Guitar Special Vol.2 mit Axel Heilhecker

In dieser neuen Artikel Serie geht es um das Handwerkzeugs beliebter Gitarristen. Welches sind ihre Lieblingsgitarren und wie ist ihr Bezug dazu. Diesmal kommt Axel Heilhecker und seine Gibson SG Les Paul 1962 zum Zuge. Axel hat einiges mit dieser speziellen Gitarre erlebt und die Story dazu zu Papier gebracht. Viel Spaß beim Lesen seiner spannenden Story dazu.

My First Les Paul. Meine erste Elektro-Gitarre war eine Hagström H II N in Cherry Red, im Look fast einer Gibson SG ähnelnd. Das war so um 1972 herum. Sie wurde von mir zunächst über ein altes Röhrenradio, dann später, noch in meiner Schülerband “Meier“ (mit dabei waren Hans und Wolf Maahn), mittels einem soliden VOX AC 30 plus Rangemaster und Copycat verstärkt. Die Hagström hat einen eigenen Sound, weder Strat noch SG alike. Damals kam es mir so vor, als wäre der Sound meiner Helden, Jerry Garcia und Mick Taylor nicht weit entfernt, jedenfalls passte er sich gut in die Jam Band Abenteuer der damaligen Band ein. Drei Jahre später, 1975, gab es dann das AHA-Erlebnis. Winfried Beyer, der wenig später seinen Gitarren-Laden in Bochum startete, tauchte im Band-Umfeld öfters mit gebrauchten Gitarren auf, die er irgendwo aufgelesen und für gut befunden hatte. Meine erste Gibson zum Beispiel, eine ES330 fand ich bei ihm, er bot mir auch einmal eine ‘59er Les Paul Custom an, für die ich mich jedoch nicht begeistern konnte, eine enorm voluminöse, aber leider schwer zuspielende Gitarre, “The Frettles Wonder“! Das Highlight war dann meine erste Les Paul, besagte SG Les Paul von 1962. Die hatte Winnie in einem New Yorker Pawn Shop entdeckt. Leicht modifiziert mit einem flacheren Steg aufgrund des flacheren Halswinkels, ähnlich einer converted ’52er Goldtop, brachte sie auf Anhieb den klassischen großen Ton meiner Helden. Hier schlug die Ära der Holy Grail-Gibsons voll durch für 1000,- D-Mark! Diese Gibson war eine werksmäßige Version mit Bigsby Trem, entsprach somit der Gitarre, die man mit Mick Taylor während seiner Stones-Phase assoziiert.

Sie klingt sehr holzig, rund mit tollem Breakup. Die original PAFs sind voluminös, 7,8KOhm am Steg, 9KOhm am Hals. 50’s Wiring ist obligatorisch, beim Zurückdrehen der Tonepotis wird der Ton insgesamt ausgedünnt, die konzentrierte Höhenbedämpfung setzt erst ab circa Position 3 ein. Das Bigsby-Trem ist natürlich nicht so extrem, komfortabel und stimmstabil wie ein Strat-Trem. Aber ich mag den Effekt dieser leichten Modulation sehr gerne, sie ist typisch für dieses SG-Modell. Das Tuning ist bei sachgemäßer Handhabung auch stabil. Ich habe mich immer gefragt, welches Vorleben die Gitarre wohl hatte? Wie dem auch sei, mein gesamtes professionelles Musikerleben hat sie auf jeden Fall begleitet.. Angefangen von den Aufnahmen beim WDR und dem damit verbundenen Chartserfolg, der meiner “Foodband“ einen Plattenvertrag beim PYE-Label einbrachte. Besitzer des Labels war David Platz, gleichzeitig Verleger von den Stones, David Bowie, The Who etc., insofern großes Kino für unsere Band. Wir nahmen im Londoner Roundhouse-Studio auf, parallel im Wechsel mit…: Motörhead! Lemmy’s Gang nahm dort ihr erstes Album auf, produziert von Jimmy Miller (Stones, SpookyTooth…) Mein Gitarrensound kam dort zu meiner Freude und Überrasching gut an. Wir spielten so “Pi mal Daumen“ L.A. Rock ala “Steely Dan“ oder “Hall&Oates“ und meinen Sound entwickelte ich mit der SG, einem MXR Distortion Plus und einem Orange Overdrive Amp. Der beste gefühlte Sound war jedoch der MXR kombiniert mit meinem alten AC30. Der währte jedoch nur 2 Minuten, dann ging der geliebte Amp in Flammen auf. In diesem Zyklus spielten wir auch einige Gigs in England. Zum Beispiel auch im Londoner Marquee Club, wo fünf Jahre zuvor, 1971, Mick Taylor mit den Stones und eben dieser SG einen legendären Auftritt hinlegten. Nach dem Gig machte mir ein Typ Komplimente, und es stellte sich heraus, dass es Jeff Beck’s “Blow By Blow“ Trommler Simon Phillips war (Schluck!).Diese Londoner Zeit war rundum sehr wesentlich für mich. Zurück in BRD erlebte ich bei manchen Studio-Jobs tatsächlich, dass Toningenieure den Ton einer verzerrten Gitarre nicht verstanden. Die meinten dann, der Ton würde irgendwie kaputt klingen. Aber die Zeiten änderten sich, wurden wilder und offener. Die 68er setzten sich langsam durch, verzerrte Gitarren waren erlaubt, und sogar diverse Ex-Nazis mussten ihre Posten räumen. Meine geliebte SG erlebte allerdings bald einen GAU, und zwar an ihrem neuralgischem Schwachpunkt. Im Gegensatz zu den späteren Gibson SG Modellen ab ‘64 ist ihr Body recht schmal und der Hals/Korpusübergang sehr knapp angesetzt. Wenn ein Bassist (wer sonst?) nun über ein noch in der SG eingestöpseltes Kabel stolpert und die Gitarre hinknallt, ist es sehr leicht möglich, dass sie an dieser Stelle auseinanderbricht. So war’s bei mir.Zum Glück fügten sich die Teile wieder gut zusammen und konnten geleimt werden. Infolge benutzte ich die zusammengeflickte SG, die nicht mehr so offen wie vorher klang, während der 80er Jahre jedoch nur noch sporadisch und konzentrierte mich auf robustere Naturen, Strats und stratähnliche Typen mit verschraubten Hälsen. Dazu versuchte ich mir dann und wann einzureden, dass ich die schon relativ Gibson SG ähnlich klingenlassen könnte. Bei diesen Unternehmungen lernte ich viel über Sound und entsprechende Zutaten.Irgendwann in den 90ern brach die SG an der verleimten Stelle auf einmal auseinander, und sie und ich hatten großes Glück, dass es Thorsten Schmidt, einem Leverkusener Gitarrenbauer gelang sie anscheinend für die Ewigkeit wiederherzustellen, jetzt auch mit originalem Klangvolumen. Das funktioniert hervorragend, immerhin seit 25 Jahren.Gerade bei meinem aktuellen Album “Book Of Shelter“ habe ich das 62er Juwel extensiv gespielt, hauptsächlich neben meiner 67er Tele – Glimmer Twin Kombi eben!

http://www.axelheilhecker.com/my%20worldpool/axelheilhecker-myworldpool.html

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