Guitar Special Vol.27 mit Stefan Weber (Rage)

In dieser Artikel Serie geht es um das Handwerkzeugs beliebter Gitarristen. Welches sind ihre Lieblingsgitarren und wie ist ihr Bezug dazu. Diesmal mit Stefan Weber, den viele bestimmt als Gitarristen von RAGE kennen. Er hat verschiedene Gitarren die ihm am Herzen liegen.
Foto von Julez Braun https://www.facebook.com/risingartsjb

Nun gibt es schon einige Ausgaben des Guitar Specials. Da die meisten meiner Kollegen und Kolleginnen ein bis maximal 2 Instrumente vorgestellt haben, habe ich beschlossen die Sache etwas anders anzugehen und werde euch einige meiner absoluten Favoriten näher bringen. Es ist bei mir nicht so, dass immer eine Gitarre mein absolutes Lieblingsinstrument ist. Ich bin eher der Typ bei dem eine Gitarre über lange Zeiträume an erster Stelle steht, dies sich aber auch ab und an ändert. Trotzdem gibt es natürlich eine (oder zwei) Handvoll Gitarren die besonders für mich sind. Im Gegensatz zu vielen anderen Musikern bin ich großer Fan von Signature Modellen und „normalen“ Gitarren. Aus beiden Kategorien möchte ich euch hier einige Instrumente vorstellen. Da ich Ibanez Endorser bin und die Marke liebe, wird die folgende Liste maßgeblich von Ibanez Gitarren dominiert sein.Foto: Karsten Frölich

Ibanez J.Custom RGA8420-BTF :Ibanez Gitarrennamen sind nicht immer die einfachsten, so auch nicht der Name dieser wunderschönen J.Custom. Kennt man sich jedoch ein bisschen aus, fällt einem in Verbindung mit J.Custom das RGA auf, das für Superstrat Modelle mit gewölbter Decke steht. Die meisten J.Customs (handgebaute Japan Modelle) sind RGs, kommen ohne gewölbte Decke und mit einem Middle Pickup. Diese Gitarre fiel mir als erstes optisch auf, ursprünglich auch in einer anderen Farbgebung. Nachdem ich sie bei Ibanez angetestet hatte, war mir klar, dass an dem Instrument kein Weg vorbeiführen würde. Ein paar Monate später fuhr ich erneut zum Ibanez Headquarter in Deutschland um die Gitarre zu kaufen.

Dabei fiel mir das Instrument das ich nun besitze in die Hände, eigentlich eine Gitarre aus dem Showroom die nicht mehr neu war und natürlich bereits von unzähligen Gitarristen angespielt wurde. Ich hatte mich schon für das andere Modell entschieden, nahm diese Gitarre aber kurz in die Hand um ein paar Akkorde zu spielen und es machte einfach klick. Die Bespielbarkeit der J.Custom RGA ist generell großartig, aber meine hatte etwas besonderes. Sie lag einfach besser in der Hand als die, die ich mir ursprünglich ausgesucht hatte, hatte mehr Obertöne, einen unglaublichen Sustain für eine Tremolo Gitarre und alles was ich auf ihr ausprobierte funktionierte einfach. Gitarristen wissen wovon ich rede, manchmal findet man diese Instrumente auf denen alles leicht ist. Eigentlich alle Gitarren in dieser Liste fallen in diese Kategorie.
Die Gitarre ist ausgestattet mit passiven DiMarzio Fusion Edge Pickups, hat ein geflammtes Ahorn Top und einen Korpus aus afrikanischem Mahagoni. Der Hals ist 5-teilig, besteht aus Ahorn und Walnuss und ist mit einer Titan Stange im Inneren verstärkt. Das Griffbrett ist Palisander und hat wunderschönes Gemüse als Inlays vom 1. bis zum 24. Bund, sehr zu meiner Freude und zur Verwirrung meiner Schüler.

Ibanez RG5120M: Dies ist zur Zeit meine Hauptgitarre. Gestimmt in Standard D so wie die meisten Songs meiner Band Rage. Sie ist die neueste in meiner Sammlung und ein Instrument von dem ich mich nicht mehr trennen mag. Die Gitarre hat einen unfassbar aggressiven Sound, der live so sehr ins Gesicht geht, dass ich bei der Wahl meiner anderen Bühnengitarren aufpassen muss, damit diese nicht im Vergleich völlig untergehen. Was die Fishman Pickups leisten ist unglaublich und für mich steht fest, dass diese die absolut besten PUs sind, die man zur Zeit im Heavy Bereich spielen kann. Trotzdem, ich besitze einige Gitarren mit Fishman, diese hier schlägt die anderen um Längen. Ich schätze, dass es etwas mit dem hellen Griffbrett (Vogelaugen Ahorn) zu tun hat. Meiner Erfahrung nach „schreien“ Gitarren mit hellen Griffbrettern mehr, die Brillanz der Obertöne setzt sich stärker durch und die Gitarren sind unglaublich ausdrucksstark. Wie man leicht festellen kann bin ich großer Fan von Tremolos, so kommt auch diese Gitarre genauso wie die J.Custom mit einem Lo-Pro Tremolo. Auch hier ist der Sustain ungewöhnlich lang für eine Gitarre mit Tremolo. Den Tone-Poti habe ich mit einem Killswitch modifizieren lassen.
Die Bespielbarkeit der Gitarre schlägt sogar noch die der J.Custom und die Frozen Ocean Optik ist einfach nur schön. Diese Gitarre wird noch für lange Zeit mein Go-to Instrument bleiben.

ESP KH-2, Ibanez Jem77-BFP, Ibanez JPM2 Als letztes möchte ich auch einige meiner Signature Modelle zu sprechen kommen. Als 13/14-jähriger gab es für mich neben Gitarre üben nichts besseres als stundenlang den Musicstore und MusikProduktiv Katalog durchzublättern und mir all die Gitarren die ich gerne hätte anzuschauen. Als absoluter Metallica die-hard Fan, der ich auch damals schon war, hatten es mir ganz besonders die Kirk Hammett Gitarren angetan. Es dauerte ein paar Jahre, aber mit 18 war ich endlich in der Lage mir die KH-2 zu leisten. Das erforderte zwar den Abbruch meines Führerscheins und einer langen Zeit mit wenig Kohle, war es mir aber in dem Augenblick mehr als wert. Die ESP war meine erste richtig gute Gitarre und erst meine zweite überhaupt. Ich habe auf keiner Gitarre in meinem Leben mehr gespielt, als auf dieser und obwohl ich Ibanez über alles liebe, dies wäre die letzte Gitarre von der ich mich trennen würde. Zusätzlichen sentimentalen Wert erhielt das Instrument 2009 in Oberhausen. Bei der dort stattfindenden Show hatte ich das Glück James, Kirk, Lars und Rob Backstage zu treffen und mir die Gitarre von allen unterschreiben zu lassen (siehe das fürchterliche Fanboy Foto). Ich habe einiges an der Gitarre umgebaut, sie hat Harry Häussel PUs statt der ursprünglichen EMGs, sie hat einen Killswitch im obersten Poti und nur noch einen Volume Poti (der mittlere). Witzigerweise verringert der Killswitch Poti ein wenig den Gain der Gitarre wenn man ihn zudreht. Das ist lediglich ein Nebeneffekt des Umbaus, denn eigentlich ist der Poti bis auf den Killswitch-Effekt tot. Das ist kein Zufall sondern Absicht, da ich beim Solieren immer mit dem kleinen Finger an den Poti kam und mir selber nach und nach den Sound abdrehte. Heute wirkt die Gitarre statt schwarz graublau, ein Nebeneffekt davon, dass ich sie auf Grund der Unterschriften komplett habe überlackieren lassen.

Zur Jem will ich nur kurz etwas sagen. Ein echter Hingucker, ebenfalls mit wunderschönem Gemüse auf dem Griffbrett, ich liebe dieses Instrument. Bespielbarkeit und Sound sind auch hier herausragend. Genauso wie bei der RG5021M setzen sich die Obertöne überall durch, sicherlich das beste Premium Siganture Modell das Ibanez zu bieten hat. Steve Vai Gitarren sind ohnehin was die Bespielbarkeit betrifft ein Traum. Einer der Gründe aus denen ich Signature Modelle mag ist, dass sich Leute lange Gedanken dazu gemacht haben wie man die Instrumente wirklich gut macht. Und ganz besonders das Team Ibanez/Vai. Nicht jedes Signature Modell liegt mir, aber grundsätzlich bekommt man nie etwas schlechtes, wenn man sich für Signature Gitarren entscheidet. Diese Gitarre ist nach wie vor besonders für mich. Sie hat mich spielerisch weiter gebracht und hat mir einen unfassbaren Motivationsschub gegeben als ich sie bekam. Und ich habe durch dieses Instrument gelernt, dass mir Hälse mit einem Radius von 430mm am besten liegen (sorry, Nerdtalk). Leider hat die Gitarre auch zu einer Obsession mit Vai-Signature Modellen geführt und ich denke zur Zeit ernsthaft drüber nach, anzufangen Jems zu sammeln. Mein Bankkonto fürchtet sich bereits. Als letztes kommen wir zur JPM2, dem alten John Petrucci Signature Modell bevor er zu MusicMan wechselte. In meiner musikalischen Megafan Phase kam erst Metallica, danach Slayer und kurz darauf Dream Theater. Ich weiß nicht, wer noch das alte Live in Tokyo Video von DT kennt, es kam Mitte der 90er heraus und ich habe es rauf und runter geschaut. Petrucci nahm für mich den größten Raum als Guitar Hero ein, ich habe mir an seinen Soli die Zähne ausgebissen und tue es heute noch. Ich halte ihn in einigen Gitarrenbereichen tatsächlich für unterbewertet. Wer darauf herumreitet, dass er ausschließlich spielt wie eine Maschine, hat noch nie besagtes Live Video gesehen und sich sein fast 10-minütiges Solo angehört. Feeling von der ersten bis zur letzten Note.
Die Gitarre fällt natürlich auf und ich muss zugeben, einige Farbgebungen der anderen Modelle gefallen mir nicht. Aber die JPM2 hatte es mir sofort angetan. Ich kann nachvollziehen, dass viele Leute diese Gitarre hässlich finde, aber ich kann mich an ihr nicht sattsehen. Davon abgesehen, das Instrument hat etwas besonderes. Die beiden DiMarzios (Steve’s Special an der Bridge und Air Norton am Hals) ergeben zusammengeschaltet den schönsten Clean Sound, den ich bei einer reinen Humbucker-Gitarre bisher gehört habe. Über die Bespielbarkeit brauche ich bei der Gitarre nicht viel zu sagen. Dass es sich um ein außergewöhnliches Instrument handelt, ist in Gitarristen-kreisen überall bekannt. Für mich birgt auch diese Gitarre einen unfassbaren sentimentalen Wert. 20 Jahre lang hat stand sie auf meinem Wunschzettel, bevor ich sie endlich mein eigen nennen durfte und es vergeht kein Tag an dem ich mich nicht über das Instrument freue. Die ESP mag die letzte Gitarre sein, von der ich mich trennen würde, das hier ist die vorletzte. Ich hoffe euch hat der kleine Einblick in einen Teil meiner Gitarrensammlung gefallen. Ich hatte viel Spaß damit die Instrumente auszuwählen und viel Mühe damit mich zu beschränken.

Noch mehr Infos zu Stefan in unserem Interview: https://darkstars.de/interview-mit-stefan-weber-von-rage/

Fotos von Julez Braun https://www.facebook.com/risingartsjb

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