In dieser Artikel Serie geht es um das Handwerkzeugs beliebter Gitarristen. Welches sind ihre Lieblingsgitarren und wie ist ihr Bezug dazu. Diesmal mit Andy Brings.

Wann hast du mit dem Gitarre spielen angefangen und kannst du dich noch an deine erste Gitarre erinnern?
ANDY: Obwohl es Super 8-Filmaufnahmen von mir aus Jahre 1973 gibt, die mich als Zweieinhalbjährigen sehr gekonnt mit einer Spielzeuggitarre unterm Weihnachtsbaum posend zeigen, habe ich erst 1984 angefangen, Gitarre zu spielen. Ich hatte 1,5 Jahre Unterricht bei einem sehr coolen Lehrer, aber der kam irgendwann mit Noten und Etüden angerudert, da habe ich das ganz schnell abgewählt und nur noch Sachen von Platten raus-gehört. Das hat mich zwar nicht zu einem Virtuosen gemacht, aber vielleicht zu einem inselbegabten Songversteher. Die erste Gitarre war eine Konzertgitarre von Höfner für 229 Mark.
Ist diese Gitarre noch in deinem Besitz?
ANDY: Klar, die steht hier. Ich habe sie auch schon mal als Farbe bei Recordings eingesetzt. Klingt okay, für meine Zwecke voll ausreichend. Da geht es mehr um den Spirit, wenn ich sie einsetze.

Was sind deine musikalischen Einflüsse und welche Gitarristen sind deine Favoriten?
ANDY: Der wichtigste Gitarrist für mich war und ist Johnny Ramone. Er hat gezeigt, dass man kein Virtuose sein muss, um auf der Gitarre zu vollstrecken. Die Gitarre war für ihn Mittel zum Zweck, eine geladene Waffe, und so fühle ich auch. Als Leadgitarrist muss ich Ace Frehley von KISS nennen, der hat sicherlich Spuren bei mir hinterlassen. Die Leute reden bei Rockgitarre der 70er stets von Eddie van Halen, natürlich zurecht, aber Ace hat dafür gesorgt, dass die Kids spielen WOLLTEN, und seine Arbeit auf „Alive!“ ist sicherlich ähnlich prägend gewesen, wie das erste Album von Van Halen. Ich habe früher auch immer versucht Iron Maiden Songs zu spielen, so habe ich Metalgitarre gelernt. Slayer und Hardcore Punk wie D.R.I. und Bad Brains kam irgendwann dazu. Aber auch jemand wie John Ricci von Exciter hat mich beeinflusst, was man bei meinem zweiten Album mit Sodom „Get what you deserve“ gut hören kann, glaube ich. Ein Gitarrist, den ich sehr bewundere, ist Steve Stevens, bei dem stimmt einfach alles. Auch John 5 finde ich super, der hat was ganz eigenes erschaffen. Ich muss gestehen, dass ich eher auf Schlagzeuger stehe, Gitarristen sind ganz oft selbstverliebte Affen, die mir mit ihrem Gedudel auf den Sack gehen, weil sie nicht wissen, wann Schluss ist. Ich bin besessen von Grooves und Beats, und spiele liebe Airdrums als Luftgitarre, was innerhalb eines Songs aber auch gerne mal fliegend wechselt. 😊

Wie viele Gitarren besitzt du und welche sind deine Favoriten?
ANDY: Zu meinen Sammelhochzeiten hatte ich ca. 30 Gitarren. Ich war zum Beispiel verrückt nach dem Paul Stanley Model von Ibanez, da hatte ich mehrere aus allen Jahrgängen. Auch ein paar Les Pauls und alte Barettas von Kramer und und und. Total gaga, braucht kein Mensch. Habe ich alles verkauft. 2005 kam Düsenberg in mein Leben, das hat alles verändert, ich habe allen Ballast abgestoßen und spiele seitdem quasi nix anderes mehr. Neben meinen zwei Starplayer-Modellen in silver und blue habe ich noch ein 49er Sondermodell in Zebraoptik, das es so nie im Handel gab. Es gibt für mich nichts besseres. Behalten habe ich lediglich meine erste Kramer Baretta mit Marilyn Monroe Airbrush, mit der ich mein erstes Album „Tapping the vein“ von Sodom geschrieben und eingespielt habe, einen Andy Brings „Blitz“-Signatureprototypen, den mein Nachbar und Gitarrenbauer Dirk Jungbluth gebaut hat, sowie eine alte Strat aus dem ehemaligen Besitz von Yngwie Malmsteen. Und noch zwei Akustikgitarren und einen Status-Bass, das war´s.

Was meinst du macht die perfekte Gitarre oder Verstärker aus?
ANDY: Klarheit, Eindeutigkeit und Attitüde. Ich brauche einen Sound, nicht mehr. Der muss aber stehen wie eine Eins. Amps mit 5000 Wahlmöglichkeiten, und 900 Knöpfen finde ich bescheuert, das muss schnell gehen und geil sein. Den Rest machen meine Finger. Das hat mich die Kramer Baretta gelehrt, 1 Humbucker und 1 Volumeregler, so ist nach wie vor meine Traumbestückung. Ich spiele die 15 Watt Version der ersten Nighttrain Serie von VOX, der sieht aus wie ein sehr edler Toaster, kann genau eine Sache, aber die perfekt. Ich habe mittlerweile 4 oder 5 Stück davon, und kaufe ihn immer, wenn ich irgendwo zu einem fairen Preis sehe. Und geil aussehen muss Equipment, das ist ebenso wichtig wie der Klang.

Was denkst du über die Frage Röhrenamp oder Modeler?
ANDY: Das ist für mich keine Frage, ganz klar Röhrenamp. Ich verstehe die Faszination eines Kempers, und für eine Dopplung bei Aufnahmen kann man das auch gerne mal machen. Auch im Live-Geschäft ist das sicher eine große Erleichterung, aber ich würde immer einen Bio-Amp bevorzugen, zumal so ein Kemper echt hässlich ist. Deswegen steht der bei allen Bands auch stets HINTER der Bühne. Meine Welt ist es nicht, aber klar, wenn man tourt und seinen Sound auf einem USB-Stick immer dabei hat, ist das hilfreich. Aber solange es old school geht, mache ich es old school.

Welche Gitarren und Amps benutzt du für Aufnahmen?
ANDY: Unser Album „Süden“ habe ich auf meiner Düsenberg 49er und einer Les Paul Custom von 1991 in Nikotinweiss, die im Studio in Castellón rumlag, eingespielt. Unser anderer Gitarrist Thilo Hornschild hatte seine geliebte D´Angelico mit, hat aber auch die Paula benutzt. Wir haben keine Spuren gedoppelt, man hört eine Spur von mir links, und Thilo einmal rechts. Keine Overdubs. Allerdings haben wir beide durch jeweils fünfs voll aufgerissene Amps (2 x Vox, Marshall, Mesa Boogie, Sovtek) gleichzeitig gespielt, und daraus im Mix eine unfassbare Gitarrenwelt erschaffen. Das war die Idee unseres Produzenten Uwe Hoffmann und hat wunderbar funktioniert. Es ist ein echt lautes und furioses Gitarrenalbum geworden.

Wenn du nur eine einzige Gitarre auswählen dürftest, welche würdest du nehmen?
ANDY: Das wäre ganz klar meine silberne Düsenberg Starplayer. Was die schon alles er- und überlebt hat ist der Wahnsinn. Die hänge ich mir um und sie wird ein Teil von mir, der mir alles verzeiht und mich nie im Stich lässt. Die beste Gitarre, die ich je hatte und absolut unersetzbar.
















