In dieser Artikel Serie geht es um das Handwerkzeugs beliebter Gitarristen. Welches sind ihre Lieblingsgitarren und wie ist ihr Bezug dazu. Diesmal mit Adrian Thessenvitz (Ad Infinitum).

Wann hast du mit dem Gitarre spielen angefangen und kannst du dich noch an deine erste Gitarre erinnern?
Ich habe Gitarre im Alter von 6 Jahren begonnen. Da war ich vielleicht gerade mal so groß wie dieses Instrument… Es war eine Nylonsaitengitarre von GEWA, aus der ich nach zwei drei Jahren auch schon rausgewachsen bin.
Ist diese Gitarre noch in deinem Besitz?
Jein, sie hängt in der Wohnung meiner Eltern und ich spiele sie regelmäßig wenn ich zu Besuch bin. Als ich auszog, habe ich nur meine Gitarren mitgenommen, die auch verwende.

Was sind deine musikalischen Einflüsse und welche Gitarristen sind deine Favoriten?
Ich habe zuerst sechs Jahre lang klassische Gitarre sowie Noten lesen und nebenbei die grundlegenden Akkorde erlernt. Mit der klassischen Gitarre habe ich es sogar etwas weiter gebracht. Wenn ich mir heute die Noten anschaue – das war nicht von schlechten Eltern. Lautensuiten von Johann Sebastian Bach waren da schon dabei und schwere vielstimmige Werke wie zum Beispiel ‘Fugen’. Während dieser Zeit habe ich jeden Tag mit meinem Vater und Bruder Jazzstandarts gespielt und (wie man es so macht) regelmäßig bei Familienfesten und später bei kleineren Jazzfestivals und Sessions gespielt. Das mit dem Jazz wurde im Alter von 12 Jahren ernster und ich begann mich bei Nachwuchsförderprojekten zu bewerben, z.B. bei den Landesjugendjazzorchestern. Im bayerischen Ableger habe ich unseren Drummer Niklas Müller kennengelernt. Die BigBand Arbeitsphasen habe ich sieben Jahre lang in den Schulferien durchgezogen, bis ich in Köln angefangen habe Jazzgitarre zu studieren. Aber schon da war ich wegen den JazzRock und Fusion Einflüssen langsam dem Rock verfallen. Aufgrund der Jazzszene in Köln, die mir geschmacklich aufgrund viel freier/avantgardistischer Musik nicht zusagt, habe ich mich vollends auf den Metal konzentriert. Im Jazz bin ich bis heute ein großer Fan von Pat Metheny, ein Großmeister der Instrumentalen Komposition. Sein Ausdruck und sein melodisches Spiel nimmt mich immer sehr mit. Beim Jazzrock bin ich Fan von John Scofield sowie Scott Henderson. Im Metal habe ich tatsächlich mittlerweile nicht mehr viele Vorbilder, weil mich Shredding-Gitarre gar nicht mehr so sehr fasziniert. Aber ausschlaggebend für mein Spiel waren Claudio Pietronik und Andy James. Bei den beiden ist die Balance aus Melodieführung, Ausdruck und technisch versierten Läufen perfekt. Im Pop und Funk bin ich ein großer Fan von Cory Wong. Sein snappy Sound und sein Timing sind eine große Inspiration.

Wie viele Gitarren besitzt du und welche sind deine Favoriten?
Insgesamt besitze ich zwölf Gitarren, von denen ich sechs aktiv gebrauche. Von Favoriten kann ich hier nicht wirklich sprechen, da ich jede einzelne für eine gewisse Funktion einsetze. Ich habe nur eine Stratocaster (PRS Silver Sky) und eine sechs-saitige Humbucker EGitarre (PRS P22), sowie eine acht-saitige (Aristides H08). Dazu kommen meine Nylonsaiten Gitarre (Amalio Burguet, Noguera) und zwei Westerngitarren (Lakewood), von denen eine eine Bariton Gitarre ist. Hier ist also keine überflüssig.
Was meinst du macht die perfekte Gitarre oder Verstärker aus?
Eine perfekte Gitarre muss zuallererst gut verarbeitet sein, optimal eingestellt und bespielbar sein. Dann fühle ich mich in die Haptik und das Sustain des Instruments ein. Für mich persönlich ist es wichtig, dass die hohen Saiten dick klingen, und die tiefen Saiten eher tight. Das ist total gegensätzlich, aber im Spiel und der Soundfindung sehr wichtig. Ich kann es leider nicht genauer beschreiben, meine Gitarren hatten mir alle ein gutes Bauchgefühl beim Kauf gegeben und danach habe ich mich auch entschieden.

Was denkst du über die Frage Röhrenamp oder Modeler?
Ich habe selbst jahrelang auf einem Bogner Shiva Combo gespielt und zu Beginn meines Studiums auf einen Kemper gewechselt. Das Studium und das Fehlen eines Autos haben mir den Wechsel leicht gemacht.. Die Schlepperei ist ja echt kein Spaß gewesen. Hier bin ich ehrlicherweise auch aus diesen Gründen komplett in der digitalen Welt geblieben. Die möglichen zwei Prozent besserer Klangqualität mit einem Röhrenamp gleichen für mich nicht die Quälerei beim Auf- und Abbau und die regelmäßige Wartung aus. Mittlerweile spiele ich auf einem QuadCortex von NeuralDSP und bin sehr glücklich damit. Ich denke auch, dass eine Band wie Ad Infinitum von der Beständigkeit des Sounds eines digitalen Amps sehr profitiert. Aber wer weiß, sollten wir eines Tages eine größere Crew und einen Guitar Tech dabei haben, würde ich mich auch gerne wieder von der analogen Welt und ihren Vorteilen überzeugen lassen.
Welche Gitarren und Amps benutzt du für Aufnahmen?
Je nach Situation wähle ich meine Instrumente wie folgt aus: Für Ad Infinitum Aufnahmen und hartes Riffing nehme ich neuerdings meine Aristides H08 her. Je nach Solo nutze ich auch diese oder meine PRS P22, da deren Vintage Charakter unübertroffen ist. Bei Clean Sounds greife ich generell auf die PRS P22 zurück. Der Sound ist warm und hat eine enorme Tiefe. Je nach Stil nehme ich auch die PRS Silver Sky her, wenn ich mehr durch den Mix schneiden muss. Bei Akustikaufnahmen nutze ich meine Lakewood M35 CP und die Lakewood Bariton Gitarre als zusätzliche Farbe. Mein Rocksetup besteht aus einem Bogner Ecstacy X100B Capture und meine Clean Sounds generell aus Fender Twin Reverb Captures aus meinem QuadCortex.

Wenn du nur eine einzige Gitarre auswählen dürftest, welche würdest du nehmen?
Auf jeden Fall die PRS P22. Diese Gitarre ist schlicht perfekt. Sie ist unglaublich verarbeitet, hat eine wunderschöne Wärme im Ton, ist unglaublich vielseitig und ich habe sie von meinem Selbstersparten im Alter von 16 Jahren gekauft. Auf der Gitarre habe ich alles erlernt, was ich jetzt kann. Insofern hat sie für mich einen hohen persönlichen Wert.













