist das gleiche Zeug, das ich auch Live spiele. Meine Ibanez RG 620, meine Framus Gitarren und dann habe ich noch eine Peavey HP Special. Die benutze ich aber hauptsächlich für Soli, da die sich spielt „wie Butter“. Das heißt, die möchte schnell gespielt werden.

Wenn du nur eine einzige Gitarre auswählen dürftest, welche würdest du nehmen?

Dann wäre das wohl meine Framus Diablo, da diese Gitarre unglaublich lebendig klingt und durch die Pickup-Bestückung alles liefert, was man sich wünschen kann. Diese Gitarre hat einen Seymour Duncan Cool Rail in der Halsposition, einen Singlcoil in der Mitte und hinten einen Seymour Duncan JB4. Mit dem 5-Weg-Schalter ist da so viel möglich. Dazu ein wirklich gut funktionierendes Wilkinson Vibrato. Damit könnte ich ohne Probleme jeden Gig bestreiten. Außerdem ist da mein Name in das Griffbrett eingelegt 😉

 

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