In dieser Artikel Serie geht es um das Handwerkzeugs beliebter Gitarristen. Welches sind ihre Lieblingsgitarren und wie ist ihr Bezug dazu. Diesmal mit Adriano BaTolba.

Wann hast du mit dem Gitarrenspielen angefangen und kannst du dich noch an deine erste Gitarre erinnern?
Ich habe mit 12 Jahren angefangen Gitarre zu spielen. Meine erste Gitarre war eine Westerngitarre der Marke Melody. Das ist, so weit ich weiß ein italienischer Hersteller von Budget Gitarren der in den 80er Jahren recht populär war, bevor Gitarren aus Asien dieses Segment besetzt haben. Die Saitenlage ist natürlich abenteuerlich, aber es war meine erste eigene Gitarre.
Ist diese Gitarre noch in deinem Besitz?
Ja, ich besitze sie immer noch. Aber sie wird natürlich nicht mehr wirklich gespielt…
Was sind deine musikalischen Einflüsse und welche Gitarristen sind deine Favoriten?
Mein frühster musikalischer Einfluss war sicherlich Scotty Moore. Als 8 Jähriger sah ich im TV die Dokumentation „Elvis – die frühen Jahre“ und da war mir klar, dass ist die Musik, die ich machen möchte. Also zog ich los und kaufte mir meine erste Elvis Platte. Das waren dann auch die Songs, die ich spielen wollte, als ich mit dem Gitarrenspiel begonnen habe. Später kam dann natürlich Brian Setzer von den Stray Cats als Einfluss hinzu. Während meines Jazz-Gitarrenstudiums am Konservatorium von Amsterdam habe ich mich natürlich viel mit Jazz Gitarristen wie zB Wes Montgomery oder Kenny Burrell befasst. Bluesgitarristen haben mich aber ebenfalls sehr beeinflusst. Allen voran Robben Ford, den ich sehr verehre.

Wieviele Gitarren besitzt du und welche sind deine Favoriten?
Ich besitze um die 25 Gitarren. Mein Favorit ist meine 1959er Gretsch 6120, die ich 1989 in London gekauft habe. Seit dem hat mich dieses Instrument bei allen wichtigen Ereignissen begleitet. Ich habe meine Aufnahmeprüfung und mein Examen am Konservatorium auf ihr gespielt genauso wie das komplette erste Dick Brave Album, große Teile der Adriano BaTolba Orchestra und Trio Alben und natürlich live bei Rock am Ring, auf der Hochzeit von Pink etc… Vor ein paar Jahren brauchte die alte Lady leider einen Neck-Reset und glücklicherweise konnte ich in Melbourne einen ’62 Hals erstehen und Stefan Zirnbauer von der Munich Guitar Company hat die „Herz-LungenTransplantation“ erfolgreich durchgeführt. Die ganze Story wurde im April 2020 in Gitarre und Bass abgedruckt. Ich habe auch noch eine Green Tiger Flame 6120, welche die Leute von Gretsch netterweise für mich gebaut haben und die es daher so nicht zu kaufen gibt. Das ist mein Workhorse, die ich quasi auf allen Tourneen mitnehme… Weiter kommen neben weiteren Gretsches (White Falcon, Silver Jet, Rancher) immer mal wieder meine 1966 Telecaster und meine 1959 (Reissue) Strat zum Einsatz. Im Bereich Akustik Gitarren verwende ich meine Martin Triple O oder falls mehr ein Jumbo Sound gefragt ist meine Lowden O10.

Was meinst du macht die perfekte Gitarre oder Verstärker aus?
Ich glaube nicht daran, dass es die eine perfekte Gitarre gibt, die alles abdeckt. Vielmehr glaube ich, dass jedes Instrument seine Stärke und Berechtigung hat. Für Rockabilly ist meine ’59 Gretsch ziemlich unschlagbar. Wenn es aber mal nach Hendrix klingen soll, landet man unweigerlich bei einer Strat. Robben Ford sagte mir mal, dass man den Amps und Instrumenten auch die Chance geben muss sich zu entwickeln. Wenn man alle paar Wochen das Set-Up ändert, wird man nie einen guten Sound bekommen, meinte er. Ich glaube, da ist was Wahres dran. Für mich habe ich herausgefunden, das ein Fender Röhren Amp und eine meiner oben genannten Gitarren schon die halbe Miete ist. Dann noch ein Roland Space Echo (201 oder 301) und es kann nicht mehr viel schief gehen. Die anderen 50% des Sound kommen meines Erachtens sowieso aus den Fingern. Auch deshalb spiele ich zu großen Teilen seit Jahrzehnten das selbe Set-Up…

Was denkst du über die Frage Röhrenamp oder Modeler?
Was für Gitarren gilt, gilt genauso für Amps und im übrigen auch für Effekte. Daher bin ich überhaupt kein Freund von Modelling Amps oder Multieffekten. Die sind sicherlich gut und können total viele Sounds imitieren. Aber halt nie zu 100%. Mein 1964 Bandmaster hat genau 1 Sound – aber der ist Killer! Wenn ich den mal nicht so verwenden möchte, dann nehme ich einen anderen Amp – zB meinen Custom Vibrolux. Ich kenne einige Kollegen, die davon begeistert sind, wie vielseitig zB der Kemper ist… Ich kann da nicht so viel mit anfangen. Andererseits bewege ich mich auch nicht in einem musikalischen Umfeld, wo eventuell 20 verschiedene Gitarrensounds an einem Abend gefragt sind…

Welche Gitarren und Amps benutzt du für Aufnahmen?
Für Rockabilly ist das Set-Up im Studio eigentlich fast immer: ’59 Gretsch in Roland Space Echo in ’64er Bandmaster und dann – aufdrehen! Gerade habe ich ein SwingAlbum für Peter Kraus produziert. Da habe ich im Studio eine L5 gespielt… Wenn ich mit Albie Donnelly’s Supercharge unterwegs bin, ist da bevorzug meine Tele im Wechsel mit der Strat und dem Vibrolux im Einsatz…
Wenn du nur eine einzige Gitarre auswählen dürftest, welche würdest du nehmen?
Das wäre dann meine ’59 Gretsch 6120













