In dieser Artikel Serie geht es um das Handwerkzeugs beliebter Gitarristen. Welches sind ihre Lieblingsgitarren und wie ist ihr Bezug dazu. Diesmal mit Chris Lyne (Mother Road, ex- Soul Doctor).

Wann hast du mit dem Gitarre spielen angefangen und kannst du dich noch an deine erste Gitarre erinnern?

Na klar, dass war so mit ca. 11 Jahren glaube ich. Meine Eltern konnten es wohl nicht mehr mit ansehen, wie ich immer mit dem Besenstiel vor dem Spiegel herumgehüpft bin…lol. Deswegen bekam ich zu Weihnachten eine Klassik Gitarre mit Nylonseiten und zu meiner damaligen Enttäuschung leider keine E-Gitarre. Heute bin ich froh darüber das ich auf dieser Gitarre gelernt habe Songs zu spielen und zu singen und nicht gleich mit der E Gitarre angefangen habe nur Solos von anderen auswendig zu lernen. Meiner Meinung nach liegen die Basics ganz klar auf der Akustischen Gitarre und man bekommt auch einen guten Ton in die Finger. Meine damalige Gitarrenlehrerin brachte mir bei schwierige Sachen zu spielen und gleichzeitig zu singen. Bis sie dann irgendwann zu mir sagte, Chris ich kann Dir einfach nichts mehr beibringen 😉 Ich glaube, Ich habe dadurch auch immer mehr auf Songwriting geachtet, bevor ich an irgendein Solo denke. Der Song hat bei mir absolute Priorität!

Ist diese Gitarre noch in deinem Besitz?

Leider nein, ich weiß ehrlich gesagt auch nicht mehr, wo sie geblieben ist. Aber meinen ersten Gitarrenverstärker habe ich noch, einen YAMAHA JX 20 Transistor Combo.

Was sind deine musikalischen Einflüsse und welche Gitarristen sind deine Favoriten?

Ich denke meine Liebe und Leidenschaft für Musik und Inspiration gehört und kommt sicherlich von all den Bands der British Blues Invasion, aber ich liebe auch all das Soul- und Motown-Zeug und meine musikalischen Einflüsse haben ein breites Spektrum und keine musikalischen Grenzen. Nun, ich denke, die beste Musik wurde in den 70ern geschrieben. Meiner Meinung nach war diese Zeit voll von unglaublichen und produktiven Songwritern. Die Bands aus diesem Jahrzehnt haben alle Persönlichkeit und Wiedererkennungswert. Das ist es, was ich immer angestrebt habe. Ich meine, ja, man muss sein Instrument beherrschen, aber letztendlich dreht sich alles um die Songs. Musik muss mich fesseln und bewegen, egal welches Genre. Auch wenn ich natürlich gleich ein paar Vorbilder nenne, werde, so habe ich jedoch nie versucht irgendjemanden zu kopieren, sei es nun seine Art zu spielen oder seinen Sound zu emulieren. Das geht eh nicht da der Ton zu 80 Prozent aus den Händen kommt, egal was für eine Gitarre oder Amp du benutzt. Deswegen habe ich immer versucht ich selber zu bleiben, auch ohne meine Einflüsse zu verleugnen. Was die Gitarristen betrifft, waren wahrscheinlich meine größten Einflüsse Jimmy Page, Paul Kossoff und später John Sykes Nicht nur wegen ihres großartigen Talents und Gitarrenspiels, sondern auch wegen ihrer Fähigkeit, einen mit Musikalität zu bewegen.

Wie viele Gitarren besitzt du und welche sind deine Favoriten?

Ich glaube es waren schon mal 20 oder 25 Stück, aber irgendwann habe ich mich von ein paar Gitarren getrennt und meine Auswahl auf, die begrenzt die ich eigentlich immer spiele. Da wären u.a diverse Gibson, Fender und auch Gretsch sowie Akustische Takamine und Gibson. Ich bin schon der klassische Les Paul Spieler und meine Gibson Les Paul R8 würde ich als meine Lieblingsgitarre bezeichnen, diese Gitarre klingt, wie keine andere und ich habe lange gesucht, bis ich genau dieses Instrument gefunden habe. Den auch hier ist keine wie die andere 😉 Ansonsten wären da noch meine Gibson Goldtop R6, mit den P90 Pickups eine ganz andere Nummer, aber ebenfalls großartig. Als drittes würde ich meine Schwarze Gibson Les Paul Standard nennen. Diese Gitarre war lange Zeit meine Main Gitarre die mich auf allen Touren etc. begleitet hat, da hängt auch viel Herzblut dran. Bei den Acoustic Gitarren würde ich meine Gibson J185 als mein Favorit bezeichnen.

Was meinst du macht die perfekte Gitarre oder Verstärker aus?

Die perfekte Gitarre für mich muss schon ohne Verstärker sehr gut klingen. Resonant und offen, denn das Holz macht den Ton. Wenn du dann noch die richtigen Pickups und Elektronik drin hast die den Ton verstärkt rüberbringen können, kann nichts mehr schief gehen! Die Bespielbarkeit ist natürlich wichtig, aber immer relativ, da jeder eine andere Spielweise hat. Bei den Amps ist es ähnlich, es gibt viele gute Amps von verschiedenen Herstellern je nach dem was man für einen Sound haben will. Ich bevorzuge Amps die einem nichts verzeihen…lol. Die nicht so stark komprimieren, offen klingen und laut sind ;-)))

Was denkst du über die Frage Röhrenamp oder Modeler?

Ganz klar Röhrenamp !!! Von digitalen Amps halte ich so gar nichts, da sie einfach keine Seele haben und der Sound steril ist. Dein Sound setzt sich aus der Gitarre dem Amp und deinem Spiel zusammen, Ein digitaler Amp ist da einfach nicht für geeignet. Auch wenn ich natürlich verstehe, wenn manche Gitarristen aus Logistik Gründen oder was auch immer auf diese Technik zurückgreifen. Muss jeder für sich selber entscheiden, mein Ding ist das überhaupt nicht!

Welche Gitarren und Amps benutzt du für Aufnahmen?

Oh, das variiert schon manchmal von Song zu Song oder Projekt, je nachdem was man für einen Sound haben möchte. Da ich auch relativ viele Sachen im Studio mache die nichts mit Rock Sound zu tun haben, muss man da spielerisch wie auch im Sound schon flexibel sein. Live spiele ich meistens meine Gibson Les Paul R8 oder meine R6 und meine alten Mesa Boogie Rectifier. Beide sind übrigens Rev.C und werden als The Holy Grail bezeichnet. Es gab nur 220 Stück davon und ich habe zwei mit 100er Seriennummer. Der Sound ist nicht vergleichbar mit den Rectifier Modellen, die danach rausgekommen sind. Sie klingen einfach unglaublich! Ein paar Jahre war ich Randall Endorser und habe Live die Amps der MTS Serie gespielt, die Amps waren mit den verschiedenen Vorstufen Modulen sehr flexibel und klangen sehr gut, bei den Boxen habe ich allerdings nur das Logo an meinen Mesa Rectifier Boxen gemacht, weil es kein Randall Box gab, die mir gefallen hat. Im Studio kommen dann auch des öfteren meine Telecaster oder Strat zum Einsatz. Auch die Amps sind je nach Song andere. Zum Beispiel mein Linnemann Blues Reverb „großartiger Amp“ und div. Pedale. Wie gesagt hängt davon ab welchen Sound man bei bestimmten Songs haben möchte. Auf dem letzten MOTHER ROAD Album habe ich auch noch einen Bogner Goldfinger im Einsatz gehabt. Wenn ich mehr als eine Gitarre in einem Song aufnehme, benutze ich im Übrigen nie die gleiche Gitarre. Das Einzige was im Studio fast immer im Einsatz bleibt, ist eine alte Marshall Box von 1968 über die ich fast alle Gitarren recorde! Nur die Mikrofonierung variiert halt je nach Sound.

Wenn du nur eine einzige Gitarre auswählen dürftest, welche würdest du nehmen?

Ganz klar Meine Gibson Les Paul R8 !!!

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