Guitar Special Vol.289 mit David Jordan (Long Distance Calling)

In dieser Artikel Serie geht es um das Handwerkzeugs beliebter Gitarristen. Welches sind ihre Lieblingsgitarren und wie ist ihr Bezug dazu. Diesmal mit David Jordan (Long Distance Calling).

Wann hast du mit dem Gitarre spielen angefangen und kannst du dich noch an deine erste Gitarre erinnern?

Da war ich irgendwas um 9/10 Jahre alt. Wir hatten seit einiger Zeit ’ne Nylonsaiten-Gitarre zu Hause rumstehen und ich fand dieses Gitarrenthema ziemlich interessant. Im CD-Player lief oft die Best of von Queen. 😉 Das fand ich alles schon ziemlich stark. Meine Eltern haben mir daraufhin ermöglicht, zur Musikschule zu gehen, wo ich einen sehr geduldigen Lehrer hatte, dem ich sehr dankbar bin, dass mein Übe Pensum nicht persönlich genommen hat.


Helliver Momentum Hollow

 Ist diese Gitarre noch in deinem Besitz?

Ja, so halb. Sie befindet sich bei meinen Eltern. Aber meine erste E-Gitarre (Fender Standart Strat von 89) habe ich auch noch, obwohl ich nicht mehr auf ihr spiele. Die landet ab und an mal bei Kindern aus dem Umfeld, wenn ich mitbekomme, dass die Bock haben, das mal auszuprobieren. Verkaufen kann ich sie irgendwie nicht. Da hat ja alles mit angefangen.


Fender Stratocaster


Helliver F

 Was sind deine musikalischen Einflüsse und welche Gitarristen sind deine Favoriten?

Musikalisch Einflüssen wandeln sich immer mal wieder. Ich kann mal versuchen, dass chronologisch, aber lückenhaft zu skizzieren. Als Kind hatte ich über Jahre eine Dire Straits Kassette, die ich beim Legospielen labbrig gehört hab. Das setzt sich natürlich irgendwann fest.  Als ich dann selbst anfing, nach Musik zu buddeln, ging das bei den Toten Hosen und Ärzten los, was dann fließend zu Green Day, Nirvana und Ähnlichen führte. Das war so meine Protestzeit. 😉 Irgendwann hatte ich dann Metallica für mich entdeckt, die dann, inkl. an der Gitarre, ziemlich studiert wurden. Danach kamen die New Metal Zeit bei mir an. Tool, Deftones, A Perfect Circle waren da für mich die wichtigsten. Hier hat Adam Jones von Tool als Gitarrist auch den ersten wichtigen Einfluss genommen und das in zweierlei Hinsicht. Zum einen fand und finde ich ihn nach wie vor rifftechnisch super atmosphärisch und trotz krummer Takte intuitiv und zum anderen hat er für mein Verständnis ein ausgesprochen gutes Ohr für charaktervolle, plastische Sounds. Die nächste große Etappe stellte dann Dream Theater für mich dar. Das war aus spieltechnischer Sicht die absolute Offenbarung. Ich frag mich immer noch, wie man das schafft, so gut zu werden… Nicht selten höre ich Petrucci immerhin melodiemäßig bei mir raus, wenn ich ältere Sachen irgendwo von uns höre. Die nächsten großen Posten waren dann Procupine Tree und Opeth. Das rückte Songwriting und Dynamik dann wieder mehr in den Focus. Gerade Opeth haben das für mich auf der Watershed perfektioniert. Diese Phase hielt ziemlich lange an. Dabei fällt mir gerade ein, dass ich Pink Floyd völlig unterschlagen hab. Liegt aber daran, dass das durchweg immer mitgewabert ist. Großer, sehr experimentierfreudiger Gitarrist mit großem Sound. Kann ich mich nicht dran lahmhören. Weiter im Programm. Irgendwann begann die Phase, in der ich auch Popgrößen für mich entdeckt hab. Über Genesis bin ich dann auch beispielsweise zu Phil Collins gekommen, dessen erste vier Alben mich ziemlich abgeholt haben, was Songwriting, Liebe zur Räumlichkeit und Detail angeht. Und dann spielt Lee Sklar da auch noch Bass. Alleine das ist schon ’n Grund sich das reinzuziehen. Dass Peter Gabriel folgen sollte, war dann klar. Ebenfalls mit ’ner Instanz am Bass: Tony Levin. Ich kann jetzt nicht alles hier aufzählen aber die letzten interessanten Künstler, weil vielleicht nicht erwartbar, waren beispielsweise, De Staat (NL) die einem mal so richtig frischen Wind um die Ohren wehen. Ist wie in ’ne Zitrone zu beißen. Dann gaaaanz wichtig: Die Chemical Brothers. Sounds und Songgwriting, die manchmal auch anstrengend sein können aber ihre größte Stärke ist für mich der abwechslungsreiche stetige Wandel, der nie den Grundpuls verliert. Da gibt’s echt viel zu Lernen. Der letzte große Impact war für mich Funk und da kommt man an Nile Rodgers und Chic natürlich nicht vorbei. Erstaunlich, wie oft man ’nen Refrain so am Stück spielen kann… Mal sehen, was so als nächstes irgendwo aufploppt. Es gibt überall was zu entdecken.


Breadlove Revival

Wie viele Gitarren besitzt du und welche sind deine Favoriten?

Inkl. meiner ersten E-Gitarre sind’s 7 Stück. Meine Favoriten sind meine Helliver Momentum und mein Baron Model 1 Prototyp. Vor kurzem ist auch mein Helliver Bass fertig geworden, den wir gemeinsam sehr lange und akribisch geplant haben. Wenn bei all den Instrumenten, die ich so habe, Quatsch rauskommt, liegt’s nur noch an mir. 😉


Baron Model 1

Was meinst du macht die perfekte Gitarre oder Verstärker aus?

Für mich sind’s tatsächlich der Grundtongehalt, Dynamik und die tonale Trennung. Das gilt für beides. Die ganze Kette ist das Werkzeug, mit denen ich versuche, Emotionen weiterzugeben. Dafür ist’s natürlich wichtig, dass das, was ich da spiele auch verstanden werden kann. Aber ich möchte an der Stelle gerne auch noch auf ’nen, aus meiner Sicht, ziemlich unterschätzen Aspekt im Sound hinweisen, nämlich die Schwächen und Stärken seiner Komponenten zu kennen und damit etwas zu bauen, was zur Musik, zu einem selbst und zur Band passt. Das ist etwas, was man nicht auf Youtube oder in Foren lernt, sondern selbst mit allen dazugehörenden Fehlern, ausbaldowern muss. Es braucht Ausdauer und Erfahrung, um sein Gehör so weit zu bringen, alles dafür Essentielle zu erkennen. Ich habe da auch noch richtig Meter vor mir. Aber jede geübte Stunde ist bei weitem mehr wert als jede vor Youtube. 😉


Helliver Classic Double

Was denkst du über die Frage Röhrenamp oder Modeler?

Ich bin totaler Amp-Fan, weil das (bei aktuellem technischem Stand) für mich die plastischste, reaktivste und dynamischste Art ist, ein Signal weiterzugeben. Ich habe darauf natürlich auch gelernt, daher kann ich eine subjektive Komponente nicht ausschließen. 😉  Die nächste Alternative wären für mich tatsächlich Modeler und danach erst Profiler aus oben genannten Gründen. Selbst mein Floorboard für Flug-Gigs funktioniert in der Tongenese analog (Verzerrer und analoge Cab Sim).


Helliver Momentum Bass

Welche Gitarren und Amps benutzt du für Aufnahmen?

Für Aufnahmen benutze ich zu 90% meine Helliver Gitarren, aber es macht auch total Spaß für spezielle Sound auch mal außergewöhnliche Instrumente zu benutzen. Es wird immer ausprobiert, was gerade so da ist. 🙂  Bei Amps ist das genauso. Das meiste bekomme ich mit meinen Diezels super auf Platte gezogen aber bei speziellen Sounds kommt grundsätzlich alles in Frage.

Wenn du nur eine einzige Gitarre auswählen dürftest, welche würdest du nehmen?

Ganz klar meine Helliver Momentum. Das ist wie zu Hause sein. Alles da, was mir wichtig ist. 🙂


Helliver Momentum

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Chris Strieder ist Baujahr 1970... Seit 1983 totaler Musikfreak und Kenner in den Bereichen Hardrock / Heavy Metal / Bluesrock und Progrock. Gut vernetzt in Musikerkreisen, da er auch selber als Gitarrist unterwegs ist (z.B in der regional sehr bekannten Coverrockband „Sevencent“)... Ist ständig am Puls der Zeit und verfolgt die internationale Rockszene und Strömungen in der Musikwelt in jeder freien Minute....

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