In dieser Artikel Serie geht es um das Handwerkzeugs beliebter Gitarristen. Welches sind ihre Lieblingsgitarren und wie ist ihr Bezug dazu. Diesmal mit Armin Sabol.

Wenn man wie ich seit ungefähr 40 Jahren als Profi arbeitet, kommt einiges an Instrumenten zusammen. So habe ich über 30 Gitarren, allerdings sind beileibe nicht alle wertvoll. Erstens bin ich kein Sammler alter Gitarren. Zweitens habe ich die Erfahrung gemacht, dass es sowohl bei günstigen, im mittleren Segment angesiedelten aber auch den sehr teuren Gitarren Instrumente gibt, „bei denen alles passt“ oder auch welche, die zwar ok sind, aber trotzdem irgendwie leblos klingen. Holz ist eben ein lebendiges Material mit individuellen Eigenschaften und daher deutlichen Unterschieden, selbst bei identischer Holzart. Deswegen können sich auch bei einer günstigen Gitarre alle Komponenten zufällig zu einer tollen Klampfe ergänzen, während das bei manch teurem Modell nicht der Fall ist – obwohl eigentlich alles auf höchstem Niveau gefertigt wurde. Den „Vodoo“ einer Gitarre mit 5- oder gar 6-stelligem Preis kann ich jedenfalls nicht nachvollziehen. Zumindest die superteuren Gitarren, die ich schon in der Hand hatte, waren m.E. den horrenden Preis kaum wert. Diese landen daher regelmäßig als Spekulationsobjekt bei vermögenden Sammlern, die oft selbst höchstens leidlich spielen können. Die Jungs, die Strats, Teles oder Les Pauls in den 60ern oder 70ern durch ihre meisterhaften Darbietungen auf Welthits – oft ohne es zu ahnen oder posthum – zum „Heiligen Gral des Gitarrenbaus“ erhoben haben, kauften diese bekanntlich meistens von der Stange oder gebraucht im Pfandleihhaus.

Zwei meiner Gitarren haben aber für mich eine herausragende Bedeutung. Ich möchte ihnen deswegen ein paar Sätze widmen.

  1. Meine 1974er Fender Stratocaster in Olympic White.

Wobei vorneweg gesagt sei, dass die Gitarre, wie man sieht, in Puncto Farbe in den knapp 50 Jahren ihrer Existenz arge Federn lassen musste. In den 80ern versehentlich einmal zu scharf gereinigt war der Lack dahin. Seitdem wechseln sich, je nach dem Abrieb der Stelle, vergilbt und ganz weiß ab. Doch zur Geschichte: Als 14-Jähriger war mir klar, dass nach zwei drei einfacheren Instrumenten nun eine erste „richtige Gitarre“ hermusste. Nachdem ich im Woodstock-Film Jimi Hendrix‘ Version der amerikanischen Nationalhymne gesehen und gehört (!) hatte, war klar: Es musste eine Fender Stratocaster sein! Da meine damaligen weiteren Helden Robin Trower wie auch Uli Jon Roth von den Scorpions beide ebenfalls ihren mächtigen Sound aus Modellen in Olympic White herausholten, war klar: Es musste eine weiße sein! So stand ich im Musikhaus Radio Barth in Stuttgart genau vor so einem Modell, allerdings mit schwarzem Pickguard und schwarzen Pickupkappen. Einmal angespielt war ich wie vom Donner gerührt. Das war sie, meine Gitarre!! Sie wollte nicht nur zu mir, nein, sie musste zu mir! Das einzige Problem war, dass sie mit DM 1750.- ausgezeichnet war. Als armer Schüler hatte ich aber – obwohl ich alles zusammengekratzt hatte, was nur irgend möglich war – nur 1350.- DM in der Tasche. So blieb mir nach dem Anspielen nichts anders übrig, als wie angewurzelt stehen zu bleiben und die angebetete Wunschgitarre einfach reglos anzustarren. Nach einer gefühlten Ewigkeit von mindestens einer Stunde winkte mich der Abteilungsleiter, Ottmar Haisch, zu sich. „Wieviel hasch denn dabei?“ fragte er mich und willigte zu meiner Überraschung ein, sie mir für 1350.- zu verkaufen. Auch der Koffer war dabei. Sogar das schwarze Pickguard haben mir die Mitarbeiter wunschgemäß gegen ein weißes getauscht. Aus dem Laden herausspaziert kam kurz vor Feierabend der stolze junge Besitzer einer weißen Strat. Ich muss der glücklichste Teenager dieses Planeten gewesen sein. Diese Strat begleitete mich auf meinen ersten größeren Gigs, so z.B. im Vorprogramm von Colosseum II (mit Gary Moore) oder Whitesnake. Sie ist auf dem Titelstück „Vier gewinnt“ des gleichnamigen Albums der Fantastischen 4 zu hören, auf dem ich als Studiogitarrist mitwirkte. Ebenso auf den beiden ersten Alben von Peter Schilling inklusive „Major Tom (völlig losgelöst)“, an denen ich als Co-Producer und Gitarrist mitwirkte. Das markante „Klack, Klack“ ihres Anschlags der Gitarren-Achtel hat den Welthit mitgeprägt. Er ging nicht nur in Deutschland, sondern auch in den US-Dance Charts auf #1. „Major Tom“ brachte mir vier goldene Schallplatten ein. Auch in den frühen TV-Auftritten von Peter Schilling und Band, so z.B. in der ZDF-Hitparade (heute noch ein Renner auf YouTube), bin ich mit dieser Gitarre zu sehen. Auf meinem Album „Back in Blue“, das im April 2022 erscheint, ist sie allerdings lediglich auf der Nummer „One Trick Pony“ zu hören. Das liegt daran, dass ich seit langem ein Gibson-Spieler geworden bin und mir die Paula für einen fetten Bluesrocksound besser gefällt. Damit kommen wir zur zweiten Gitarre, die für mich eine herausragende Bedeutung hat. Und zwar

  1. Meine Gibson Les Paul Classic, Modell 2014

Obwohl ich mit meiner damaligen Hauptgitarre, einer Gibson Flying V, sehr zufrieden war, stachen mir Ende 2014 im Soundland in Fellbach zwei Les Paul Classic ins Auge. Obwohl es sich um Paulas des mittleren Preissegments handelte, hatte Gibson ihnen recht schön geflammte Decken spendiert. Ich konnte mich nicht entscheiden welche mir besser gefiel, die Tobacco oder die Cherry Sunburst. Der Verkäufer, Rodrigo „Rod“ Boanta, kannte mich gut und meinte ich solle einfach beide übers Wochenende mitnehmen und in Ruhe austesten. Zu Hause war der Fall klar. Das rote Modell klang, obwohl an und für sich baugleich, schon trocken definierter und voluminöser. Am Amp wurde es noch deutlicher. Wo die braune den angespielten Ton schon in den Tiefschlaf geschickt hatte, vibrierte er bei der roten noch eine halbe Ewigkeit weiter. Nicht dass wir uns falsch verstehen, beides waren gute Gitarren. Aber eine davon nochmals um Längen besser. So viel also zum Thema Specs auf dem Papier und dem Glück eine Gitarre zu erwischen, bei der „alles stimmt“. Seitdem ist diese Les Paul meine Hauptgitarre. Sie ist, nicht nur durch das Coil-Splitting und ihren 15db Boost, klanglich enorm vielseitig. Clean hat sie für meine Ohren genau jene schönen Präsenzen, die man von alten Les Pauls kennt. Verzerrt kommt genau jener Punch, den man sich von ihr wünscht. Sie spielt sich wie Butter und das Weight Relief entlastet mein armes Kreuz auch bei längeren Gigs. Soundmäßig macht sich für mich durch die Gewichtsreduzierung nichts negativ bemerkbar. Im Gegenteil, meine deutlich schwerere Les Paul Standard aus den 90ern habe ich später verkauft, weil mir die neue schlicht viel besser gefiel. Die meisten Songs meines Albums „Back in Blue“ habe ich daher mit dieser Gibson Les Paul Classic eingespielt. In den YouTube Videos der Vorab-Singles „Got Her In a Bag“ und „Going Down“ ist sie genauso zu sehen wie mit Sicherheit bei den kommenden Live-Gigs ab 2022.

www.arminsabol.com

https://de.wikipedia.org/wiki/Armin_Sabol

Armin Sabol „Got Her In A Bag“ Single und Video

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