In dieser Artikel Serie geht es um das Handwerkzeugs beliebter Gitarristen. Welches sind ihre Lieblingsgitarren und wie ist ihr Bezug dazu. Diesmal mit Tim George (WUCAN).

Wann hast du mit dem Gitarre spielen angefangen und kannst du dich noch an deine erste Gitarre erinnern?
Angefangen habe ich mit 13 Jahren auf einer Akustikgitarre, die mir damals ein Onkel geliehen hatte. Ich bin mir nicht mehr ganz sicher, ob das eine Fender oder eine Yamaha war, jedenfalls nichts Außergewöhnliches. Auf der Klampfe habe ich eine Menge Riffs meiner damaligen Helden gelernt, Metallica, Nirvana, Deep Purple, Hendrix – Was man als frischer Rockmusik-Jünger in diesem Alter halt so hört. Die erste eigene Gitarre war dann eine Yamaha Pacifica 112. Natürlich musste die erste eigene auch gleich eine Elektrische sein. Eigentlich wollte ich eine Epiphone SG für den doppelten Preis haben, da ich die Form „cooler“ fand. Ich wusste ja noch nichts über Gitarren und kannte den Unterschied zwischen Single Coil und Humbuckern noch nicht. Meine Eltern waren jedoch damals der Meinung, dass wir nicht so viel Geld für eine „Profi“-Gitarre ausgeben können.

Ist diese Gitarre noch in deinem Besitz?
Die Akustische ging wieder zurück an meinen Onkel, aber die Yamaha habe ich bis heute, auch wenn ich sie kaum noch spiele. Leider hat sie das Alter nicht so gut weggesteckt und ist derzeit in einem miserablen Zustand. Der Hals ist verzogen, die Schrauben der Tremolo Kralle haben sich aus dem Holz gelöst und die Elektronik müsste auch mal überholt werden. Dennoch hänge ich an der Gitarre und werde sie sicher irgendwann komplett restaurieren. Wer weiß, vielleicht wird sie auch die erste Gitarre für den eigenen Nachwuchs, wenn er sich denn für das Musik machen interessiert.

Was sind deine musikalischen Einflüsse und welche Gitarristen sind deine Favoriten?
Meine Einflüsse sind zu zahlreich, als dass ich hier alle aufzählen könnte. Ich war nie der Typ, der sich auf eine Musikrichtung beschränkt hat. Egal ob Rock, Pop, Country, Metal, Funk oder Elektro, wenn die Musik kreativ ist und mir etwas Neues bietet, sei’s kompositorisch oder einfach nur vom Sound her, dann kann ich ihr etwas abgewinnen. Ich denke, dass das auch ein wichtiger Faktor für meine eigene musikalische Entwicklung war. Jede Stilistik, mit der ich mich beschäftigt habe, hat mein Repertoire erweitert und mir neue Werkzeuge für mein eigenes Gitarrenspiel gegeben. Dabei lohnt es sich auch, über den Tellerrand zu auf andere Instrumente zu schauen. Nur als Beispiel, der Großteil des Country-Gitarrenstils besteht daraus, andere Instrumente wie Banjo oder Pedalsteel-Techniken zu imitieren. Oder wenn man sein Rhythmusspiel verbessern möchte, sollte man sich mit den Drummern auseinandersetzen, die man besonders gerne mag und deren Stil versuchen zu verstehen. Ein besonders prägender Einfluss ist sicherlich Jimi Hendrix gewesen, durch den ich gelernt habe Rhythmus und Lead Gitarre miteinander zu verbinden. Hey Joe ist zum Beispiel einer dieser Songs, die einen da weiterbringen. Als Anfänger dachte ich immer, dass ich so etwas nie spielen können werde, aber ich habe trotzdem nicht lockergelassen und es immer wieder versucht. Heute weiß ich, dass das die richtige Herangehensweise war und dass man fast alles spielen lernen kann, wenn man nur lange genug daran bleibt. Gitarren Voicings sind für mich auch ein wichtiges Thema, wo ich mir viel von anderen Gitarristen abgeschaut und gelernt habe. Z.b von Jimmy Page, besonders bei The Rain Song. Das war für mich immer der schönste Led Zeppelin Song überhaupt, weil mich die Gitarren Harmonien einfach zutiefst berührt haben. Heute würde ich als wichtigsten Gitarristen auf jeden Fall Buck Dharma von Blue Oyster Cult nennen. Seine Riffs und Soli zählen für mich zu den kreativsten im Genre. Und obwohl alles von BOC so unterschiedlich ist, merkt man doch irgendwie immer, dass er an der Gitarre ist. Genau das will ich als Gitarrist auch erreichen.

Wie viele Gitarren besitzt du und welche sind deine Favoriten?
Ich besitze neben der bereits erwähnten Yamaha noch 2 weitere Gitarren. Meine Hauptgitarre, eine Düsenberg Starplayer TV und eine Hagstrom III „Futurama“, welche vermutlich irgendwann zwischen 1964-1966 gebaut wurde. Früher hatte ich noch eine Epiphone Les Paul „Black Beauty“ mit 3 Tonabnehmern. Leider wurde damals bei uns im Proberaum eingebrochen und die Gitarre geklaut. Echt mal, Leute. Wenn ihr schon klauen müsst, dann doch bitte nicht von Musikern, wir haben auch kein Geld! Und Musikmachen ist echt teuer. Wo wir gerade beim Thema sind: Ich hatte nie das Geld oder den Platz, um groß Gitarren oder Verstärker zu sammeln. Nachdem mir meine Epiphone geklaut wurde, habe ich die Düsenberg gekauft und ich hatte seitdem nicht das Gefühl, dass ich noch eine Gitarre bräuchte. Durch die Pickup Kombination ist die Gitarre extrem vielseitig und kann von fettem Blues Solo in der Hals Position über Country Twang bis Heavy Metal mit dem Humbucker alles bedienen.

Was meinst du macht die perfekte Gitarre oder Verstärker aus?
Es gibt sicher Faktoren die für jede Gitarre wichtig sind, Verarbeitungsqualität, Bespielbarkeit, und sicher auch zu einem gewissen Teil das Aussehen, zumindest wenn man vor hat, damit auf die Bühne zu gehen. Aber wenn man von einer soliden Grundqualität mal ausgeht, dann ist das, was eine Gitarre für mich perfekt macht, dass sie mich meine Musik, meine Ideen einfach ausdrücken lässt und mir nicht im Weg steht. Im Grunde soll die Gitarre in Kombination mit dem Verstärker (und vielleicht noch den richtigen Pedalen) genau die Vorstellungen aus meinem Kopf in Klang übertragen können. Ich merke das immer besonders bei Jam Sessions, wenn ich auf fremden Instrumenten spiele. Da gibt es Klampfen, da haben vor mir schon zig Gitarristen darüber gespielt und die klangen alle grandios, doch ich selbst kann der Gitarre einfach keinen richtig guten Ton entlocken. Und manchmal sind da unscheinbare Instrumente, die einfach eine Magie entfachen können, sobald man sie in die Hand nimmt. Ich glaube nicht, dass ich das in irgendwelche einzelnen Faktoren zerlegen kann. Es ist viel mehr die Summe aller Eigenschaften einer Gitarre, die diese am Ende für einen selbst „perfekt“ macht.

Was denkst du über die Frage Röhrenamp oder Modeler?
Ich bin gewiss kein Röhren-Fanatiker, obwohl ich selber eigentlich fast immer nur Röhren Amps gespielt habe. Ich denke, dass beides seine Daseinsberechtigung hat und es immer auf die Musik und den Musiker ankommt, was für einen die bessere Wahl ist. Die ganze Modellingtechnologie ist mittlerweile so gut, dass man da kaum noch einen Unterschied hört, zumindest wurde mir das gesagt. Ich habe selbst noch nie einen Modelling Amp gespielt. Für mich persönlich sind Modelling Amps einfach „zu viel“. Ich mag die Restriktion, die mir mein Amp aufzwingt. Sie verhindert, dass ich stundenlang damit beschäftigt bin, Sounds zu basteln und zwingt mich dazu, mich mit dem Wesentlichen zu beschäftigen: Dem Musikmachen. Für andere mag das genau der überzeugende Punkt sein, mich schreckt es eher ab. Eine andere Sache ist, dass mir Modelling Amps vermutlich einfach zu „Hi-Fi“ wären. Ich meine, es ist sicherlich auch möglich den alten räudigen Marshall Amp vom Dachboden des Opas zu modellieren, aber ich denke, die meisten der Modelle sind eher sehr perfekte Varianten der originalen Vorbilder. Ich mag es eher etwas dreckiger. Es darf gerne ein wenig rauschen und brummen, das gibt dem Gesamteindruck Authentizität und Charme. Wenn ich da eine perfekte digitale Kopie ohne Macken spielen würde, würde sich das für mich einfach nicht „richtig“ anfühlen.

Welche Gitarren und Amps benutzt du für Aufnahmen?
Die meisten Parts spiele ich über mein Haupt-Setup ein: Die Düsenberg mit möglichst wenig Pedals direkt in meinen Orange Dual Terror. Ich liebe einfach den Dual Terror, weil er nicht wirklich den typischen Orange Sound hat, sondern etwas ganz Eigenes mitbringt. Das reicht als Fundament mit Bass und Schlagzeug dann meist schon völlig aus. Bei den Overdubs experimentiere ich dann mit allem, was ich mir irgendwie organisieren kann, um die beste Kombination für den Songs zu finden. Auf den ersten beiden Alben habe ich viel mit einer Fender Stratocaster und einem Vox AC30 eingespielt. Auf dem letzten Album habe ich besonders für Solos häufig die Hagström eingesetzt und als Amp hatten wir noch einen Marshall JCM 800 für rotzigere Sounds, einen Musicman Amp für cleane Sachen und einen Marshall Origin im Einsatz. Ich bin eigentlich kein Marshall Freund, aber der Origin hat mich wirklich positiv überrascht. Er klang nicht wie ein moderner Marshall und wie mein Orange auch nicht „typisch“, was aber sicherlich auch ein bisschen daran lag, dass er von dem Besitzer in eine Orange 1×12 Combo eingebaut wurde und mit sehr guten Speakern ausgestattet wurde. Mein Tontechniker in Leipzig war auch direkt so begeistert von dem Gerät, dass er er gleich abgekauft hat.
Wenn du nur eine einzige Gitarre auswählen dürftest, welche würdest du nehmen?
Ganz klar meine Düsenberg. Das war damals Liebe auf den ersten Blick und ist es bis heute.
Photo Credits: ruby – Ruby Gold, retz – Hanna Retz, roncken – Guido Roncken













