Andy Timmons ist einer der großartigsten Rockgitarristen unserer Zeit. Sein Gespür für Melodien, Phrasierungen sowie sein tolles Songwriting ist einfach unglaublich. Legendär ist neben seinem Spiel auch sein Gitarrensound. Ähnlich wie auch ein Eric Johnson überlässt Andy Timmons in Sachen Sound nichts dem Zufall. Er geht in diesem Felde sehr akribisch vor uns lotet jeden Punkt in seiner Signal-kette bis zum Ultimativen aus. Besonderen Wert legt er auf sein Pedalboard. Als Verstärker nutzt Andy meist den Mesa Boogie Lonestar Amp, und hier gewöhnlicherweise nur den Clean Kanal. Seinen verzerrten Rhythmussound und auch seinen singenden Leadsound erzeugt er mit Pedalen. Für diesen Zweck ist sein Hauptpedal das JHS Pedals The AT+, welches er in enger Zusammenarbeit mit JHS selbst designt hat. Das kleine rote Pedal bietet neben der Zerrer Funktion auch noch einen Boost mit dem die Gain Reserven nochmals gepusht werden können.

Zum Test habe ich das Pedal an verschiedene Amps angeschlossen. Zum Einsatz kamen ein Laney Ironheart, ein EVH 5150 und ein Hughes & Kettner Statesman. Es wurde wie bei Andy auch der Clean Kanal der Amps genutzt. Als zusätzlicher Gain Boost vor einem bereits verzerrten Amp macht das Pedal keinen so guten Job und es matscht dort doch sehr. Das können Pedale wie der Boss Overdrive oder ein Tubescreamer viel besser, aber dafür wurde der JHS auch nicht gemacht. Ein neutral eingestellter schöner Röhren Clean Ton verwandelt sich durch aktivieren des JHS allerdings sofort in ein echtes Gain Monster mit deutlichen Marshall JCM 800 Genen. Das Pedal reagiert fast genau so wie eine edle Röhrenvorstufe. Der Sound des Pedales ist recht Mitten betont und auch die Bässe kommen mächtig fett rüber. Mit 2 Regler für den Höhenbereich ((„EQ“ und „Air“) lässt sich das Pedal perfekt an verschiedene Amps anpassen und ein Sweet-Spot ist schnell gefunden. Das Kompressionsverhalten lässt sich mit einem Mini-Kippschalter vorwählen (100W, 50W und 25W Endstufensimulation). Hier kommt es aber dann zu größeren Lautstärkesprüngen, welche mit dem Level Regler ausgeglichen werden können. Mir hat die 100 Watt Einstellung am besten gefallen, da hier mächtig Headroom freigesetzt wird. Mit dem rechten Fußschalter lässt sich zusätzlich ein Booster vorschalten, der einen schon sahnigen Crunchsound zu einem singenden Leadsound machen kann. Der Booster lässt sich auch allein benutzen und dieser hat einige Reserven, um den Amp schon etwas zu kitzeln und dem cleanen Sound etwas „Dirt“ hinzuzufügen. Zum Glück rauscht der AT+ im Vergleich zu anderen Zerrer Pedalen recht moderat und nicht weiter störend. Bei voll aufgedrehten Gain Poti matscht es ein wenig und es wird zu viel des Guten. Die besten Resultate bekam ich bei der 12 Uhr Einstellung, da hat man genug Zerre für schöne Riff und Rhythmus Geschichten, bei Bedarf gibt es dann durch den Booster die volle Kelle. Für fette Heavy Metal Riffs ist der AT+ allerdings nicht zu gebrauchen, einen Scoop Sound mit abgesenkten Mitten kann es nicht liefern. Aber das ist ja auch nicht Andy Timmons musikalisches Bestreben. Im Bereich der mittlerweile unüberschaubaren Auswahl an Overdrive Pedalen belegt das AT+ auf jeden Fall einen der obersten Ränge. Es liefert ohne wesentliche Schwächen einen richtig fetten, sehr natürlichen und atmenden „Tube Amp in a Box“ Sound. Der Preis dafür ist allerdings mit 285 Euro nicht von schlechten Eltern.

Delay und Echo sind bei Andy Timmons nicht nur ein gelegentlicher Effekt, sondern fester Bestandteil seines „Signature Sounds“. Auf diesem Gebiet forscht er schon sein ganzes Musikerleben nach dem perfekten Sound und hat wahrscheinlich schon alles auf dem Markt Verfügbare ausprobiert, um seinem Ideal vom perfekten Klang so Nahe wie möglich zu kommen. Früher hat er diesen speziellen Sound mit dem Zusammenschalten verschiedener Pedale (zum Beispiel dem legendären „Memory Man“, von denen er zwei hintereinander schaltete und noch zusätzlich Reverb dazu fügte) erzeugt. Dieses aufwendige Setup und dessen Settings war bislang nur sehr schwer nachzustellen. Nun gibt es mit dem Keeley Halo Pedal diesen Sound praktisch fertig eingestellt auf Knopfdruck. Aber nicht nur das kann das Halo liefern, es bietet zudem unzählige Delay und Echo Sounds und unglaublich viele Einstellmöglichkeiten. Alle Möglichkeiten des Pedals hier aufzuführen würde den Rahmen sprengen und auf YouTube gibt es zig teils sehr gute Videos die sich damit beschäftigen. Für mich war allerdings besonders das Andy Timmons Preset, also sein Signature Sound von Interesse. Dieser Sound wurde mit dem Halo Pedal so gut getroffen dass man es gar nicht mehr ausschalten möchte. In Verbindung mit dem JHS AT+ erhält man einen wirklich sagenhaften Leadsound. Das Echo fügt die Töne wunderbar zusammen und verdichtet den Gesamtsound zu einem echten Hörerlebnis, da will man gar nicht mehr aufhören zu spielen. Diese traumhaften Klanglandschaften können schon fast süchtig machen und bei Deaktivierung des Effekts kommt man sich schon fast nackt vor.
Fazit: Mit diesen beiden Pedalen kommt man Andy Timmons Sound verdammt nahe und zudem bekommt man noch unzählige weitere Anregungen für kreative Standgestaltung. Besonders das Halo (ca. 360 Euro) zählt für mich zu den besten Delay Pedalen auf dem Markt, und ich hatte wirklich schon einige zum Test. Auch wenn beide Pedale sehr hochpreisig sind, lohnt sich die Anschaffung. Daumen hoch.
Der deutsche Vertrieb von Keeley & JHS (W-Music Distribution) war so nett uns die beiden Pedale für einen ausgiebigen Test einige Zeit zur Verfügung zu stellen.













