In dieser Artikel Serie geht es um das Handwerkzeugs beliebter Gitarristen. Welches sind ihre Lieblingsgitarren und wie ist ihr Bezug dazu. Diesmal mit Jens Rösel von der Bon Jovi Tribute Band BOUNCE.

Wann hast du mit dem Gitarre spielen angefangen und kannst du dich noch an deine erste Gitarre erinnern?

Ich denke ich kann meine ersten musikalischen Versuche ziemlich genau auf das Jahr 1994 datieren. Damals war ich 14 Jahre und bekam spürbar mit, dass bereits einige Zeit vorher einige der wichtigsten Rock und Metalalben entstanden sind. Songs wie „Nothing else Matters“ von Metallica, „In These Arms“ von Bon Jovi oder „More Than Words“ von Extreme liefen damals in der MTV-Heavy Rotation. Meine erste Gitarre war eine Hofner Nylon 6-String, die ich von meiner Tante geschenkt bekommen habe. Hierauf habe ich primär Songs, wie Country Roads, Knockin‘ on heavens Door oder Bye Bye Love geübt. Meine erste gebrauchte E-Gitarre war eine rote no-name – Jackson Kopie. Meine 2. eine gebrauchte Yamaha RGX aus den 90ern. Beide habe ich recht schnell wieder verkauft. Durch meinen damaligen Gitarrenlehrer kam ich dann an eine wunderschöne IBANEZ S470 Natur. Das war bzw. ist immer noch ein grandioses Instrument!

Ist diese Gitarre noch in deinem Besitz?

Diese Gitarre besitze ich bis heute. Sie ist dünn wie ein Pfannekuchen und war deshalb immer schon auf einen 10er Satz Saiten eingestellt. Sie ist vom Sound her tierisch flexibel. Alles von Samt bis Bratpfanne ist möglich und das bei überraschend viel Sustain.

Was sind deine musikalischen Einflüsse und welche Gitarristen sind deine Favoriten?

Auch wenn ich heute zugegebener Maßen nur noch wenig Bon Jovi höre, so muss ich sagen, dass Richie Sambora doch einen sehr großen Einfluss auf mein Lernen und mein Interesse am Gitarrespielen hatte. Ich habe in den Anfangsjahren sehr viel Bon Jovi gehört und demnach auch sehr viel mit den Stücken gearbeitet. Im Großen und Ganzen sind es bis heute die Songs dieser Zeit, die ich zu den wichtigsten (für mich) zähle. Da gehören eine ganze Reihe zu. Das fängt mit Nothing Else Matters an, geht über Songs von Judas Priest (vor allem das ganze Painkiller Album), die Eagles (Hell Freezes Over), natürlich Van Halen, Bryan Adams mit Keith Scott – bis hin zu natürlich Joe Satriani. Hier habe ich auch einige Songs sehr ausführlich gespielt und geübt damals. (Cryin‘, Always with me Always with You, The Extremist) u.v.a.

Wie viele Gitarren besitzt du und welche sind deine Favoriten?

Ich besitze um die 20 Gitarren. Bedingt durch fast 25 Jahre Bon Jovi Tributeband sind es vor allem viele Modelle, die mit Richie in Verbindung zu bringen sind. Ich habe ein paar Fender Custom RS Modelle, auch welche von der ESP-Richie Sambora (3 Stück hiervon wurden stark modifiziert und teils komplett umlackiert und somit weltweit einmalig gemacht). Einige individual gefertigte und auch 2 EVH Gitarren aus meiner Eddie Phase habe ich daheim. Eine MM Axis und eine EVH Wolfgang aus der ersten Serie.
Grundsätzlich habe ich an meinen Gitarren in den letzten Jahren, insbesondere durch meinen guten Freund Rene Langenhahn, sehr viel ändern und tunen lassen. Er hat meine aktuelle #1 eine weiße Charvel San Dimas durch einen Generalumbau zu einem echten Monster gemacht. Weil dieses Experiment derart gut gelungen ist, haben wir einen Zwilling der Gitarre, als Backup, nochmal in schwarz „hergestellt“.

Was meinst du macht die perfekte Gitarre oder Verstärker aus?

Für mich sind 2 Positionen entscheidend. Der klassische HiGain Humbucker am Steg und die 2-SingleCoil Zwischenposition (Strat-Style) am Hals. Zudem hab ich für mich festgestellt, dass ich keine fleischigen dicken Hälse mag. Um so dünner umso besser. Ist aber natürlich auch nur persönlicher Geschmack. Das gleiche gilt, glaube ich, bei Verstärkern. Im Grunde ist alles persönlicher Geschmack. Ich habe fast 20 Jahre lang mit dem Marshall Midi-Preamp JMP-1 gearbeitet. Immer in Verbindung mit der legendären MR9200 Endstufe. Dazu die ganze Zeit immer wieder mit wechselnden FX-Units. Angefangen mit dem Digitech 2101 damals, über diverse Rockgtron Geräte (Intellifex Blackface, Intellifex Online, Xpression) bis zu den verschiedenen TC G-Major Versionen.
Ein besonderes Boutique-Topteil, wie ein SLO 100 oder ein Plexi waren für mich eigentlich immer uninteressant.

Was denkst du über die Frage Röhrenamp oder Modeler?

Nachdem wir uns Band-intern fast 10 Jahre lang gegen den KEMPER gesperrt haben – immer wieder mit dem Argument, dass überall, wo wir ihn live im Einsatz gesehen hatten, wir vom Sound sehr enttäuscht waren, hat sich die Welt zur Corona-Zeit auch hier grundlegend geändert. Man hatte Zeit zum experimentieren. Hier waren es vor allem Bernd Aufermann und Harry Alfter von Brings, die mich auf den richtigen Weg gebracht haben. Bernd sagte zu mir: „Wenn Du genau Deinen Sound, den Dein JMP-1 liefert so auf dem KEMPER haben willst – dann wird der KEMPER Dir diesen Sound liefern. Du musst nur wissen, was genau du am Ende haben möchtest. Und er hatte Recht. Nach drei Profilinganläufen hatte ich ziemlich exakt den Sound im KEMPER, den ich vorher analog auf der Bühne hatte. Matthias Degener von Axxis war es, der mir dann den entscheidenden Wink gegeben hat dem Sound mit einer entsprechenden 808 Emulation noch das fehlende bisschen an „Sahne“ hinzuzufügen. Aktuell arbeite ich live mit einem Profil des JMP-1 für einen harten Rhytm und auch Lead Sound und mit einem Fender ToneMaster Profil für einen offeneren alternativen Zerr- und auch Cleansound. FX kommen heute alle aus dem Kemper und ich bin absolut happy mit allem was zum Einsatz kommt. REV, DLY, Pitch und auch CHORUS reicht für unsere Live-Shows absolut und vollkommen aus! Ich kann wirklich sagen, dass der Modeller nicht nur praktischer, sondern faktisch exakt genau gleich gut, wie das analoge Setup ist. Wir gehen live nicht über den DI OUT, sondern nehmen unsere 4×12 LEAD 1960s über 2 Sennheiser e906 ab.

Gibt es eine Besonderheit bei Deinem Effektweg? Besondere Bodentreter?

Ich nutze schon seit den ersten Tagen ein Midi-Fußleiste. Ganz am Anfang war es die Control One des Digitechs, dann (seit mittlerweile über 20 Jahren) die Ground Control von Voodoo Labs. In der ganzen Zeit habe ich so gut wie gar keine Tretminen verwendet. Ich verwende bis heute über die Ground Control nur feste Presets (Rhy1, Rhy2, Clean Dry, Clean Wet, Octaver-Lead, Lead, Rhy-Trem, Rhy-Chorus und den Leadsound -20db). Als einzige konventionellen Bodentreter habe ich – seit immer schon – die Dunlop Heil Talkbox im Einsatz. Seit dem Wechsel auf KEMPER nutze ich das EXP-Pedal intensiv um die einzelnen Presets ein bisschen mit Chorus, Wah oder DLY’s auszustatten. Dieses Konzept hat den großen Vorteil, dass live am Pult im Prinzip immer der gleiche Sound, nur leicht abgewandelt ankommt. Als Besonderheit haben unser Techniker und ich uns damals für die Lösung mit dem Hartingstecker entschieden. Zum einen ist schön, dass Du mit nem Panzer drüber fahren kannst und die Steckverbindung danach immer noch so aussieht, wie vorher. Zum anderen hat es den enormen Vorteil, dass ich vorne an der Bühnenkante keinen zusätzlichen Stromanschluss benötige. Über das Multicore kommt >>Talkbox hin, Talkbox zurück, 9V, Directout zum Tuner, Midi und der Expression-Weg<< zum Board. Wir sind bei einer Festivalsituation hier nach gefühlt 2 Minuten bei einem fliegendem Umbau fertig. Das wäre mit Einzelkabeln in der Zeit unmöglich. Der zweite KEMPER im Bild ist von Olli unserem Sänger. Er nutzt ebenfalls nur fixe Presets und schaltet diese mit einer Blackstar Live Logic Midileiste im Rack.

Welche Gitarren und Amps benutzt du für Aufnahmen?

Für Vorproduktionen nutze ich aktuell im Studio auch den KEMPER. Es ist klar, dass es etwas anderes ist im Studio durch einen Rectifier oder durch einen echten ToneMaster etwas einzuspielen. Allein vom Feeling her. Für meine Belange reicht aber aktuell der Modeller vollkommen aus.

Wenn du nur eine einzige Gitarre auswählen dürftest, welche würdest du nehmen?

Meine PRS Custom 24

https://www.bonjovitribute.de/news.php

Jens Rösel

Booking & Management
BOUNCE Bon Jovi Tribute
E-Mail: jay@bonjovitribute.de

Foto © Klaus Manns, Klaus Manns Music Photography

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