Pic by Christoph Mangler
In dieser Artikel Serie geht es um das Handwerkzeugs beliebter Gitarristen. Welches sind ihre Lieblingsgitarren und wie ist ihr Bezug dazu. Diesmal mit André „WALLY“ Wahlhäuser (Bonsai Kitten).

Pic by Christoph Mangler
Wann hast du mit dem Gitarre spielen angefangen und kannst du dich noch an deine erste Gitarre erinnern?
Mit sechs Jahren habe ich mit klassischem Gitarrenunterricht angefangen. Das hat mich total genervt, da ich E-Gitarre lernen wollte. Ich hatte anfangs auch einen hohen Verschleiß an Gitarrenlehren, weil ich n relativ anstrengendes Kind gewesen sein muss. Erst als ich eine Lehrerin bekommen habe lief ich einigermaßen in der Spur. Rückblickend hatte meine Mutter recht damit, mich in den klassischen Unterricht zu stecken. Ich glaube sonst würde ich heute ganz anders spielen. Ich habe damals die Gitarre von meinem Vater geerbt. Eine Schlaggitarre aus den 1950ern. Die war allerdings zu der Zeit schon so gut wie unspielbar. Meine erste spielbare Gitarre war eine Höfner mit Nylonsaiten. Meine erste E-Gitarre dann ca. 4 Jahre später war eine günstige Stratocaster. An die werden sich meine damaligen Nachbarn auch noch erinnern können.

Pic by Hannah Heinz
Ist diese Gitarre noch in deinem Besitz?
Alle drei sind tatsächlich noch in meinem Besitz. Das Erbstück wird aktuell vom Weilburger Gitarrenbauer Jozsi Lak restauriert. Die Höfner steht bei mir im Flur auf einem Schrank, als Deko. Und die Strat habe ich auch noch. Sie ist sehr misshandelt und abgenutzt, aber klingt immer noch geil. Manchmal benutze ich sie zum Songwriting.

Pic by Stephan Phillips
Was sind deine musikalischen Einflüsse und welche Gitarristen sind deine Favoriten?
Ey, die Frage kann ich unmöglich gebührend beantworten, aber ich versuche mein Bestes. Wegweisend für meine eigene Musik waren wohl Stoppok, BAP, Klaus Lage, Lindenberg und Westernhagen. Darüber hinaus bin ich riesiger Fan von Tom Petty und Elton John. Die Beatles spielten für mich auch eine sehr, sehr große Rolle. Über die Jahre hatte ich viele verschiedene Phasen was das anhimmeln von Gitarristen angeht. Ich war und bin sehr Blues begeistert. Ich liebe Muddy Waters, Chuck Berry und B.B.King. Jimi Hendrix ist ein großer Einfluss. Eric Clapton, David Gilmoure, Jeff Beck, Brian May, Randy Rohdes, Eddie Van Halen, Malcom & Angus Young…..ich liebe Instrumentalisten, die man an ihrem Stil „erkennt“

Pic by Thoren Prochazka
Wie viele Gitarren besitzt du und welche sind deine Favoriten?
Es tummeln sich um die 50 bei mir zu Hause. Ich hab´ da, also ernsthaft, ´n Suchtproblem. Meine Hauptgitarren sind die Foxywave Modelle von Jozsi Lak. Bei Bonsai Kitten, Psychopunch und seinerzeit bei den V8Wankers ist das immer die perfekte Wahl für mich. Tolle, handgefertigte Instrumente, die echt alles mitmachen! Ausserdem sehen die unglaublich sexy aus. Sie sollten „Sexywave“ heißen. Werde ich dem Jozsi mal vorschlagen. Ansonsten greife ich sehr gerne mal zur Gibson SG oder 335, wenn es mal etwas „schmusi“ sein soll. Von der Stratocaster bin ich auch nie weggekommen. Bei meiner eigenen Musik nutze ich sehr häufig Strats oder einen ähnlichen Klassiker aus dem Hause Lak. Ausserdem benutze ich oft eine alte Garrison Akustikgitarre oder alte Framus Akustikgitarren, die mir Jozsi mit verschiedenen Tonabnehmersystemen umgebaut hat.

Pic by Christoph Mangler
Was meinst du macht die perfekte Gitarre oder Verstärker aus?
Da gibt’s kein Patentrezept. Muss jeder für sich selber ertasten. Ich mag Charakter. Wenn´s n bisschen knirscht hier und da. Ich mag Kratzer, Macken und Zeichen der Zeit. Wenn mir etwas auf irgendeine Art eine Geschichte erzählen kann, kann ich damit weitererzählen. Was ich nicht so sehr mag ist nagelneue „Stangenware“. In großen Musikgeschäften bekomme ich Beklemmungen. Als würde man mich dazu zwingen Schuhe shoppen zu gehen. Alte Instrumente sind mir oft am liebsten. Das heisst nicht, dass man unbedingt ne 1960er Stratocaster braucht. Es gibt z.B. von Framus oder auch Höfner tolle, alte Sammlerstücke für vernünftige Preise. Da sollte man ehr zuschlagen als bei billigem Pressspanschrott ausm Internet-Versand-Handel.

Pic by Thoren Prochazka
Was denkst du über die Frage Röhrenamp oder Modeler?
Röhre! Wir reden hier von E-Gitarre spielen, einer der ausdruckstärksten und emotionalsten Instrumente! Jetzt mal ganz ehrlich, ein Röhrenamp hat so unendlich viel Dynamik. Mit der will ich arbeiten und spielen. Die will ich mir zu Nutze machen. Das schafft kein beknacktes Modeling-System! Ich kann auch mit diesem ganzen „die klingen heutzutage schon voll gut“ oder „naja im Studio oder zum Reisen ist das total toll“- Gelaber so gar nix anfangen. Bevor ich jetzt aber wie ein engstirniger, alter Spinner klinge, hole ich kurz weiter aus: Ich benutze bei Produktionen im Studio ein echtes Fender Rhodes oder ein echtes Klavier. Ich kann mit programmierten Drums nix anfangen, also ich meine zumindest nicht in der Punk´n´Roll- oder Rockmusik. Oder sagen wir an dem Punkt, wenn es wie ein echtes Schlagzeug klingen „will/soll“, es aber keins ist, da bin ich raus. Die Entwicklung der ganzen Branche/Szene ist diesbezüglich erschreckend! Klar ist es einfacher im Keller zu Hause seine ganze Platte zusammenzuschrauben, alles zu quantisieren und dann seinen Fans so´n halbgaren haufen Scheisse als „Rock-Album“ vorzusetzen. Ich kenne Leute die an einem Album im Wohnzimmer arbeiten während sie „Wer wird Millionär“ mit ihrer Freundin schauen. Am Releasetag schreien sie dann „Rock´n´Roll“ ins Micro und erzählen dir was vom Pferd. Das Resultat aus so einer Mentalität ist, ein Studio nach dem anderen schließt. Die Wertschätzung für das erschaffen großartig und eigenständig klingender Produktionen geht flöten. Es fehlt oft an Respekt gegenüber dem Handwerk, der Kunst, der Fans und vor sich selber. Große Musik zu erschaffen bedeuten meiner Meinung nach auch Schmerz, Schleppen und Geld ausgeben, das man nicht hat….und einen Röhrenamp zu spielen. Ich freue mich mittlerweile echt über jede Band und jeden Künstler, die/der sich noch den Aufwand macht ins Studio zu gehen und ´n Album „aufzunehmen“. Das ist nämlich echt Arbeit und heutzutage leider kaum noch die Regel. Ich habe nix gegen Innovation und die Geschichte wird ihren Lauf nehmen, aber wenn ihr mich schon fragt dann ist das hier meine Mimimi-Antwort. 😉

Pic by Stephan Phillips
Welche Gitarren und Amps benutzt du für Aufnahmen?
Auch im Studio ist die Foxywave von Jozsi Lak meine erste Wahl. Ansonsten alte SG´s oder die 335. Und selbstverständlich die Stratocaster. Wer im übrigen mal bei einer Produktion in den Gitarrenhimmel kommen möchte, der sollte sich unbedingt mal im Cream Studio Frankfurt einbuchen. Da gibt’s ne unglaubliche Sammlung an originalen Klassikern aus dem Hause Fender und Gibson. Ausserdem sind die Leute dort superdufte drauf und Ausstattung und Technik lässt keine Wünsche offen. Bei Amps fällt meine Wahl grundsätzlich auf Orange. Bei der aktuellen Bonsai Kitten Produktion habe ich tatsächlich von Anfang bis Ende einen Orange durchgespielt. Auf meiner aktuellen Platte „Alles halb so wild“ kommt zusätzlich noch ein alter Framus Ruby Riot zum Einsatz.

Pic by Christoph Mangler
Wenn du nur eine einzige Gitarre auswählen dürftest, welche würdest du nehmen?
Da bin ich jetzt ´n Spielverderber…..Alle! Ich fahr zur Not dann halt zweimal….
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