Thomas Godoj ist eine feste Größe im Bereich der deutschsprachigen Rockmusik. Nach dem Sieg von DSDS im Jahre 2008 löste er sich schnell von Bohlen und co und ging erfolgreich seinen eigenen Weg. Ende Mai erscheint nun sein neues (bereits 7tes Studioalbum) „13 Pfeile“, auf dem Thomas Godoj diesmal härter als gewohnt zur Sache geht. (Siehe Review hier auf darkstars.de). Was er uns zum neuen Album und darüber hinaus zu berichten hatte lest ihr in diesem Interview vom 03.05.2018

Chris:
Was kannst du uns über die Entstehung des neuen Albums berichten?

Thomas:
Das neue Album ist das dritte, was ich mit meiner eigenen Plattenfirma TOMZILLA Musik durch Crowdfunding finanzieren konnte. Dafür habe ich ein Projekt auf einer Internetplattform gestartet, die solche Crowdfundings mit Unterstützung einer Treuhandbank betreut. Mit dem Kauf von sogenannten „Dankeschöns“ ist so in einem Zeitraum von 90 Tagen eine Summe zusammengekommen, die es mir nicht nur ermöglicht, die Produktion des Albums an sich zu finanzieren, sondern auch Musikvideos zu drehen und Werbung für das Album über On- und Offlinemedien zu schalten. Zum einen konnte man als „Dankeschön“ natürlich das Album in sowohl digitaler als auch physischer Form vorbestellen, zum anderen gab es projektbezogene, exklusive Produkte und Events, die so nur im Rahmen des Crowdfundings erwerbbar waren, wie zum Beispiel auch die Möglichkeit, mich und meine Band für Wohnzimmerkonzerte zu buchen.

Chris:
War die härtere Grundausrichtung des Albums so geplant oder ergab sich das beim Songwriting?

Thomas:
Harte Zeiten brauchen harte Musik – zumindest gilt das für mich persönlich. Zwei Songs, die mir sehr wichtig sind, haben die aktuelle politische Lage in unserem Land und Europa zum Thema, die mir ganz schön Sorgen macht, andere beschreiben ganz persönliche „harte Zeiten“, die ja jeder von uns mal durchlebt. Wobei das Album ja musikalisch gesehen nicht durchweg „auf die 12“ gibt, es sind ja auch ein paar Song der ruhigeren Gangart darauf zu finden. Ich bin mit diesem Album ganz bewusst und gewollt wieder näher an meinen eigenen musikalischen Ursprung gerückt. Wenn man sich treu ist und das macht, was einem tatsächlich selbst am besten gefällt, umso authentischer und glaubwürdiger ist man als Künstler für die Leute da draußen. Und das ist ja nach wie vor mein Wunsch, Leute zu erreichen, sie vielleicht zum Nachdenken bringen, ihnen aus der Seele sprechen, sie musikalisch und textlich vom Hocker zu reißen und einfach „abzuholen“.

Chris:
Hast du keine Angst das Pop Publikum durch die harten Tracks zu verschrecken?

Thomas:
Nein, eigentlich gar nicht. Das Feedback, was ich von meinen Fans auf Konzerten bekomme, hat mir gezeigt, dass die Leute wirklich auch auf die eher härter ausgerichteten Songs abfahren.

Grade live haben wir da auch immer noch ’ne Schüppe draufgelegt. Wir haben bei „13 Pfeile“ versucht, diese Live-Energie auch auf Platte spürbar zu machen. Ich mag auch die ruhigeren Nummern, so ist das nicht, daher wird auch bei zukünftigen Konzerten jeder ein Stück weit auf seine Kosten kommen. Und wem dieses Album jetzt nicht so zusagt, der hat ja noch die Möglichkeit, sich die sechs Vorgänger-Alben durch zu hören. Man ist ja auch nicht jeden Tag in der selben Stimmung und man hört ja auch nie nur ein- und dieselbe Musik.

Chris:
Wie würdest du deine Position in der heutigen Musikwelt mit den ganzen Streaming Portalen und stark veränderten Musikmarkt sehen?

Thomas:
Es gilt auch hier: Es sind „harte Zeiten“ im Musikbusiness – wir befinden uns da einfach seit einigen Jahren in einem krassen Wandel. Als ehemaliger Castingshowgewinner flieg ich ja ohnehin seit 10 Jahren eher unterm Radar der Radio- und TV-Sender, daher ist die Entwicklung Richtung Streaming Portale für mich eigentlich eher positiv. Da weiß ich dann ganz real und direkt wie den Leuten meine Musik gefällt. Klar, jemand der in den Charts ist, seine Airplays im Radio hat und auch regelmäßig im TV präsent ist, wird auch auf Streaming Portalen mehr abgespielt. Aber schön ist doch, dass die Leute es viel mehr selbst bestimmen können, was sie hören wollen. Ich bin sicher, dass sich im Laufe der nächsten Jahre da auch etwas hinsichtlich der finanziellen Ausschüttungen tun wird. Dank des Crowdfundingerfolges kann ich nun durch gezielte Werbung im Social Media und Streaming Bereich auch wieder mehr Leute auf meine Musik aufmerksam machen und so kommen vielleicht auch einige auf den Geschmack, meine Band und mich auf Konzerten zu erleben. Wir leben als Musiker ja für und vor allem auch von unseren Live-Auftritten.

Chris:
Du bist ja durch den Gewinn von Deutschland sucht den Superstar im Jahre 2008 bekannt geworden, hast dann aber schnell Abstand von Bohlen und Co genommen? Wie siehst du heute diese Zeit?

Bildnachweis: Julia Scheibeck // www.junited.photography
Thomas:
Das war damals ein wichtiger und emotionaler Zeitpunkt in meinem Leben. Ich war ziemlich frustriert, weil ein eigentlich vielversprechendes Bandprojekt (Wink) leider trotz super Musikern, tollem Produzenten (Matthias Hoffmann), viel Energie, Leidenschaft und Glaube an die Sache von allen Beteiligten, doch gescheitert ist. Ich hatte mein Studium an den Nagel gehängt, um mich ausschließlich der Musik zu widmen. Als das dann alles den Bach runterging, suchte ich einfach eine Möglichkeit, um zu herauszufinden, wo ich stimmlich stehe und ob ich eigentlich irgendwen da draußen erreichen kann mit dem was ich kann. Damals war das Format auch noch nicht so sehr verschrien und es gab noch diese Altersbeschränkung – ich war 29 und bis 30 konnte man sich bewerben. Das hat zusätzlich nochmal zur Entscheidung teilzunehmen beigetragen. Wie heißt es so schön? Hinterher bereut man nur die Dinge, die man NICHT getan hat. Und so ist es letztlich auch.
Der Sieg hat mir schließlich ermöglicht, heute immer noch von der Musik leben zu können. Viele meiner damaligen Fans halten auch heute noch fest zu mir, kaufen meine Platten und kommen zu den Konzerten. Darüber bin ich sehr froh und auch ein bisschen stolz, auch wenn man sich in der allgemeinen Wahrnehmung manchmal etwas „abgestempelt“ fühlt.

Chris:
Wie ist dein Status in deinem Herkunftsland Polen? Gibt es eventuell Pläne für ein polnischsprachiges Album? Du hast ja schon mal einen Song in polnischer Sprache gemacht. Gehst du dort auch auf Tour?

Thomas:
Also ich spreche polnisch ungefähr so gut wie ein Sechsjähriger – wie ich heute (und ob überhaupt noch) in Polen wahrgenommen werde, weiß ich ehrlich gesagt nicht. Ich hatte mal, wie du richtig sagst, einen Song in polnischer Sprache und ich bin auch 2011 in Gogolin aufgetreten. Aber sonst habe ich in meinen Songs, bis auf wenige englische Ausnahmen, ausschließlich deutsche Texte. Wer mich als Veranstalter in Polen mit meiner deutschen Musik buchen will, der kann sich gerne an meine Booking Agentur Lautstrom.de wenden. Ich bin da jedenfalls für alles offen, es ist aber bisher nichts geplant.

Chris:
Wie sieht so ein typischer Tagesablauf bei dir aus und wie schaffst du es Musik, Vermarktung, Tourneen und Familie unter einen Hut zu bekommen?

Thomas:
Augen auf, aufstehen, Kaffee, Dusche. Hin- und wieder ist auch mal ’ne Sporteinheit drin, vor allem vor der Tour. Was gesundes zum Frühstück. Dann ist Team-Zeit. Ich habe zum Glück ein tolles Team hinter mir, das mir in eigentlich allen Business-Belangen zur Seite steht. Da wir alle in verschiedenen Städten Deutschlands wohnen, erfolgen Rücksprachen und Planungen natürlich oft per Laptop oder Handy. Meine Familie hilft auch mit, wo es nur geht. Das fängt mit meinen Kids an, die sind jedenfalls die besten Testhörer und ihre Meinung ist mir sehr wichtig. Meine Mutter unterstützt mich bei den Bestellungen, die in meinem Merch-Shop eingehen. Mit meiner Freundin schreibe ich Songs, dazu ist sie Fotografin und lichtet mich für Presse und Promo-Material professionell ab. Eigentlich alles in allem ein kleines, feines Familienunternehmen. Ich versuche jede freie Minute mit meinen Kindern und meiner Familie zu verbringen, das ist leider in Zeiten wie diesen, wo die Veröffentlichung eines Albums kurz bevor steht, Videodrehs, Konzerte und Promo-Termine anstehen, sehr schwierig. Aber nicht unmöglich. Ich bin auf jeden Fall sehr dankbar, alle Menschen, die mir wichtig sind, an meiner Seite zu wissen und auf ihre Unterstützung zählen zu können, das ist echt unbezahlbar!

Chris:
Vielen Dank für das tolle Interview und als Live Tipp für alle noch die anstehenden Konzertdaten. Ein Konzert von Thomas Godoj solltet Ihr nicht verpassen. Und natürlich sei auch der Kauf seiner neuen CD „13 Pfeile“ Euch ans Herz gelegt.


* Werbung mit Transparenz: Durch den Einkauf von Produkten über die hier gesetzten Amazon-Links kann das Fan-Projekt darkstars.de Provisionen erhalten, die zur Deckung der Serverkosten aufgewendet werden. Der CD-Kauf hilft zu einem dem Projekt und zum Anderen den Künstler (also in dem Fall Thomas Godoj). Für Euch als Käufer ist die Sache preislich kein Nachteil. Siehe auch Datenschutz.


Konzertdaten 2018:
3. Oktober 2018 @ Nürnberg (Der Hirsch)
4. Oktober 2018 @ München (Backstage)
5. Oktober 2018 @ Frankfurt (Bett)
6. Oktober 2018 @ Hannover (Lux)
7. Oktober 2018 @ Hamburg (Knust)
25. Oktober 2018 @ Berlin (Frannz Club)
26. Oktober 2018 @ Leipzig (Moritzbastei)
27. Oktober 2018 @ Göttingen (Exil)
7. Dezember 2018 @ Recklinghausen (VestArena)

Titelfoto: Julia Scheibeck // www.junited.photography

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here