Jutta Weinhold ist eine Pionierin der deutschen Rockmusik. Begonnen hat alles 1969 mit Musicals, Rock und Blues. More heavy wurde es dann 1982. Als eine der ersten brachte sie 1982 zusammen mit dem damaligem “Zeltinger“ Gitarristen Alex Parche (RIP 2009) mit der Band „Breslau“ Hardrock mit deutschen Texten heraus. 1985 fand sie mit ihrer Band „Zed Yago“ zum Heavy Metal (nun mit englischen Lyrics) und 1988 erschien der Genre Klassiker „From over Yonder“. Nach dem noch erfolgreicherem zweiten Album „Pilgrimage“ nannte sich die Band aufgrund von Namensrechtsstreitigkeiten in „Velvet Viper“ um. Es erschienen drei weitere Platten, die letzte: To be or not mit der Prager Metalband Citron, die allerdings nicht mehr an die großen Erfolge von „Zed Yago“ anschließen konnten und die Band löste sich 1993 auf. Jutta Weinhold arbeitete nach dem Ende der Band als gefragte Session und Studio Sängerin und brachte ab und an Platten unter dem Namen „Weinhold“ heraus. Nun gut 25 Jahre später meldet sich Jutta mit „Velvet Viper“ und dem saustarken Album „Respice Finem“ ist lateinisch und heißt: „bei allem was du tust, tue es klug und bedenke das Ende“ (siehe auch Review hier auf darkstars.de) zurück. Wie es dazu kam und wie die Pläne für die Zukunft aussehen hat mir Jutta in einem Telefoninterview am 17.03.18 verraten.

Chris:
Wie kam es zu der Neuauflage von Velvet Viper?

Jutta:
Ich konnte von 1993 bis 2010 meine Zed Yago Songs nicht mehr singen. Es hat mich immer sehr traurig gemacht und unglücklich. Als ich allerdings 2011 mein Buch: „Die Tochter des Fliegenden Holländers auf der Suche nach der verlorenen Phantasie“ in den Händen hielt ist der Knoten geplatzt und ich war bereit meine alten Song wieder zu zelebrieren. Habe eine Band zusammen gestellt und los gings. Bald kam auch mein Bubi The Schmied dazu und wir hatten wieder den Spirit von damals.
Mein erstes Metal-Festival 2014: wir fangen mit dem Song Zed Yago an und jetzt bekomme ich noch mal Gänsehaut, wenn ich daran denke; das Publikum hat den Refrain mitgesungen und ich stand auf der Bühne und dachte: ok Jutta wenn du jetzt tot umfällst dann ist es völlig in Ordnung, denn mehr geht nicht. Es war der Hammer und so wusste ich, dass ich auf dem richtigen Weg bin. Die Leute waren so begeistert, dass ich die Songs von damals wieder singe. Es war ein berührendes Gefühl, denn sie hatten mich nicht vergessen.

Chris:
Warum hatte es 25 Jahre gedauert?

Jutta:
Von da an hatte ich den Wunsch noch mal eine Hard und Heavy CD zu produzieren. Also fing ich an Songs zu schreiben. Zusammen mit dem großartigen Gitarristen aus Hannover Holger Marx. Er ist ein feiner Mensch und sehr sympathisch. Wir können bestens miteinander arbeiten. Letztes Jahr bzw. 2016 waren wir soweit haben Demos gemacht und ich nahm Kontakt mit Kai Hansen auf. Obwohl Kai schon in den Vorbereitungen für die Helloween Welttournee steckte, hat er sich die Zeit genommen und uns auf den rechten Weg gebracht. Er ist ein absoluter Könner und weiß worum es geht. Außerdem ist er sehr nett und die Produktion ist super gelaufen. Im Mai 2017 waren wir fertig und Eike Freese hat im Chamelion Studio in Hamburg die Platte gemischt.
Mein Ziel 2015 war: zu meinem 70. Geburtstag im Oktober 2017 noch einmal eine Heavy CD in den Händen zu halten und es hat geklappt. Demut beschleicht mich zeitweise, wenn ich daran denke, dass ich immer noch singen kann was ich singen will in jeder Tonart. Danke meine Eltern für die Gene und danke dem Rock ’n roll für den Spirit.

Chris:
Wie hast du die anderen Bandmitglieder gefunden?

Jutta:
Das ist immer eine große Suche und ein noch größeres Ausprobieren. Manchmal passt es musikalisch sehr gut aber menschlich nicht und so zieht sich eigentlich die Musikersuche wie ein roter Faden durch meine fast 50 Jahre Rock n ‚ roll. Eigentlich sollte Bubi The Schmied dabei sein bei Velvet Viper. Aber Bubi hatte letztes Jahr schon sehr große gesundheitliche Probleme und es ging nicht. Wir haben auf der Platte deswegen mit Michael Ehre gearbeitet und Michael hat das sehr gut gemacht. Wir alle hatten die Hoffnung, dass Bubi 2018 wieder gesund wird aber leider hat er am 2.1.2018 aufgehört zu atmen. R.I.P. mein Bubi The one and only Schmied.
Auf der Platte hat Uwe Seemann den Bass gespielt. Aber bei Uwe gab es terminliche Probleme. Er macht viele andere Jobs und er konnte uns nicht so zur Verfügung stehen, wie wir das brauchen für den Neustart von Velvet Viper.
Das endgültige Line up ist: Holger Marx Gitarre, Micha From, Drums und Ron Oberbandscheid, Bass plus der unermüdlichen Jutta -smile-

Chris:
Wie sind die Songs entstanden?

Jutta:
Ich bin ein sehr kreativer Mensch und habe viele Ideen und noch mehr Phantasie. Ich schreibe die Texte und habe oft schon eine Melodie dafür im Kopf, dann treffe ich mich mit Holger und wir erarbeiten die Musik. Das klappt sehr gut. Oft hat Holger auch ein Riff und ich überlege mir einen Text plus Melodie dazu. Feines Arbeiten. Wenn die Basis steht, treffen wir uns mit der ganzen Mannschaft im Übungsraum und bringen alles dahin wo es hin gehört. Dramatisch, heftig, gut -smile-

Chris:
Was erwartet uns auf der Tour bezüglich der Setliste?

Jutta:
Wir werden die Platte spielen und natürlich auch ein paar Zed Yago und Velvet Viper Songs von damals…..Die gehören dazu..

Chris:
Wie bist du an Produzent Kai Hansen gekommen?

Jutta:
Ich kenne Kai schon sehr lange und als es daran ging die Platte aufzunehmen wollte ich einen absoluten Profi mit dem richtigen Gespür für meine Musik. Kai war zwar zu der Zeit in den Vorbereitungen zu der Helloween Tour, aber für mich nahm er sich die Zeit. Kai ist ein Könner und weiß was Sache ist, außerdem ist er ein sehr netter Mensch. Wir haben uns sehr gut verstanden und hatten den Spirit.

Chris:
Glaubst du das es möglich ist in der sich stark veränderten Zeit mit sinkenden CD Verkäufen, Streaming Portalen und überlaufenem Livemusik Markt noch Erfolg zu haben?

Jutta:
Ja das ist ein Problem speziell für die dritte und vierte Liga. Es gibt nur noch wenige Clubs, die sich erhalten konnten und die zahlen oft keine Festgagen mehr, für eigene, kreative Musik, weil das Publikum ausbleibt. Wir kommen noch klar damit, a) weil ich ein alter Rock-Indianer bin und ein paar Fans habe, die zu unseren Gigs kommen, die Platten kaufen ect. und b) weil wir unseren alten Zed Yago Manager Willi Wrede wieder im Boot haben. Er macht das Booking für uns was eine kolossale Entlastung ist.
Für mich war die Rockmusik in den sechzigern meine Kulturrevolution. Sie hat mich so besetzt, dass ich keinen anderen Wunsch hatte als den, damit mein Leben zu verbringen.
Es ist schade, dass die jungen Generationen so etwas nicht mehr erleben können.
Mir tut es leid um die jungen, kreativen Menschen, die keine Gelegenheit mehr haben von ihrer Kunst zu leben. Das ist ein Verlust für unsere Gesellschaft. Wenn man arbeiten muss um die Miete zahlen zu können, dann rutscht Musik und Kreativität an die zweite oder sogar an die dritte Stelle und ist nunmehr nur noch ein Hobby. Wirklich schade das ganze.

Chris:
Wie schaffst du es mit immerhin 70 Jahre deine Stimme in Form zu halten und woher nimmst du immer noch die Energie für schweißtreibende Live Konzerte? Hast du da eine Formel oder ein Rezept?

Jutta:
Wir wissen, dass man im Rock ’n roll jung stirbt oder gar nicht. Das Erste kann mir schon nicht mehr passieren. Glückskind!
Das Alter ist relativ. Ich halte mich und meine Stimme in guter Verfassung indem ich mich einfach mit Gesang befasse, viel singe, eine gute Atemtechnik habe und gesund lebe. Dabei hilft mir meine Arbeit in der Musikschule. Ich habe seit 1994 dort einen Gospel-Rock-Chor in der Musikschule Hanstedt. Learning by doing, regelmäßig jeden Dienstag. Meine Elfen und ich sind jedesmal voll begeistert.
Seit 1982 trinke ich keinen Alkohol und rauche auch nicht. Man muss schon auf sich achten und ein Rock`n Roll Lifestyle ist für die Stimme nicht unbedingt förderlich. Die 70ger Jahre waren Sex and Drugs and Rock ’n Roll meine Sturm- und Drangzeit. Aber irgendwann muss man sich entscheiden, will ich Musiker werden oder Alkoholiker -smile- Diesen Punkt hatte ich 1982 und von da an ging es Bergauf.
Ich nehme Musik ernst und möchte immer 100 % geben. Rock Musik im weitesten Sinne ist nicht nur Kommerz und Konsum, ist nicht nur Party und Unterhaltung. Ich singe einen Ton, der Ton hat ein Wort und das ist die Botschaft.
Und bei jedem Gig reiße ich mir den A… auf um beides rüber zu bringen. Ich bin der Meinung, dass Musik und die Lyrics auch etwas anstrengend sein dürfen. Denn nur, wenn ich mich intensiv damit befasse erkenne ich den Wert und kann ihn für das Leben nutzen.

Mein Schlußsatz für die Leser Deines Mags: Geht in die Clubs schaut euch Bands an, die eigene, kreative Musik spielen nur so kann man die Clubs erhalten, die Musiker und letzten Endes diese geile Musik.
Ich werde öfters gefragt, was man machen kann um ein guter Musiker, Sänger zu werden……. mein Ratschlag: Du musst Musik machen, die deiner Mentalität entspricht, dann bist Du das Original und gehst in die Geschichte ein.

Velvet Viper


Velvet Viper on Tour 2018

05.04 Hamburg – Logo
06.04 Lüdenscheid – Dahlmann Club
07.04 Hagen (Teuteburger Wald) – Saal Stock
09.05 Dortmund – Musiktheater Piano
10.05 Hamburg – Hafen Open Air
13.07 Motorcycle Jamboree Altes Lager Jüterbog
24.08 Burg Greifenstein/Hessen Dynamite Night
08.09 Tipsy Apes Hamburg
29.09 Hinte – Coast Rock Open Air
06.10 Haßfurt, Small Animal Rock Hall
18.10. Augsburg Spectrum
02.11 Stemwede – Live House
03.11 Ludwigsburg, Rockfabrik
22.11 Miltenberg – Beavers
23.11 Olching – Legends Lounge
24.11 Burglengenfeld – VAZ

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