In dieser Artikel Serie geht es um das Handwerkzeugs beliebter Gitarristen. Welches sind ihre Lieblingsgitarren und wie ist ihr Bezug dazu. Diesmal mit Ivan Chertov & Jonas Papmeier (Craving).

Wann hast du mit dem Gitarre spielen angefangen und kannst du dich noch an deine erste Gitarre erinnern?

Ivan:
Als 5-Jähriger habe ich mir immer wieder Gitarren der Freunde meiner Eltern geschnappt. Mit 13 habe ich mein gesamtes Taschengeld zusammengekratzt und tatsächlich eine Art Kredit bei meinen Eltern aufgenommen was darauf basierte, dass ich über mehrere Monate kein Taschengeld bekam und kaufte mir meine erste Gitarre. Das war so um 2000 rum, die Gitarre war eine gewöhnliche Strat der Marke Carrer, gekauft bei Baro in Oldenburg dazu kam ein kleiner gelber Übungsamp von Scott. Im Jahr 2004-2005 habe ich dann komplett auf Links umgelernt, da ich anfangs als Rechtshänder gespielt habe aber eigentlich Linkshänder bin. Die Gitarre, die ich mir kaufte, war eine RG370DXL, das Paradoxe ist, dass ich diese damals bei Thomann gekauft habe und jetzt für Thomann in der Gitarrenabteilung arbeite. Das ist so als hätte sich der Kreis geschlossen haha. Mein erster richtiger Amp war ein Engl Savage 60 und ich bereue es bis heute den verkauft zu haben.

Jonas:

So mit 10 oder 11 habe ich angefangen mit Gitarrenunterricht und dazu meine erste Gitarre bekommen. Das war aber Unterricht für klassische Gitarre und entsprechend war meine erste Gitarre dann auch eine Klassische in Kindergröße. Die erste E-Gitarre gabs dann erst etwas später, eine Ibanez GIO mit Floyd Rose.

Ist diese Gitarre noch in deinem Besitz?

Ivan:
Die Carreer habe ich damals an das Jugendzentrum verkauft in dem ich als Jugendlicher mit meiner erste richtigen Punk-Band die ersten Schritte machte. Die Akustikgitarre von 2000 habe ich jedoch noch. Die erste Ibanez aus dem Jahr 2004 habe ich nachwievor, damit wurden die ersten drei CDs von Craving aufgenommen. Also Demo 2006, Revenge EP (Demo 2008) und letzten Endes das Debütalbum 2012. Seit 2011 spiele ich Schecter Gitarren und bin mehr als begeistert und verliebt in meine Hellraiser und Blackjacks – unfassbar hohe Qualität auf einem sehr fairen Preisniveau, mit dem kaum wer mithalten kann.

Jonas:

Die Kindergitarre nicht mehr, die wurde ja auch irgendwann zu klein. Aber die Ibanez GIO habe ich tatsächlich noch! Die hängt in meinem Wohnzimmer und wird sogar noch ab und an gespielt.

Was sind deine musikalischen Einflüsse und welche Gitarristen sind deine Favoriten?

Ivan:

Angefangen habe ich mit Punk und die CD, die mich damals tatsächlich Letzen Endes dazu brachte, die Gitarre in die Hand zu nehmen war The Offspring – Americana. Danach kamen Iron Maiden. Es gibt keinen Gitarristen, den ich bewundere, ich eifere eher Songwritern nach. Beeinflusst wurde ich vom Power Metal, Death Metal, Black Metal, Punk Rock, Rock, Pop uvm.  Glaube meine aller erste Band waren Prodigy, die waren anno 1995/96 überall in Russland, an jeder Schulwand war die Ameise aus „Music for the Jilded Generation“. Nach einem Aufenthalt in Finnland entdeckte ich mit 10 Gessle, den Gitarristen von Roxette, so kaufte ich mir damals als Kiddie eine russische Raubkopierte Best of Roxette / Gessle Kasette die ich in der Tat bis heute habe. Nach der Umsiedlung nach Deutschland kam der Ami Punk. Einstieg mit Offspring, dann ging’s weiter den (alten)AFI, NoFX, Pennywise, Madball, Raised Fist (Schweden keine Amis). Dexter Hollands downpicking war für mich damals unspielbar, ich weiß noch, wie ich noch mit Oldschool Tabs nahezu jedes Lied von Offspring nachspielte. Ich glaube ich kann bis heute das komplette Smash Album mitspielen. Letzen Endes hat der Vater von einem Freund mir ein Iron Maiden mixtape zusammengestellt von den ersten vier Alben Iron Maidens, ich denke, dass man deren Einfluss hier und da bei Craving raushören kann. Ich weiß noch, wie mein damaliger Freund dann mit Slipknot ankam, wir waren 15 Jahre alt oder so und es ging danach für mich los mit härterem Metal. Cannibal Corpse, Deicide, Nile, Cradle of Filth, Ensiferum, Finntroll, Dark Throne, Marduk, Wintersun und und und aber auch sehr einflussreich und überhaupt nicht Death Metal: Blind Guardian. Deren Einfluss hört man deutlich in den Chori von Craving. Etwas, was ich noch nie so gehört habe, waren Children of Bodom und Alexi Laihos virtuoses Spiel. Ich weiß noch, wie ich zum ersten Mal „Towards Dead End“ von dem zweiten Album von COB Hatebreeder gehört habe. Das hat mich wortwörtlich umgehauen, ich weiß noch wie ich zum einem Gitarrenlehrer Christian Steenken sagte dass ich unbedingt Sweep Picking lernen will 😀 Denn das kam so gut wie überall in den Children of Bodom Songs, lustige Anekdote: Der erste Lick von Needled 24/67 ist eine mit hammeron-pulloff gespielte Penatonik – als blauäugiger Anfänger dachte ich damals es sei Sweep Picking :‘D und ich kann bis heute, trotz all der Übung, nicht den melodiösen Part von SixPounder spielen :‘) Kann bis heute nicht glauben, dass Alexi nicht mehr unter uns wandert…Jeff Waters und das Album King of the Kill und Carneval Diablos von Annihilator spielten auch eine große Rolle für mich sowie, nicht lachen, der Film School of Rock. Ich weiß wie um 2003 die Motivation zu spielen verlor, da ich damals noch rechtshändig spielte und es immer langweiliger wurde da ich mit bestimmten Techniken nicht weiterkam. Dieser Film gab dem 16-Jährigen ich eine Art Motivationsboost, kann mir auch gut vorstellen, dass es einige junge Leute dazu inspirierte Musik zu machen. Wenn ich also spontan wählen müssten wären das: Alexi Laiho, Jeff Waters, Dexter Holland, Adrian Smith, Kerry King, Jack Owen, Chris Caffery, Jari Mäenpää, Christian Münzner uvm. Ein shout out an meine beiden Gitarrenlehrer Ingo Putz und Christian Steenken die mir damals von den Anfängen bis hin zu komplexen Songwriting einiges beigebracht haben.

Jonas:

Das ist bei mir ählich weit gestreut wie bei Ivan, etwas aus dem Death Metal, Black Metal, Power Metal, Heavy Metal, Old School Speedmetal und so weiter…Ich finde gute Bands kann man in so gut wie jedem Metalgenre finden und kein Genre ist Garant dafür, dass die Musik gut ist. Und auch überden Metal hinaus findet sich viel Gutes, solange die Musik Gitarren getrieben ist. Entsprechend finden sich neben typischen Metalgitarristen, wie Luca Turilli und Alexi Laiho (RIP), auch Gary Moore und Slash in meinen Favoriten. Aber eigentlich bin ich auch kein Fan von reinem Personenkult und wie Ivan schon sagte, ist das Songwriting selbst unglaublich wichtig und hat auch für mich einen großen Einfluss darauf, wie gut ich einen Gitarristen am Ende finde.

Wie viele Gitarren besitzt du und welche sind deine Favoriten?

Ivan:
Ich habe zwei Schecter Hellraiser, eine Baritone eine mit einer standart Scale length von 25,5“. Die sind auch mit unterschiedlichen Tonabnehmern ausgestattet, die Baritone hat eine Kombination aus EMG81TW & EMG89, die Standard Scale hat den Seymour Duncan Invader und den SM Black Winter. Dann besitze ich ebenfalls eine Schecter Blackjack EX C-1 ausgestattet mit Seymour Duncan SH-10 und SH-1 (59er). Alle drei Gitarren sind splittbar, somit habe ich eine Bandbreite an Sounds, was cleansounds angeht ist die Blackjack tatsächlich die beste Wahl. Schecter Jeff Loomis 7 mit EMG 57/66, kam bisher nur bei einem Lied von Craving zum Einsatz und wird aber auf zukünftigen Alben mehr benutzt. Dann die gute alte Ibanez, die jedoch garnicht mehr zum Einsatz kommt, die ist mit den DiMarzio D-Activator Tonabnehmern ausgestattet. Dann habe ich mir einen Prototypen für meine Marke gebaut, das ist eine Lefty RR mit einigen coolen Features. Ausgestattet habe ich die mit einem EMG81TW-X und einem EMG SA-X, klingt überragend.
Dazu kommen noch mehrere nicht nennenswerte Akustikgitarren und Bässe. Ich muss sagen, dass ich zu der Suchfreien Kategorie angehöre und spätestens seitdem ich selbst produziere vollkommen desillusioniert bin was Gear angeht – es gilt viel mehr dein Können und dein Wissen was du alles aus deinem Equipment rausholen kannst.

Jonas:

7! Meine Gibson Les Paul und die 7-Saiter Schecter dürften gerade meine Favoriten sein.

Was meinst du macht die perfekte Gitarre oder Verstärker aus?

Ivan:

Gute Verarbeitung, Bespielbarkeit und wunderbares Sustain. Auf der technischen Seite stehe ich auf Setnecks und String through sowie Locking Tuner. Was Tonhölzer angeht mag ich Gitarren aus Mahagoni, Esche und Ahorn. Griffbretter aus Ebenenholz und Palisander finde ich besonders sexy. Da ich relativ kleine Hände habe ist die Möglichkeit eine geringe Saitenlage einzustellen möglich, jedoch gibt es nichts, was eine Plekmaschine nicht machen kann. Deshalb bin ich so sehr von Schecter angetan, denn die Qualität dieser Instrumente ist auf einem mittleren Preisneveau unfassbar gut. Wenn man sich das große G anschaut, was da für teilweise hohen vierstelligen Bereich für Schrott produziert wird, sind Schecter ein unglaublich geiles Brett. Es geht so weit, dass ich mir das Griffbrett der Schecter Hellraiser EX auf den linken Unterarm hab tattowieren lassen. Ebenfalls bin ich sehr stolz und froh darüber, dass uns die Schecter Guitars Germany in Zusammenarbeit mit Musik Meyer seit 2014 unterstützen. Verstärker: Außer Engl kommt bei mir nichts ins Haus. Unfassbar gut verarbeitete Amps die von engelhaftem Clean bis diabolischen Metal die gesamte Dynamikbandbreite abdecken können. Die Zuverlässigkeit dieser Verstärker steht für mich in dem Vordergrund. …von Engl habe ich mir noch nichts tätowieren lassen hehe.

Jonas:

Bei Gitarren ganz klar auch Bespielbarkeit, wobei das immer von der eigenen Technik und individuellen Präferenzen abhängt. Bei mir ist das vor allem eine aufgesetzte Brücke und keine in den Korpus eingelassene. Das liegt halt genau an meiner Spieltechnik in der rechten Hand. Und ansonsten mag ich eher runde Hälse mit einem C-Profil. Der Rest ist dann halt davon abhängig, was ich damit spielen will, aber Tonabnehmer und Elektronik kann man ja immer austauschen. Und den Einfluss vom Holz halte ich um ehrlich zu sein für äußerst gering, da kann man noch so viel mit Pedalen und am Amp verändern, dass man immer dahin kommen kann, wo man den Sound haben will. Bei Amps habe ich dafür dann gerne viele Möglichkeiten, also Clean, Crunch und High-Gain Channel sollten es schon mindestens sein und bloss kein gematsche im Bass bei aufgedrehtem Gain. Im Proberaum habe ich einen Blackstar Series One 104 stehen. Gereizt hat mich daran der ISF Regler mit dem man nochmal alle EQ Regler stufenlos beeinflussen kann und so jede Menge feintuning an seinem Sound betreiben kann.

Was denkst du über die Frage Röhrenamp oder Modeler?

Ivan:
Tatsächlich steige ich jetzt Live auf das Tone X um, ich habe das rumgeschleppte eindeutig Satt. Für Live sind Modeller eine klasse Sache, für das Studio kann nichts und niemand einen Röhrenverstärker ersetzen. Natürlich kann man Profile mit mehreren Mikrofonen erstellen, aber meiner Erfahrung nach fehlt dem Signal bei digitalen Geschichten ein wenig an Informationsgehalt. Auch unser Engineer Christoph Brandes meckert immer wieder über digitale Amps, weil der Informationsgehalt nicht dasselbe ist wie bei einem vollaufgedrehten Röhrentopteil mit 100 Watt welches mit 4 in Phase gebrachten Mikrofonen eingefangen wurde.

Jonas: Ich glaube ja, jeder Unterschied, den man meint zu hören, ist da eingebildet und wenn es ihn jetzt, doch noch gibt dann ist es halt in 5 Jahren genau gleich. Vom Gefühl her macht es aber trotzdem mehr Spaß vor glühenden Röhren und großen Boxen zu stehen (und vielleicht sollten wir einfach mehr so Musik machen, wie es uns Spaß macht, anstatt darüber zu diskutieren wie es am korrektesten sei Musik zu machen).

Welche Gitarren und Amps benutzt du für Aufnahmen?

Ivan:
Das erste Album wurde von Sebastian Levermann auf meinen Wunsch mit einem Engl Powerball I und einer Rectifier Box reamped. Leider weiß ich nicht welche Mikros er nutzte, ich gehe davon aus dass es das SM-7B war.
Auf dem Album At Dawn sind wir zu Christoph Brandes in das Iguana Studios heruntergefahren und haben unsere Verstärker und Boxen mitbenommen. Dies ist ein Powerball I mit einer ENGL XL Vintage 30 Box. Damals hat Christoph glaube ich um die sieben Mikrofone benutzt, um den Sound einzufangen.
Diesen Verstärker habe ich bis heute und er leistet mir wunderbare Dienste, klasse Teil und ein zuverlässiges Gerät! Das aktuelle Album habe ich selbst mit diesem Equipment reamped, zum Einsatz kamen drei Mikrofone: Sennheiser e906, SM57 und das SM-7b vor dem Amp war ein Maxon OD-808.
Christoph hat daraus eine Art Wall of Sound gezaubert. Bei zukünftigen Alben möchte ich mehr auf den Cleansound achten, da dieser von mir bis heute weniger beachtet wurde haha Hierfür wäre eine geile Strat von Nöten, eventuell lege ich mir die neuen Nick Johnston Gitarren zu, mal schauen. Die Blackjack SLS kann mit gesplitteten Humbuckern auch einen sehr schönen Klang erzeugen, einer vollwertigen Strat kommt Sie allerdings nicht nach.

Jonas:

Für Craving eigentlich nur die Schecters, meine anderen sind gar nicht tief genug gestimmt. Und der Rest liegt bei Ivan, weil ich ihm nur die DI-Spuren schicke, damit er dann alles bei sich einstellen und Reampen kann. Wobei auf dem neuen Album sind auch ein paar Parts mit meiner klassischen Gitarre eingespielt.

Wenn du nur eine einzige Gitarre auswählen dürftest, welche würdest du nehmen?

Ivan:
Schecter Hellraiser C-1 EX LH 😊 Warum? Weil die Gitarre einfach ein Brett ist!
Du kannst damit alles von Pop, bis Jazz bis Brutal Death Metal spielen.

Jonas:

Das wäre wohl meine Gibson Les Paul, aber auf die habe ich damals mit 15 bis 18 auch fast 3 Jahre gespart. Die will man dann auch nicht mehr so leicht hergeben.

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